NATURALLY 7 & JEM COOKE – K├Âln, Theater am Tanzbrunnen (20.05.2013)

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Am Montag den 20. Mai 2013 gastierten die US-Amerikaner von Naturally 7 zum zweiten Mal in diesem Monat im Theater im Tanzbrunnen in K├Âln-Deutz. Nachdem der Kartenverkauf f├╝r den ersten Auftritt am 11. Mai sehr gut lief, wurde kurzerhand ein Zusatztermin eingerichtet. Bei diesem war das Theater zwar nicht ausverkauft, aber die aufgebauten Sitzpl├Ątze waren zu rund drei Vierteln belegt.

Als Supportact war, wie f├╝r die komplette Tour, Jem Cooke aus London angereist. Die Singer-Songwriterin hatte sich noch Hilfe in Form eines Gitarristen geholt, welcher sich im weiteren Verlauf des Auftritts als ihr Vater Dave Cooke herausstellte. Aus diesem Grund wurden die Zuschauer gebeten nett zu ihm zu sein, immerhin sei er ja auch nur dabei, weil er billig ist und Jem nichts zahlen m├Âchte.

Die Musik, die sich stilistisch irgendwo zwischen Folk, Blues und Jazz bewegte, kam bei den K├Âlnern gut an, sodass die beiden das Publikum schnell f├╝r sich gewinnen und ordentlich Applaus einheimsen konnten. Auf Deutsch vornotierte und dann live vorgelesene Ansagen rundeten das Bild ab und sorgten mit f├╝r den sympathischen Eindruck der entstand.

Jem k├╝ndigte an, im September auf Kosten ihres Vaters heiraten zu wollen, sodass dieser sich besonders anstrengte Werbung f├╝r ihr Album Limited Edition zu machen, welches auch am Merchtisch zu kaufen war. Jeder, der eins dieser 150 Exemplare der CD kauft, darf auch zur Hochzeit kommen, so Dave.

Nach wenigen Songs war es dann schon vorbei und Jem verabschiedete sich vom Publikum und verlie├č die B├╝hne, jedoch nicht ohne schnell noch ein Foto der Zuschauer zu machen und ihr Konzert am 27. Oktober 2013 im K├Âlner Studio 672 anzuk├╝ndigen.

Der Sound von Naturally 7 hat wirklich alles, was man braucht: Gesang, Schlagzeug, Gitarre, Bass, Trompete, Klarinette, Querfl├Âte und mehr und doch fehlt Naturally 7 etwas: Jegliche Instrumente, denn ÔÇ×die Band ohne BandÔÇť ahmt alle Instrumente mit ihren Stimmen nach. A cappella Musik mit starken Einfl├╝ssen von R&B erwartete die K├Âlner, als gegen zehn vor Neun das Saallicht ein zweites Mal erlosch und die Band singend die B├╝hne betrat.

Roger Thomas (N’glish), Dwight Stewart, Rod Eldridge (DJ Rod E), Garfield Buckley, Warren Thomas (Warren T), Napoleon Cummings (Polo) und Armand Hutton (Hops) imitierten ihre Instrumente nicht nur akustisch sondern auch visuell, sodass beispielsweise der Schlagzeuger wie ├╝blich hinten sa├č und imagin├Ąre Drumsticks schwang. Es sah interessant aus, wie jedes Bandmitglied ein unsichtbares Instrument spielte, w├Ąhrend einem die Ohren ├╝berdeutlich mitteilten, dass die Instrumente einfach da sein m├╝ssen. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass man sich ein wenig bl├Âd vorkommt, wenn man den Gro├čteil eines Konzertes hinten in der Ecke steht und w├Ąhrend des Singens so tut als w├╝rde man Bass spielen.

Jetzt k├Ânnte man meinen, dass dies ein nettes Konzept ist, welches sich aber nach einem halben Dutzend Lieder abnutzt, sodass die Spannung nicht aufrechterhalten werden kann. Naturally 7 scheinen sich dieser Problematik bewusst und steuern geschickt gegen, indem sie daf├╝r Sorge tragen, dass kein Song dem Anderen in der Performance gleicht. Mal gibt es einen Haupts├Ąnger und der Rest der Band steht wie Backgrounds├Ąnger aufgereiht nebendran, mal marschiert der Bassist durch den Mittelgang und dann wiederum werden alle anderen S├Ąnger von einem mittels Anstupsen ein oder aus geschaltet. Egal was die Band tat, dem Publikum wurde immer etwas Neues geboten und die Leinwand mit Videosequenzen im Hintergrund rundete den optischen Eindruck ab. Auch die K├Âlner zeigten sich mitmachfreudig und unterst├╝tzten die New Yorker klatschend und singend, sodass ordentlich Stimmung aufkam.

Aber nicht nur optisch wird viel Verschiedenes geboten. Auch musikalisch sind Naturally 7 breit aufgestellt und pr├Ąsentieren Songs von Rap und R&B bis hin zu Spiritual wie Joshua Fought The Battle Of Jericho. Gerne wurden auch Songs wie Englishman in New York (Sting) und Empire State of Mind (Jay Z & Alicia Keys) neuinterpretiert und zusammengemischt, was dem Publikum – wie alles was die sieben Musiker pr├Ąsentierten – offensichtlich sehr gut gefiel.

Die Herren aus den USA zeigten sich in bester stimmlicher Verfassung und bei guter Laune, was insbesondere in den Ansagen zwischen den einzelnen Songs zur Geltung kam. Sympathisch wurden kleinere Geschichten zu den Liedern erz├Ąhlt, wie zum Beispiel, dass sie das Auffordern zum ÔÇ×YeahÔÇť rufen erfunden haben. Nein, das hatten sie nat├╝rlich nicht, wie sie sofort aufkl├Ąrten, aber als ├Ąltestes Videozeugnis dieser Aufforderung holten sie sich ├╝ber die Leinwand Unterst├╝tzung von Stevie Wonder (vor rund 50 Jahren in der Ed Sullivan Show) welcher mit ÔÇ×Say yeahÔÇť Rufen nun auch das K├Âlner Publikum zum Mitmachen aufforderte.

Bei dem Phil Collins Klassiker In The Air Tonight am Ende des Sets war nahezu der gesamte Saal auf den Beinen und klatschte laut mit, als der absolute H├Âhepunkt des Konzertes erreicht wurde. F├╝r das Finale der Show wurde Supportact Jem Cooke noch als achte Stimme auf die B├╝hne geholt, bevor die K├Âlner nach einem starken Konzert in die Nacht entlassen wurden.

Naturally 7:

Jem Cooke:

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