TUROCK OPEN AIR FESTIVAL 2018 – Essen (17. & 18.08.2018)

TUROCK OPEN AIR FESTIVAL 2018 - Essen (17. & 18.08.2018)
Kataklysm ©Marcus Nathofer
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Die heißen Tage 2018 sind vorbei. Zeit die Luft mit guter Musik und Stimmung wieder anzuheizen. Das Turock Open Air öffnet auch 2018 wieder seine Tore. Früher ist die Bühne am Viehofer Platz noch ein Teil von Essen Original gewesen. 2017 trennt man sich Aufgrund von zu hohen Sicherheitsansprüchen und den damit verbundenen Kosten. Das Publikum aus dem Genre Punk, Metal und Hardrock versteht es eben zu feiern. Sehr erfreulich ist es daher, dass der Veranstalter ganz klar sagt: Das Festival finanziert sich durch den Merch- und Getränkeverkauf und ist frei zugänglich. Für die Sicherheit gibt es Eingangskontrollen und ausreichend Sicherheitspersonal. Bei den mehr als fairen Getränkepreisen fragt man sich, wie sich das am Ende alles rechnet. Das Festival bietet über zwei Tage ein sehr anspruchsvolles Line-up mit vielen nationalen sowie internationalen Bands aus den USA, Kanada und Japan. Es ist toll, dass es Events dieser Art noch gibt.

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Der Freitag beginnt um 15:00 Uhr mit den New Yorkern Uncured. Die vier jungen Männer standen schon als Support von Bands wie Children of Bodom und Cradle of Filth auf der Bühne. Was hier als Opener abgeliefert wird, ist mehr als nur support- verdächtig. Die Band bringt direkt mächtig Stimmung in das noch sehr überschaubare Publikum. Motorowl mit ihrem Doom Metal lassen die dann eher wieder etwas abkühlen. Sie setzen halt mehr auf den melodiösen Part. Die Stücke erinnern etwas an Grunge oder den Gothrock der Neunziger.

Geil, geiler geht es dann bei Watch Out Stampede ab. Die Bremer Musiker liefern echt gelungenen Post Hardcore ab. Heftige Shouts treffen auf glasklare Refrains. Ein Stil, wie man ihn ähnlich von Emil Bulls kennt. Die noch recht junge Band ist 2011 gegründet worden und stand auch schon auf Wacken Open Air 2016 im Bullhead-City-Circus-Zelt. Derzeit haben sie ihr aktuelles Album Svtvnic im Gepäck. Vielversprechender Nachwuchs in ihrem Genre. Gute Laune Mucke, die auch die Chillout-Phase der dazu gestoßenen Zuhörer beendet.

Viel ruhiger und mit klarem Gesang starten die Stuttgarter Alternative Metaller Farmer Boys. Ja es gibt sie noch, oder wieder oder immer noch. Farmer Boys wurden 1994 gegründet. Eigentlich dachte man nicht, von der Band noch mal etwas zu hören, da es kurz nach ihrem letzten Album 2004 doch sehr ruhig um die Musiker wurde. Doch irgendwie ist es wohl nur eine kleine Pause geworden und im April 2017 gibt es dann auch wieder etwas Neues auf die Ohren in Form einer Mini-EP. Mit jedem Song kommt mehr Leben in die Musiker und in die Musik. Und als am Ende der Klassiker Here Comes The Pain aus den Boxen dröhnt, hat man das Gefühl, sie sind wieder back to the roots.

Während am Anfang noch Bedenken wegen der Zusammenstellung des Line-ups aufkamen, so empfinde ich es nun als Zuhörer sehr angenehm. Der Wechsel zwischen dem Extremen und der gemäßigten Schiene kommt gut bei den Zuhörern an.

Kommen wir zum Punk, der an diesem Tag mit zwei Bands der Extraklasse besetzt ist. Serum 114, eine Band, von der ich schon viel gehört habe, durfte ich nun endlich auch mal live erleben. Die Frankfurter wurden mir schon oft empfohlen, und das mit recht. Mit guten Texten und ordentlichem Punkrock verstehen sie zu begeistern und das Publikum mitzureißen. Sie lieben und leben den Punk und das kommt an und rüber. Auch wenn der Viehofer Platz nicht vollständig gefüllt ist, so ist die Stimmung grandios. Zum Ende hin nimmt Sänger Esche ein Bad in der Menge, um beim Crowdsurfing ein Bierchen zu genießen.

Setlist SERUM 114 @ Essen, Turock Open Air (17.08.2018):

01. Wo wir zu Hause sind
02. Sorgenkind
03. Kopfüber ins Nichts
04. Du bist zu fett
05. Ich bin so
06. Junge, dein Leben
07. Illegale Fans (Deichkind Cover)
08. Wilde Zeit
09. Stadt die wir lieben
10. Killing in the Name (Rage Against the Machine Cover)

Als vorletzter Act an diesem Abend steht Jasta alias Jamey Jasta und Bandmit einer kleinen Armada von Gastmusikern auf der Bühne. Der US-amerikanische Metal-, Sludge Sänger, auch bekannt als Leadsänger der Band Hatebreed sorgt mit Metalcore für erneute Abwechslung.

