THE ASTEROIDS GALAXY TOUR – NL- Nijmegen, Doornroosje (11.11.2014)

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In einem Jahr kann viel passieren. Nach lĂ€ngerer Zeit war ich mal wieder in Nijmegen im Doornroosje und alles was ich ĂŒber den Club in Erinnerung behielt, war ein dunkler Saal in einem alten GebĂ€ude, inmitten eines Wohngebietes im Nirgendwo. Dazu noch die typisch hollĂ€ndische BĂŒhnenhöhe, die wohl aussagen soll "Wir in Holland sind nun mal grĂ¶ĂŸer!"

Doch was wir erblickten war ein ziemlich neues GebĂ€ude mit glĂ€serner Fassade. Diese Philharmonie beinhaltet neben eines ĂŒberdimensionalen Fahrradparkhauses im Untergeschoss auch den gesuchten Saal in GrĂ¶ĂŸe eines Clubs. Hat man die StahltĂŒr, die den Konzertraum vom Kinofoyer Ă€hnlichem Flur trennt, hinter sich gebracht, fĂŒhlt man sich erstaunlicherweise wirklich wie in einem eigenstĂ€ndigen Club.

Den Abend eröffnete Eveline Vroonland, deren Namen ich leider nachlesen musste. Zu schade, dass ich der hollĂ€ndischen Sprache nicht mĂ€chtig bin um verstehen zu können, was sie uns am diesem Abend erzĂ€hlte. Ausgestattet mit zwei Mikros und einem Midiboard begann sie die Wand, aus leider viel zu langanhaltenden GesprĂ€chen der Zuschauer, mit R’n’B und Soul zu durchbrechen. Es brauchte eine Weile um herauszufinden, was genau sie dort auf der BĂŒhne machte – bis dahin verstand man es als Soulgesang mit elektronischem Hintergrundbeat. Doch es war mehr als das: ĂŒber ihre zwei Mikrofone nahm sie unbemerkt mehrere Vocalparts auf und mischte sie als Loop in ihre Songs mit ein um sie dann per Tastendruck ihres Boards zu kombinieren. Das macht die Klasse dieser Musikerin aus, nicht ihre eintönige Gesangsakrobatik aus ihrer ohne Zweifel, perfekten Stimme und dem wohl vom Band laufenden konstanten Drumbeat. Sondern ihre Arbeit mit Liverecordings ihrer Stimme um wunderbare Backgroundvocals zu erzeugen. So kreierte sie einen Teppich aus Stimmen und HĂ€ndeklatschen, zu dem sie dann meist lĂ€chelnd, aber mit geschlossenen Augen, umhertĂ€nzelte.Am Ende wurde noch immer recht viel geredet, doch sie bekam einen respektvollen Applaus. An Material fehlte es ihr aktuell noch, da ihre Debut CD oder EP noch in Arbeit ist, von daher gab es auch noch keinen Merchandise von Eveline Vroonland.

Mit dem Cover der neusten Platte Bring Us Together als BĂŒhnenbild, kam das Lineup von The Asteroids Galaxy Tour auf die BĂŒhne und begann mit dem offensichtlichen Live-Intro und gleichnamigen ersten Track des Albums. Bis ungefĂ€hr 2012 hatten sie ihr Livelineup noch mit einem Posaunisten und einem Trompeter vergrĂ¶ĂŸert um die zahlreichen BlĂ€sersounds möglichst perfekt auf die BĂŒhne zu bringen. Außer bei grĂ¶ĂŸeren Veranstaltungen oder TV-Auftritten wie der diesjĂ€hrigen Berlinale, wo sie drei Songs live spielten um den gelangweilten Awardbesuchern ein wenig Abwechslung zu bieten, werden diese auf den derzeitigen Tourshows von elektronischen Hilfsmitteln ersetzt. Diesen Part ĂŒbernimmt Simon Littauer, zustĂ€ndig fĂŒr Keyboard, Synthesizer und Midipad, der in seinem Floridahemd nonstop zu seinem eigenen Beat mittanzt. Weitere Bandmitglieder bestehen aus dem Üblichen: Gitarre, Bass, Drums – wobei jeder auf der BĂŒhne seinen Quadratmeter Freiraum hat, auf dem er sich bewegen darf, denn Bassist und Drummer sind auf einem Podest platziert. Ordnung muss anscheinend sein, denn den Großteil der BĂŒhne nutzt Frontfrau Mette Lindberg voll aus, doch bevorzugt sie es möglichst nah am Publikum zu stehen, weshalb sie sich immer wieder schrittweise nach vorne wagte in Richtung weißer Randmarkierung. LĂ€ngst hatte sie bemerkt, dass das Publikum an diesem Abend nicht aufhören konnte sich zu bewegen und zu tanzen, was zum Großteil den Beats zu verdanken war, welche Bassist und Drummer live perfekt umsetzten – man konnte einfach nicht anders. Mette dankte dies mit hĂ€ufigem LĂ€cheln und Dauergrinsen, wĂ€hrend sie selber ĂŒber die BĂŒhne schlenderte bzw. tanzte. Überraschenderweise war ihre Stimme nahezu fehlerlos, wenn man mal bedenkt, dass sie sehr oft husten musste abseits des Mikros, oder sich kurz neben/hinter eine Box versteckte, damit dies nicht so sehr auffiel.
Mit einem Abschlussfoto vom Publikum, was ihr Ritual zu sein scheint und zwei Zugaben, bei denen sie erstmal ein großes Glas unbeabsichtigt vom Keyboard stießen und dessen Glassplitter sich quer ĂŒber die BĂŒhne verteilten, verabschiedeten sie sich mit verhaltenem Winken. Die BĂŒhne war einfach noch zu sauber um sie in diesem Zustand zurĂŒckzulassen.

Setlist THE ASTEROIDS GALAXY TOUR:
01. Bring Us Together
02. Navigator
03. Around The Bend
04. Suburban Space Invader
05. Lady Jesus
06. Push The Envelope
07. Hurricane
08. My Club
09. Choke It
10. Crazy
11. Hero
12. Heart Attack
13. Rock The Ride
14. Major
15. Dollars In The Night (Z)
16. The Golden Age (Z)

The Asteroids Galaxy Tour:

Eveline Vroonland:

Fotos: André Techert

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Fotos: PUBLIC SERVICE BROADCASTING

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