M’ERA LUNA FESTIVAL 2013 – Hildesheim, Flughafen Drispenstedt (10.-11.08.2013)

Geschätzte Lesezeit: 13 Minute(n)

Letzten Samstag war es wieder soweit: das MŽera Luna Open Air in Hildesheim öffnete wieder seine Pforten und das Who is Who der Gothicszene gab ein Stelldichein, welches sich sehen lassen konnte. Nebenher wurde der Besucherrekord gebrochen: 25.000 Menschen strömten auf das FlugplatzgelÀnde, um den Konzerten ihrer Lieblingsbands zu lauschen. Und das Lineup konnte sich auch dieses mal wieder sehen lassen.


Samstag, den 10.08.2013:


Hangar Stage

Die Melodic Gothic Rock Band RĂȘverie, die In Extremo auf ihrer
Deutschland-Tour supporten durften, hatte das VergnĂŒgen, das MÂŽera Luna
Festival im Hangar zu eröffnen. Und das Publikum in der ganz gut
gefĂŒllten Halle war immerhin wach genug, um auf die Animationen von
SĂ€nger Max einzugehen und die Stimmung war ob der frĂŒhen Tageszeit schon
richtig gut. Ähnlich ging es mit den nachfolgenden Industrial-, Electronic- und Metal-Sounds von Desdemona weiter, bevor die erste bekanntere Band auftrat: The Arch muss man nicht groß vorstellen, denn die Belgier gehören schon eine geraume Zeit zu den klassischen Electro-Wave Bands unserer Zeit, die bereits 1987 mit ihrem ersten Demo fĂŒr Aufsehen sorgte. Nach einem knarzenden Synthie Intro, garniert durch atmosphĂ€rische GitarrenklĂ€nge, mit einem Sound zwischen The Sisters of Mercy, Bauhaus und The Eternal Afflict brachten die Jungs Hits wie No noise oder Babsi ist tot, der Klassiker jeder 90er Jahre Gothic Disco auf die Bretter. Die eher zurĂŒckhaltende Show animierte eher zum Mitwippen als zum Abfeiern und beim Song Ribdancer suchte Frontman CUVG die NĂ€he zum Publikum, schaute die Menschen durchdringend an und trank zur Feier des Tages aus dem Bierbecher eines ĂŒberraschten Fans. Die Zuschauer wĂŒrdigten den musikalischen Genuss durch großen Applaus. Nachdem Eisenfunk und Cultus Ferox die Halle beglĂŒckten, war es Zeit fĂŒr den nĂ€chsten Höhepunkt. Diorama konnten live mal wieder ĂŒberzeugen, denn nach einem ausfĂŒhrlichen Soundcheck der Band konnte es schließlich losgehen und SĂ€nger Torben Wendt erschien mit neuer Kurzhaarfrisur auf der Szene. Der perfekt gefĂŒllte Hangar und die sympathische Performance, die sich auch Daniel Myer von Haujobb nicht entgehen lies, kam genau da an, wo sie hingehört: mitten im Herz. SpĂ€testens beim beim Hit Synthesize me kam Bewegung in die vier WĂ€nde und die Zuhörer lauschten berauscht den göttlichen KlĂ€ngen von Child of Entertainment und weiterem Liedgut der Band. Das Publikum anzumachen ist nicht der Stil von Diorama und das aus gutem Grund: allein die Musik und die PrĂ€senz der Musiker reichten aus, um aus dem Konzert ein Happening zu machen. Haujobb hauten in eine ganz andere Kerbe als viele andere Ă€hnlich gelagerte Acts. Elektromeister Daniel Myer, unterstĂŒtzt durch seine Bandmitglieder an den Live E-Drums brachten genau das, was man von ihnen erwartete: in violettes Licht getaucht gab es Tracks wie Lets drop bombs, den man heute schon als Klassiker betiteln kann, Dead Market und natĂŒrlich Renegades of Noise, welcher mit Myers Worten "Das ist Electronic Body Music" eingeleitet wurde. Die Ordner hatten aufgrund der tanzwĂŒtigen Meute einiges zu tun. „Schön dass ihr hier seid und nicht da!“ scherzte ein gut aufgelegter Daniel und deutete auf die Mainstage. Und das war auch gut so, denn das schöne Ambiente auf der BĂŒhne zeigte mal wieder, dass auch Elektronik große GefĂŒhle transportieren kann. Gothminister und Nachtmahr hatten schließlich das VergnĂŒgen, die volle Aufmerksamkeit der Fans zu genießen, ehe eine weitere Band auf der Szene erschien. Die 80er Jahre Kultgruppe The Klinik durften den musikalischen Reigen im Hangar beschließen und diese Aufgabe meisterten sie perfekt. Es war eine gute Wahl, in der Halle zu spielen. Denn die vier WĂ€nde halfen, die beklemmende AtmosphĂ€re der Musik einzufangen. Mit verbundenen Maskengesichtern, simplen Texten und analogen Minimalsounds prĂ€sentierte das Duo bestehend aus Dirk Ivens (Absolute Body Control, Dive) und Peter Mastbooms (Vomito Negro) seine Musik, die aus einer anderen SphĂ€re zu kommen scheint. Tracks wie Bite now bite, Black Leather und Hours and Hours gehören zu den besten Titel aus den Anfangszeiten der Industrial Music und kamen live besonders gut an.

