THEES UHLMANN – Krefeld, Kulturfabrik (18.07.2015)

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Es gibt sie also noch, diese besonderen Abende, an denen irgendwie alles passt. Dieser Abend in der Krefelder Kulturfabrik war ein solcher Abend
 Angemeldet hatte sich Thees Uhlmann & Band, als Support wurden kurzfristig Torpus & The Art Directors gewonnen. Diese hatten soeben eine kurze Tour durch die InnenstĂ€dte der Republik hinter sich gebracht und jetzt sollte zum Abschied noch die kleine Halle in Krefeld bespielt werden. Torpus & The Art Directors, das sind Sönke Torpus, Melf Petersen, Ove Thomsen, Felix Roll und Jenny Apelmo. Torpus & The Art Directors, das ist Folk aus Deutschland, genauer gesagt aus dem Norden Deutschlands, der absolut keinen internationalen Vergleich zu scheuen braucht. Und das sage ich nicht nur so daher. Ich kannte die Band bis zu diesem Abend noch nicht, aber was die Jungs und die Dame an diesem Abend auf die BĂŒhne zauberten, Chapeau! Wer tagelang durch die InnenstĂ€dte getourt ist, der weiß offenbar, wie man ein Publikum fĂŒr sich gewinnt. Von der ersten Strophe an, war das Krefelder Publikum dabei. Und die Band belohnte so viel Aufmerksamkeit und Zuspruch mit großer Spielfreude. Auch wenn Sönke sich anfangs fĂŒr seine irgendwo auf der Tour verloren gegangene Stimme entschuldigte, zu hören war davon nichts. Viel Gesang, viel MusikalitĂ€t und vor allen Dingen, viel Spaß auf der BĂŒhne, der auf das Publikum ĂŒberschwappen konnte und mit fettem Applaus belohnt wurde. So muss eine Vorband sein, die ein Publikum in Stimmung bringen soll. Sympathisch, toll, empfehlenswert!

Weblinks:
http://www.torpus.de/
https://www.facebook.com/torpusandtheartdirectors

A Game of Thees!
Kurz nach 21 Uhr war es dann soweit und die Titelmelodie von Game of Thrones ertönte
 Thees und seine Mannen enterten die BĂŒhne, schnappten sich ihre Instrumente und spielten ihre ganz eigene Version des Titelsongs der besten Fernsehserie aller Zeiten als Auftakt zu einem geradezu epischen Auftritt.
So richtig los ging es dann mit Es brennt. Und mit so richtig los, da meine ich auf und vor der BĂŒhne. Denn das Krefelder Publikum war an diesem Abend von der ersten Strophe an dabei. Ob es am guten Wetter lag, draußen waren es zu Beginn des Konzertes wohl immer noch freundliche 30 Grad, ob es daran lag, dass es Samstag war und alle feiern wollten, ob irgendwas in der Luft oder im Wasser war, aber die Stimmung war vom ersten Moment an gigantisch. Wohin man im Publikum auch blickte, lĂ€chelnde Gesichter, singende und tanzende Menschen, fantastisch. Und gleich die erste Geschichte von Thees
 Beim Einkaufen in Krefeld tippte ihm plötzlich jemand auf die Schulter. Erschrocken dreht er sich um, um gleich darauf einen fĂŒnfzig-Euro-Schein in die Hand gedrĂŒckt zu bekommen, der ihm wohl aus der Tasche gerutscht ist
 Emotionaler Strukturwandel, wie Thees es anschließend treffend formulierte. Auch das ist Krefeld.