Bevor der erste Abend des Festivals ein Ende findet, gibt es mit Slime noch einmal etwas für das alte Punk-Herz. Die Old School Legenden der Szene kommen aus Hamburg und existieren schon seit vier Jahrzehnten. Frei dem Motto Punk never dies kommen ihre provokanten durchdachten Texte immer noch super an. Ein toller Abschluss für den ersten Festivaltag.

Setlist SLIME @ Essen, Turock Open Air (17.08.2018):

01. A.C.A.B.
02. Legal, illegal, scheißegal
03. Sie wollen wieder schießen (dürfen)
04. Alle gegen alle
05. Goldene Türme
06. Brandstifter
07. Für alle Zeit
08. Deutschland

Tag zwei des Turock O.A. startet mit super Wetter. Auch die Anzahl der Zuschauer vervielfachte sich deutlich zum Vortag. Zudem kommt noch eine große Anzahl an Animationswespen dazu, welche bei unbewegten Metalheads dafür sorgen, dass hier auch jeder zu Bewegung kommt. Und wer nicht ordentlich mitmacht wird dann auch mal gestochen. Zu noch früher Stunde starten die Bands Misanthrop Monarch, Backfired Hate und Messerschmitt. Entweder liegt es am Brumschädel vom Vortag, der Mittagssonne oder kleinen technischen Pannen, dass das Aufwärmprogramm doch sehr schleppend vorankommt.

Erst mit Delirious hat man den Eindruck, dass zwischen Publikum und Bühne nun der Funke übergesprungen ist. Und genau hier steigen wir auch mit unserem Bericht des zweiten Tages ein. Der Trash-Metal aus Hamm und ein paar Biere weiter herrscht wieder ein guter Stimmungspegel. Gerade rechtzeitig um die Exoten Gyze aus Japan in Essen begrüßen zu dürfen. Die zwei Shinomoto Brüder und Aruta Watanabe liefern sehr guten englischsprachigen Death-, Melodic-, Power-Metal ab. Auch optisch stechen die drei aus dem Rest der Bands heraus. Es macht irre guter Laune Gyze zuzuhören und zuzuschauen. Das lockt dann auch den letzten von seinem gemütlichen Chill-out Platz vor die Bühne.

Wer steht als nächstes auf dem Plan? Eine Death-Metal Band aus Schweden mit dem Namen Tribulation. Gerade als man noch vom gelungenen Auftritt von Gyze zehrt, wird man auf’s Neue begeistert. Die geile Mucke und der abgefahrener Style der Band haben Signalwirkung auf das Publikum. Wieder wird es voll vor der Bühne. Und das, was Tribulation präsentiert, ist wirklich Oberklassen-Metal. Verwunderlich ist es da, dass sie noch nicht bekannter sind. Das ist vermutlich auf die Nicht-Kommerzialisierung der heutigen Zeit zurückzuführen. Die härteren Metal Genres sind einfach nichts für die breite Masse. Hier jedenfalls gehören sie mit zu den Highlights des Turock Open Air 2018. Wer sie noch nicht kennt, sollte sie sich als Geheimtipp vermerken.

Vom Death- zum Trash-Metal zurück. Oder Bühne frei für Exhorder aus New Orleans. Die Band ist schon seit den 80ern unterwegs und gilt als Erfinder des Groove orientierten Trash-Metal. Die Stimmung ist nach den letzten Bands auf dem Höhepunkt und Bangen, Pogo sowie Crowdsurfing stehen auf dem Programm. Da bleiben Blessuren nicht aus und auch der Krankenwagen kommt das ein oder andere Mal zum Einsatz. Dabei ist das Festival noch gar nicht am Ende angekommen.

Kataklysm aus Canada stehen als letztes auf dem Programm. Franko-kanadischer Death-Metal bei dem man schon vermutet hatte, dass er es schafft, das Publikum zu motivieren, den Viehofer Platz abzureißen. Die Band zählt in ihrem Genre zu den erfolgreichsten Bands. Und zum Segen der Security bleibt es im Publikum beim bisherigen friedlichen Feier-Level. Mit diesem Hochkaräter endet das Turock Open Air 2018. Ein tolles Festival, welches man ehren und schätzen sollte. Denn so ein Line-up mit freiem Eintritt genießen zu dürfen, ist eine super Leistung vom Veranstalter. Wir sagen Danke! und freuen uns auf das nächste Jahr.

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Fotos: HANNAH GEORGAS

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