FEHLFARBEN – Duisburg, Grammatikoff (22.02.2016)

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Normalerweise beginnen wir hier im Ruhrpott ja immer pĂŒnktlich, aber heute klappt das leider nicht“ – beginnt ein Konzertabend mit diesen Worten seitens eines Veranstalters, hat dies meist ein etwas entnervtes Publikum zur Folge. Nicht so beim Auftritt der Fehlfarben im Duisburger Grammatikoff. Die sechsköpfige Band hatte auf dem Weg vom letzten Konzert aus Fulda Probleme mit der Scheibenwischertechnik des Tourbusses, was sich auf der Autobahn bei konstant starkem Regen als unvorteilhaft erwies. Mit einer Dreiviertelstunde VerspĂ€tung und ohne Vorband starteten die DĂŒsseldorfer dann um 20.45 Uhr mit Der Dinge Stand in ein knapp 80-minĂŒtiges Set. Und den Großteil dieses Sets machten die Songs des neuesten und des Ă€ltesten Albums aus. Zwischendurch gab es immer wieder auch ausgesuchte Perlen aus den insgesamt knapp 35 Jahren zwischen Monarchie und Alltag und dem jĂŒngsten Release Über…Menschen zu hören.

Vor einem mit mehreren hundert Personen gut gefĂŒllten Grammatikoff brachten Fehlfarben ordentlich Zug in die neuen Songs, auch die eigentlich eher dezenteren StĂŒcke wie Urban Innozenz wurde bei klarem Sound wuchtig rĂŒbergebracht, auch die Disco-Beats von Wenn die Welt und Rein oder raus gingen noch ein wenig schĂ€rfer ins Tanzbein als auf Platte. Genug GrĂŒnde also fĂŒr laute „Zugabe“-Rufe, die von Peter Hein und seiner Band auch im Handumdrehen erhört wurden. Der grĂ¶ĂŸte Hit der Bandgeschichte, das lange von den Musikern verschmĂ€hte Ein Jahr (Es geht voran), eröffnete einen insgesamt sechs Songs langen zweiten Konzert-Block. Der melancholische Klassiker Paul ist tot dĂ€mpfte das Tempo wieder ein wenig, Dekade 2, der Alltime-Fanfavorit Das war vor Jahren und das immer wieder zwischen den Songs lautstark eingefordete Platz da! hielten die Stimmung hoch. Mit dem zackigen Politdisko verabschiedete sich das Sextett dann endgĂŒltig.

Fazit: Fehlfarben haben auch im 36. Bandjahr nicht merklich an Kraft und Schwung verloren. Und auch die so oft im Zusammenhang mit der Band angesprochene Wut ist in Maßen noch zu spĂŒren. Als sich Saxofonist und Keyboarder Frank Fenstermacher kurz nach den letzten Takten von Politdisko auf direktem Wege ins Publikum verabschiedete, wurde er von Hein mit einem herzlichen „Komm her, du Wichser“ wieder auf die BĂŒhne „zurĂŒckgeschrien“. Nach einer gemeinsamen Verbeugung vor dem lautstark applaudierenden Publikum schubste Hein seinen Bandkollegen von der BĂŒhne – dabei ging eine volle Bierflasche zu Bruch. Ein Hauch von 1980. Und ein herrlicher Weg, einen ebenso herrlichen Auftritt zu beenden.

Setlist: FEHLFARBEN @ Duisburg, Grammatikoff (22.02.2016):
  1. Der Dinge Stand
  2. Stadt der 1000 TrÀnen
  3. Gottseidank nicht in England
  4. So haben wir uns das nicht vorgestellt
  5. Untergang
  6. Club der schönen MĂŒtter
  7. Schnöselmaschine
  8. Grauschleier
  9. Apokalypse
  10. Urban Innozenz
  11. Wenn die Welt
  12. Das Komitee
  13. Rein oder raus
  14. Ein Jahr (Es geht voran) (Z)
  15. Paul ist tot (Z)
  16. Dekade 2 (Z)
  17. Das war vor Jahren (Z)
  18. Platz da! (Z)
  19. Politdisko (Z)

Foto: Roger op den Camp (Archiv)

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