Doch weiter geht es mit 17 Worten, jeder sollte seinen Verein unterstĂŒtzen, bei Vom Delta bis zur Quelle gibt das Publikum noch mal alles, der Chor ist sicher bis in die Innenstadt zu hören und ein sichtlich begeisterter Thees steht ĂŒberwĂ€ltigt auf der BĂŒhne und genießt.
Irgendwann wird es selbst dem kĂŒhlen Norddeutschen zu warm und die obligatorische Lederjacke fliegt in die Ecke. Doch im Publikum stand immer noch ein junger Mann, in Lederjacke, tanzend, schwitzend
 Diese LeidensfĂ€higkeit nötigte Thees so viel Respekt ab, dass er prompt den Fuffi zĂŒckte „der ja eh schon mal weg war“ und dem jungen Kerl in die Hand drĂŒckte. Mit der Aufforderung, das Geld fĂŒr eine Sache zu spenden, die dieser gut fĂ€nde. Und damit wĂ€re kein Bier fĂŒr ihn und seine Kumpels gemeint

Doch weiter ging es mit Musik, nach dem Tomte-Knaller Schreit den Namen meiner Mutter ging es dann ruhig und akustisch zu, noch mal war König Fußball, der FC St. Pauli und die Liebe zum Verein Thema von Das hier ist Fußball, dann wurde es noch mal intensiv mit dem Liebeslied der Toten Hosen aus der Nachbarstadt DĂŒsseldorf.

FĂŒr drei Songs kehrte die Band danach noch mal auf die BĂŒhne zurĂŒck und der offizielle Teil des Sets endete mit Die Toten auf dem RĂŒcksitz
 „Hinter den Bergen, den StĂ€dten, den FlĂŒssen und Strömen, den Photos und dem letzten Geld, mit deinen Narben, den Platten, deiner Hoffnung, diesem T-Shirt am anderen Ende der Welt“ Schöner kann man ein Konzert fast nicht beenden.
Aber man kann eine Zugabe auch nicht schöner beginnen, als mit dem Anfang von Römer am Ende Roms, Thees und Julia HĂŒgel alleine auf der BĂŒhne, bevor dann die Band dazu kommt. Immer noch der beste deutsche Springsteen-Song ĂŒberhaupt, den Springsteen nicht geschrieben hat, eine Ode an die Liebe und an die Freiheit, die großen Themen des Lebens. Es folgte noch eine tolle Version von Sommer in der Stadt, wie passend an diesem Abend, bevor wir mit Zerschmettert in StĂŒcke (Im Frieden der Nacht) in die Stille der Nacht entlassen wurden. Was fĂŒr ein toller Auftritt.

Thees danach ĂŒber seinen Aufritt: „Das man sich in eine Stadt wie Krefeld mal verlieben wĂŒrde, hĂ€tte man jetzt auch nicht gedacht. No offense.
Ob es an der großen Dichte von Schul-, Bergarbeiter- und semiprofessionellen Hobbychören liegt oder es einfach daran gelegen hat, dass wir gestern echt gut gespielt, dass alle, wirklich ALLE mitgesungen haben kann ich nicht ermessen, aber es war wirklich ein wundervolles Konzert. Danke. Die Hitzeschlacht von Krefeld haben wir ALLE gewonnen.
“

Danke, Thees Uhlmann und Band!

Setlist THEES UHLMANN @ Krefeld, Kulturfabrik (18.07.2015):
01. Es brennt
02. Das MĂ€dchen von Kasse 2
03. Lat: 53.7 Lon: 9.11667
04. 17 Worte
05. Vom Delta bis zur Quelle
06. Zugvögel
07. Am 07. MĂ€rz
08. & Jay-Z singt uns ein Lied
09. Schreit den Namen meiner Mutter (Tomte)
10. Das hier ist Fußball (Tomte)
11. Liebeslied (Die Toten Hosen)
12. Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf
13. Die Nacht war kurz (ich stehe frĂŒh auf)
14. Die Toten auf dem RĂŒcksitz
15. Römer am Ende Roms (Z)
16. Sommer in der Stadt (Z)
17. Zerschmettert in StĂŒcke (Im Frieden der Nacht) (Z)

Thees Uhlmann:

Torpus & The Art Directors:

Fotos: Daniel Beiderwieden

Geschrieben von
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