SOUTHSIDE FESTIVAL 2014 – Neuhausen ob Eck, Flugplatz (20.06.-22.06.2014)

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    Insgesamt 65.000 Besucher kamen dieses Jahr nach Neuhausen ob Eck zum ausverkauften Southside Festival, welches damit nun schon zum zweiten Mal in Folge aufgestockt wurde. Noch letztes Jahr lag die Obergrenze der Besucherzahl bei ca. 61.000. Aber dennoch kam es damit nicht an sein Zwillingsfestival dem Hurricane bei Scheeßel heran, welches eine maximale Besucherzahl von 73.000 aufzuweisen hat. Doch das war den Leuten hier beim Southside komplett egal, denn das qualitativ hochwertige Line-Up war schließlich fast das Selbe und gute Stimmung gab es hier auch, aber dazu spĂ€ter mehr! So freute man sich auch dieses Jahr wieder Besucher des Southsides zu sein und jede Menge toller Acts, wie The Black Keys, Fettes Brot, Bombay Bicycle Club, Arcade Fire oder Interpol live erleben zu können. Und natĂŒrlich noch zusĂ€tzlich die Möglichkeit zu haben, mit seinen Freuden den Alltag fĂŒr mindestens ein Wochenende vergessen zu können. Das Ganze konnte dabei auf vier BĂŒhnen aufgeteilt werden. Zwei FreilichtbĂŒhnen, die 360qm große Blue Stage und die mit 280qm etwas kleinere Green Stage, zusĂ€tzlich noch ein 8-Mast Zelt (White Stage) und eine 88qm große BĂŒhne im Zelt der Red Stage. Die ĂŒber 350 wassergespĂŒlten Toiletten und 280 Duschen trugen ihren ĂŒbrigen Teil zum Komfort des Festivals bei, welcher gerade bei mindestens drei Tagen Aufenthalt nicht unterschĂ€tzt werden sollte.

    Das oft heiß diskutierte Thema und zugegebenermaßen auch kein unwichtiger Bestandteil eines jeden Festivals -das Wetter- war an diesem Wochenende ausnahmsweise einfach konstant gut, mit ca. 24°C und keiner Quellwolke am Himmel konnte man sich eigentlich ĂŒberhaupt nicht beklagen.


    Freitag, den 20.06.2014

    Am Freitag, den 20. Juni 2014 war es endlich so weit und mit einer Menge GepĂ€ck ging es frĂŒh morgens los. Mit dem ICE Richtung SĂŒden, dann der Regionalexpress nach Tuttlingen, gefolgt von einer Fahrt mit dem Bus und schlussendlich ein kleiner Weg zu Fuß. GrĂŒne Anreise, ganz gemĂ€ĂŸ dem Festivalmotto „GrĂŒn rockt!“? Check! FestivalbĂ€ndchen geholt? Check! Zelt aufgebaut und Krempel reingeworfen? Check! Tolles Wetter? Check! Bock auf Livemusik? Doppel Check! To-Do-Liste bis auf den letzten Punkt abgehakt? Check! Schnell noch die Luftgitarre einpacken und nichts wie Richtung Festivalareal.

    Das Anfangsprogramm ist dicht gefĂŒhlt mit allerlei aufstrebenden Newcomern, die sich aufmachten um das Southside Festival 2014 in ihrer halbstĂŒndigen Spielzeit von sich zu ĂŒberzeugen. Keine leichte Aufgabe, aber da viele Besucher bereits am Vortag angereist waren, tummelten sich schon vor den ersten Bands einige Besucher auf dem GelĂ€nde, um etwas zu essen oder trinken, sich die StĂ€nde anzuschauen oder um eine Runde mit dem Riesenrad zu drehen.

    Der erste Act den HauptbĂŒhnen waren The Bots auf der Green Stage. Das aus Mikaiah Lei (Gesang, Gitarre, Bass) und Anaiah Lei (Schlagzeug) bestehende Duo ist im Durchschnitt gerade mal 18 Jahre alt und wird schon mit den ganz Großen verglichen. Leider gab es zu Begin ein paar technische Probleme, die aber in den Griff zu bekommen waren. Die beiden BrĂŒder ĂŒberzeugten jedoch auf ganzer Linie und werden vermutlich auch in Zukunft noch viel von sich hören lassen.

