Burgfolk Festival 2012 – MĂŒlheim an der Ruhr, Schloss Broich (24.-25.08.2012)

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Kaum ein Monat ist seit dem Castle Rock vergangen, da lĂ€dt auch schon das nĂ€chste Festival in die altehrwĂŒrdigen Mauern von Schloss Broich ein. Strahlender Sonnenschein, spielfreudige Bands und ein gut gelauntes Publikum versprechen ein großartiges Burgfolk 2012.


Freitag, den 24.08.2012:

Am Freitag öffnen sich die Schlosstore um 17 Uhr und bereits eine halbe Stunde spĂ€ter steht mit Punch „n“ Judy die erste Band auf der BĂŒhne. Mit unterschiedlichsten EinflĂŒssen aus Rock, Metal, Mittelalter und Folk erschaffen die vier Musiker den unverkennbaren Sound ihres Crossover-Folks. Schon beim dritten Lied Grace O’malley ist das Publikum voll dabei und unterstĂŒtzt die Band in bester Piratenmanier durch lautstarke „Hey hoho“ Rufe. Der Höhepunkt des Auftritts wird dann mit dem Klassiker Koboldkönig eingeleitet und beim darauffolgenden letzten StĂŒck Doswidanje bildet sich im Burghof spontan eine Polonaise. Sichtlich erschöpft aber auch zufrieden verlĂ€sst die Ruhrpott-Formation nach einem wirklich tollen Auftritt die BĂŒhne.

Nach einer kurzen Umbaupause betritt Veranstalter Michael Bohnes die selbige um eine Band anzukĂŒndigen die schon zu Anfangszeiten des Festivals mit dabei ist. Und auch heute beweisen The Shanes, warum sie nach ĂŒber 20 Jahren noch im GeschĂ€ft sind. Gleich mit den ersten beiden Songs Haunted House Of Polka und Godfather Of Polka machen die sieben Musiker klar worauf sich das Publikum in den nĂ€chsten 40 Minuten einstellen soll – es ist Hardpolka Zeit! Der fĂŒr Polka typische Zweivierteltakt wird von der Band konsequent durchgezogen und auch auf das Joy Division-Cover Love will tear us apart angewendet. Mit diesem Song endet der Auftritt einer Band, von der man auch in Zukunft sicher noch hören wird.

AngekĂŒndigt als komödiantisches Musiktheater zwischen "Ritter der Kokosnuss" und "EAV" betritt danach des Hauptmanns geiler Haufen, bestehend aus der Geigerin Johanna von der Vögelweide, dem Sackpfeifer Prinz Richard Hodenherz III, dem Gitarristen Hans der Aufrechten, dem Bassisten Knappe Latte sowie dem Drummer Sir Lanzeflott die BĂŒhne. UnterstĂŒtzt werden die Mittelalterocker von Feuerschwanz dabei von zwei Miezen (als katzenartige Wesen geschminkte und verkleidete Frauen), die dem Publikum zusĂ€tzlich einheizen sollen. Das nun folgende Set besteht vornehmlich aus Liedern ĂŒbers Saufen und der schönsten Nebensache der Welt. Nach Wunsch ist Wunsch, bei dem die Band einen mĂ€nnlichen Zuschauer auf die BĂŒhne holt und als Fee verkleidet, schieben die Miezen dann MAMA, die MultiAutomatische Met-AbfĂŒllmaschine auf die BĂŒhne. SchlĂ€uche werden ins Publikum gereicht und schon bald fließ köstlich sĂŒĂŸer Met in die durstigen Kehlen der Burgfolk Besucher. Das Publikum dankt es der Band mit ausgiebigem tanzen, klatschten und singen bis zum letzten Lied, das den Titel Das niemals endende Gelage trĂ€gt. Als krönende Zugabe geben die Spielleute um Hauptmann Feuerschwanz dann noch Verteidiger des wahren Mets zum Besten, eine Parodie auf JBOs Verteidiger des wahren Blödsinns.

