WAVE-GOTIK-TREFFEN (WGT) 2018 ‚Äď Montag 21.05.2018

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Der letzte Tag des WGT bricht an und bietet wieder allerlei Gutes im Programm. Wir waren wieder f√ľr euch unterwegs und haben Bilder und Berichte von 17 Konzerten/Lesungen mitgebracht.¬†Viel Spass! Und lasst den Kopf nicht h√§ngen, n√§chstes Jahr ist wieder Pfingsten und dann gibt es auch wieder ein Wave-Gotik-Treffen!

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agra-Treffenpark

19:15 Uhr – FADERHEAD (D)

In your face! Sami Mark Yahya aus Hamburg ist Wunderkind, Arbeitstier und ein ganz kleines bisschen auch enfant terrible. Obwohl eins muss man sagen, auch ein Typ wie Faderhead wird mal erwachsen und so ist in der zw√∂lfj√§hrigen Welle von den Fistful Of Fuck You– ¬†nicht abrei√üen-wollenden Stampfgranaten, so wie heute abend auch mal ein langsameres Lied dabei. Trotzdem der Mann hat von der ersten Sekunde an Party gemacht! Da m√ľssen auch die Zuschauer erst mal mitkommen. Und so zeigt er uns schonungslos, warum er in der obersten Liga bei allem, was elektrisch ist, seit einem dutzend Jahren den Ton mit angibt. Bei Every Hour Kills kommt Daniel Myer auf die B√ľhne und unterst√ľtzt seinen Kollegen. Bei All The Devils greift Sami sogar selbst zur Gitarre, was wer den K√ľnstler selbst kennt eher selten vorkommt: ein seltener und sehr spezieller Moment. Von der Show gibt es ein sehenswertes Behind The Scence Video, das Ihr Euch unbedingt anschauen solltet (verlinken). (DG)

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

20:50 Uhr – GRENDEL (NL)

Seit nunmehr 18 Jahren sorgen Grendel im Bereich Aggro-Tech f√ľr Feinstes auf dem Plattenteller und haben uns letzten Jahr mit Age Of The Disposable Body Album Nummer f√ľnf ins Regal gestellt. Somit sind die Niederl√§nder eine Instanz und gewisserma√üen alte Hasen auf ihrem Gebiet, was zum einen f√ľr eine volle Agra sorgt und zum anderen f√ľr eine erlesene Setlist und dar√ľber hinaus f√ľr Kracherstimmung in der Crowd. Die ist gespickt mit vielen Cyber-Goths – ja es gibt sie noch und ja, hier scheinen sie doch noch eine Heimat zu finden. Zu Anfang geht es noch etwas gediegener los, denn das Trio, deren Namen sich eher wie kryptische Typenbezeichnungen f√ľr Synthesizer lesen, pr√§sentiert Songs vom neuen Album, das f√ľr Grendel-Verh√§ltnisse etwas gedeckter ausgefallen ist. Die Performance ist wie immer sehr actionreich und emotional aufgeladen und auch vor der B√ľhne wird gestampft und F√§uste werden Richtung Hallendecke gesto√üen. Gegen Ende des Sets gibt es dann auch noch die wohlverdienten Evergreens wie Timewave Zero und Harsh Generation. Sehr gut! (DS)

22:25 Uhr – GOD MODULE (USA)

Und dann ist es auch schon soweit: Mit God Module, dem Headliner des heutigen Abends, geht das 27. Wave-Gotik Treffen 2018 zu Ende. Das wei√ü auch Mark Benecke zu berichten, seines Zeichens Madendoktor und Maskottchen des WGT, dem die Ehre zuteil wird, die letzte Band anzuk√ľndigen. Er betont noch einmal, wie toll es war, immer ist, wie einzigartig das WGT auch weltweit ist und wie friedlich wir hier immer alle beieinander sind. Danke! Dann geht‚Äôs los mit God Module. Die Aggro-Tech Formation aus Florida hat auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel und sich √ľber die Zeit eine ansehnliche √ľberaus erfolgreiche Diskographie erarbeitet. Damit ist der Headliner-Slot wohlverdient, das merkt man auch in der Agra: Die Leute sind guter Dinge und tanzen sich schon mal warm f√ľr den Auftritt. Es ist immer noch sehr voll und stickig, viele sind schwei√ügebadet, aber jeder findet sein Pl√§tzchen zum tanzen. Jasyn Bangert hat seinen Mikrost√§nder mit einem kahlk√∂pfigen, mannsgro√üen Puppentorso ausgestattet, den er mit blinkenden LEDs und allerlei Leder-Fetischkram beh√§ngt hat. Auf der Leinwand im Hintergrund sieht man hinter dem Band-Logo verschiedene verst√∂rende Videosequenzen ablaufen. Die harshen Vocals und die stampfenden Beats dr√∂hnen durch die Halle und treiben uns die letzten Qu√§ntchen Fl√ľssigkeit aus den Poren. Zum Teil tanzen sich die Leute in Trance und mir wird klar, dass Mark Benecke irgendwie recht hat, auch wenn man‚Äôs vielleicht dieser Tage ein wenig oft h√∂rt: Das WGT war auch dieses Jahr wieder was ganz besonderes und bleibt auf jeden Fall einzigartig auf der ganzen Welt! Danke, Leute! (DS)