    Es ist 17:00 Uhr und fĂŒr Jennifer Weist und ihre Kollegen von Jennifer Rostock ist es die Zeit die Green Stage zu rocken. EingĂ€ngige, rockige Musik mit deutschen Texten wird hier mit jeder Menge Sex zu einer stimmigen Mischung gepaart. Los geht’s mit Der KapitĂ€n vom vorletzten Album. WĂ€hrend Jennifer sich alle MĂŒhe gab mit anzĂŒglichen Bemerkungen oder Gesten das Publikum anzuheizen fiel beim Blick in die Menge auf, dass erstaunlich viele Fans weiblich sind. Bei einer heißen Frau als AushĂ€ngeschild der Band ein wenig verwunderlich. Es wurde viel getrunken und gefeiert aber bei all der Feierlaune konnten auch ein paar ernste Worte zum Thema Toleranz nicht fehlen. Mit Schlaflos (VÖ: 17. Januar 2014) hatte die Band das vierte Studioalbum am Start, von dem natĂŒrlich auch neues Material in Neuhausen ob Eck durch die Boxen schallte.

    Als nĂ€chstes stand der britische Singer-Songwriter Mike Rosenberg, besser bekannt unter dem KĂŒnstlernamen Passenger, auf dem Programm. Mit der Single Let Her Go schaffte er den Durchbruch und landete in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Platz Eins der Single Charts. Eine Gitarre und Humor sind seine Waffen um sich den tausenden Zuschauern zu stellen, denn viel mehr benötigt Passenger nicht fĂŒr seine Show. Dementsprechend schlicht sah auch die BĂŒhne aus, die nahezu komplett leergefegt war. Da merkte man ihm seine Wurzeln als Straßenmusiker an, denn als solcher kann man keine effektĂŒberladene Pyroshow mit TĂ€nzern und allem Drum und Dran auffahren. So lernte er frĂŒh nur durch seine Gitarre und seine Stimme zu ĂŒberzeugen, was er nun auch sehr gut kann. Schnell schaffte er es das Publikum fĂŒr sich zu begeistern und obwohl sicher eine ganze Reihe der anwesenden Leute nur seinen großen Hit kannten, dĂŒrfte er sich mit dem Auftritt ein bisschen markanter in ihre GedĂ€chtnisse eingebrannt haben.

    Noch wÀhrend der letzten Viertelstunde des Passenger Gigs ging es auf der Green Stage mit den Glasgower Indie-Rockern von Franz Ferdinand weiter. Tanzbare, rockige Musik ist ihr Markenzeichen und daher war es nicht weiter verwunderlich, dass auch auf dem Southside schnell Bewegung in die Menge kam. Es wurde geklatscht, getanzt und gefeiert. Frontmann Alex Kapranos animierte die Festivalbesucher zum Mitsingen und diese kamen seinem Wunsch gerne nach.

    Es gibt wenige Promofotos, die einem alles ĂŒber einen bevorstehenden Auftritt sagen. Das Bonaparte Promobild zeigt fĂŒnf Leute, jeweils mit einer Katze auf dem Arm oder der Schulter, in KleidungsstĂŒcken die vermutlich einem Ă€lteren, in Vergessenheit geratenen, Altkleidercontainer entnommen worden sind vor einem Sternenhintergrund. Und entsprechend abgefahren war auch das, was uns die Band am Freitagabend prĂ€sentierte. Wirre KostĂŒme und große, spiegelnde BĂŒhnenelemente die hin und her geschoben wurden von TĂ€nzerinnen, die eingekleidet waren als seien die KostĂŒme von 5-jĂ€hrigen aus einem Haufen MĂŒll gebastelt worden, waren zentrale Elemente der Show. Bonaparte verstanden es mit ihrer Elektropunk genannten Musik und der skurrilen Show das Southside sowohl akustisch als auch optisch in ihren Bann zu ziehen. Ein kurzweiliges VergnĂŒgen bei dem man nur eines besser nicht tut, nĂ€mlich nach einem tieferen Sinn zu suchen.

