WAVE-GOTIK-TREFFEN 2013 Tag 3 – Leipzig (19.05.2013)

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Gesch├Ątzte Lesezeit: 6 Minute(n)

Leipzig selbst bietet f├╝r das WGT eine idyllische und passende Kulisse, Highlights wie Auerbachs Keller werden von schwarzen wie bunten Touristen gleicherma├čen gern besucht und Locations wie die Moritzbastei und die Absintherien sind geradezu pr├Ądestiniert, um nicht nur schwarze Fans aus aller Welt anzulocken.

In eine dieser ÔÇôin die Sixtina um genau zu sein- zog es mich am n├Ąchsten fr├╝hen Nachmittag. Die Sonne brannte. Es versprach ein wunderbarer Tag zu werden – und diesen begann ich mit Herrn Daniel Malheur [GALLERY] – der feinen MonokelPop aus Berlin zum Besten gab. Optisch ein sehr einfaches Setup – ein Herr im Anzug singt zu alten Schallplatten. Klingt nicht besonders spannend – ist es aber. Witzige Texte – Nachdenkliche Texte. Kopfbedeckungen wechselten passend zu den Schallplatten, welche flei├čig angeschubst wurden. Ein kleines Schmankerl f├╝r alle, die es in den doch begrenzten Zuschauerraum geschafft haben. Mein pers├Ânliches Highlight: Ich fahr mit meiner Clara in die Sahara… Herrlich :)

Nach ein wenig flanieren, Sehen- und Gesehen werden (ein Dank an meine reizenden Begleiterinnen) ging es dann wieder auf die Agra. Mir bekannte und vertraute Bands wie Lord of the Lost [GALLERY] und Unzucht [GALLERY] wollte ich sehen, End Of Green [GALLERY] aus meiner Heimatstadt durfte hingegen auf keinen Fall verpasst werden. Und dann war da noch mein (bisheriges) Highlight des Tages The Birthday Massacre [GALLERY], das dort ebenfalls auf dem Plan stand. Die Kanadier waren musikalisch und optisch ein Hit! Toller Gesang und Action auf, vor, hinter und ├╝ber dem Keyboard sorgten f├╝r Unterhaltung Pur. Ein wirklich starkes Programm, tolle Motive und schon jetzt ein absolut gelungener Tag. (JM/KvK)

Anderenorts ging es am Nachmittag in der Kuppelhalle optisch relativ rei├čerisch zu, denn Henric De La Cour [GALLERY] hatte sich mit Blut ├╝berstr├Âmtem K├Ârper und seiner Band im R├╝cken auf der B├╝hne eingefunden, um den Zuschauern seine eigene Form des Minimal-Pops vorzustellen. In seiner Extrovertiertheit erinnert er zum Teil an Chris Corner von IAMX oder an fr├╝here Zeiten von Dennis Ostermann (In Strict Confidence). Mit tollen Songs wie Dracula, Harmony Dies oder Grenade zog er die anwesenden Interessierten sofort in seinen Bann und sorgte so f├╝r einen echten Glanzpunkt. Nicht ganz so ├╝berzeugend war danach der Auftritt von Brigade Werther [GALLERY] im Alten Landratsamt. Schlecht war das zwar nicht, was einem dort an Elektronik entgegenprasste, aber vielleicht ein bisschen zu wenig innovativ und aufsehenerregend. Einzig Kill Beat stach wirklich aus dem immerhin durchaus tanzbaren Programm heraus. Hier hatten wir uns einfach etwas mehr erhofft. Also wechselten wir die Location wieder und machten uns zur├╝ck ins Messeumfeld, um einen Blick auf die Reunion von NamNamBulu [GALLERY] zu werfen. Denn diese meldeten sich anl├Ąsslich des 10. Jubil├Ąums ihres Deb├╝talbums Distances zur├╝ck und traten im Kohlrabizirkus auf. Einst zur Speerspitze des deutschen Futurepops geh├Ârend, werden die beiden offensichtlich auch heute durchaus noch verehrt und so war der Kohlrabizirkus ordentlich gef├╝llt als die seichten Futurepophymnen im Rund erklangen. S├Ąnger Henrik war sichtlich gl├╝cklich so viele Fans dort zu sehen und lies seine Stimme ├╝ber die von Vasi erzeugten Sounds schweifen, w├Ąhrend die Fans mitsangen und ÔÇôtanzten. Uns d├╝rstete es aber vielmehr nach etwas Extremerem und so wechselten wir quasi nur auf die andere Stra├čenseite zur Kuppelhalle, wo Sleeping Dogs Wake [GALLERY] eine wirklich krasse Show aufzogen. Ihre lauten B├Ąsse lie├čen die Krypta f├Ârmlich beben und vor allem Frontmann Robert ging richtig aus sich heraus, wohingegen seine Mitstreiterin Karin eher den ruhigen Pol darstellte. Ein echtes Spektakel, aus dem nat├╝rlich This Little Piggy und besonders der ├ťberhit Toys For Alice herausstachen!