NOCTULUS (D)

Seitdem Noctulus 2009 in der Agra spielen durfte, hat er Kultstatus auf dem WGT. Jahr f√ľr Jahr spielt er seine Musik am Walk-of-Fame f√ľr Lau. Er singt von rasierten K√∂niginnen und goldenen Br√ľsten. Wobei das Dargebotene eher Kunst als Musik ist. Seine Fans hat er sicher. Dieses Jahr ohne Helm bzw. M√ľtze – Warum nur? (DS)

Blauer Salon

14:00 Uhr – Lesung: CHRISTIAN VON ASTER „Faunischer Schabernack ‚Äď Ein Verwegenes Satyrspiel am Rande der Vernunft“

Ein Improvisationsst√ľck steht auf dem Plan im Blauen Salon. Der Titel l√§sst da schon einiges an Irrsinn vermuten und der Gastgeber des Faunischen Schabernacks ist l√§ngst ein Garant f√ľrstlicher, literarischer Unterhaltung. Entsprechend ist die Menschenschlange wieder ewig lang. Passend zur gef√ľhlten Erwartungsgemengelage werden drinnen von einem der Zuschauenden auch √ú-Eier verkostet, von denen sich der Meister sogleich auch selbst bedient. Und ja, es werden √úberraschungstexte verlesen, aus denen der Herr von Aster in seiner unnachahmlichen Art und Weise versucht ernsthafte Geschichten zu weben. Der Schwierigkeitsgrad ist hoch, es geht immerhin auch um lila-farbene Einh√∂rner! Indes es gelingt. Zumal der Autor sich in Wort und Musik der Unterst√ľtzung von Michael Copellius versichern kann. Das Publikum ist allumfassend unterhalten. Es ist uns stets eine Freude, lieber Herr von Aster! (DG)

Felsenkeller / Naumanns

16:30 Uhr – GRIMNER (S)

Der Felsenkeller war am letzten WGT-Tag komplett f√ľr die Freunde der harten Gitarren-Musik reserviert. Den Auftakt machen die schwedische Folk-Metal Band Grimner. Der Felsenkeller ist gerade einmal zu einem Viertel besetzt, und dass obwohl es Grimner auf stolze 15.000 Follower auf ihrer Facebook Seite bringen, gerade ihr 10-J√§hriges mit einer Geburtstagstour feiern und ihr neues Album Vanadrottning promoten. Das WGT-Publikum scheint doch nicht so metal-afin zu sein, wie man urspr√ľnglich vermutet hat. Die 80-100 zumeist m√§nnlichen Besucher scheinen dann doch aber richtige Fans zu sein und unterst√ľtzen ihre M√§nner aus Motala standesgem√§√ü im allseits beliebten Metaller-F√ľnfkampf: M√§hne-Sch√ľtteln, mit Hingabe auf die Brust schlagen, das Horn gen B√ľhne erheben, Faust gen Himmel recken und in br√ľderlicher Umarmung bekannte Textzeilen mitgr√∂hlen. Dazu eignet sich die Spielart des Metal, die Grimner zum Besten geben, ganz hervorragend. Die setzen n√§mlich vorrangig auf die Gute-Laune Sparte im Folk-Metal, also wie ich es nenne: die Hoch-die-H√∂rner- und Tavernen-Bretter, wie man sie von Bands wie Heidevolk gew√∂hnt ist. So sieht die gesamte Truppe auch eher wie eine Horde streunender Vaganten auf Wiking, als bierernste genre-ergebende Trve-Metaller. Trotzdem kommen eine ganze Reihe der Riffs √ľberraschend fett und hart r√ľber und auch mit ihren Melodien besticht die Band aus Schweden, die sogar einen Song √ľber Skyrym im Repertoire hat. Spa√ü hat das allemal gemacht. (KS)

18:00 Uhr – EMINENZ (D)

