Interview: BENEFIZ FOR KIDS (Silvana Friedrich)

Interview: BENEFIZ FOR KIDS (Silvana Friedrich)
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Das Festival „Benefiz For Kids“ geht am 05. und 06. Oktober 2012 im Kulturhaus Tangermünde in die dritte Runde. Der komplette Erlös des Festivals kommt u.a. dem Kinderheim Stendal, den Kinder- und Jugendhäusern „Anne Frank“ Tangermünde und der Kunstplatte Stendal zugute.
Das Festival, welches in der Gothic Szene bereist einen guten Namen hat, präsentiert wieder ein Line-Up, das sich gewaschen hat: Neben den Headlinern Kirlian Camera und Zadok werden u.a. Cephalgy, Chrom, Lost Area, EGOamp und X-Divide die Bühne rocken. Und es gibt noch mehr Schauwerte: Erk Aicrag (Hocico) und Djane Schwarze Witwe (Das Chaos Tam) werden auflegen und viele andere Bands und Künstler, unterstützen das Benefiz durch großzügige Spenden: Claus Larsen (Leæther Strip), De/Vision, Schriftsteller Markus Heitz, Minerve und Carsten Klatte (Live-Gitarrist von Projekt Pitchfork).Wir sprachen mit Veranstalterin Silvana Friedrich über diese tolle Initiative!

Am 05. und 06. Oktober findet das dritte Benefiz for Kids Festival statt. Dieses mal in Tangermünde.Was erwartet uns alles in diesem Jahr? Bist Du schon nervös?

Nervös ja, angespannt sehr (lacht) Was erwartet uns? Ich weiß es nicht, aber ich glaube ich lasse mich selbst überraschen. Auf jeden Fall erwartet uns viel Musik, gute Musik würde ich mal sagen, zwei Tage Festival und ich hoffe eine super Stimmung.

 

Du veranstaltest das Festival fast im Alleingang, ein paar Menschen helfen dir dabei. Wie schaffst du das alles als alleinerziehende Mutter?

Gute Frage (lacht). Das frag ich mich so in der Endspurtphase – die wir ja jetzt auch haben – ziemlich oft. Weil wirklich viele Kleinigkeiten total nervlich belastend sind. Das glaubt mir kein Mensch, aber es ist so. Man macht und tut und wirbelt und es fallen immer wieder Fragen an, die eigentlich schon zwanzigtausend mal irgendwo schon stehen. Und die beantwortest du einfach aus Höflichkeit, weil du niemanden vor dem Kopf stoßen willst und das ist echt alles zeitaufwendig. Und ich bemerke jetzt, dass ich um halb zehn ins Bett falle. Ich muss dann wirklich für mich einen cut machen. Also bis hier hin und nicht weiter, weil sonst würde ich mich glaube ich selber kaputt machen. Ich weiß nicht wie ich das immer schaffe, ehrlich nicht (lacht).


Auch dieses Jahr wird es wieder ein hochkarätiges Lineup geben. Wie kommst Du an solche Topacts heran? Sprichst Du die Künstler einfach an oder ist es sogar vorgekommen, dass Bands Dich fragen, ob sie mitmachen dürfen?

Da muss man unterscheiden würde ich mal sagen. Es gibt ganz viele Bands die anfragen, also was mich auch innerlich berührt, weil ich das schön finde, das sie gerne spielen wollen. Denn es gibt ja keine Gage. Manche verzichten sogar auf das Fahrgeld, obwohl sie viele Kilometer weit herkommen, um spielen zu können. Und dann gibt es natürlich auch Bands, die ich einfach auch frage, mehr als fragen kann man ja nicht. Und in dem Zusammenhang finde ich z.B. Kirlian Camera super großartig im Moment. Ich habe allen Mut gefasst und Angelo auch persönlich angeschrieben. Ich habe geschrieben, dass ich eine bestimmte Summe an Fahrgeld bezahlen kann. Denn man muss bedenken, die Band kommt aus Italien angereist mit einem gemieteten Pkw. Und sie haben sogar für das dritte Benefiz einen bezahlten Gig abgesagt, um spielen zu können. Das finde ich großartig.