Main Stage

Nachdem die Metal Gruppe Mollust den ersten Tag des Festivals auf der Mainstage eröffnete, rockte Lord of the Lost, die Hamburger Dark-Rock Band nach einem martialisch anmutenden Intro sofort los und das stark geschminkte Quartett sorgte fĂŒr einen vollen Platz vor der Open Air BĂŒhne. Doch nicht nur ihre Songs wie Dry the Rain, Prison und Blood for Blood sorgten fĂŒr Hörgenuss und Schauwerte, sondern auch die gestĂ€hlten Körper der Bandmitglieder, die bestimmt einige Stunden Workout hinter sich gebracht haben. Nicht nur Lord of the Lost waren fit, auch ihre Musik sorgte fĂŒr bewegte Körper. Und auch ein defektes Mikro hielt die Gruppe nicht auf, sangen die Fans halt alleine weiter. Ein auf die BĂŒhne fliegender SchlĂŒpfer traf nicht SĂ€nger Chris „The Lord“ Harms, sondern die Fotografin, die ihn gekonnt mit einem Bein wegkickte. Nach End of Green wurde es Zeit, dass die nĂ€chste Band aufspielen durfte. Ost+Front, das ist neue „deutsche HĂ€rte“ zwischen Rammstein und Oomph!, deren erster SĂ€nger Chris L. (Agonoize) die Band kurz nach ihrem ersten Auftritt beim MÂŽera Luna 2011 verließ. Auch diese Kombo zeigte ihre bemalten und stĂ€hlernen Körper, nur der Sound war im Gegensatz zur VorgĂ€ngerband ungleich simpler und erinnerten nicht nur an Kinderreime, sondern auch melodisch und rhythmisch sehr stark an etliche Rammstein Songs. Heimkind z.B. atmet den Geist von Rammsteins Sonne ein und bei Dein Kanal erschien ein kleinwĂŒchsiger Komparse auf der Szene, der im Laufe des StĂŒckes von SĂ€nger Hermann Ostfront gestreichelt wurde. Bei einem Song wurde sogar noch jubelnder Applaus von CD eingespielt, was an sich unnötig war, denn applaudiert wurde mehr als genug. Nun sollten aber nach den eher rockigen Bands auch die Synthiepopper ihre Chance auf Partystimmung bekommen, denn die britische Band Mesh war nun an der Reihe mit Keyboarder und Livedrummer die Massen zu begeistern. Mit Hits wie You didnÂŽt want me, Crash und Born to lie wussten sie zu ĂŒberzeugen und mussten sich nicht anstrengen, Stimmung zu erzeugen. Ihre Songs wurden wie schon bei der letzten Tour durch eine weibliche Stimme, die Album- und Tracktitel ansagte, eingeleitet. Eine nette Idee. Die Boys aus Bristol sangen einige alte Mesh Classics und ĂŒberraschenderweise sehr viele Songs des aktuellen Albums Automation Baby!. Die meisten Bands spielen eher eine „Best of“ auf Festivals, aber Mesh sind eben anders und das ist auch gut so. Saltatio Mortis war dann die erste Band mit „Mittelalter Flair“ und unvermeidlichen DudelsĂ€cken und Leiern im GepĂ€ck und die Spielleut gaben den Fans Lieder wie Ode an die Feindschaft, Habgier und Tod und Prometheus, bei dem einfach eine tolle Stimmung herrschte. „Wir haben doch keine Zeit!“ rief SĂ€nger Alea der Bescheidene ihren JĂŒngern zu und beim Song Eulenspiegel konnte man einen netten „Nananana“-Chor der Fans hören. Als Überraschungsgast erschien Mono Inc.