    Edward Christopher „Ed“ Sheeran war als nĂ€chstes an der Reihe. Mit Songs wie The A Team oder dem Song zum zweiten Hobbit Film I See Fire schaffte er es sich eine große Fangemeinde aufzubauen. Der britische Singer-Songwriter war an diesem Abend eine rockigere Variante von Passenger. Mit LED-LeinwĂ€nden im Hintergrund und viel Action auf der BĂŒhne konnte er von der ersten Sekunde an ĂŒberzeugen. Neben seiner Gitarre verwendete Sheeran ein Looper-Pedal, sodass auch ohne weitere Instrumentalisten kompliziertere StĂŒcke spielbar waren. So ließ er zwischenzeitlich seine Gitarre komplett links liegen um sich nur auf seinen Gesang konzentrieren zu können. Die Besucher stellten schnell fest, dass Ed Sheeran neben den bekannten und ruhigeren Songs auch richtig flotte Lieder im Programm hatte, bei denen sich seine Zunge förmlich ĂŒberschlug. Das rund 75 Minuten lange Konzert war wohl fĂŒr viele der Southside Besucher eines der Highlights des Freitags.

    Es war Party Zeit als die Mannen von Seeed die Green Stage fĂŒr 90 Minuten einnahmen und den Bereich vor der BĂŒhne in einen Dancefloor verwandelten, denn bei Seeed ist es schwer einfach still zu stehen. Der gekonnte Mix aus Reggae, Hip Hop und Dancehall begeisterte die Besucher und ein bisschen Bewegung, nachdem man sich den ganzen Tag vor den BĂŒhnen die Beine in den Bauch gestanden hatte, tat ihnen auch sicherlich gut. Seeed live zu sehen ist aus mehreren GrĂŒnden immer wieder beeindruckend. Zum einen schaffen sie binnen kurzer Zeit Stimmung und Bewegungsdrang. Zum anderen ist es einfach interessant zu sehen wie viele Leute zeitgleich auf der BĂŒhne stehen, immerhin hĂ€tte man aus der Menge der Bandmitglieder problemlos drei andere Bands machen können. Auch ist die Konstellation mit drei FrontmĂ€nnern (Pierre „Peter Fox“ Baigorry, Demba „Boundzound“ NabĂ© und Frank „DellĂ©â€œ DellĂ©) ungewöhnlich. Doch wie der Auftritt auf dem diesjĂ€hrigen Southside bewies gilt der Spruch „viele Köche verderben den Brei“ hier ausnahmsweise nicht, denn die Vielfalt an Musikern sorgte nicht fĂŒr einen Klangbrei, sondern fĂŒr ordentlichen und abwechslungsreichen Sound.

    Den Southside Besuchern wurde keine Pause gegönnt, denn direkt im Anschluss ging es auf der Blue Stage hochkarĂ€tig weiter. Auch der zweite Headliner des Southside Freitags kam aus Deutschland: Mit ihrem siebten Album 3 is ne Party im GepĂ€ck waren die Hamburger von Fettes Brot angereist. Es dauerte nicht lange da hatten es König Boris, Doktor Renz und Björn Beton geschafft die Besucher des Southside Festivals zum mitgröhlen und ausrasten zu bewegen. Auch wenn alles ab drei Leuten eine Party ist, machte sich das Ganze mit mehr als dem 10.000-fachen doch noch deutlich besser. WĂ€hrend die Brote einen Hit nach dem anderen (und davon haben sie nach mehr als 20 Jahren Bandgeschichte ja mehr als genug) in die Menge feuerten, stieg die Stimmung vor der BĂŒhne trotz der fortgeschrittenen Uhrzeit immer weiter an. Fettes Brot bewiesen erneut, dass guter Hip Hop voller Witz sein kann und auch ohne „isch fick deine Mudda“ Texte ĂŒberzeugt.

