Interview: THE RED PAINTINGS

The Red Paintings, © Thomas Bunge
Geschätzte Lesezeit: 6 Minute(n)

Vier Menschen in aufwendigen KostĂŒmen, vier Instrumente und eine unverwechselbare Stimme – The Red Paintings haben sich in den vergangenen Jahren den Status eines absoluten Geheimtipps erarbeitet. SĂ€nger, Frontmann und Songschreiber Trash McSweeney hat aber grĂ¶ĂŸere PlĂ€ne: Mit dem im Februar 2019 erscheinenden zweiten Album soll die nĂ€chste Stufe auf der Karriereleiter erklommen werden – unter anderem mit Mithilfe des langjĂ€hrigen Nine Inch Nails-Co-Produzenten Alan Moulder. Vorab prĂ€sentieren The Red Paintings die neuen StĂŒcke im Oktober auf Tournee. Wir plauderten vorab mit McSweeney ĂŒber die Platte, Tiere, Aliens und vieles mehr.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Trash, zunĂ€chst mal: Wer die Red Paintings noch nie live gesehen hat – was kann man von Euren Shows erwarten?
Unsere Auftritte sind weniger Konzerte im klassischen Sinn, als vielmehr Performance-Kunst-Events, natĂŒrlich aber schon mit Fokus auf das Musikalische. Lokale KĂŒnstler werden in unsere Shows eingegliedert und bemalen entweder menschliche Körper oder LeinwĂ€nde in Echtzeit, um die „Katharsis“ der Musik kĂŒnstlerisch auszudrĂŒcken. Die Auftritte sind sehr theatralisch und vermischen Musik und Visuelles zu einer viszeralen Erfahrung, die das Publikum fesselt. Wer in irgendeiner Form als KĂŒnstler Teil der Show werden will, kann sich gerne bei uns melden.

Wie wĂŒrdest du Eure Musik beschreiben, welche KĂŒnstler hatten den grĂ¶ĂŸten Einfluss auf Euch?
Wir sind ein Orchestral-Art-Rock-Kollektiv. EinflĂŒsse sind Air, Björk, Arcade Fire, NIN, Mark Ryden und unsere Umwelt.

Der Release des DebĂŒtalbums The Revolution Is Never Coming ist schon mehr als fĂŒnf Jahre her. Warum dauert(e) es so lange bis zum Zweitling?
Wenn man keine UnterstĂŒtzung der Musikindustrie erhĂ€lt und fast alles alleine machen muss, ist es sehr schwierig, einen weltweiten Release zu verwirklichen. Die Alben beinhalten viel Instrumentarium und obskure Kompositionen, in das neue setze ich grĂ¶ĂŸte Hoffnungen. Deswegen wollte ich unbedingt mit Produzenten und Mixing-Meistern wie Alan Moulder und Tom Lorde Alge sowie in den besten Studios der Welt arbeiten, z. B. in den East West Studios in Hollywood.

Es war schwierig. Ich spielte ein „supererfolgreiche Band“-Business – mit einer Band, die einen solchen Erfolg nun mal nicht hat. Ich hatte GlĂŒck, dass sich einige TĂŒren öffneten und die Leute auch mit mir arbeiten wollten. Es dauerte leider eine lange Zeit, sodass es schwer war, den Fokus aufs Wesentliche zu behalten. Letztendlich hat es geklappt, das Album ist fertig, ich bin zwei Jahre lang um die Welt gereist und habe mit Leuten und in Studios gearbeitet, von denen viele nur trĂ€umen können.

Bei Problemen in Sachen Albumproduktion: Welche Tipps kannst du anderen talentierten Musikern geben?
Denk daran, dass die Zeit dir irgendwann alle Sorgen nehmen wird. Es kommt der Tag, an dem man das in den HĂ€nden hĂ€lt, woran man so lange gearbeitet hat. Nichts Großartiges und Schönes fĂ€llt uns einfach so in die HĂ€nde. Du musst hart arbeiten – dann spĂŒren auch die Fans und Zuhörer, wie viel Leidenschaft in dem Ergebnis steckt.

