ARCHIVE – Bochum, Zeche (11.11.2017)

Archive © Frank GĂŒthoff
Archive © Frank GĂŒthoff
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Da simmer dabei, das is priiiima, vivaaaa Coloniaaa
. Ne halt mal! Viva Colonia am Arsch! Wir hatten am 11. November viel besseres zu tun als uns Krapfen und eine Clownsnase zu besorgen und sind fĂŒr Euch nach Bochum gefahren, um den zweiten Teil der „False Foundation“-Tour von Archive zu besuchen. So fuhren wir in Herbert Gröhnemeiers Geburtsstadt, suchten im Dunkel des Industriegebietes einen Parkplatz (wie sich im Nachhinein herausstellte, hĂ€tten wir es wesentlich einfacher haben können, aber einfach kann ja jeder) und reihten uns zwischen aufgeregte Fans ein. Kaum in der Location fanden wir uns vor einer voll besetzen ersten Reihe wieder, was schon ein bisschen großartig ist, schließlich gibt es nichts tolleres als Hardcore-Fans, die schon vor dem Einlass da sind und sich tatsĂ€chlich die Vorband angucken. Es hat sich ja so eingebĂŒrgert, erst irgendwann einmal aufzuschlagen. Frei nach dem Motto „Wer braucht schon Supportbands?“. Liebe Leute, das ist nicht nur ganz schön unhöflich der Vorband gegenĂŒber, sondern macht Euch auch nicht cooler. Mit PĂŒnktlichkeit bei Konzerten ist es nĂ€mlich wie mit der PĂŒnktlichkeit bei Omas Geburtstag, man ist passend da, sonst gehören einem wegen mangelndem Anstand krĂ€ftig die Löffel lang gezogen.

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TemporÀr Musik 1-13

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5.0 von 5 Sternen (1 Kundenbewertungen)

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Wo wir schon bei Vorbands sind, an jenem Karnevalssaisoneröffnungstag spielten One Sentence.Supervisor vor Archive. Die sympathischen Jungs aus der Schweiz mit dem unglaublichen SĂ€ngerwesen im schönsten aller Jumpsuits und mit der coolsten Gitarre der Welt (Der Schriftzug „Inhalte ĂŒberwinden“ war schon herzerwĂ€rmend) hat die Band um Donat Kaufmann und Dominik Meuter noch vor dem ersten Ton auf der „So und nicht anders“-Skala weit nach oben steigen lassen. Ihre BĂŒhnendeko bestehend aus einem Sonnenschirm und einem „For Sale“-Schild ĂŒbrigens auch. Ganz egal, wer auf die Idee kam, diese beiden Bands auf Tour zu schicken, man sollte ihm Blumen schicken, denn One Sentence.Supervisor passten mit ihrem Indie-Charme und ihrer psychedelischen Musik perfekt ins Vorprogramm von Archive. Lang gezogene Gitarrenpassagen, ein Gesang, der schon echt nach 70s klang und in der Musik aufgehende Musiker mit zwischenzeitlichem Grinsen im Gesicht. Lange nicht mehr erlebt sowas und mega drĂŒber gefreut. FĂŒr den Hardcore-Gitarren-Ausraster und die damit einhergehende Überraschung gibt es an der Stelle noch einmal extra Applaus.

Licht aus, Vorband weg, Archive her! Das war’s. Mehr wird nicht verraten.

Okay, es wird doch mehr verraten. Vor mehr als 20 Jahren fanden sich Darius Keeler und Danny Griffiths zusammen und grĂŒndeten die Band, auf die alle gewartet hatten: Archive. Als KĂŒnstlerkollektiv angelegt, mal mit einem Rapper unterwegs, auf TripHop-Pfaden wandelnd, mal mit SĂ€ngerin Maria auf großer Tour oder wie im ersten Teil der „False Foundation“-Tour mit Holly am Mikrofon unterwegs – man weiß nie, was die Band als nĂ€chstes herausbringt oder wonach ihnen musikalisch der Sinn steht und das macht es auch irgendwie spannend.