    Als gegen 02:00 Uhr die letzten Töne von Fettes Brot sowie Belle & Sebastian und Kavinsky Live auf den NebenbĂŒhnen in die Nacht schwirrten, machten sich die Festivalbesucher in Richtung ihrer Zelte auf, um den Festivalabend gemeinsam feiernd ausklingen zu lassen und die Highlights des Tages zu diskutieren. NatĂŒrlich war auch viel Vorfreude im Spiel, denn auch das Line-Up der beiden folgenden Tage war gespickt mit interessanten Newcomern und etablierten Topacts.

    Bildergalerie: Southside Festival Tag 1 (20.06.2014)
    u.a. mit Seeed, Fettes Brot, The Black Keys, White Lies, Passenger, Ed Sheeran

    Samstag, den 21.06.2014

    Der Samstagmorgen ist immer ein kritischer Punkt auf jedem Festival. Der Freitag, an dem man es traditionellerweise immer ĂŒbertreibt, hĂ€ngt einem jeden Festivalbesucher noch merklich in den Knochen und die Fortsetzung fĂ€llt zunĂ€chst erstaunlich schwer. Doch spĂ€testens das erste Konterbier, welches meist noch vor dem trockenen Brot, auch bekannt als FestivalfrĂŒhstĂŒck, runtergespĂŒlt wird, gib einem neuen Antrieb zum weiterfeiern. Außerdem war da heute doch irgendwas, was geklĂ€rt werden sollte. Ach richtig! Die deutsche Nationalmannschaft wollte heute den Gruppensieg gegen Ghana klar machen. Ja, da muss wohl spĂ€ter noch irgendeine Möglichkeit gefunden werden, um das Spiel sehen zu können. Aber jetzt konzentriert man sich lieber auf das zweite Bier und sichtet nochmal den Timetable, damit die Vorfreude auf den zweiten Festivaltag wieder aufflammt. Blood Red Shoes um 15.15 Uhr auf der Green, ja da mĂŒssen wir unbedingt hin. Oh Mist! Bombay Bicycle Club spielt zeitgleich mit Angus & Julia Stone. Die wollte ich beide doch schon mal unbedingt live sehen, was machen wir denn da?! Ein ganz normales Problem bei jedem Festival. Die Entscheidung erleichtert das dritte Bier, das ganz klassisch mit einer Runde Flunkyball in ca. 5-7 Minuten, je nach QualitĂ€t der Mitspieler, vernichtet wird. Denn hey, wenn der BĂŒrgermeister von Neuhausen ob Eck dieses Jahr schon eine Runde gespielt hat, dann will man sich ja auch nicht lumpen lassen. Also ging es dann pĂŒnktlich und mit guter Laune im GepĂ€ck, sowie dem obligatorischen Billigwein im Tetrapack, welcher mit sechs Lagen Powerklebeband zum praktischen Messenger-It-Bag umgewandelt wurde, auf das FestivalgelĂ€nde.

    Dort angekommen merkt man wieder, warum Festivals einfach eine klasse Sache sind. Diese lockere fröhliche und zugegebenermaßen auch angetrunkene Stimmung lĂ€dt einfach zum GlĂŒcklich sein ein und da mach ich gerne mit. Also ab zur Green Stage, um das Londoner Duo Laura-Mary Carter und Steven Ansell von Blood Red Shoes nicht zu verpassen. Sie prĂ€sentieren uns ehrlichen Alternative Rock mit Ecken und Kanten und bieten damit eine super Einstimmung auf den restlichen musikalischen Tag.

    Elektronischer wurde es um 16 Uhr auf der Blue Stage mit The Naked And Famous. Ein etwas jĂŒngeres Publikum, welches den Center Court der BĂŒhne ca. zur HĂ€lfte fĂŒllte, wartete auf die Band aus Auckland, die durch ihren Hit Young Blood 2010 internationale Bekanntheit erlangte. Die Frontfrau Alisa Xayalith, die mit einer wasserstoffblonden Kurzhaarfrisur, riesiger schwarzen Sonnenbrille und knallroten Lippen die BĂŒhne betrat, heizte der Menge ordentlich ein. Auch wenn diese das echt nicht mehr brauchte, denn die Temperatur hatte zu diesem Zeitpunkt mit bestimmt 25-26°C zu der Nachmittagszeit ihren Höhepunkt erreicht.

