CODY SIMPSON & NEONHERZ – Köln, Live Music Hall (13.03.2013)

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Erlebnisse werden immer subjektiv bewertet, besonders deutlich wurde dies am Mittwoch, den 13. MÀrz 2013 in der Kölner Live Music Hall, denn der Australier Cody Simpson hatte zum Konzert geladen und rund 900 Menschen sind seinem Ruf gefolgt. Schaute man wÀhrend seines Auftrittes in die Gesichter der Anwesend war von euphorischer Ekstase (Teeniefans) bis zur leidenden Grimasse (begleitende Eltern) wirklich alles dabei. Aber nun vom Anfang:

Der im Januar diesen Jahres 16 gewordene Australier Cody Simpson startete seine Karriere mit selbst gemachten Youtube-Clips und wurde einem grĂ¶ĂŸeren Publikum durch Supportshows fĂŒr Justin Bieber bekannt. Nachdem seine eigene Tournee verschoben werden musste war es dann soweit und er kam am 12. (MĂŒnchen) und am 13.03. (Köln) erstmals nach Deutschland.

Mit ihm war das deutsche Pop-Duo Neonherz angereist, welches aus den SĂ€ngerinnen Kate Widmayer und Julia Kautz besteht. „Das sind ja MĂ€dchen“ entfuhr es einer Zuschauerin aus der ersten Reihe, als Neonherz die BĂŒhne betraten, und offenbarte damit sofort das grĂ¶ĂŸte Problem, welches Neonherz mit dem Kölner Publikum hatten. Ein zum Großteil aus MĂ€dchen zwischen 14 und 16 bestehendes Publikum, welches den heutigen Tag schon seit einem halben Jahr zum „besten Tag ihres Lebens“ erkoren hatte, will nichts anderes als diesen einen gutaussehenden jungen Mann anschmachten. Ein Supportact ist dem im Weg und wenn besagte Band auch noch aus Frauen besteht, von der die Ă€ltere fast doppelt so alt wie Cody ist, wird es nicht einfacher.

Rein musikalisch war Neonherz fĂŒr die Zielgruppe sicher keine schlechte Wahl, denn der mit einem einfachen Technobeat unterlegte deutschsprachige Gesang war teils durchaus witzig und fĂŒr die jungen Bravo Leserinnen interessant. Die beiden Damen auf der BĂŒhne gaben sich viel MĂŒhe das Publikum fĂŒr sich zu begeistern und moderierten jeden Song einzeln an und erzĂ€hlten ein wenig dazu. Wirklich viele Reaktionen gab es aber nur bei der Nennung des Zauberwortes und dementsprechend hĂ€ufig fand „Cody“ auch in den Moderationen Verwendung. Mehr Reaktionen gab es, als wĂ€hrend des Auftrittes zwei Freunde von Cody neben der BĂŒhne auftauchten: Plötzlich ging ein hohes Gekreische durch die Menge und alle Handys und Kameras schnellten in die Höhe. FĂŒr die Band auf der BĂŒhne sicher kein tolles GefĂŒhl, wenn Freunde des Hauptacts durch bloßes Stehen mehr Aufmerksamkeit bekommen. Neonherz waren davon aber Ă€ußerlich unbeeindruckt und machten gut gelaunt weiter.

Nach vielen witzigeren Songs wie Steuerung Z oder Mann gegen Schuhe folgte mit Rosenrot noch ein etwas tiefgrĂŒndigerer Song ĂŒber Selbstmord. Nach rund 30 Minuten war das Set von Neonherz vorbei und das „Cody“ Gekreische ging wieder in voller LautstĂ€rke los.


Setlist Neonherz:

01. WirgefĂŒhl
02. Superheld
03. Steuerung Z
04. Mann Gegen Schuhe
05. Luxusproblem
06. Eiskalt
07. Tanz um dein Leben
08. Rosenrot

PĂŒnktlich um 20:00 Uhr war es dann soweit und Cody Simpson betrat zusammen mit einem Gitarristen, einem Schlagzeuger und zwei TĂ€nzern unter ohrenbetĂ€ubenden Gekreisch seiner AnhĂ€ngerinnen die BĂŒhne. Bevor er jedoch zu Singen begann, startete er mit einer Tanzeinlage zum James Bond Thema und brachte sofort die Live Music Hall zum Kochen. Die Fans, die rund 20 Euro fĂŒr eine Konzertkarte ausgegeben hatten und teils sogar fĂŒr 105 Euro zusĂ€tzlich ein Meet and Greet mit ihm besuchten, haben ab 11 Uhr vor der Halle ausgeharrt (es lag Schnee!) und waren dementsprechend sofort Feuer und Flamme.