Ja, es gibt sie noch! Und ja, ich gebe es zu: ich habe haupts√§chlich wegen ihnen an diesem WGT-Montag meinen Weg in den Felsenkeller gemacht. Immerhin haben Eminenz aus Annaberg-Buchholz schon die Stage mit Mayhem und Rotting Christ geteilt und z√§hlen mit ihrer Gr√ľndung 1989 zur Second Wave of Black Metal – ein paar echte Klassiker, ein paar richtige Urgesteine. Das h√∂rt man immer noch und ist es auch in den letzten Jahren etwas ruhiger um sie geworden (das letzte Album Nemesis Noctura ist von 2011), die Band f√ľhlt sich den alten Werten des Black Metal noch tief verwurzelt und haben diese auch nie aufgegeben. Das erf√ľllt mich mit tiefem Respekt. Die Anzahl der Zuschauer im Publikum hat sich nicht ge√§ndert. Eine gute Anzahl an Fotografen hat sich vor dem Graben eingefunden, trauen sich aber nicht rein. Es hat sich wohl rumgesprochen, dass S√§nger Leviathan ab und zu Fleischbrocken und D√§rme von der B√ľhne wirft. So k√∂nne man besser in Deckung gehen, sagt man. Dergleichen geh√∂rt zwar eher in die Geschichtsb√ľcher, aber der auff√§llig auf die B√ľhne platzierte Ritual-Kelch l√§sst mich vermuten, dass man sich in der ersten Reihe doch auf die eine oder andere „feuchte“ Show-Einlage einrichten solle (Was dann tats√§chlich auch so passiert und noch lange nach dem Konzert f√ľr Gespr√§chsstoff selbst bei den Securities sorgt). Die n√§chste Stunde wird roh drauflos gepr√ľgelt. Zugegeben der Zugang von Eminenz hat, euphemistisch ausgedr√ľckt, wenig progressives. Es gibt da drau√üen sicherlich viele Bands mit mehr Tiefe, Innovation und Fingerfertigkeit am Instrument. Aber die M√§nner aus Sachsen machen giftigen, bitterb√∂sen, abgr√ľndigen und tiefschwarzen Black-Metal der grobschl√§chtigen, ungeschliffenen und rauen Art, ehrlich und nach fast 30 Jahren immer noch unverbraucht. Sehr gutes Konzert! (KS)

19:30 Uhr – WOLFCHANT (D)

Nun Leute, Geschm√§cker sind ja bekanntlich verschieden und auch bei Wolfchant scheiden sich die Geister.¬† Auch ich muss zugeben, was bei Grimner noch ziemlich sympathisch und einfallsreich r√ľberkam, wirkt bei Wolfchant bisweilen bem√ľht, kalkuliert. Und das ist manchmal wirklich √§rgerlich. Gef√ľhlt haben sich nun ein paar mehr Metal-Heads eingefunden, um der Mischung aus epischen Hymnen, bombastischen Riffs und zeitlosen Melodien zu lauschen. So beschreiben es die M√§nner aus St. Oswald und deren Fans zumindest selbst, Sp√∂tter hingegen ordnen den paganen Metal von Wolfchant eher in die Sparte „Festzelt-Metal“ ein. Auf der B√ľhne ist ziemlich viel los, denn die Band tritt wie gewohnt gesanglich mit doppelter Spitze auf: Lokhi und Nortwin, die sich mit gutturalen Screams und sonorem Clean-Gesang alternierend die Stichworte geben. Saiten, Keyboard und Drums liefern drumherum handwerklich gut gemachte Hausmannskost, ohne gro√üe √úberraschungen und ohne viel Abwechslung. Wie bereits erw√§hnt, setzt man hier musikalisch, wie bei der Performance auf Alt-Bew√§hrtes und alles, was sich in dem Genre eben gut anf√ľhlt. Das Publikum ist somit eher auch zum feiern da, Anekdoten zum n√§chsten Song und Ank√ľndigungen werden zum Teil wenig sch√∂n und r√ľde abgeb√ľgelt. Ist nicht sch√∂n, das mit anzuschauen. Das Liedgut hingegen kommt gut an und trifft auf viel Gegenliebe. (KS)

Moritzbastei

19:30 Uhr – DAGEIST (F)