Beim BFK spielen interessante Newcomerbands zusammen mit großen Topacts. Das gibt es sehr selten in der Szene. Woran liegt das deiner Meinung nach?

Darum ziehe ich so etwas durch: wenn ich auf den großen Festivals gucke, da sehe ich grundsätzlich überall das gleiche Lineup, irgendwie untereinander ausgetauscht und das macht mich sehr traurig. Es gibt natürlich auch großartige Bands, wie z.B. EGOamp oder auch Noyce TM, die haben ihren eigen Stil, lieben die Musik und dann gehen die sonst fast unter. Keines der großen Festivals buchen sie von alleine, was ich total schade finde. Und ich finde, wenn sie dann beim Benefiz spielen unter noch größeren Bands, dann werden sie gesehen und wenn nur zehn Fans mehr dazu kommen, ist das großartig. Und deswegen möchte ich das so.


In diesem Jahr findet das Festival an zwei Tagen statt. Gibt es dafür einen bestimmten Grund?

Oh ja (lacht), ich konnte nicht nein sagen. Also das heißt ich bin echt ein schlechter „Neinsager“. Ich höre mir natürlich auch die Musik an wenn Bands sich hier bewerben und schau, das es so ein bisschen passt. Dann hab ich einen Musiker der Band Zadok, die hier aus der Gegend kommt, einfach im Tierpark getroffen und hatte einfach mal gefragt, warum letztes Jahr auf meine Anfragen keine Antwort mehr kam. Dann hat es sich halt herausgestellt, das es irgendwie ein Missverständnis war, dass die verkehrte Person nachher geantwortet hat und dass sie natürlich gerne spielen wollten. Dann habe ich überlegt, ob sie passen, weil der Sound sehr rockig, gitarrenlastig ist, das passt jetzt gar nicht so zu meiner Synthesizer Musik. Und dann hatte ich noch mehr Anfragen von Gitarrenbands. Und dann habe ich gedacht: ok, dann mache ich jetzt weiter, warum nicht? Das Risiko, das merke ich dann immer erst kurz vorher.


Auch in diesem Jahr haben Bands und Künstler geholfen, Geld zu sammeln. Claus Larsen von Leaetherstrip hat sich für das Event stark gemacht, De/vision, Minerve und Carsten Kladde von Project Pitchfork spendeten Merch und Musikinstrumente. Wie kam das zustande? Hast Du die Künstler angesprochen, ob sie was spenden möchten oder ist das ein Selbstläufer gewesen?

Das ist auch unterschiedlich. Es gibt eben auch Künstler wie Carsten Klatte, der auf mich zugekommen ist. Ich muss gestehen, ich konnte mit dem Namen nichts anfangen. Als er mir dann erzählte, dass er der Ex-Gitarrist von Project Pitchfork ist, konnte ich erst ganz damit umgehen und war natürlich noch erfreuter. Und er hat gesagt er findet es ganz toll, was ich mache und er möchte das gerne unterstützen. Also wortwörtlich hat er gesagt: er möchte sich eh von dieser „Klampfe“ trennen, warum dann nicht für einen guten Zweck? Es gibt natürlich Bands, die ich anfrage, wie z.B. De/Vision. Da frage ich Steffen einfach: du sag mal, würdest du das Benefiz unterstützen? Und wie jedes Jahr schickt er mir Merch-Pakete.


Alle Einnahmen des Festivals gehen an einen guten Zweck. Wer darf sich dieses Jahr auf die Spenden freuen?