Schon beim ersten Song Wish You Were Here flogen die ersten mit Handynummern versehenen Geschenke auf die BĂŒhne, von denen er im Laufe des Abends einige bekam: SĂŒĂŸigkeiten, ganze Pakete und natĂŒrlich – der Klassiker – UnterwĂ€sche. Die Fans drĂ€ngelten sich nach vorne, denn jede wollte ihrem Cody so nahe wie möglich sein. Obwohl die Live Music Hall nicht ausverkauft war und es dort generell unĂŒblich ist, haben die Verantwortlichen einen Wellenbrecher eingezogen, um die vorderen 300 Zuschauer vom Rest abzutrennen. Die wissen warum, denn Teeniefans, die ihrem Star endlich einmal nahe sind, können rabiater werden als das zierliche Äußere vermuten lĂ€sst. Wenn es um ihren Traummann geht, kennen sie keinen Spaß.

Nach seinem Song All Day wollte er es sich ein wenig bequemer machen und zog seine Jeansjacke aus, was natĂŒrlich die entsprechenden Reaktionen beim Publikum hervorrief. Wirklich spontan tat Cody aber nichts, denn alles was an besonderen Taten/Ansagen angedacht war wurde ihm auf seiner Setlist notiert, so auch das Jacke ausziehen. FĂŒr den Song Paradise, welcher der Name seines DebĂŒtalbums und seiner Tour ist, holte Cody seine Akustikgitarre hervor und zeigte dem Kölner Publikum, dass er nicht nur tanzen, sondern auch ein Instrument spielen kann.

Musikalisch prĂ€sentierte Cody Simpson zwei Seiten: Zum einen den typischen Boyband-Sound wo er unterstĂŒtzt von elektronischen Effekten zu einem Technobeat singt und seine Tanzchoreografie durchfĂŒhrt. Zum anderen gibt es da die weniger elektronische Musik, wo er auch hĂ€ufig mal selber zur Klampfe greift. Beides ließ MĂ€dchenherzen höher schlagen und es verging keine Minute in der nicht mindestens ein „I love you“ ertönte.

Ein MĂ€dchen durfte sogar auf die BĂŒhne und mit ihm tanzen, ein Foto machen und ein bisschen rumfummeln war auch inbegriffen, wĂ€hrend Cody das relativ ruhige StĂŒck Not Just You sang. Der Neid der Fans vor der BĂŒhne war enorm, denn es war definitiv nicht genug Cody fĂŒr alle da.

RĂŒckblickend muss man sagen, dass als Teenieschwarm auf die BĂŒhne zu gehen ein sehr dankbarer Job ist. Zum einen wird man gefeiert wie ein König, nur weil man im selben Raum mit den Fans ist und zum anderen leiden die Fans ein wenig an einer Wahrnehmungsstörung („Er hat mir die ganze Zeit in die Augen gesehen“) die dazu fĂŒhrt, dass egal wie das Konzert, lĂ€uft der Abend zum schönsten ihres Lebens wird. Man kann also quasi nichts mehr falsch machen. Mehr als eine Stunde Spielzeit gab es von Cody an diesem Abend nicht, was durchaus mit Freude von den erwachsenen Begleitpersonen aufgenommen wurde, welche im hinteren Hallendrittel auf ihre Kinder warteten.

Dass die Spielzeit mit knapp 60 Minuten eher dĂŒrftig war ist zwar ein Minuspunkt, aber da jedes MĂ€dchen ĂŒberglĂŒcklich die Halle verlassen hat, hat Cody Simpson unterm Strich alles richtig gemacht und die Erwartungen der Anwesenden erfĂŒllt.


Setlist Cody Simpson:

01. James Bond Intro
02. Wish You Were Here
03. All Day
04. Paradise
05. Angel
06. Gentleman (akustik)
07. Got Me Good
08. Evenings In London
09. So Listen
10. Not Just You
11. On My Mind
12. Iyiyi

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Konzertfotos Sektion (Bildkommentare sind durch Anklicken der Sprechblase möglich) oder direkt durch Anklicken der Fotos

Cody Simpson:

Neonherz:

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