Zum Heer der WGT-Deb√ľtanden z√§hlt in diesem Jahr auch das Dark-Wave, New-Wave, Cold-Wave Duo Dageist. Die Band aus Lille ist sichtlich aus dem H√§uschen, nicht nur ob ihrer Teilnahme in diesem Jahr, sondern auch dar√ľber,¬† sich einen sehr exponierten Slot in der Tonne der Moritzbastei ergattert zu haben. Dageist gibt es n√§mlich noch gar nicht so lange. Erst im letzten Jahr erschien ihr Deb√ľt-Album 40 bei Danse Macabre, dem Label von Szene-Urgestein Bruno Kramm. Die Franzosen sind voller Spielfreude und pr√§sentieren ihr emotionsgeladenes Set, das bis oben hin voll mit stakkativen Beats und melancholischen Retro-Momenten ist, sehr enthusiastisch und beziehen vom ersten Moment ihr Publikum in die Performance ein. Dieses ist sehr zahlreich vertreten und l√§sst sich von soviel Begeisterung gern anstecken. Auch wenn viele heute Abend sicherlich vor allem jetzt schon wegen Headliner Still Patient? in der Moritzbastei da sind, haben sie nun mit Dageist eine neue sympathische Band auf dem Zettel, die es sich zu merken lohnt. Dageist haben ihre Chance genutzt und d√ľrfen gern im n√§chsten Jahr wiederkommen. (KS)

22:40 Uhr – STILL PATIENT? (D)

F√ľr die Wormser Still Patient? ist das Konzert am WGT-Montag ein ganz besonderes Ereignis, denn da feiern sie ‚Äď unglaublich, aber wahr ‚Äď das drei√üigj√§hrige Bestehen ihrer Band. Still Patient? ruhen sich jedoch nicht auf dem Ruhm vergangener Jahrzehnte aus und kommen nicht mit leeren H√§nden, sondern haben am 18. Mai ihr aktuelles Album Zeitgeist Weltschmerz ver√∂ffentlicht. Musikalisch bleiben sie ihrem Gothic-Rock Stil treu und liefern d√ľstere und leidenschaftliche Hymnen, die sich nicht nur in ihrem Set in der Moritzbastei perfekt zu ihren √§lteren Hits f√ľgen. Das einzige Manko des Konzerts ist die Location, die f√ľr einen Auftritt einer solchen Gr√∂√üe der Szene ma√ülos unterdimensioniert ist. Das n√§chste Konzert von Still Patient? findet wieder auf einer etwas gr√∂√üeren B√ľhne statt, n√§mlich am Black Castle Festival in Mannheim. (JB)

Täubchenthal

19:40 Uhr – THE FRIGHT (D)

The Fright aus Hermsdorf in Th√ľringen √ľbernehmen die Stage des T√§ubchenthals gegen 19:40 Uhr und m√ľhen sich redlich, ihre Songs an den Mann und die Frau zu bringen. Allerdings ist der Sound am heutigen Tage ziemlich dumpf und so f√§llt es schwer, die Songstrukturen ihrer besonderen Mixtur aus Horrorpunk und Sleaze Rock h√∂rbar wahrzunehmen, was die Tracks f√ľr Zuschauer die mit ihrem Oeuvre nicht so vertraut sind, leider recht gleichf√∂rmig wirken l√§√üt und sie dadurch ein wenig ihrer Eigenst√§ndigkeit beraubt. Schade, bei besserem Sound w√§re da sicher mehr drin gewesen, Potential hat die Band bekannterma√üen allemal. (MG)

21:10 Uhr – GRAVE PLEASURES (FIN)

Ein ähnliches Schicksal erleiden im Anschluss auch die Finnen Grave Pleasures, welche 2015 aus den wundervollen Beastmilk hervorgegangen sind, die wiederum vor vier Jahren auch schon einmal beim WGT dabei waren. Gerade bei Ihnen fällt es heute wirklich schwer, die einzelnen Songs herauszuhören. Dabei haben sie eigentlich ein recht starkes Set im Gepäck, das seine Wirkung aber leider nicht entfalten kann. Und so verpuffen Hits wie Deadenders oder vor allem Death Reflects Us leider viel zu sehr, um einen bleibenden Eindruck bei potentiellen neuen Fans zu hinterlassen. (MG)

22:40 Uhr – THE OTHER (D)

Deutlich eindrucksvoller ist dann der abschlie√üende Auftritt von The Other aus K√∂ln, die sich als w√ľrdiger Tagesheadliner erweisen und f√ľr einen tollen Abschluss des WGT im T√§ubchenthal sorgen. Zwar ist der Sound auch jetzt noch grenzwertig, doch sind die Songs deutlich eing√§ngiger, werden sofort erkannt und mit ihren Hymnen haften Refrains ordentlich abgefeiert. Die Stimmung ist gro√üartig, immer wieder recken die Fans die Arme zur Hallendecke und zelebrieren sowohl die neuen Songs des aktuellen Albums Casket Case wie den er√∂ffnenden Kracher A Party At Crystal Lake, als auch Klassiker wie Hier Kommt Die Dunkelheit¬†oder Back To The Cemetery! Wieder einmal zeigen The Other, dass man jederzeit auf sie z√§hlen kann und jeder Auftritt eine wahre Horrorpunkparty wird, Danke! (MG)