Nicht alle Einnahmen werden gespendet, ich muss die Kosten abdecken, da ich eine Privatperson bin. Es ist so, dass ich das Hotel für die Künstler bezahlen muss und du kriegst leider nicht so einfach Sponsoren für ein komplettes Catering. Es ist sehr schwierig im Moment überhaupt an Sponsoren heran zu kommen. Du musst die Künstler verpflegen, die können nicht den ganzen Tag nichts zu Essen bekommen und da darauf leg ich auch wert. Dann gibt’s halt dann Bands wie CHROM oder EGOamp, die 500 km fahren müssen. Und deswegen kann nicht alles gespendet werden, was eingenommen wird , das ist einfach nicht machbar. Wenn die Kosten gedeckt sind, wird alles, was unterm Strich übrig bleibt komplett gespendet. Dieses Jahr geht das Geld an das Kinderheim Stendal, die die Spenden immer noch für den Spielplatz brauchen, der gebaut wird, was mich tierisch freut. Dann haben wir dieses Jahr die Anne Frank Kinderhäuser in Tangermünde – das Festival findet ja auch in Tangermünde statt – und den Förderverein der Peter Kirchhofschule. Weil ich einfach wichtig finde, dass die Kinder Obst zu Essen bekommen. Heutzutage kennen die Kinder meistens Burger und Chips aber kaum noch einen Apfel. Und in der Schule ist ein Sponsorenvertrag mit einer Firma leider ausgelaufen. Und ich würde es gerne weiter fördern, das die Kinder zwei mal die Woche frisches Obst da stehen haben und sich wirklich bedienen können, ohne das irgendwelche Eltern dann noch extra Kosten dafür haben. Und die Kunstplatte Stendal bekommt noch einen kleinen Teil, da sie sehr kostengünstige Workshops anbieten. Sie unternehmen Reisen, z.B. ein Camping am Aarensee, wo die Kinder betreut werden, es finden Workshops statt, bei denen die Kinder kostenlosen Schauspielunterricht bekommen, Tanzworkshops und vieles mehr. Das ganze Angebot ist kostenlos und das finanziert die Kunstplatte natürlich durch Spendengelder. Und ich finde das toll, weil somit kann man die Kinder so ein bisschen aus dem normalen Alltag, der vielleicht bei manchen zu Hause nicht so gut ist, herausholen.


Was war denn jetzt in den Vorbereitungen bisher der schönste Augenblick für dich?

(lacht)

Da gibt es keinen, da gibt es ganz viele kleine Dinge. Da sind u.a. solche Sachen, wenn du eine Band anfragst, ob sie spielen, wenn dann sofort ein „Ja“ kommt. Oder wenn du Zuspruch von den Besuchern bekommst, wenn du mitkriegst, das irgendwelche Bands Werbung für das Benefiz Festival machen, ohne das du sie darum gebeten hast, wie Claus Larsen zum Beispiel. Das war für mich ein Hammer, als er das Plakat gepostet hat. Ich habe mich auch vor Freude nicht eingekriegt und mich natürlich auch per Nachricht bei ihm bedankt. Er schrieb zurück, dass es ist für ihn eine Selbstverständlichkeit ist, er findet es einfach ganz toll. Das sind so die Momente, die für mich sehr schön sind.

Und ich denke auch, dass vielleicht Leute, die die Szene vielleicht nicht so genau kennen dann auch mal sehen, dass die Fans düstere Musik hören, aber auch Menschen sind, die etwas Gutes tun, selber Kinder haben und sich für sie einsetzen.


Und deswegen finde ich persönlich das Benefiz for Kids Projekt einfach ziemlich genial. Es ist eine tolle Sache und es ist immer wie ein Familientreffen. Es sind ja des öfteren auch Bands dabei, die von Anfang an dabei waren und es gibt auch wieder neue Bands zu entdecken. Und irgendwie geht man als Freunde auseinander. Das ist dann immer wirklich ein Highlight des Jahres.
Was möchtest Du den Lesern von Sparklingphotos.de sagen?

Ich hoffe, dass ihr kommt, dass ihr euch wohl fühlt wie alle Besucher in den anderen Jahren auch, dass ihr glücklich nach Hause geht, dass ihr Spaß hattet und wenn ihr nicht kommen könnt, ist das echt schade, weil ihr wirklich ein geniales Wochenende verpasst glaube ich.

Dann wünsche ich auf diesen Wege viel Erfolg, viel Spaß und dass wir alle wirklich viel Geld einnehmen für die Kinder, die es wirklich nötig haben.

Weitere Infos unter www.benefiz-for-kids.de

Das Interview mit Silvana Friedrich führte Frank Stienen im September 2012.
Redaktion: Kerstin Wurzel

 

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