    Nach einer ca. 40 minĂŒtigen Stagetime beendete die Band ihren Auftritt mit dem erwĂ€hnten Hit und verabschiedete sich höflich. Als nĂ€chstes wollten wir uns die schwedische Rockgruppe The Sounds anhören, welche ebenfalls auf der Blue Stage spielen sollte. Deswegen nutzen wir die Pause zwischen den Konzerten um uns am GetrĂ€nkestand zu erfrischen. Schnell war der 0,33l Plastikbecher geleert und die nĂ€chste Konzertrunde konnte beginnen. PĂŒnktlich um 17.30 Uhr betrat die Band rund um Maja Ivarsson die Blue Stage. Mit viel Live-Erfahrung im GepĂ€ck wusste sie genau mit welchen SprĂŒchen sie die Menge gezielt motivieren konnte eine tolle Zeit zu haben. Auch wenn man zugeben muss, dass die Show der Band vor ein paar Jahren spritziger war, so sind Song wie z.B Painted by Numbers noch immer absolute Garanten fĂŒr eine tolle Live-Show.

    Doch jetzt war es erstmal genug direkte Sonneneinstrahlung fĂŒr den Moment. Da konnte nun auch kein kĂŒhles GetrĂ€nk mehr helfen. Deswegen haben wir uns vorgenommen die White Stage zu besuchen und zu ruhigen angenehmen KlĂ€ngen von Angus & Julia Stone ein wenig zu entspannen. Das australische Geschwister-Duo verbreitete von Beginn an im gesamten 8-Mast Zelt eine geradezu erholsame Stimmung, die einem das GefĂŒhl gab seine bisher gesammelten Festivalwunden kurieren zu können. NatĂŒrlich hatten sie auch ihren Hit Big-Jet Plane mit dabei, einen Titel, der einen förmlich schweben lĂ€sst und das ganz ohne sinneserweiternde Substanzen.
    Mit diesen noch sehr wohligen KlĂ€ngen im Ohr ging es wieder raus aus dem Zelt, wo die Sonne jeden trotz der schon fortgeschrittenen Zeit komplett blendete, zumindest fĂŒr einen kurzen Moment bis sich die Augen wieder an die neue Situation anpasst hatten.

    So, was kommt als nĂ€chstes? Doch bevor ich mir diese Frage selbst beantworten konnte, meldete sich schon mein Bauch, der Nachschub forderte. Also wieder zurĂŒck zum Basislager, wo die Dose Ravioli, auf die man sich doch schon irgendwie das ganze Jahr gefreut hatte, auf einen wartete. Wieder gestĂ€rkt fĂ€llt einem dann wieder ein, dass man noch eine Gelegenheit brĂ€uchte, das Fußballspiel sehen zu können. Und wĂ€hrend man so Gedanken versunken ĂŒber den Campingplatz stolperte sieht man sie, die verrĂŒckten Mitstreiter, die einem im Alltag so rar erscheinen. Da hatten doch tatsĂ€chlich ein paar Leute einen Beamer und Leinwand mit passendem Soundsystem auf den Zeltplatz geschleppt. Abgerundet wurde das Ganze von ein paar Bierbankgarnituren. Super! Da war ich dabei. Danke Leute! Aber nur fĂŒr die erste Halbzeit, denn jetzt musste ich schnell weiter, um mir noch einen guten Platz fĂŒr die Bielefelder Stimmungskanone Casper zu sichern. Doch auch hier wurde ich von den Mitstreitern nicht enttĂ€uscht, denn mitten in der Menge gab es jemanden, der sein ca. 5“ großes Smartphone in die Luft ragte, um somit auch den Umherstehenden die Gelegenheit zu geben die zweite Halbzeit mitzuverfolgen. Ein hoch auf ihn und ein hoch auf LTE. Dann ein kurzer StimmungsrĂŒckschlag – Ghana ging 2:1 in FĂŒhrung. So ein Mist, was ist denn da schon wieder schief gelaufen. Aber zum GlĂŒck passend zu Beginn der Casper-Show kam die Erlösung. Klose machte das 2:2 fĂŒr Deutschland. Jawohl! Jetzt konnte es mit Cas ja richtig losgehen. Und das tat es auch mit einer opulenten 2-geteilten Videoleinwand und dem nach vorn gehenden Song Im Ascheregen begann die Reise. Eine Show, welche immer ganz eng zwischen Kultur und Unterhaltung rangierte. Denn was Casper fĂŒr die Deutsche Musiklandschaft getan hat, ist einfach beachtlich. Wahrscheinlich ist auch das der Grund fĂŒr seine genreĂŒbergreifende AnhĂ€ngerschaft und fĂŒr das bestbesuchte Konzert an diesem Wochenende. Arcade Fire, die parallel als Headliner dazu auf der Green Stage spielten, kamen trotz einer der momentan meist gefeierten Live-Shows in Europa auf nur ca. die HĂ€lfte der Besucherzahl der Casper-Show.

