TOCOTRONIC & IT’S A MUSICAL – Köln, E-Werk (04.04.2013)

TOCOTRONIC & IT'S A MUSICAL - Köln, E-Werk (04.04.2013)
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Dieses Jahr feierte eine der ersten deutschen Indie-Rock Bands, Tocotronic aus Hamburg, ihr zwanzig-jähriges Bestehen. Mit einem neuen Album im Gepäck (Wie wir leben wollen) hatten sie so genügend gute Gründe auf eine breit angelegte Deutschlandtour zu gehen. Ein Stopp sollte dabei im Kölner E-Werk sein, in dem sie am 04.04.2013 auftraten. Durch ihr langjähriges Bestehen haben sie Fans in den verschiedensten Altersklassen für sich gewonnen, was man auch schön am Publikum an diesem Abend sah. So war vom 15-jährigen Teenager in Begleitung der Eltern bis zur fünfzigjährigen Dame jeder dabei.

Das E-Werk war zu Beginn der Vorband mäßig gefüllt, dies änderte sich aber noch stark zum Anfang der Hauptband, so dass man sagen kann, dass die Halle fast an ihre Kapazitätsgrenze kam. TOCOTRONIC & IT'S A MUSICAL - Köln, E-Werk (04.04.2013)Bei der Vorband handelte es sich um die eher weniger bekannte Indietronic Band It’s A Musical aus Berlin. Das Duo aus Berlin besteht aus der Schwedin Ella Blixt, welche bei dem Musikprojekt It’s A Musical den Gesang und die Orgel zusteuert, sowie dem deutschen Robert Kretzschmar, der auch singt und das Schlagzeug und Xylophon bedient. Auf der Bühne hatten es die beiden nicht allzu leicht, da sich ihre Musik deutlich von der von Tocotronic abgrenzt und somit ein großer Teil des Publikums nicht so viel damit anfangen konnte. Aber sie spielten unbeirrt ihre Musik und hatten allem Anschein nach viel Freude dabei. Immer wieder sahen sie sich zwischen den Liedern an und fingen dabei an zu grinsen, dass machte natürlich auch Freude beim hinsehen! Auch ihre Bühnenshow war schön anzusehen, während Ella Blixt viel über die Mimik und Gestik an Emotionen transportierte, versuchte es Robert Kretzschmar eher traditionell, indem er Kunststücke mit seinen Sticks präsentierte. Nach sechs Liedern verließen sie schon wieder die Bühne und die Umbauten für Tocotronic konnten beginnen.

Bevor jedoch der ersehnte Hauptact die Bühne betrat, wurde zunächst ein Einspieler für eine Organisation gezeigt, welche Kriegsflüchtige unterstützt. Die Reaktionen darauf waren im Publikum sehr verschieden, während die Einen pfiffen und die Anderen sie dafür kritisierten, kommentierten die Nächsten es zynisch. Danach kam die Band immer noch nicht auf die Bühne, denn sie schickten zuvor noch einen jungen Mann im Anzug vor die Menge, welcher auf das 20-jährige Bandjubiläum zu sprechen kam und anschließend jedes der Bandmitglieder persönlich anmoderierte. Endlich war es dann soweit, die Band um Frontmann Dirk von Lowtzow kam auf die Bühne, begrüßte die Menge und erklärte, dass sich der folgende Song mit dem Thema Auferstehung auseinandersetzt. Damit war der Song Im Keller gemeint, welcher sich thematisch mit ihrem diesjährigen Comeback und ihrem gestiegenen Alter in der Deutschrockszene befasst. Von Lowtzow formulierte zu fast jedem Song den sie spielten ein bis zwei einleitende Sätze. Manchmal philosophisch und manchmal auch sehr abstrus und unverständlich, so gesehen also sehr passend zum Musikstil von Tocotronic.

Mit ihrem vierten Song an diesem Abend, Meine Freundin und ihr Freund, gab es einen ihrer Klassiker zu hören, welchen sie schon 1995 auf ihrem ersten Album Digital ist besser veröffentlichten. Hierbei handelte es sich um einen sehr rau klingenden Song, bei dem ihre gesamte Livequalität zu tragen kam. Im nächsten Song, Vulgäre Verse, vom aktuellen Album wurden ruhigere Töne angeschlagen und der Fokus verschob sich vom Sound mehr auf die Lyrik. Aber auch das konnten sie auf der Bühne gut rüberbringen ohne die Stimmung zu drücken. Es folgte mit This Boy is Tocotronic eine ihrer erfolgreichsten Singleauskopplungen, bei der fast niemand mehr still stehen konnte. Dieser Wechsel von stimmungsvollen zu eher lyrisch wertvollen Liedern geschah mehrfach in der insgesamt 18 Songs langen Setlist des TOCOTRONIC & IT'S A MUSICAL - Köln, E-Werk (04.04.2013)Mainsets, wobei manch langjähriger Fan wohl bedauerte, dass die meisten der gespielten Lieder ihrem aktuellen Album entnommen und wenige ihrer Klassiker gespielt wurden.

Zu allen Liedern gab es eine visuelle Untermalung via Beamer auf den Bühnenhintergrund. Diese waren zum Teil einfach gestaltete Bilder, von denen verschiedenen Bildausschnitten gezeigt wurden oder kurze, sich über die Länge des jeweiligen Liedes wiederholende Videosequenzen. Wobei man sagen muss, dass es zum Teil schwer war, dabei den künstlerischen Wert oder die Verbindung mit dem jeweiligen Lied zu sehen/verstehen.

Als Fazit des Konzerts kann man nur sagen, dass sie ein ehrliches, geradeaus orientiertes Rockkonzert gespielt haben, welches bestimmt nicht durch innovative Lichteffekte oder sonstige Spielereien geglänzt hat, aber dennoch über die komplette Länge Spaß gemacht hat. Das gehobene Alter schadet ihnen merklich nicht und solange sie diesen Spaß an der Musik weiter auf der Bühne ausleben wollen, sollen sie es auch bitte machen.

Setlist Tocotronic:
01. Im Keller
02. Ich will für dich nüchtern bleiben
03. Drüben auf dem Hügel
04. Meine Freundin und ihr Freund

05. Vulgäre Verse
06. This Boy is Tocotronic

07. Sag alles ab
08. Aber hier leben, nein danke
09. Warte auf mich auf dem Grund des Swimmingpools
10. Abschaffen
11. Exil
12. Alles wird in Flammen stehen
13. Auf dem Pfad der Dämmerung
14. Die Revolte ist in mir
15. Mach es nicht selbst
16. Jackpot
17. Hi Freaks
18. Warm und Grau
19. Ich bin viel zu lange mit euch mitgegangen (Z)
20. Wie wir leben wollen (Z)
21. 17 (Z)
22. Let There Be Rock (Z)

Tocotronic:

It’s A Musical:

Autor: Kevin Linka
Fotos: Markus Hillgärtner

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