THE TING TINGS – Köln, Gebäude 9 (17.11.2014)

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Selten war die Vorfreude auf ein Konzert bei mir so nahe des Tiefpunkts. Eigentlich unverständlich, doch zog es mich dennoch eher aus Neugier zu den Ting Tings, um endlich mal einen klaren Eindruck von ihrer Livetauglichkeit zu bekommen.
Vor einigen Jahren ging ihr Debutalbum mit Songs wie Shut Up & Let Me Go senkrecht die Hypeleiter nach oben, dass es mir damals schon zu viel des Ganzen war. Jetzt, nachdem ihr zweites Album Sounds From Nowheresville fast durchweg schlechte Kritiken sammelte zogen sie sich für ihr aktuelles Werk Super Critical nach Ibiza zurück, um sich dort neue Inspirationen aus der Club- und Partyszene zu holen.

Schon mit dem ersten Song Wrong Club verdeutlichten sie dieses nun live. Einer von fünf Songs die sie aus ihrem neusten Album präsentierten und die auch gut ankamen. Der prägende Beat, aus Jules de Martinos Drumming und den Elektronischen Hintergrundbeats, von einem dritten Herren auf der Bühne, der die Rolle eins DJs übernahm, brachte so gut wie jeden dazu sich dem Rhythmus auszuliefern und sich in irgendeiner Form zu bewegen. Die neuen Songs hatten live nochmal einen gewissen Kick, der sie interessanter machte und so dass nicht alles nur wie Lounge-Music klang, wie man Super Critical von der CD aus bezeichnen könnte. Do It Again setzte diese Warm-Up Musik fort um direkt in den Klassiker Shut Up and Let Me Go überzuleiten. Dies war definitiv einer der Höhepunkte des Konzerts und es sollten weitere folgen, wie das ebenfalls beliebte Great DJ und ihr Überhit That’s Not My Name, als vorerst letztem Song.

Es gibt Bands die sich live von CD kaum unterscheiden, und andere die ihre Stärken nicht gerade in der Liveperformance haben oder umgekehrt. The Ting Tings überzeugen mit viel catchigeren Beats, Katie Whites immer präsenter Gitarre und etwas rockigeren, tanzbaren Versionen als sie auf ihren Alben vorzufinden sind. Kein Wunder, dass man die Seiten des Geschmacks innerhalb kürzester Zeit wechselt und einfach voll drin ist in ihrer Musik.
Das Gebäude 9 war zu Recht, trotz des zögerlichen Starts, doch noch recht voll geworden und erleichterte der Band mit lautstarken Zugaberufen noch zwei weitere Songs zu spielen. Die Zugabe bestand aus zwei Songs bei denen Green Poison in den Song Hands, dem einzigen vom zweiten Album gespielten Track, überleitete und nochmal alles von den Besuchern abverlangte. Die übergroße Trommel, welche Katie bei einem Song verwendete, schmiss sie einfach mal um, zog sie hinter sich her um sich mittig auf der Bühne darauf nochmal auszutoben und das Set dann für beendet zu erklären.

Man kann sagen, es gibt sie noch die Ting Tings. Auch wenn es schwer war und bleiben wird an ihre hochgelobten Erfolge als Newcomer vor 5 Jahren anzuknüpfen, es steckt weitaus mehr in der Band als nur ein One-Hit-Wonder und eine Weiterentwicklung ist ebenfalls festzustellen.

Wer sich dennoch unsicher ist und die CDs nicht unbedingt zu seiner täglichen Playlist zählt, sollte sich trotzdem mal eines ihrer Konzerte ansehen und spätestens da merken, dass ihnen live einfach nichts entgegenzusetzen ist.

Fotos: André Techert

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