Volkspalast

Die Kuppel des Volkspalastes misst im Durchmesser 32 Meter und erinnert ein bisschen an das r√∂mische Pantheon. Das ist kein Zufall, sollte in dem 1913 errichteten Geb√§ude doch industrieller und nationaler Stolz mit heroischer, neoklassizistischer √Ąsthetik verbunden werden. Mit dieser Ausstrahlung ausgestattet, schreit der Volkspalast geradezu nach Konzerten aus dem Neo-Folk, Neo-Kassik, Martial-Industrial-Bereich, angrenzenden und auch zum Teil sehr speziellen musikalischen Gebieten und wird auch auf dem WGT vorrangig damit immer wieder belegt. Im Volkspalast trifft sich der Underground vom Underground. Der Veranstaltungsort bietet dabei zwei Spielst√§tten Obdach: der Kuppelhalle selbst und der etwas kleineren Kantine. Das Besondere daran ist, dass beide Orte alternierend ohne gro√üe Pausen bespielt werden k√∂nnen und man bequem zwischen den Locations wechseln kann. Hakt es jedoch einmal bei einer davon, m√ľssen notgedrungen auch alle anderen warten, was Besucher, K√ľnstler und Mitarbeiter an diesem letzten Festival-Tag leidvoll zu sp√ľren bekamen. (KS)

16:00 Uhr – SARIN (D, Kuppelhalle)

Wenn man das t√∂dliche Nervengift Sarin vertonen w√ľrde, dann w√ľrde es wahrscheinlich genauso klingen wie das Projekt von Emad Dabiri, der aktuell in Berlin ans√§ssig und musikalisch so umtriebig ist, dass er nicht nur regelm√§√üig Remixe f√ľr andere K√ľnstler produziert, sondern auch noch seine Finger in weiteren Projekten wie Konkurs, Nostromo oder Human Performance Lab hat. Bei Sarin gibt es einen Mix aus Minimal Techno und Oldschool-EBM-Kl√§ngen zu h√∂ren ‚Äď kalt, roh und d√ľster. Das Visuelle passt zum Tenor der Musik und wenn Emad in Ledermaske und Bomberjacke auf die B√ľhne marschiert, kann man schon einmal f√ľr einen Moment das Atmen vergessen ‚Äď und auch, dass sich der gesamte Zeitplan des Tages wegen Blixa Bargelds √ľppigen Soundchecks um √ľber eine Stunde verz√∂gert hat. Sarin liefert ein kreatives Set, das man auf seinen Releases so garantiert noch nicht geh√∂rt hat und h√§mmert das Publikum gnadenlos ins Delirium. Wer nach √ľber eine Stunde Sarin noch einen klaren Gedanken fassen kann, ist nicht da gewesen. Bei dem ansonsten eher konservativen Line-up des WGT ist dieses Konzert ein erfrischendes Highlight, von dem es in Zukunft ruhig etwas mehr geben k√∂nnte. (JB)

20:30 Uhr – AUTHOR & PUNISHER (USA, Kuppelhalle)

Wir erreichen den Volkspalast etwa 20 nach neun. Eigentlich hatten wir vor, uns den schwedischen K√ľnstler Trepaneringsritualen und seinen fatalistischen Blick auf das Ende der Welt anzuschauen, aber man teilt uns mit, dass man in beiden Locations rund eine Stunde hinter dem Plan ist. Und da man die Feste ja bekanntlich feiern soll, wie sie fallen, kommen wir somit grade richtig zum Start des Sets von Author & Punisher. Zum Gl√ľck, wie sich herausstellen soll, denn zumindest ich hatte das US-Amerikanische Ein-Mann-Projekt bisher noch nicht auf dem Zettel. Tristan Shone verwirklicht seine Interpretation von Industrial-Doom/Drone, indem er sich selbst in die Maschine begibt. Mit dieser, einem Unget√ľm aus Voice-Verzerrern, Klangerzeugern, diversen Synthesizern und allerlei weiteren Apparaturen, die man besser dem T√úV in diesem Land nicht zeigen sollte, interagiert er quasi symbiotisch und entwirft eine Dystopie aus Inferno, metallischem, ohrenbet√§ubendem Weltuntergang in einem poetischen, eisernen Reigen. Tristan Shone hat als Maschinenbauingenieur dieses metallene Unget√ľm selbst entworfen und Author & Punisher dadurch zu einer Art Trent Reznor der industriellen Post-Apokalypse gemacht. Im Hintergrund laufen die verst√∂renden Bilder der U-Bahn-Szene aus Andrzej Zulawski’s Possession (1981) mit der erstaunlichen Isabelle Adjani. Author & Punisher ist auf jeden Fall meine pers√∂nliche Neuentdeckung des diesj√§hrigen WGTs! Wer nicht da sein konnte, sich aber mal einen Eindruck verschaffen m√∂chte, kann einen Blick auf das Boiler Room Berlin Live Set riskieren. Unbedingt empfehlenswert! (KS)

