Nine Inch Nails – Hesitation Marks

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9 Bewertung

9

Es immer ein ganz schmaler Grat, wenn eine Legende ein neues Album veröffentlicht. Was wĂŒnscht man sich als Fan in einem solchen Fall? Das Ganze soll doch bitte nach Möglichkeit genauso kultig und stark sein wie frĂŒher, einen hohen Wiedererkennungswert besitzen, aber man muss trotzdem eine deutliche Weiterentwicklung erkennen können. Also: Alte StĂ€rken – neue Kraft! Kein leichtes Unterfangen wie man sich denken kann und schon viele sind daran –zum Teil klĂ€glich- gescheitert! Aber im hier vorliegenden Fall handelt es sich ja zum GlĂŒck nicht um einen von vielen, sondern um Nine Inch Nails und den genialen Mastermind und Multiinstrumentalist Trent Reznor, der natĂŒrlich auch auf Hesitation Marks fast alles im Alleingang eingespielt hat. Kein Wunder also, dass auch auf dem neuen Album alles, trotz aller Abwechslung, wie aus einem Guss klingt.

Nine Inch Nails bietet dem Hörer auf Hesitation Marks ganz wie gewohnt Einiges, angefangen vom tollen Start mit Copy Of A und Came Back Haunted, ĂŒber einen ĂŒberraschenden Mittelteil (Everything) bis hin zum trippig-monotonen While I’m Still Here, das danach im noisigen Black Noise förmlich zergeht. Vor allem der angesprochene Start hat es mir dabei -nicht zuletzt seit den alles ĂŒberragenden Auftritten in diesem Festivalsommer- angetan, denn hier beweist Trent mal wieder eindrucksvoll, dass man auch tolle Songs mit vielen Feinheiten, aber ohne jegliche Effekthascherei kreieren kann. Allein in Copy Of A stecken so viele Ideen und musikalische Abwechslung, das Ganze drĂ€ngt sich einem aber nicht plakativ auf, sondern ist so geschickt arrangiert, dass man beim bloßen Abspielen zunĂ€chst gar nicht bemerkt, wie oft sich die verwendeten Elemente Ă€ndern. Alberne Schockelemente wie sie von anderen Bands gerne mal verwendet werden sind Tabu und trotzdem klingt das zu keinem Zeitpunkt nach Mainstream. Letzteres gilt in meinen Augen auch fĂŒr Everything, dem vieldiskutierten „Popsong“ des Albums. Viele haben sich fĂŒr ihr Urteil vielleicht auch wirklich nur die ersten 32 Sekunden bzw. die Strophen angehört, denn danach nimmt der Song ja doch einiges an Fahrt auf und ich empfinde ihn somit zwar als eher NIN untypisch, aber nicht als zu poppig. Vielmehr erinnert er mich ein wenig an eine moderne Nine Inch Nails Interpretation von Dinosaur Jr. Material. Doch zurĂŒck zum Start und der ersten Singleauskopplung Came Back Haunted, einem fast hypnotischen Song, der ein ebenso feines Video von Kultregisseur David Lynch spendiert bekam. Nine Inch Nails und David Lynch? Eine wahrlich unschlagbare Kombination!

Damit hĂ€tten wir dann zwar schon die offensichtlichen Kracher auf Hesitation Marks abgehandelt, doch es gibt auch beim restlichen Material viel zu ergrĂŒnden und so vermögen es Songs wie Find My Way oder While I’m Still Here je nach aktueller Stimmung mal mehr, mal etwas weniger Eindruck zu hinterlassen. Ich kann nur raten, das Album laut, ohne Ă€ußere StörgerĂ€usche und am besten vielleicht sogar im Dunklen zu hören, denn dann erschließt sich erst die wahre Schönheit dieses feinen Werks.

Auch wenn die zweite HĂ€lfte des Albums etwas abfĂ€llt, ist es Nine Inch Nails mit Hesitation Marks durchaus eindrucksvoll gelungen genau das zu erfĂŒllen, was ich mir von einem solchen Album, wie eingangs erwĂ€hnt, erhoffe. Die Songs konnten so einfach nur der Feder Reznors entstammen, alles atmet den Geist des bisherigen Oevre, ohne jedoch bereits Veröffentlichtes zu kopieren. Vielmehr verabreicht Reznor seinen Songs eine elektronische Frischzellenkur und stellt sich damit wieder einmal ganz nach oben auf der Innovationsleiter. Well done Trent!

Tracklist:
01. The Eater Of Dreams – 00:52
02. Copy Of A – 05:23
03. Came Back Haunted – 05:17
04. Find My Way – 05:16
05. All Time Low – 06:18
06. Disappointed – 05:44
07. Everything – 03:20
08. Satellite – 05:03
09. Various Methods Of Escape – 05:01
10. Running – 04:08
11. I Would For You – 04:33
12. In Two – 05:32
13. While I’m Still Here – 04:03
14. Black Noise – 01:29

Autor: Michael Gamon

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