-SĂ€nger Martin Engler auf den Brettern und unterstĂŒtzte Saltatio bei ihrer neuen Single Wachstum ĂŒber alles, in der die deutsche Nationalhymne eingearbeitet wurde. Alea betonte mehr als einmal, dass man den Text bitte nicht falsch verstehen solle. Nachdem die amerikanische Gruppe The CrĂŒxshadows ihre Standardshow zum Besten gab, eroberten die alten Bekannten Mono Inc., die BĂŒhne, an denen man in den letzten Jahren auf keinem Festival vorbeikam. Heile Heile Segen, Worst Enemy und Voices of Doom sind die StĂŒcke, auf die die Fans warteten und eben diese haben sie bekommen. Die neue Single Kein Weg zu weit wurde als Duett mit Joachim Witt aufgenommen und Herr Witt war dann auch auf der BĂŒhne als Gastinterpret mit dabei und auch (was zu BefĂŒrchten war) ein Kinderchor. Interessanter wurde es dann mit einer Art Akustikversion des Iggy Pop Klassikers The Passenger, den Martin an der Gitarre prĂ€sentierte. Aber auch Katha Mia, die Frau an den Drums und Backing Vocals durfte bei einer Trommelperformance vorne am BĂŒhnenrand ihr Können zeigen. Danach gab es ein schönes Schmankerl zu genießen, denn Deine Lakaien servierten eine Akustik Show ihrer grĂ¶ĂŸten Hits. Ernst Horn am Piano sah mit seinen langen Haaren aus wie ein Althippie und Alexander Veljanov wie immer mit altbekanntem-und bewĂ€hrtem Haarschmuck. Die Band zeigte in ihrer unverwechselbaren Art, dass Veljanovs Stimme und Horns gekonntes Klavierspiel sogar ein solch großes Event wie das MÂŽera Luna tragen kann. Bei Over and done zeigte Horn eine Saitensolo-Einlage am Klavier und es herrschte eine andere Stimmung als bei den vorherigen Bands. Dennoch muss man sich fragen, was die Verantwortlichen geritten hat, die Lakaien so frĂŒh am Abend zu platzieren, wĂ€re die Wirkung der Performance im Dunkeln mit stimmungsvollen Lichteffekten noch besser gewesen. Der Frankfurter Act ASP, der lyrischen Gothic Rock darbot, ist ein alter und gerngesehener Bekannter auf dem MÂŽera und ihre Songs wie Wechselbalg (Mit imposanter Pyrotechnik), Duett (Das Minnelied der Incubi) (geadelt mit Gastgeigerin Ally the Fiddle) und Krabat (Nach dem Roman von Ottfried Preußler), der so richtig nach vorne rockte, ließen so einige Herzen der Musikliebhaber höherschlagen. Aber auch Und wir tanzten mit einem wunderschön anzusehenden Wunderkerzenmeer und Schneemaschine erzeugten GĂ€nsehaut en masse. Hunderte von MĂ€dchen haben sicherlich auf diesen Augenblick gewartet, dass Megaschwarm Ville Valo auf der BĂŒhne erscheint und am Ende des tollen Festivaltages wurden sie belohnt. Denn seine Band HIM („His Infernal Majesty“) war die Krönung des Festivaltages. Die finnische Band wirbelte zu spĂ€ter Stunde den Staub auf, den die Festivalbesucher den ganzen Tag in Nase und Atemwege hatten und rockte die Songs Wings of a Butterfly, Right here in my Arms und den Megaseller Join me (der berĂŒhmte Song mit dem bekannten Piano) vor dem riesigen Heartagram Banner. NatĂŒrlich durfte die Chris Isaac Cover Version Wicked Game nicht fehlen und Ville konnte wieder gekonnt seinen Seufzgesang anstimmen, was vor allem die weiblichen Zuschauer entzĂŒckte. Und diesen Moment dĂŒrften sie wohl in ihren TrĂ€umen in Zelt oder Hotelzimmer noch einmal nacherlebt haben. Alle anderen werden in Erinnerung an den ersten Festivaltag friedlich eingeschlummert sein.