    Um 0.30 Uhr war es dann Zeit fĂŒr den nĂ€chsten Headliner-Gig am Samstag. Ebenfalls wie Casper auf der Blue Stage waren nun die 4-fachen Grammy Gewinner Macklemore & Ryan Lewis an der Reihe der Festival Crowd den Rest zu geben. Mit Songs wie Thrift Shop und dem sogar zweimal gespielten Can’t hold us down, zu dem ja nun mal niemand ruhig stehen bleiben kann, taten sie dies auch. Abgerundet wurde das Ganze von einer schönen Pyro-Show und natĂŒrlich der unfassbaren BĂŒhnenprĂ€senz von Ben Haggerty aka Macklemore selbst. Nach dieser Show entschieden sich die Übereifrigen von uns, die noch stehen konnten, ins Partyzelt zu entschwinden, wĂ€hrend es sich der Rest auf den Isomatten bequem machte und voller Vorfreude auf den nĂ€chsten Tag in Ruhe einschlief.

    Bildergalerie: Southside Festival Tag 2 (21.06.2014)u.a. mit Casper, Macklemore & Ryan Lewis, Tocotronic, The Kooks, The Subways, The Sounds, Elbow

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    Sonntag, den 22.06.2014

    Aufgewacht! Letzter Tag des Southsides. Heute nochmal Vollgas geben, selbst das Konterbier wurde nicht benötigt, denn Restalkohol von gestern tat es noch. Schnell die trockene Scheibe Brot runtergeschlungen, zweimal in die Bifi gebissen und ab auf das GelĂ€nde. Heute erster Anlaufpunkt um 12:30 Uhr in der White Stage: I Heart Sharks. Die britisch-deutsche Band aus Berlin performte einen erfrischenden Indietronic, welcher selbst ohne Vorkenntnis der Songs zum Mitbewegen animierte und eine tolle Stimmung im Zelt verbreitete. Die drei Jungs machten einfach Laune und waren sicherlich glĂŒcklich darĂŒber hier auf dem Southside mitwirken zu können, wenn auch mit einem der frĂŒhesten Slots auf dem Timetable. Zum Schluss gab es noch I Heart Sharks-Aufkleber fĂŒr die Menge und dann leerte sich das Zelt auch nach einer halbstĂŒndigen Stagetime der Band rasch. Wieder auf dem GelĂ€nde merkte man deutlich, dass die Sonne es an dem heutigen Tage noch einmal etwas mehr wissen wollte und so hatte man ohne Sonnencreme mit LSF 30 echt ein Problem lĂ€ngere Zeit in der Sonne zu ĂŒberstehen. Somit wurde der gute alte Strohhut zu einem weiteren Must-have fĂŒr dieses Festival. Man konnte ihn in den allerverschiedensten Versionen auf den Köpfen der TrĂ€ger bestaunen, was vor allem die Besitzerin des einzigen Strohhutstandes auf dem FestivalgelĂ€nde sichtlich zu erfreuen schien. Sparsamere Besucher entschieden sich fĂŒr die Pappmasken-Variante, die man kostenlos am Pizza.de-Stand bekommen konnte. Sie wurde einfach hinten auf den Kopf geschnallt, um den Nacken nicht komplett wegbrennen zu lassen. Gewusst wie!