Zeit sich eine kleine musikalische Verschnaufpause zu g├Ânnen und da kamen Kosheen [GALLERY] gerade recht. Die Band aus Bristol ist auch in den Charts durchaus bekannt und so waren viele gekommen um sich anzusehen, was die Briten auf der B├╝hne zu leisten im Stande sind. Frontfrau Si├ón Evans kommt eigentlich aus der Jazz-Musik und das merkte man auch recht gut, bei Kosheen bekommt sie allerdings einen feinen Dancefloor-Synthpop-Teppich untergelegt, der ihr sichtlich Freude bereitet.

Sie sei froh wenn Leute tanzen und mitsingen w├╝rden und das tat das Publikum auch ausgiebig, w├Ąhrend es von Hits wie Hide U oder Catch verw├Âhnt wurde. Ein angenehmer Auftritt der wieder einmal unterstreicht, dass auch poppige T├Âne ihre Daseinsberechtigung in der Szene haben. Danach hie├č es f├╝r uns aber schnell sein, denn wir mussten wieder zum Alten Landratsamt, wo sich The Cassandra Complex [GALLERY] angesagt hatten. Sie waren in der Vergangenheit nur recht selten live zu sehen und damit ein absolutes Muss! Die Halle platzte dementsprechend aus allen N├Ąhten und es musste ein Einlassstopp verh├Ąngt werden. Dass alle Vorschusslorbeeren berechtigt waren wurde denen, die es hineingeschafft hatten, schnell klar, denn Rodney Orpheus und seine Mannen lieferten ein feines Set aus zumeist alten Klassikern, aber auch ganz neuen Songs ab, die die Vorfreude auf ein hoffentlich bald erscheinendes neues Album weiter steigerten. (MG)

Derweil galt es an anderer Stelle wieder einmal eine Entscheidung zu treffen ÔÇô nach The Birthday Massacre zu Lacrimosa in der Agra bleiben, oder sich schon auf den Weg zur Moritzbastei machen? Zum Gl├╝ck entschloss ich mich zu Letzterem. Neben einigen bekannten Gesichtern und leckerem Essen war das musikalische Programm in der MB eher auf elektronische Kl├Ąnge ausgelegt. Nicht 100% mein Geschmack – aber schlecht klang das nicht was aus dem Konzertraum wummerte. Nachdem Formalin ihren Auftritt beendet hatten wollte ich mir das Ganze mal von Nahem anschauen – und befand mich kurze Zeit sp├Ąter bei Digitalis Purpurea [GALLERY]. Hierbei handelt es sich um ein musikalisches Talent aus Italien namens Cristian Pi Greco, der es versteht aus minimalistischen Kl├Ąngen wahre Wunderwerke entstehen zu lassen. Obwohl eigentlich nicht so meins, hat mir der Auftritt sehr gut gefallen. Meine Meinung, dass eine Band unbedingt Gitarre und Schlagzeug braucht um wirklich eine Band zu sein, geriet etwas ins Schwanken. Zerbr├Âckelt ist diese Meinung g├Ąnzlich, als die Grausamen T├Âchter [GALLERY] um Frontfrau Aranea Peel die B├╝hne betraten. Jetzt gab es elektronische Kl├Ąnge, EBM, und andere mir unbekannte Varianten unterst├╝tzt von zwei Trommlern. Was f├╝r eine Show, die Moritzbastei war brechend voll. Die Stimmung kochte – es wurde hei├č – nicht nur was die Temperaturen anging, sondern vor allem die Show hatte es in sich. Sp├Ąter wurde bekannt, dass neben den ca. 300 Zuschauern in der MB noch ca. 450 weitere gerne dabei gewesen w├Ąren, ein altes Problem der beliebten WGT Veranstaltungen. So ging ein guter Tag fulminant und hocherotisch zu Ende. Viel Neues und Unverhofftes – aber genau das ist eben das Sch├Âne, wenn man sich auf ein Event wie das WGT einl├Ąsst und auch mal Konzerte und Orte aufsucht, von denen man noch nicht genau wei├č, was einen erwartet. (JM/KvK)

Fotos: Jesko M├Ągle / Michael Gamon
Autoren: Jesko M├Ągle (JM) / K. von Koriolis (KvK) / Michael Gamon (MG)

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