Was wie schon auf dem Erstling auffÀllt: Tierrechte sind dir verdammt wichtig, nicht wahr?
Ich lebe dafĂŒr. Ich glaube, wir können glĂŒcklich sein, zu leben und saubere Luft zu atmen. Das Pflegen des Planets und der Tiere hier ist von höchster Bedeutung. Ich esse keine Tiere und werde es niemals tun, ich war schon in SchlachthĂ€usern, habe die Schmerzen in den Augen der Tiere und ihren Überlebenswillen gesehen – ich möchte da nichts Negatives hinzuaddieren. Tiere sollten geliebt und nicht fĂŒr Essen oder aus Spaß getötet werden. Tierversuche, Wildereien, Jagd, das Enden des Tieres als Ornament im Haus – das macht mich alles richtig wĂŒtend. Wer sowas tut, ist fĂŒr mich jemand, der selbst gejagt werden sollte.

Hast du Haustiere? Dienen Tiere als Inspiration fĂŒr Texte oder deine Kunst?
Ich reise so viel und habe so viel mit TRP zu tun, dass ich aktuell nicht genĂŒgend Verantwortung fĂŒr ein Haustier ĂŒbernehmen kann. Wenn sich dies irgendwann mal Ă€ndert und sich die Situation rund um TRP beruhigen wĂŒrde, möchte ich ein Tierheim oder – im Erfolgsfall – mehrere Tierheime leiten. Das aktuelle Album ist ein „Tierrechte-Album“. Ich bin stark davon beeinflusst, hingegen bin ich nicht der Richtige, um Liebeslieder zu schreiben. Das ĂŒberlasse ich anderen.

Ist das neue Album darĂŒber hinaus politisch motiviert?
Es ist ein Kriegsalbum, die Messages sind eindeutig und direkt. Wir leben halt in einer ungerechten Welt.

The Red Paintings Music Video ''Wasps"

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Schon lĂ€nger spielt Ihr live ein Cover von Michael Jacksons Hit They Don’t Care About Us. Warum gerade dieser Song?
Ich denke, der Song erzĂ€hlt auch heute noch viel Wahres ĂŒber die amerikanische Gesellschaft. Zudem denke ich, dass er die meisten vom Mensch verursachten Probleme auf der Welt thematisiert. Jackson war eine Ikone und ein KĂ€mpfer, der wahnsinnig viele Menschen erreichte, obwohl viele – gerade aus der Industrie – immer wieder versuchten, ihn fertigzumachen. Ich traute mir zu, dass ich eine zeitgemĂ€ĂŸe Version des Songs aufnehmen könnte, die Jackos Talent, aber auch die „Message“ in den Vordergrund stellt. Mittlerweile ist es ein Highlight bei unseren Shows. Und selbst die, die mit Jacksons Musik nicht so viel anfangen können, können es kaum erwarten, den Song endlich als Studioversion zu hören.

Was die Rechte an diesem Cover angeht, gab es so manche Probleme, die am Ende zum GlĂŒck ausgerĂ€umt werden konnten. Was Ă€rgert dich denn generell an der Musikindustrie?
Wir arbeiten unglaublich hart, um einen frischen, unverbrauchten Sound zu spielen. Wir sind anders, passen nicht in ein definiertes Genre, was es fĂŒr uns schwierig macht. WĂŒtend macht mich, wenn Leute aus der Industrie dann sagen, wie toll sie uns finden, aber uns dann in eine andere Band verwandeln wollen, damit „ihr endlich Erfolg habt“. Warum können wir nicht einfach sein und bleiben, wer wir sind? Wir werden uns nicht zu etwas machen lassen, was wir nicht sind. Anscheinend kennen diese Leute unsere Fan-Base auch nicht. Versteh bitte, was The Red Paintings ausmacht, bevor du versuchst, uns zu erklĂ€ren, was wir tun sollen, um Erfolg zu haben.

TRP sind ein internationaler Act. Du kommst aus Australien, die Violinistin zum Beispiel aus Griechenland. Trotzdem tourt Ihr in den vergangenen Jahren regelmĂ€ĂŸig durch Deutschland und spielt massig Konzerte vor 50, 60 Personen. Wie kann man sowas finanzieren?
Es ist sehr, sehr, sehr, sehr hart. Aber ich habe gelernt, mit Schulden zu leben und mein Fokus liegt fest entschlossen darauf, diese Band nach oben zu bringen. Die „Yellow Brick Road“ (fiktives Element im Kinderroman Der Zauberer von Oz2, Anm. d. Red.) wird weiter gebaut, Stein fĂŒr Stein fĂŒr Stein. Aktuell leben wir alle in London, tatsĂ€chlich kommen die MĂ€dels aber allesamt aus verschiedenen LĂ€ndern und Kulturen.

