PETER GABRIEL – Back To Front – Live in London

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    Unsere Bewertung:


    9 Bewertung

    10 Bewertung 2

    9.5
    Wenn ein KĂŒnstler wie Peter Gabriel eine Live-DVD aufnimmt, erwartet man natĂŒrlich allerhöchste QualitĂ€t. Satte 47 Jahre, davon fast 40 solo, ist er mittlerweile im GeschĂ€ft und nur mit einem solchen Perfektionismus kann man es wohl so weit bringen wie der frĂŒhere Genesis Frontmann es getan hat. Seine Songs kennt praktisch jeder und wer einmal das GlĂŒck hatte, ihn und seine Stimme live zu erleben, der wird dieses Erlebnis sicher so schnell nicht mehr vergessen. So ergeht es mir jedenfalls seit ich Peter Gabriel und Band am 02.05.2014 in der Lanxess Arena Köln [Fotos und Review] endlich live bewundern konnte. Umso schöner, dass von genau dieser Back To Front Tour nun eine DVD/Blu-ray erschienen ist und diese auch ein komplettes Konzert abbildet, statt einzelne Songs herauszupicken. So kann man zuhause noch einmal miterleben, wie intensiv dieses Konzert tatsĂ€chlich war. Aufgenommen in London ĂŒberzeugt die Blu-ray mit einem scharfen Bild und einem fetten Sound (DTS HD High Res Audio), der einen sofort erfasst und in die Welt des Briten mit der warmen Stimme fĂŒhrt.

    Mehr als 25 Jahre sind seit dem Erscheinen seines Erfolgsalbums So vergangen und diese sind Ă€ußerlich vielleicht nicht spurlos an ihm vorĂŒbergegangen, an Charisma hat er jedoch ganz sicher nicht verloren und seine Stimme weißt absolut keinerlei ErmĂŒdungserscheinungen auf. Wie die Konzerte der Tour selbst, besteht natĂŒrlich auch das DVD-Konzert aus drei Teilen. Einer akustischen Vorspeise, der elektrifizierten Hauptspeise mit vielen Klassikern im neu arrangierten Gewand und als feine Nachspeise das Album So in seiner Gesamtheit sowie 2 Zugaben. Um den akustischen Teil so minimalistisch wie möglich zu prĂ€sentieren, blieb sogar das Saallicht an, ablenkende Lichteffekte sind hier Fehlanzeige. Passend zum elektronischen Teil geht das Saallicht aus und stimmungsvolle, zumeist relativ dĂŒstere Lichter umschmeicheln die Musik. Farbenfroher wird es dann bei So, um die Dreiteilung, auch was diesen Aspekt angeht, stringent durchzuhalten. FĂŒr besondere Lichteffekte und auch Kamerafahrten sorgen dabei die von maskierter Menschenhand ninjaartig bewegten LichtkrĂ€ne, die den KĂŒnstler beizeiten förmlich in die Enge treiben und ganz nah an uns heranholen. Das Ergebnis dieser Aufnahmen können die Zuschauer dann athmosphĂ€risch auf der BĂŒhne und zudem aus der Sicht der Kamera auf den zusĂ€tzlichen LeinwĂ€nden begutachten. Gerade bei Mercy Street ist das wirklich beeindruckend, wenn Peter den Song anmutig auf dem BĂŒhnenboden singt und wir jede einzelne Regung von ganz nah mitverfolgen können. Und auch sonst bringen Peter Gabriel und seine Begleitmusiker die jeweilige Stimmung der Songs genau auf den Punkt, lassen bei Red Rain die roten Lichtstrahlen nur so von der LED-Wand prasseln oder fĂŒhren kleine TĂ€nzchen zur Lockerung auf. Immer wieder wechselt Peter von der zentralen Gesangsposition in der Mitte der BĂŒhne zum Keyboard und gibt seinen handwerklich starken Musikern, darunter Tony Levin, David Rhodes, Manu KatchĂ© und David Sancious, die Möglichkeit etwas weiter in den Mittelpunkt zu rĂŒcken und zu glĂ€nzen. Das alles wirkt Ă€ußerst sympathisch, voller Spielfreude und ist perfekt inszeniert.

    Und auch die Message muss bei einem engagierten Menschen wie Peter Gabriel natĂŒrlich stimmen und so beschließt er das Konzert nach dem ersten Bonussong The Tower That Ate People wie ĂŒblich mit einer tiefgrĂŒndigen Ansprache und dem abschließenden Biko, das dem Apartheidsgegner und GrĂŒnder der Black-Consciousness-Bewegung Steven Biko gewidmet ist.

    Ein wirklich tolles Dokument einer beeindruckenden Tour von einem der ausdrucksstĂ€rksten KĂŒnstler unserer Zeit. Regisseur Hamish Hamilton hat hier ganze Arbeit geleistet und die Stimmung perfekt auf die Silberscheibe transferiert. Insbesondere die Bilder aus der Vogelperspektive sorgen zudem fĂŒr Aha-Effekte, die das Live-Erlebnis sogar noch nachtrĂ€glich zu steigern vermögen. Ich kann diese Blu-ray/DVD wirklich jedem ans Herz legen, es lohnt sich!

    Tracklist:
    01. Daddy Long Legs (O But)
    02. Come Talk To Me
    03. Shock The Monkey
    04. Family Snapshot
    05. Digging In The Dirt
    06. Secret World
    07. The Family And The Fishing Net
    08. No Self Control
    09. Solsbury Hill
    10. Show Yourself
    11. Red Rain
    12. Sledgehammer
    13. Don’t Give Up
    14. That Voice Again
    15. Mercy Street
    16. Big Time
    17. We Do What We’re Told
    18. This Is The Picture (Excellent Birds)
    19. In Your Eyes
    20. The Tower That Ate People
    21. Biko

    Die uns vorliegende Einzel-Disc enthÀlt den ungeschnittenen Konzertfilm sowie die Kurz-Doku The Visual Approach, die mit 6 Minuten Spielzeit leider etwas kurz ausgefallen ist. ZusÀtzlich gibt es eine Deluxe-Edition mit einer Bonus-DVD bzw. -Blu-ray sowie zwei Audio-CDs, die das Konzert nochmals, leicht geschnitten, im Audio-Format enthalten.

    Back To Front hier bestellen

    Geschrieben von
    Mehr von Michael Gamon

    Fotos: HAUJOBB

    HAUJOBB – Oberhausen, Kulttempel (22.12.2017) Ähnliche BeitrĂ€ge
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