    Die nĂ€chste Band auf dem Zettel waren die Alt-Hip-Hopper von FĂŒnf Sterne Deluxe. Sie betraten pĂŒnktlich um 13:30 Uhr, stilecht mit eigener Bar im Schlepptau, die Blue Stage. Mit ihrer eigens komponierten Hymne ĂŒber sich selbst, 5 Sterne, machten sie die Hitze ein klein wenig vergessen. Denn wenn die Sterne eines besonders gut können, dann ist das gute, lockere Stimmung verbreiten und das war bei diesen Temperaturen einfach das Beste. Also zurĂŒcklegen, die melodischen Beats genießen, ĂŒber Textpassagen schmunzeln und sich dabei wie im Urlaub fĂŒhlen. Einfach Super!

    Gegen 14.45 Uhr wurde es dann wieder sehr eng auf dem GelĂ€nde rund um die Blue Stage, denn die junge britische Band Bastille stand als nĂ€chste in den Startlöchern und allem Anschein nach wollten viele Leute diesen einen bestimmten Auftritt nicht verpassen. Sie starteten direkt mit einem ihrer grĂ¶ĂŸten Hits, der gleichnamig mit ihrem DebĂŒtalbum Bad Blood ist. Die Menge kennzeichnete mit Jubelrufen diese nette Geste der Band und ein weiteres tolles Live-Musik Spektakel konnte beginnen. Der Frontmann Dan Smith wechselte oft zwischen den Liedern die Instrumente. Die schönsten Momente gab es aber zweifellos beim Lied Things We Lost In The Fire, bei dem er an einem zweiten Drum-set energisch mittrommelte. Dem Fakt geschuldet, dass die Jungs von Bastille erst ein Album veröffentlicht haben, kamen wir in den Genuss fast den kompletten Longplayer vorgespielt zu bekommen plus ihrem brachial guten Cover Of The Night.

    Danach wurde es in der Red Stage ein wenig rockiger und lauter bei den Jungs von You Me At Six. Mit einer Mischung zwischen Rock-Pop und Pop-Punk machte die Band zu Songs wie Bite My Tongue ordentlich Laune. Aber allzu lange konnten wir dort nicht verweilen, da wir die immer energiegeladenen Indierocker von The Wombats auf der Blue Stage um nichts in der Welt verpassen wollten. Auch wenn die Menge von den letzten zwei Tagen schon etwas ausgezerrt war, die Briten konnten zu Songs wie Tokyo, 1996 immer noch ein wenig Leben aus uns rauskitzeln und trotz brĂŒtender Hitze die Zuschauer im vorderen BĂŒhnenteil zu mitreißenden Circle Pits begeistern. Diese gipfelten in den letzten Song der Band und gleichzeitig absoluten Klassiker Let’s Dance To Joy Division.

    Doch nun erst mal wieder zum Camp, um eine gute Dose Fertigessen auf dem Campingkocher zu erwĂ€rmen, welche am letzten Tag einfach nicht mehr richtig munden mochte. Aber auch hier wird gekonnt der Abgang mit einer Dose des guten 5.0ers optimiert. Dann entschied ich mich aber doch lieber fĂŒr zwei Dosen, um mich dabei gleichzeitigt auf den letzten musikalischen Abschnitts dieses Festivals gebĂŒhrend einzustimmen. Den Anfang machten passend zur untergehenden Sonne die Melo-Rocker von Interpol. Aber hey, das muss auch mal sein. Schließlich ging mal wieder ein tolles Wochenende zu Ende, da durfte man sich dann ruhig mal ein wenig auf dĂŒstere Klangbilder mit stark verzerrten Gitarren und eine der markantesten Stimmen aus diesem Genre einlassen. Begonnen haben sie mit Say Hello To The Angles, wobei es wohl eher unwahrscheinlich ist dies wörtlich zu nehmen. Denn in ihrem Auftritt versuchten sie, wie man es schon von ihnen gewohnt ist, alles möglichst schön dĂŒster zu halten. Auch ihr gewohntes Schweigen auf der BĂŒhne haben sie nur selten gebrochen, um somit den Fokus ihres Auftrittes stark auf ihre pure Musik zu richten. Ein anderer erfreulicher Punkt fĂŒr die meisten Fans war, dass sie mit Liedern wie My Desire, Titel ihrer am 05.09.14 erscheinenden Platte El Pintor spielten und so schon mal die Vorfreude aus dieses bald erscheinende Album steigerten.