Ist das deutsche Publikum anders als das in anderen LĂ€ndern?
Wie du schon sagtest: wir kommen immer wieder hierhin zurĂŒck. Das sagt alles. Wer uns liebt, dem folgen wir gerne. 😉

Sind The Red Paintings eigentlich eine „richtige Band“ oder doch eher „deine Band“?
Ich schreibe das gesamte Material und diktiere auch viel von dem, was die Band live spielt und wie sie es spielt. Unsere Violinistin Alix weiß allerdings wahnsinnig viel ĂŒber Musik und steuerte tolle Ideen und Arrangements fĂŒr das neue Album ein. Generell gilt: Ich arbeite mit Session-Musikern bei den Aufnahmen und mit einer festen, nur aus Frauen bestehenden Band bei Live-Konzerten. Es ist eine sehr transparente Vorgehensweise, jede(r) Beteiligte weiß, wo er/sie steht. Es gibt da also keine Verwirrungen, alles ist eindeutig und sehr produktiv.

The Red Paintings 2018 Promotional Video

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Wie man bei Betrachtung von Album-Artworks, T-Shirt-Designs, BĂŒhnenkostĂŒmen und -aufbau sehen kann, spielen Kunst und Malerei eine große Rolle. Wer ist neben dir dafĂŒr verantwortlich?
Wie der Bandname schon sagt: Malerei ist fĂŒr uns so wichtig wie die Musik, sie ist Teil des Band-Ethos. Meistens arbeite ich mit einer Grafikdesignerin aus Australien. Sie ist meine beste Freundin und hat mich ĂŒber all die Jahre begleitet. Ihr KĂŒnstlername ist „Bambi Wants Revenge“. Generell arbeite ich aber gern mit jedem, zu dem ich eine Verbindung spĂŒre. FĂŒr dieses Album habe ich auch mit KĂŒnstlern aus Deutschland und den USA zusammengearbeitet.

Was war denn das Seltsamste, was jemals jemand wÀhrend einem Eurer Konzerte auf einen menschlichen Körper gemalt hat?
Gute Frage. Da gab es so viele großartige Werke, die fĂŒr mich alle gleich viel wert sind. Ich habe kein bestimmtes in Erinnerung. Es sind BĂŒhnenkollaborationen zwischen Band und Maler, bzw. „menschlicher Leinwand“. Wenn alle auf der BĂŒhne eine kreative Verbindung spĂŒren, bringt das die Shows auf ein völlig neues Level.

Ihr habt immer ein Alien in einem Glas auf der BĂŒhne. Warum? Und glaubst du an Aliens?
Ja, sein Name ist Elliot. Und ich glaube daran, dass es etwas GrĂ¶ĂŸeres gibt als die menschliche Rasse. In meinen Augen werden wir Menschen seit Jahrhunderten beobachtet. Ich glaube aber nicht an religiöse Ideale. Ich denke, es muss im Leben mehr geben, als von weißen MĂ€nnern regiert zu werden, die fĂŒr die ultimative Macht und Kontrolle lĂŒgen.

Abschließend: KĂŒnstler, mit denen du gerne mal zusammenarbeiten wĂŒrdest:
Arcade Fire und Air.

Und: Eine junge Band, die du unseren Lesern empfehlen kannst:
Husky Loops. Eine coole Band, die etwas Frisches kreiert und abseits eingefahrener Grenzen denkt.

Termine The Red Paintings – Out Of Oxygen Tour 2018:

05.10.2018 Hamburg, Honigfabrik
06.10.2018 LĂŒbeck, Treibsand
08.10.2018 Reutlingen, Franz K
09.10.2018 Köln, Sonic Ballroom
10.10.2018 Wiesbaden, Kreativfabrik
11.10.2018 Bielefeld, Forum
12.10.2018 Hameln, Autumn Moon Festival
13.10.2018 Augsburg, City Club

tickets

The Revolution Is Never Coming

Preis: EUR 26,82

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6 neu & gebraucht ab EUR 12,98

Geschrieben von
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