NENA – Köln, Theater am Tanzbrunnen (28.08.2014)

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Keiner wusste so genau, dass bei der Tourplanung ausgerechnet am Tag des geplanten Konzertes in Köln, das Gedenk-Festival der Angehörigen des 2004er Nagelbombenattentats im Kölner Stadtteil Birlikte stattfindet. Neben produktionstechnischen GrĂŒnden und eben auch dieser Überschneidung, fĂŒhlte man sich besser es letztendlich doch zu verlegen. Nun fand es nicht wie geplant am Pfingstwochenende statt, sondern am 28. August. Warum aus dem sogenannten "Open-Air Konzert" nun ein ganz normaler Gig im Saal des Theaters am Tanzbrunnen gemacht wurde, ist unklar. Fakt ist, dass es sich nicht wie erhofft, ausverkauft hat. Somit wĂ€hlte man wohl auch aus diesem Grund das Theater, in dem die BesucherflĂ€che nicht ganz so groß ist. Außerdem war das Wetter trotz der sehr angenehmen warmen 20 Grad mit Schauern prognostiziert.
Also ab in die noch wĂ€rmere Finsternis. Denn so hĂŒbsch das GebĂ€ude auch ausgestattet und aufgeteilt ist, man sah einfach so wenig, dass man anhand der Beleuchtung nicht feststellen konnte ob es bereits losging, sondern aufmerksam der BĂŒhne zugewandt, zuhören musste.

Den Anfang, im bereits gut gefĂŒllten Saal, machte Punkt 19 Uhr Nader Rahy. Seit 2004 ist er Gitarrist in Nenas Band. Er nahm zuletzt 2013 bei The Voice of Germany teil und erreichte unter Team Nena den 6. Platz. Ausgestattet mit Akustikgitarre und seiner tiefen sehr angenehmen Stimme, spielte er Songs ĂĄ la Singer-/Songwriter, die aber wesentlich bluesiger und rockiger klingen als gewöhnliche Folksongs. Unter den Besuchern setzten zwar viele ihre GesprĂ€che fort und prĂ€gten die ersten Minuten mit unaufmerksamem Gemurmel, doch hatte Nader bereits einen Großteil fĂŒr sich gewonnen. Neben eigenen StĂŒcken spielte er Personal Jesus, ein Depeche Mode Cover in einer Folkversion, die sofort ins Ohr ging. Um dies voll zu nutzen bat er das Publikum mitzusingen, und schĂŒchtern und verhalten, ertönte nach einigen Versuchen und Zögerns ein GrĂŒppchen das Naders Worten begeisternd folgte. Viel Zuspruch bekam er, als sein etwa 30-MinĂŒtiges Set ausklang und er noch darauf hinwies, dass er gerne fĂŒr Fotos am Merchandise nach dem Konzert zur VerfĂŒgung stĂŒnde.

Den Mittelteil beanspruchte eine bereits hierzulande bekannte SĂ€ngerin und Musikerin, die sich auf die letzten Jahre bzw. Monate eine wunderbare Freundschaft mit Nena aufgebaut hatte. Als Teilnehmerin der TV-Show The Voice of Germany im Jahre 2011, trat Sharron Levy mit ihrer Leidenschaft Nummer 1, gegen unzĂ€hlige weitere Gesangstalente an: ihrer Gitarre. Sofort prĂ€gte man sie sich ein – die mit der Gitarre, und nicht irgendeiner Gitarre, sondern einer E-Gitarre… in einer Castingshow! Allein durch dieses Markenzeichen und ihre einzigartige raue Stimme baute sie sich in kĂŒrzester Zeit eine Fanbase auf, die sie seither unterstĂŒtzt und ihr das ununterbrochene Touren ermöglicht hat.
WĂ€hrend der Umbaupause riefen und kreischten schon hier und da welche, als ob Nena bereits auf der BĂŒhne stĂŒnde – man war irritiert. Doch so plötzlich wie die gesamte Band um Sharron auf der BĂŒhne stand und den ersten Song anspielte, so schnell gingen bei vielen die Arme hoch, es wurde instinktiv mitgefeiert. Jubel, Geklatsche, es fiel Sharron selbst sofort auf, und schenkte ihr immer wieder ein LĂ€cheln ins Gesicht. So angetan und energiegeladen sie ihre Songs prĂ€sentierte und wie eine Joan Jett die BĂŒhne abrockte, so gefĂŒhlvoll und sympathisch erklangen ihre ruhigen StĂŒcke ohne Gitarre. Dann kamen die Momente an denen sie sich vollkommen den Besuchern hingab, sich auf eine Lautsprecherbox setzte, die Beine baumeln ließ um einfach den Leuten Songs vorzusingen, ohne KĂŒnstelei und Routine. NatĂŒrlich ist sie bereits eine professionelle Performerin, doch sie strahlt eine gewisse Sympathie aus, die einen einfĂ€ngt. Eines ihrer ersten Worte richtete sich an alle die gerne Fotos machen und Filmen. "Bei mir dĂŒrft ihr das! Aber bei den anderen.. nicht!" "Ein Fotograf! Bei mir dĂŒrft ihr das ganze Set fotografieren wenn ihr mögt!" Ihr was es egal, sie störte sich nicht daran sondern freute sich. Schön zu sehen, dass eine Castingteilnehmerin in ihrem Element angekommen ist und solide Shows abliefert die wirklich Applaus verdient haben auch wenn ihre Songs selber nicht sonderlich abwechslungsreich sind.

Mit qualvollen zehn Minuten VerspĂ€tung und immer wieder aufheizendem Geschrei und Jubel wurde die nutzlose Saalbeleuchtung komplett gedimmt und Nenas Band huschte endlich auf die BĂŒhne. Sie waren alle bereit zu beginnen und mit der eintretenden Musik kamen die drei BackgroundsĂ€nger dazu und endlose Augenblicke spĂ€ter auch Nena selbst. Fröhlich grinsend und immer gut gelaunt, tanzte sie sich sofort ins Konzert hinein. Unaufhaltsam bewegte sie sich von links nach rechts auf der BĂŒhne und steckte die ganze Masse an. SpĂ€testens beim zweiten Song Nur GetrĂ€umt wurde lautstark mitgesungen und man fragte sich, "Wie kann man diese Frau eigentlich NICHT mögen?". Jede Ikone hat auch ihre Schattenseite. Nicht so Nena, nicht an diesem Abend. Ihre Hits aus den Achtzigern wurden in neuem Gewand prĂ€sentiert, elektronisch untermalt und zu 100% ausgereizt, dass sie live wieder völlig in neuem Gewand erklangen. Auch Willst Du mit mir gehn wurde live etwas verĂ€ndert dargeboten. Langsam beginnend und mit einem kurzen Break in eine schnelle elektronischere Version fortgefĂŒhrt, was stetiges Mitklatschen zur Folge hatte. Nena fĂŒhlte sich wohl in Köln, als gebĂŒrtige Hagenerin, erwĂ€hnte sie auch, dass sie sich hier fast wie zu Hause fĂŒhle. Es sei ja gar nicht so weit weg.

Jedes Familienfest geht zu irgendwann zu Ende, doch als es vorbei war, wollte es keiner so wirklich glauben. Alle waren noch mittendrin. Dennoch schade, dass es nicht unter freiem Himmel stattfand, aber vielleicht dann beim nÀchsten Mal..

Nena:

Sharron Levy:

Nader Rahy:

Fotos: André Techert

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Fotos: PUBLIC SERVICE BROADCASTING

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