Sonntag, den 11.08.2013:


Hangar Stage

Den Anfang des zweiten Festivaltages auf der Hangar Stage machte niemand anderes als Kai Meyer, der eine Lesung u.a. seiner Arkadien-Trilogie zum Besten gab. Die Zuschauer in der teilbestuhlten Halle lauschten bedĂ€chtig den Worten des Schriftstellers, der auch aus seinem ersten Erfolg der 90er Jahre – Die Alchimistin – vortrug. Gesanglich unterstĂŒtzt wurde er durch Alexander „Asp“ Frank Spreng von ASP, der zwei von den Arkadien inspirierten Songs begleitet an der Akustikgitarre vortrug. Weiter ging es mit der Dark Metal Band Eden weint im Grab, die den Zuschauern Songs wie Gespenster Revue im Theater Obszön, An die Nacht und Moritat des Leierkastenmanns kredenzte. Die britische Band In the Nursery ist wohl eine der bekanntesten Neo Klassik Gruppen schlechthin. Die Zwillinge Klive und Nigel Humberstone sind mit dem Projekt bereits seit 1983 unterwegs und spielten eine Mischung aus alten und neuen Hits, z.B. A Rebours (in einem tanzbaren Remix), Crepuscule und Lectern vom neuen Album Blind Sound. Die stimmliche Leistung der SĂ€ngerin Dolores Marguerite C passte sehr gut zur soundtrackĂ€hnlichen, oft pathetischen Musik und die BrĂŒder zeigten an Keyboard, Gitarre und Drums, dass sie nicht nur tolle Melodien zaubern können, sondern auch gute Livemusiker sind. Das Ambiente, welches sie in den Hangar zauberten, war einfach unbeschreiblich schön und verleitete das Publikum zu einigen Zugaberufen. Ein Ă€hnliches GefĂŒhl wusste die niederlĂ€ndische Band Clan of Xymox zu erzeugen, denn das Quartett, welches immer fĂŒr gute Konzerte bekannt ist, musste sich nicht groß anstrengen, um Stimmung zu erzeugen. Wie es sich fĂŒr „Altgothics“ gehörte, spielten ein gutgelaunter Ronny Moorings und seine Clanmitglieder mit viel blau-grĂŒnem Licht und einer Menge BĂŒhnennebel ihre grĂ¶ĂŸten Smasher wie Emily, Moscovite Mosquito, Jasmine And Rose und A Day. Bei Louise, einem der schönsten Waverock Songs aller Zeiten kamen Erinnerungen an unvergessliche Zeiten auf den dunklen Dancefloors der Nation auf und man begann unweigerlich zu TrĂ€umen und zu Tanzen. Kaum hatte man sich umgeschaut, spielte die Band bereits ihr letztes StĂŒck Venus vom Cover Album Kindred Spirits, welches nur teilweise ĂŒberzeugen konnte. Nachdem das EBM/Futurepop Projekt [:SITD:] aus dem Ruhrgebiet die Fans mit ihren harten Beats und tiefgehenden Texten zu begeistern wusste, war es Zeit fĂŒr einen weiteren Leckerbissen audiovisueller Art: Kirlian Camera aus Italien sind immer ein Anschauen wert, da die Band sich seit ĂŒber 30 Jahren immer wieder neu erfindet und mit der Augenweide Elena Alice Rossi, deren Stimme den Zuhörer sofort in ihren Bann zieht, eine sexy Frontfrau aufzuweisen hat. Im schicken weißen Hemd und lasziven Posen verbreitete sie Erotik pur, Mastermind Angelo Bergamini als Maskenmann bediente die Tasten und zwei Gitarristen sorgten fĂŒr rockige AttitĂŒde. Die Gruppe hatte ihre Hits Nightglory, K-Pax, Eclipse und Edges im GepĂ€ck und kam vom ursprĂŒnglich rein elektronischen Ansatz aufgrund Gitarre und Cello weg, was den Songs eine weitere Ebene aufzeigt. KC zeigten, wie sie den gut gefĂŒllten Hangar begeistern konnten, indem sie u.a. dem Pink Floyd Klassiker Perfectly Numb neues Leben einhauchten. Chris Corner, SĂ€nger und Enfant Terrible der britischen Band Iamx musste leider aus gesundheitlichen GrĂŒnden absagen, aber schnell haben die Veranstalter einen mehr als wĂŒrdigen Ersatz gefunden. Zeromancer brachten songorientierten Synthrock der Extraklasse, der sofort ins Ohr geht auf das Parkett. Die Fans hatten das VergnĂŒgen, Songs wie Sinners International, Neo Geisha und DoppelgĂ€nger i love You zu genießen und taten dies auch ausgiebig. Der musikalische Funken und das sympathische Erscheinen der nordischen Jungs taten das Übrige, um aus dem „Ersatzkonzert“ etwas Besonderes zu machen. Fast ergreifend war der Moment, als Zeromancer Chris Corner gute Besserung wĂŒnschten und kurz den Iamx Song After Every Party I Die anspielten. Die Kultcombo Front Line Assembly war die letzte Band dieses Festivals auf der Hangar Stage und feierte mit ihren Fans diesen Umstand mehr als ausgelassen. DĂŒstere, nebelverhangene BĂŒhne mit viel Elektronik aber auch ein analoges Drum im Livesetup, das sind die Zutaten eines FLA Konzertes. Frontman Bill Leeb, der in Kanada lebt und gebĂŒrtiger Österreicher ist, schlenderte oft teilnahmslos ĂŒber die Szene und brachte Tracks wie Mindphaser, Plasticity und StĂŒcke vom aktuellen Album Echogenetic an die Öffentlichkeit. Die teils brachiale Elektronik mit einigen MetaleinflĂŒssen kam sehr gut an und was man gerne vergisst: hinter all der Energie und HĂ€rte verbergen sich oft ausgefeilte Kompositionen mit guten Melodien. Der perfekte Abschluss eines tollen Konzertabends.