Kaum sind die letzen KlĂ€nge von Feuerschwanz verhallt wird das RĂ€uberlied vom Publikum angestimmt, denn nun ist es Zeit fĂŒr den Mainact des Abend – Subway To Sally. GegrĂŒndet 1992, erspielte sich das Potsdamer Septett durch unzĂ€hlige Live-Auftritte und starke Alben eine eingeschworene Fangemeinde. Mit KĂ€mpfen Wir! und Schlagt die Glocken vom aktuellen Album Schwarz in Schwarz geht es dann auch gleich richtig zur Sache. Zu Das schwarze Meer erklĂ€rt Eric Fish, dass die Idee zum Song auf dem Summerbreeze entstand, als die Crowdsurfer aussahen wie viele kleine schwarze Boote. NatĂŒrlich lĂ€sst es sich der SĂ€nger nicht nehmen, sich ebenfalls vom Publikum auf HĂ€nden tragen zu lassen. Ein großes Lob an dieser Stelle an die Burgfolk Security, die den ganzen Tag sehr freundlich und aufmerksam war und auch jetzt, wo es alle HĂ€nde voll zu tun gibt sichtlich Spaß an ihrem Job hat. Etwas ruhiger geht es dann wieder bei den nĂ€chsten Liedern zu. Besonders bei Eisblumen zeigt sich das Publikum enorm textsicher, genauso wie wenig spĂ€ter bei Kleid aus Rosen. Mit einem Medley aus Sieben, Ohne Liebe und Veitstanz lĂ€uten Subway To Sally dann das Ende ihres Auftritts ein und verabschieden sich bei den Besuchern. Sofort erschallen Zugaberufe und auch das RĂ€uberlied wird erneut angestimmt. Nach einiger Zeit erscheint Eric Fish wieder auf der BĂŒhne und fragt schelmisch, was fĂŒr ein seltsames Volkslied das sei und das der Text doch sehr bedenklich ist. Nach dem nachdenklichen StĂŒck MMXII spielen Subway To Sally dann das vielfach geforderte Julia und die RĂ€uber und verlassen schließlich – begleitet vom Gesang der Festivalbesucher – die BĂŒhne.


Samstag, den 25.08.2012:

Am zweiten Tag des Festivals machen die Temperaturen den Besuchern sichtlich zu schaffen. Zum Opener Vogelfrey versammeln sich nur ein paar Personen auf dem Platz vor der BĂŒhne, der von der glĂŒhenden Mittagssonne heimgesucht wird. Viele haben es sich lieber unter den BĂ€umen im schattigen Biergarten gemĂŒtlich gemacht oder sich einen Platz im angrenzenden MĂŒGa-Park gesucht. Trotz der Hitze haben die Hamburger Folk-Rocker ihr Publikum recht schnell im Griff und können dieses mĂŒhelos animieren mitzumachen. Kein Wunder bei solch eingĂ€ngigen Songs wie Lindwurm-Massaker und Feenfleisch. Vogelfrey können nach diesem tollen Auftritt sicher ein paar neue Fans dazu gewinnen.

Als NĂ€chstes stehen Cromdale auf dem Plan, die eine Mischung aus keltischem, nordischem und angelsĂ€chsischem Folk und Elementen aus moderner Rockmusik darbieten. Dank dem großen Erfahrungsschatz von ĂŒber 150 Auftritten schafft die Band es spielend das Publikum zu begeistern und so fĂŒllt sich der Burghof langsam aber sicher. Nach den ersten Songs gibt es eine willkommene AbkĂŒhlung fĂŒr die anwesenden Besucher. Aufgrund der anhaltend hohen Temperaturen haben sich die Veranstalter dafĂŒr entschieden Wasser in die Menge sprĂŒhen zu lassen. Die Fans danken es mit großem Jubel. Auf der BĂŒhne geht es mit dem auf Latein geschriebenen StĂŒck Gaudete weiter fĂŒr das spaßeshalber ein SimultanĂŒbersetzer gesucht wird. Überraschender Weise findet sich allerdings keiner, was aber auch niemanden wirklich stört, da der Song auch ohne Übersetzung gut ankommt. Mit I Know I Have To Die haben Cromdale schließlich auch noch ein Mitmachlied im GepĂ€ck bevor der unterhaltsame Auftritt mit To My Horizon endete.