21:35 Uhr – TREPANERINGSRITUALEN (S, Kantine)

Wir bleiben sehr speziell und werden sogar noch finsterer. Trepaneringsritualen aus G√∂teborg verbindet in seiner Kunst Bild, Ton und Aktion. Musikalisch ist Thomas Martin Ekelund dem Ritual-Ambient und Death-Industrial zuzuordnen. Spontan f√§llt dabei den √Ąlteren unter uns nur ein Label ein, das wie kein anderes Heimat f√ľr diese und √§hnliche Art von Ausdruck war: Cold Meat Industry. Alles an der Performance von Ekelund scheint das zu atmen und steht in der Tradition dieser alten Schule. „We hang ourself from trees and crosses. We bleed and suffer. All in roaring silence. Eternity is but an instant. The world is agony.“ – lesen wir auf der Facebook Pr√§senz von Trepaneringsritualen. Und tats√§chlich die Musik ist klaustrophobisch und voller Selbstzerst√∂rung. Da ist keine Hoffnung und auch der Tod scheint keine Erl√∂sung zu sein. Die menschliche Existenz wird zu einem endlosen, stampfenden, kreischenden Reigen der Qual, der Dunkelheit, des Schmerzes und in einem ewigen Betteln um Erl√∂sung zu einem Lehrst√ľck in dem, was sich Menschen gegenseitig anzutun verm√∂gen. Die ersten beiden Songs performt Ekelund, das Gesicht verborgen hinter einem schmutzen Leinensack, von seinem G√ľrtel baumeln seltsame Fetische, Knochen und andere ritualisierte Symbole. Im dritten St√ľck offenbart er sein Antlitz: eine blutverschmierte, schmerzverzerrte, b√§rtige, halbwahnsinnige Fratze. Im Hintergrund laufen abwechselnd religi√∂se Hinrichtungsszenen, mal ritualisiert nachgeahmt aus der Gegenwart, mal authentisch erstarrt auf Kupferstichen aus der fr√ľhen Neuzeit, dann wieder Fotos von S√©ancen aus dem Symbolismus, dann eine Ecce Homo-Darstellung aus der Renaissance. Bilder, Aktion und Musik verschmelzen hier zu einem Gesamtkunstwerk und hinterlassen einen verst√∂renden und tiefen Eindruck, der mich bestimmt noch sehr lange begleiten wird. Sehr beeindruckend, aber nicht f√ľr jeden aushaltbar. (KS)

22:40 Uhr – TEHO TEARDO & BLIXA BARGELD (I/D, Kuppelhalle)