Das Set startete mit Driving In Nails und schon zog der Hobbyfotograf mit Kompaktknipse diese in die Höhe und fotografierte durch. An dieser Stelle bitte nicht falsch verstehen: Private Konzertfotos sind vollkommen legitim. Nehmt euer Handy oder eure kleine Kamera hoch, macht 5-6 Andenkenfotos, versendet sie an Freunde und gut. Wenn ihr mehr als einen kurzen Moment die Knipse in die Höhe streckt, werden euch die umliegenden Leute einfach nur hassen. Ihr versperrt die Sicht und das kann einem unsagbar auf den Keks gehen, von den Ergebnissen, die dann als Festplattenschrott irgendwo versumpfen einfach mal abgesehen. Ja, hier wird heute noch ein bisschen Konzert-Grundwissen vermittelt. Nach der Sache mit der PĂŒnktlichkeit bleibt zu sagen, dass ihr es nicht wie der Dauerknipser vor uns halten solltet. Zum einen, weil selten etwas wirklich tolles bei raus kommt und zum anderen, weil Konzertfotografen zu Recht nur drei Songs pro Band fotografieren dĂŒrfen. Das dient dazu, dass Euch als Publikum nicht auf den Sack gegangen wird, weil da ein paar Knipswichte im Fotograben rumstreunen und Euch die Sicht versperren und zum anderen möchte niemand richtig nass verschwitzte Musiker sehen (nicht mal sie selbst wollen das). Es gibt Bands, die handhaben das anders, das ist aber selten. Wenn ihr also Fotografen-Yoga in der ersten Reihe betreibt, die Leute um euch mit eurer Miniknipse nervt, man auf dem Display erkennen kann, dass nicht mal der Nebel scharf ist auf diesem Foto, dann solltet Ihr Euer Verhalten bitte noch einmal stark ĂŒberdenken. (Wer sich jetzt angesprochen fĂŒhlt, kann gern erklĂ€ren, warum er Eintritt zahlt um die komplette Konzertdauer auf ein kleines Display zu starren, statt die Musik wirklich zu genießen!)

The False Foundation

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3.4 von 5 Sternen (27 Kundenbewertungen)

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Ausflug in anstĂ€ndiges und respektvolles Verhalten erstmal over, machen wir mit den schönen Dingen weiter – nĂ€mlich dem Konzert. Neben Words On Signs und The False Foundation bestand die Setlist auch aus dem ĂŒbertollen Fuck U, was inbrĂŒnstig von Dave Pen gesungen wurde. Das Publikum zog mit und so hatte wohl an diesem Abend jeder jemandem im Kopf, dem gedanklich dieses Lied gewidmet wurde. An dieser Stelle hĂ€tte gern Holly auf die BĂŒhne kommen und singen können, diese war aber auf dem zweiten Teil der Tour abwesend. Tat der Stimmung in Bochum keinen Abbruch, fĂŒhrte aber zu „Ach, dieses kleine TĂŒpfelchen auf dem I fehlt schon“-GefĂŒhlen. Aber man kann eben nicht alles haben, so heißt es doch, oder? Drummer Smiley wurde an diesem Abend seinem Spitznamen wieder mehr als gerecht und bildete so das GegenstĂŒck zur Musik. Breit grinsend, bestens gelaunt und irgendwie in seiner eigenen Welt verloren, trommelte er vor sich hin. NatĂŒrlich durfte auch Bullets an diesem Abend nicht fehlen und The Feeling Of Losing Everything fĂŒhrte zu GĂ€nsehautstimmung, die nur durch nervige „Halt die Klappe“-Rufe aus der Mitte des Publikums gestört wurde. Was wenige Augenblicke drauf folgte, war eine Mini-Rauferei und der Moment, in dem die Security ihren zweiten Einsatz des Abends hatte. Dieses Mal wurden Menschen auseinander gezogen und nicht wie zu Konzertbeginn, einer Dame, der der Kreislauf abgesackt war, geholfen. Keine Ahnung, wie man bei dieser Art von Musik solche Aggressionen entwickeln kann, aber es gibt ja immer zu allem eine Vorgeschichte. Nach Blue Faces verließen Archive die BĂŒhne, kamen aber fĂŒr die Zugabe von drei Songs wieder zurĂŒck und spielten zur großen Freude aller Bright Lights, Feel It und Numb. Grandios! Und zwar nicht nur dieser Abschluss, sondern das komplette Konzert!

Setlist ARCHIVE @ Bochum, Zeche (11.11.2017)

01. Driving in Nails
02. Words on Signs
03. Stay Tribal
04. The False Foundation
05. Fuck U
06. Splinters
07. Sane
08. Bullets
09. Ride in Squares
10. The Feeling of Losing Everything
11. The Empty Bottle
12. Blue Faces
13. Bright Lights (Z)
14. Feel It (Z)
15. Numb (Z)

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