Die in dunklen LederrĂŒstungen gekleideten Musiker von Ingrimm können einem angesichts des Wetters schon ein wenig leidtun, aber die Regensburger haben sich ihre Outfits ja selbst ausgesucht. Keine Frage: Ingrimm sind auf dem diesjĂ€hrigen Burgfolk die hĂ€rteste Band – nicht nur, was die LeidensfĂ€higkeit bei der Hitze angeht. Donnernde Drums, grollender Bass und kompromisslos harte Gitarrenriffs bilden das Fundament fĂŒr harmonische Melodien, vorgetragen auf mittelalterlichen Instrumenten, wie Dudelsack und Drehleier. Mit dem Opener Eisenwind legen die Jungs, die auf der BĂŒhne zudem von einer Geigerin begleitet werden, auch gleich los wie die Feuerwehr. Beim teuflisch heißen Diaboli werden die vorderen Reihen zur AbkĂŒhlung wieder von der Security nass gemacht. Mit Sag mir nicht geht der Auftritt einer rauen aber ehrlichen Mittelalter-Metal Gruppe nach gut 45 Minuten zu Ende.

Nicht ganz so rau lassen es dann Mr. Irish Bastard angehen – Fine Irish Punk Drinking Music steht auf dem Programm. Die Band, die 2006 von SĂ€nger Mr. Irish Bastard himself, Bassist Boeuf Strongenuff, Banjo-Spieler Gran E. Smith und Tin Whistle-Spielerin Lady Lily gegrĂŒndet wurde, teilte sich die BĂŒhne bereits mit GrĂ¶ĂŸen wie The Pogues, New Model Army, Danko Jones und vielen anderen. Und auch auf dem Burgfolk beweisen die MĂŒnsteraner ihre Live-QualitĂ€ten und die Stimmung ist von Anfang an auf höchstem Niveau. Allerdings moniert der SĂ€nger nach den ersten Songs, dass der in der prallen Sonne liegende Burghof doch viel zu leer sei und fordert die im schattigen Biergarten sitzenden „Bierbauch klammernden Arschlöcher” dazu auf, die klaffende LĂŒcke vor der BĂŒhne zu fĂŒllen. Die Drohung sich auszuziehen, falls sich dies nicht Ă€ndern wĂŒrde, sollte dem sympathischen Frontman allerdings noch zum VerhĂ€ngnis werden denn von nun an skandieren die Zuschauer in jeder noch so kurzen Pause „Ausziehen, ausziehen“. Bei der Ansage zu Last Pints On Me sind die Rufe derart laut, dass der SĂ€nger schließlich nachgibt und blank zieht. Unter großen Jubel streckt er dem Publikum seine blauen Shorts entgegen. Mit dem selbstironischen Kommentar „Unser letztes Lied hör ich gerade – weil mein Arsch soviel Platz aufgenommen hat“ wird dann noch einmal Last Pints On Me eingestimmt mit dem sich die Bastards dann auch von der gut gelaunten Menge verabschieden.