Die markersch√ľtternden Weltuntergangsvisionen von Ekelund noch in den Knochen stolpern wir wieder r√ľber zur Kuppel. Dort hat sich, als letzter Act und Headliner des Abschlussabends eine lebende Legende angek√ľndigt. Unter der Kuppel falten sich die Besucher wie Origami in den seltsamsten Verrenkungen um die noch leere B√ľhne. Die Luft flirrt vor gespannter Erwartung. Jeder will nachher zumindest einmal einen kleinen Blick auf den Meister erhaschen. Dessen letztes Ergebnis aus der Zusammenarbeit mit Teho Teardo, der heute Abend zu schlichtem Schm√ľckwerk verkommen soll, tr√§gt den Titel Nerissimo (das, der Schw√§rzeste). Damit hat es das Duo sogar in die Feuilletons geschafft. Jahaa! Somit ist man ganz ernsthaft unterwegs, ab jetzt gewisserma√üen sogar zertifiziert. Es h√§lt sich standhaft das Ger√ľcht, dass jeder Besucher, ob unter der Kuppel oder in der Kantine, ob K√ľnstler (Deb√ľtant oder alter Hase), Staff oder Besucher, seit die T√ľren ge√∂ffnet hat warten m√ľssen, weil Blixa einfach mal noch n bissl √ľben wollte und dabei vergessen hatte, dass er eben nicht auf seinem Blixa-Konzert, sondern auf einem Festival ist.¬† Aber ein so ernsthafter K√ľnstler darf das und man kann davon ausgehen, dass es sich lohnt. Oder? Selbstverst√§ndlich! Der Klang ist √ľberw√§ltigend, der Sound ist ohnegleichen. Stopp!!! Die Miene von Teho Teardo ist eine einzige Entschuldigung. Das L√§cheln der √ľbrigen Musiker die exakte Kopie von dem Millionen Hotelangestellter rund um den Globus. Blixas Stimme: Wie Fingern√§gel auf ner Tafel, als er die Leute von der Technik anp√∂belt ‚Ķ Verzeihung, ma√üvoll zurechtweist, dass er seinen Text auf dem Monitor nicht lesen kann. Mensch Leute, da hattet ihr ja ne richtig konstruktive Arbeitsatmosph√§re heute Nachmittag. Dann geht’s aber wirklich los. Der Klang ist √ľberw√§ltigend, der Sound ist ohnegleichen – wie aus dem Studio … g√§hn, was? Und da sind wir bei der musikalischen Man√∂verkritik. Nerissimo ist nun mal leider lauwarmes, bem√ľhtes Arthouse-Theater. Das Genre der Neo-Klassik, wenn man das denn grob zum Vergleich bem√ľhen m√∂chte, hat in den letzten Jahren deutlich innovativerer Perlen zutage gef√∂rdert. Die obligatorischen, musikalisch aber wenig gesch√§tzten Streicher weben vor sich hin, ohne erkennbare Muster zu erzeugen oder Spannungspunkte zu setzen und spinnen einen meditativen Teppich, mit der Aufgabe einen einzulullen, aber nicht so viel, dass man wegd√§mmert. Dann Teardo: Ohne Zweifel ein exzellenter Komponist und Meister an der Gitarre, aber Mensch, Junge: Wo bist du? Setzt eher auf stimmigen, runden Wohlf√ľhl-Minimalismus, als auf Dein K√∂nnen und schaffst es nicht einen Kontra-Punkt zu setzen, zur Blixa-Show. Das w√§re doch mal spannend gewesen: Zwei Musiker dieses Kalibers, die aneinander Reibung erzeugen. So gibt es wenig Kontrast f√ľr Bargelds anstrengende Exaltiertheit, der merkw√ľrdigen, verquasten Elfenbeinturmlyrik, die den Zuh√∂rer einfach mal nirgends abholt und einer Musik, die pl√§tschert wie ein warmes Bad und dabei die Tiefgr√ľndigkeit nur vorgaukelt. „Oh Father, Tell Me Are You Weeping?“¬†(KS)

Westbad

17:00 Uhr – SEELENNACHT (D)

Den letzten WGT-Tag starten wir im Westbad d√ľster-romantisch. Seit 2010 steht Marc Ziegler hinter dem Dark Romantic Electro-Pop Projekt Seelennacht und s√§mtlichen textlichen, wie musikalischen Kompositionen der Band und die konnte sich bis zum aktuellen Album Lebenslinien in ihren Songs immer weiter verbessern. Diese erinnern zwar frappierend an Blutengel und fr√ľhe Werke des Grafen, trotzdem f√ľhlt sich Ziegler, wie er selbst gern schreibt vor allem dem Gaslicht und dem Steampunk verbunden. Hoch emotionale Texte mit elektronischen Kl√§ngen im Spannungsfeld von atmosph√§rischen Tr√§umereien und club-tauglichen Synth-Pop zu verweben ist bei sein Ziel. Ins Westbad ist er zusammen mit Ren√©-Eric Widukind gereist, um uns den Esprit seiner Vision n√§her zu bringen. Das ist zu Anfang gut zur H√§lfte mit Besuchern gef√ľllt, die jedoch sehr begeistert und klatsch-freudig von der ersten Minuten mit dabei sind. Die zweik√∂pfige Live-Formation wirkt etwas verloren auf der gro√üen B√ľhne der Location. Gerade Ziegler, der trotz seines tiefen, fl√§chigen Timbre in der Stimme von eher zierlicher Gestalt ist, scheint sich hinter seinem Textbuch f√∂rmlich zu verstecken und f√ľr Interaktionen mit Widukind kilometerweit entfernt. Trotzdem versucht der S√§nger immer den Augenkontakt mit seinen Zuh√∂rern zu halten. W√§hrend des etwa 60-min√ľtigen Konzerts wird das Westbad immer voller mit and√§chtig lauschenden Fans, die zum Ende sogar ihre leuchtenden Handys in die H√∂he halten. (DS)