Main Stage

Nachdem die Bands Schwarzer Engel und Unzucht den Festivaltag an der frischen Luft eröffnen durften und vor allem Letztere schon durchaus einige Fans vor die BĂŒhne gelockt hatten, stand bereits schon die nĂ€chste Attraktion in den Startlöchern. Beginnend mit dem Tanz der Zuckerfee von Tschaikowsky als Liveintro betraten Coppelius die Open Air BĂŒhne in Hildesheim und zeigten, dass Metal mit klassischen Instrumenten wie Cello und Klarinette durchaus funktionieren kann. „Guten Morgen meine Damen und Herren“, wurden die Fans in förmlicher Anrede mit Olaf Schubert AttitĂŒde begrĂŒĂŸt. Stark geschminkt und teilweise in Smoking und im Steampunk Outfit sang und spielte die Band ihre deutschen Texte in StĂŒcken wie Bitten, Danken, Petitieren oder Risiko. Die phantasievolle Show mit Theatereinlagen (u.a. mit LitfaßsĂ€ule auf der BĂŒhne) rockte gut nach vorne in den wolkenverhangenen Sommerhimmel und die Zuschauer werden sich folgenden Satz in Zukunft gut merken: „Coppelius hilft!“ Auch die anschließende Band kam mit einer netten Einleitung daher, nĂ€mlich die Titelmelodie der Vampirserie True Blood (Jace Everett – Bad Things), die aus den Boxen donnerte, bevor die Show beginnen konnte. Die Goth’n’Roll Band The 69 Eyes aus Finnland feierte jĂŒngst ihr 20-jĂ€hriges Bestehen und begrĂŒĂŸte ihre Fans mit den Worten "We are the Helsinki Vampires". Und das konnte man fast wörtlich nehmen, denn die Jungs legten sich so sehr ins Zeug, dass sie fast die ganze Lebensenergie der partywĂŒtigen Menge aussaugte. Gothic Girl, Tonight und Sleeping with Lions – um nur einige Titel zu nennen – taten ihr Übriges, um fĂŒr ein schönes Live Erlebnis und zufriedene Gesichter zu sorgen. Die beiden doch sehr unterschiedlichen Bands Tanzwut und Staubkind zeigten anschließend mit guter Laune an der frischen Luft ihr Können. Auch die norwegische Band Apoptygma Berzerk hatte etwas zu feiern, nĂ€mlich ihre treuen Fans, die es sich nicht nehmen ließen, alles zu geben, um dem Konzert „das Gewisse etwas“ zu verleihen. Non-stop Violence war sicherlich kein schlechter Start fĂŒr ein Liveset und Eclipse in einer sehr interessanten neuen Version war auch keine schlechte Wahl, die gute Songauslese der APB Gassenhauer zu untermauern. Bei Is There Something I Should Know? verabschiedeten sich Gitarrist und Drummer von der BĂŒhne und Stephan Groth hatte auch quasi alleine die Meute im Griff. Ein Höhepunkt des Gigs war sicherlich Starsign und die neue Single Major Tom (Die englische Version des Peter Schilling Songs Völlig losgelöst), der der Meinung Stephans nach der beste Song ist, der je geschrieben wurde. Und man muss gestehen, dass das Lied live sehr gut ankam und der Keyboarder sang den Chorus inbrĂŒnstig zusammen mit den Festivalbesuchern in deutscher Sprache. Im Anschluss daran zeigten Blutengel ihren ĂŒblichen Mummenschanz
