VÖLKERBALL (a tribute to RAMMSTEIN Set) – Oberhausen, Turbinenhalle (15.03.2013)

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Noch so eine Cover-Band? Von wegen! Obwohl Völkerball am 15.MĂ€rz in der Oberhausener Turbinenhalle in ihrer Funktion als „Tribute to Rammstein“ Coverband mit einem fast ausschließlich mit Songs ihrer Idole gespickten Set aufwarten, soll sich schnell zeigen, dass die sechs Herren mit ihrer Liebe zur harten Musik wesentlich mehr sind als nur eine schnöde Kopie der szeneĂŒbergreifenden Legende.

Dunkelheit mischt sich mit Donnergrollen. Gebannt starren die annĂ€hernd tausend Fans auf die noch verhangene BĂŒhne, bis der Vorhang fĂ€llt und sie durch einen explosiven Knall aus ihrer Trance gerissen werden. „Reise, Reise… Jeder tut’s auf seine Weise“… Wenn man Frontmann RenĂ© Anlauff die Worte voller Inbrunst ins Mikrofon rrrr-rollen hört, muss man wirklich schon zwei Mal aufmerksam hinschauen, um zu erkennen, dass der Mensch dort oben wirklich nicht Till Lindemann ist. Mit leerem Blick stampft er auf uns zu, wird immer kraftvoller und reißt sein Gesicht immer wieder in einer krampfenden Grimasse gen Himmel. Ein Bild, das so schnell nicht aus dem Kopf verschwinden wird. Und wĂ€hrend die Meute auf der BĂŒhne alles gibt, ruft es aus der Menge laut „Ahoi!“…und jeder weiß, dass sie nun begonnen hat: die Völkerball-eigene Reise durch die Musikgeschichte Rammsteins.
Und wie man es von ihren und unseren Helden kennt, gibt es auch auf der Völkerball’schen BĂŒhne einiges fĂŒrs Auge: wĂ€hrend der Kracher Links 2,3,4 noch mit der ausdrucksstarken Gestik RenĂ©s auskommt, steigt man schnell auf Feuer und NebelfontĂ€nen um und beschert den Fans einen Auftritt, den Rammstein selbst nicht hĂ€tten besser machen können. Und so ist auch hier Keyboarder Andreas Schanowski oft der Leidtragende, wird von RenĂ© eigenhĂ€ndig geprĂŒgelt und zu Mein Teil im lodernden Kochtopf geröstet, darf sich bei Haifisch dann aber in einem Boot ĂŒber ein Meer aus HĂ€nden bewegen lassen. Zwischendurch lodert und flammt es immer wieder auf dem Spielfeld des Abends, Stichflammen, ein brennendes Herz, abfackelnde MikrofonstĂ€nder, kreisende FeuerfontĂ€nen…hier wurde wirklich aus dem Vollen geschöpft und mit der Liebe zum Detail ganz und gar nicht gegeizt.
Und eigentlich könnte man an dieser Stelle fast denken, dieser Bericht gĂ€be ein Konzert von Rammstein selbst wieder. Allerdings nur fast! Völkerball beweisen nĂ€mlich an diesem Abend neben dem Interpretieren und Ausleben bereits bekannter Rammstein-Songs genug EigenstĂ€ndigkeit und manövrieren sich damit selbst in einen Sektor, der weit vom bloßen Covering entfernt ist. Ein Merkmal, das die Band an diesem Abend sehr sympathisch macht, ist die FĂ€higkeit von RenĂ© und seinen Mannen, Kontakt zum Publikum aufnehmen zu können. Und dazu muss er sich nicht einmal mit Worten an sie wenden. Ein Blick von dem Fronter in die Menge genĂŒgt, um uns zu packen und unsere Blicke zu fesseln…so sehr, dass das Dargebotene fast schon NebensĂ€chlichkeit hĂ€tte sein können.
Bei so viel omniprĂ€senter Energie ist es auch nicht verwunderlich, dass neben den bekannten Rammstein-Hits auch die beiden Völkerball eigenen Songs Radioaktiv und Gammelfleisch ebenso gut bei der Menge ankommen. NatĂŒrlich hĂŒllen sich auch die eigenen Songs in ein brachiales Gewand aus harten Gitarren, ballernden Drums und eingĂ€ngigen Keyboardsounds und knĂŒpfen damit an den Stil Rammsteins an, jedoch klingen die beiden StĂŒcke so eigenstĂ€ndig, dass man wirklich Lust auf mehr von Völkerball bekommt und sich fragt, was hinter dieser rammsteinigen Fassade noch alles schlummert.

Beinahe drei Stunden geben die Jungs in Oberhausen ihr Allerbestes und schaffen es immer wieder, die Beine und Köpfe des Publikums in taktvolle Bewegungen zu versetzen. Ein wirklich grandioses Set, das von Krachern nur so ĂŒberschĂ€umt und sogar einige StĂŒcke zu bieten hat, die von den Herren Rammstein selbst nur Ă€ußerst selten bis nie live gespielt werden. Die unterhaltsame und mitreißende Show, die Völkerball auf die Beine stellen, kann sich mehr als nur sehen lassen, lĂ€sst keine WĂŒnsche offen und ein zufriedenes, ausgepowertes Publikum zurĂŒck.

Setlist Völkerball:
01. Reise, Reise
02. Links 2,3,4
03. Benzin
04. Feuer frei!
05. Spring
06. Herzeleid
07. Keine Lust
08. Weißes Fleisch
09. Spiel mit mir
10. Der Meister
11. Waidmanns Heil
12. Haifisch
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13. Du riechst so gut
14. Liebe ist fĂŒr alle da
15. Mein Herz brennt
16. Spieluhr
17. Radioaktiv (Völkerball Track!)
18. Gammelfleisch (Völkerball Track!)
19. Asche zu Asche
20. Sonne
21. Mein Teil
22. Ich will
23. Pussy
24. FrĂŒhling in Paris
25. Du hast
26. Amerika
27. Ich tu dir weh
28. Ohne Dich
29. Rammstein (Z)
30. Engel (Z)

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Konzertfotos Sektion (Bildkommentare sind durch Anklicken der Sprechblase möglich) oder direkt durch Anklicken der Fotos

Autorin: Tanja Pannwitz
Fotos: Michael Gamon

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