18:20 Uhr – KAIZER (D)

Das noch sehr junge Dark-Rock Projekt Kaizer hat im letzten Jahr mit Lebenszeitverschwendung gerade erst ihr Deb√ľt vorgestellt und dabei schon ordentlich f√ľr Aufsehen gesorgt. Bei den WGT-Besuchern, scheint diese Neuigkeit, die am besten mit einer m√§rchenhaften mit viel Blattgold dekorierten Mischung aus Mono Inc. und Neuschwanstein beschrieben werden k√∂nnte, noch nicht g√§nzlich durchgedrungen zu sein, denn das Westbad hat sich ein wenig geleert. Die Kaizers beginnen p√ľnktlich auf die Minute und lassen es ordentlich mit gut gemachtem deutschem Dark Rock krachen. Die Set-List setzt sich fast ausnahmslos aus Songs ihres Deb√ľt-Albums zusammen. Die sind sehr eing√§ngig, aber auch durchaus harte Riffs und epische Klangteppiche kann man darunter finden, die jetzt schon zuk√ľnftige Hymnen wie Engel vorwegnehmen. Trotzdem ebbt die Begeisterung ungef√§hr nach Reihe drei etwas ab. Woran liegt das? Sind die Berliner noch nicht so bekannt? An der Musik kann es nicht liegen. Besonders zu Herzen geht die Ballade Saker Som Hon G√∂r, einem Imperiet Cover, bei dem uns vor allem Nina von Ackselis Gesang verzaubert. S√§nger Alexander G√∂ran Freiherr von Sperling bedankt sich trotzdem f√ľr den herzlichen Empfang und wir uns f√ľr das gute Konzert, obwohl die gro√üe Zeit f√ľr Kaizer wohl noch nicht gekommen zu sein scheint. (DS)

Tracklist KAIZER @ Westbad, WGT (21.05.2018)
  1. Willkommen
  2. Engel
  3. Ganz weit weg
  4. Feuerland
  5. Wenn die Sonne untergeht
  6. Ich befrei¬ī Dich
  7. Träumegrab
  8. Wann werden wir uns wiedersehen
  9. Der letzte Vorhang
  10. Du denkst an mich
  11. Question of Time
  12. Saker Som Hon Gör
  13. Ganz weit weg

19:40 Uhr – TRAUMTAENZER (D)

Der Auftritt auf dem diesj√§hrigen WGT ist der vorl√§ufige H√∂hepunkt auf der Reise zur√ľck ins Leben der Band Traumtaenzer, aber vor allem f√ľr S√§nger Marco Blum. Dieser hatte nach dem Deb√ľt mit Der Wei√üer Raum (2010) am Ende des f√ľr die Band gl√§nzend verlaufenden Live-Jahres 2012, zu dessen H√∂hepunkten auch der Auftritt auf dem damaligen WGT geh√∂rte, wirklich schlimme Schicksalsschl√§ge hinnehmen m√ľssen. F√ľnf Jahre dauerte der Kampf, an dessen Ende die im Dezember 2017 erschienene Single Hab Keine Angst (Was f√ľr ein Titel!) und nun der Slot auf dem WGT stehen. Viele sind schon w√§hrend dem Auftritt der Dark-Rock Formation Kaizer gekommen, um sich ihre Pl√§tze f√ľr dieses au√üergew√∂hnliche Comeback zu sichern. Traumtaenzer haben w√§hrend ihrer erzwungenen Pause nichts verlernt: Die Mischung aus dunklem Goth-Rock und tanzbaren Beats garniert mit Streichwerk und dem spannungsgeladenen Gesang einer m√§nnlichen dunklen und einer weiblichen verletzlichen Stimme haben sie immer noch drauf. Die Performance sitzt, auch wenn Traumtaenzer vergleichsweise nur wenig Material pr√§sentieren. Es gilt einfach viel aufzuholen. Marco Blum hat es sichtlich genossen wieder unter den Lebenden zu weilen und mit den Fans zu interagieren. Willkommen zur√ľck! (DS)

Setlist TRAUMTAENZER @ Westbad, WGT (21.05.2018):
  1. Traumtänzer
  2. Fremdes Land
  3. Sehnsucht
  4. Fuer die Nacht
  5. Maschine
  6. Schattenspiel
  7. Monolith
  8. Krieger
  9. Stigmata
  10. Die Wahrheit

Foto / Author: Danny Sotzny (DS), Dietmar Grabs (DG), Joanna Babicka (JB), Katja Spanier (KS), Michael Gamon (GM), Thomas Papenbreer (TP)

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