mit blutigen MĂ€dchen und nur mit einem einzigen Livemusiker (nĂ€mlich dem Drummer) auf dem Hildesheimer Podium. Die Erfinder der Electronic Body Music, die belgische Gruppe Front 242, erhob sich aus dem roten Nebel mit Drumkit und der klassischen zwei SĂ€nger-Konstellation und zeigte sich von ihrer besten Seite, als sie tausenden von Electroheads Tracks wie Body to Body, Quite Unusual und No Shuffle (In einer fast schon lahm zu nennenden Version) aus den Boxen drĂŒckte. Bei diesem Auftritt zeigte sich wieder mal, dass Electrobands besser in der Halle aufgehoben sind, da synthetische Sounds den Widerhall von vier WĂ€nden benötigen, um die volle Kraft zu entfalten. Nichtsdestotrotz gab es genĂŒgend „Tanzwut“, da die beiden Herren Jean-Luc De Meyer und Daniel Bressanutti Vollprofis sind und genau wissen, wie sie den Smasher Headhunter am besten unter die Leute bringen. Alles Schöne muss leider auch ein Ende haben, denn nach gefĂŒhlten zwei Stunden stand auch schon der Headliner und somit auch die letzte Band auf der BĂŒhne. Die Symphonic-Metal Gruppe Nightwish ist eine der erfolgreichsten Metalbands Finnlands und ihren Ruf verteidigten die Musiker mehr als eindrucksvoll, denn ihre Show mit hohem Unterhaltungswert suchte seinesgleichen. Mit der GastsĂ€ngerin Floor Jansen (Nachdem erst Tarja Turunen und nun auch Anette Olzon die Band verließen) im GepĂ€ck prĂ€sentierte die Ausnahmeband auf ihrer letzten Show der Imaginaerum Tour einen rockig-melodiösen Querschnitt ihrer besten Songs wie Dark Chest Of Wonders, Everdream und den neuen StĂŒcken Storytime und Last Ride Of The Day. "How loud can you really be?" rief die stimmgewaltige und attraktive Floor den Fans zu und veranstaltete eine Art Schreikonzert mit dem Publikum. Auch Bassist Marco Hietala trieb seine SpĂ€ĂŸchen mit den Massen: "Say something nice to your Girlfriend: ich liebe Wurst“! Das ist nordischer Humor! Und ebendiesen mussten die Besucher des MÂŽera Luna Festivals auch haben, denn jeder schöne Tag hat mal ein Ende. Aber einen kleinen Trost gab es: die Aussicht auf ein weiteres tolles Festival im kommenden Jahr.

Wir haben fĂŒr euch nach Tagen getrennte Konzertgalerien sowie eine Besucherfotogalerie und Impressionen zusammengestellt, die ihr hier oder durch Anklicken der Bilder erreichen könnt:

Galerie M’era Luna Festival Tag 1 (Samstag, den 10.08.2013)

Galerie M’era Luna Festival Tag 2 (Sonntag, den 11.08.2013)

Galerie M’era Luna Festival – Besucher und Impressionen

Autor: Frank Stienen
Fotos: CĂ©cile Hautefeuille (ASP, Apoptygma Berzerk & Kai Meyer: Michael Gamon)

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Galerie M’era Luna Festival Tag 1 (Samstag, den 10.08.2013)

Weitere Fotos des Events gibt es hier

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Galerie M’era Luna Festival Tag 2 (Sonntag, den 11.08.2013)
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