    Um nun aber nicht komplett in Depression an einem so schönen Abend zu verfallen, gingen wir rĂŒber zur Green Stage, auf der sich fĂŒr 20:15 Uhr, also quasi zur Prime Time, die Spaßmacher von Kraftklub angekĂŒndigt hatten. Mit einer großen Inszenierung und mehreren Fahnenschwingern betraten Frontmann Felix und seine Jungs die BĂŒhne. Im Hintergrund gab es ein riesiges Transparent, welches den Titel und das Datum der Veröffentlichung ihres nĂ€chsten Studioalbums ankĂŒndigte. In Schwarz soll es heißen und am 12.09.2014 ĂŒber Universal Music in die PlattenlĂ€den kommen. Aber jetzt waren wir erstmal hier, um neben einem kleinen Ausblick auf Neues auch nochmal den VorgĂ€nger Mit K live genießen zu können. Felix wusste, was er noch am Sonntag vom Southside fordern konnte und das war nichts Geringeres als jegliche letzten Reserven, die noch in uns steckten. Im Gegenzug gab aber auch die Band alles ihnen zur VerfĂŒgung stehende, um mit der rasenden Menge Schritt zu halten. So waren die am Anfang erwĂ€hnten maskierten Fahnenschwinger die Hip-Hop Band K.I.Z, welche sich die Masken zum neunten Lied vom Kopf zogen und Juppe fĂŒrs Gehirn performten. Einen besonderen Bonus gab es noch zum letzten Lied, die Zugabe des Songs Songs fĂŒr Liam, an dem sich als Spezial Guest kein geringerer als Herr Benjamin Griffey aka Casper himself beteiligte, womit ein Live-Event der Spitzenklasse gekonnt abgerundet wurde.

    Nun aber zum Endspurt des Southsides nochmal schnell zu Lily Allen auf der Blue Stage. Mit einer farbenvollen Live-Show, viel nackter Haut ihrer Background-TĂ€nzerinnen und den dazu schlĂŒpfrigen Songs wie Sheezus, war es schon echt ein Erlebnis sie live zu sehen. Das machte es auch wett, dass diese KĂŒnstlerin vielleicht nicht die beste ErgĂ€nzung des sonst eigentlich sehr stimmigen Line-Ups war. DafĂŒr dann das Kontrastprogramm um 22:00 Uhr, nochmal richtig ehrlichen Rock vom Headliner und somit letzten Gig fĂŒr das diesjĂ€hrige Southside von Volbeat. Massentaugliche hĂ€rtere GitarrenklĂ€nge und eine angenehme rockige Stimme beflĂŒgelten uns nochmal die letzten AtemzĂŒge der Festival-Live-Musik tief zu inhalieren und ausgelassen zu feiern. Vielleicht in diesem Moment nicht nur die Musik der Musiker, die vorne alles gaben, sondern auch ein StĂŒck weit uns selbst, dass wir uns auch dieses Jahr wieder die schönen Strapazen des Southsides angetan haben. Und wĂ€hrend die Band die Menge zu Songs wie Cape Of Our Hero zum Springen und Tanzen brachte, freuten wir uns, dass wir dieses Jahr wieder hier sein konnten. Auf dem Southside. mit diesen wunderbaren Menschen, einer tollen AtmosphĂ€re, einem großartigen Line-Up, was alles gegeben hat uns zu Unterhalten und uns verhalf an diesem Wochenende wir sein zu können. Wir sagen sage danke, danke Southside, bis zum nĂ€chsten Jahr!

    Bildergalerie: Southside Festival Tag 3 (22.06.2014)u.a. mit Pixies, Lily Allen, Kraftklub, Donots, Broilers, Bring Me The Horizon

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    Fotos: Markus HillgÀrtner

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    Southside Festival Tag 1 (20.06.2014)u.a. mit Seeed, Fettes Brot, The Black Keys, White Lies, Passenger, Ed Sheeran

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    Geschrieben von
    Mehr von Kevin Linka

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