In neuer Besetzung prĂ€sentieren sich Versengold bei ihrem zweiten Besuch auf dem Burgfolk. Die Band, bei der sĂ€mtliche Texte und Melodien aus der eigenen Feder stammen, bieten den Besuchern eine willkommene Abwechslung. So wird auf ein Schlagzeug komplett verzichtet, dafĂŒr verwenden die in historischen Gewandungen gekleideten Musiker ein breites Spektrum an außergewöhnlichen Instrumenten. Der Auftritt beginnt damit, dass die beiden Geiger auf ihren Instrumenten spielend die BĂŒhne betreten und SĂ€nger Snorre Snoerkelfrey der Menge „Jetzt ist Zeit fĂŒr Mittelalter-Folk” zuruft. Gleich bei den ersten StĂŒcken Voll wie mein Krug, In einem Meer aus Wein und Drei Weiber wird dem geneigten Zuhörer deutlich, worum es den Mannen in ihren Texten vorrangig geht. Neben zĂŒnftigen Trinkliedern haben Versengold aber auch gefĂŒhlvolle Balladen in ihrem umfassenden Repertoire. Mit Im Namen des Folke wird zudem das TitelstĂŒck des neuen Albums, welches ab November im Handel erhĂ€ltlich ist, dem Publikum prĂ€sentiert. Als letztes Lied des Abends wird – wie sollte es auch anders sein – mit Ich und ein Fass voll Wein wieder ein Trinklied zum Besten gegeben. Trotz des anhaltenden Beifalls muss die Frage erlaubt sein, ob der der Auftritt von Versengold nicht besser zu einem klassischen Mittelaltermarkt gepasst hĂ€tte


Auch bei der nĂ€chsten Band scheiden sich die Geister. Celtica – Pipes rock! sind eine multikulturelle Formation, welche sich aus den Dudelsackspielern Duncan Knight aus Edinburgh und Gwendolen Rowe aus Kalifornien, sowie Bassist Harry Weinkum (Phoneix) und den Österreichern Lukas Rausch (Schlagzeug), Gajus Stappen (Gitarre) und Josy Svajda (Keyboard) zusammensetzt. Mit Auftritten auf den grĂ¶ĂŸten keltischen / schottischen Events in Europa hat die Band in der Vergangenheit auf sich aufmerksam machen können und auch auf dem Burgfolk kommt der typische Dudelsacksound gepaart mit der Power einer Rockband gut an. Jedoch lĂ€sst sich nach der anfĂ€nglichen euphorischen Stimmung bei einigen Liedern ein wenig Stillstand in den Reihen vor der BĂŒhne feststellen. Zu eintönig klingen die rein instrumentalen Songs nach einer Weile. Erst als Keyboarderin Josy das Trinklied Have Some Whiskey anstimmt und spĂ€ter noch mit Feuer jongliert wird das Publikum wieder aktiver. Richtig abgefeiert wird dann bei ACDC’s Thunderstruck, das nahtlos in Highway To Hell ĂŒbergeht. Danach folgt mit Smoke On The Water der letzte Song des regulĂ€ren Sets. FĂŒr die Zugabe haben sich Celtica mit einem Medley aus Queens legendĂ€rem We will rock you und dem bekannten I Love Rock’n’Roll dann nochmals einen richtigen Kracher aufgehoben, so dass die Stimmung am Ende des Gigs wieder top ist.

Anschließend ist es Zeit fĂŒr den Headliner des Tages, auf den die meisten Besucher wohl schon sehnsĂŒchtig gewartet haben. Die Spielleute von Saltatio Mortis konnten mit ihren letzten Alben Wer Wind sĂ€t und Sturm aufs Paradies bereits beachtliche Charterfolge erzielen und auch das Burgfolk wird im Sturm genommen. Feinster Mittelalterrock, gekonnt vermischt mit modernen Rocksounds und authentischen Spielmannsinstrumenten wie Dudelsack oder Drehleier passen auch wirklich perfekt zu diesem Festival. Angepeitscht von SĂ€nger Alea, der wie ĂŒblich wie ein Wirbelwind ĂŒber die BĂŒhne fegt, feiert das Publikum von Beginn an zu Songs wie Hochzeitstanz und Uns gehört die Welt lautstark mit. Beherzte Worte findet Schlagzeuger Lasterbalk der LĂ€sterliche um auf das Schicksal der russischen Punkband Pussy Riot aufmerksam zu machen, die vor wenigen Wochen wegen Vandalismus zu zwei Jahren Arbeitslager verurteilt wurden. Die Situation in Russland quittieren die Zuschauer mit lauten Pfiffen und Buhrufen ehe die Band mit Worte das passende Lied hierzu anstimmt. Beim nachfolgenden Wir sĂ€en den Wind rennt Alea dann mit einer Saltatio Mortis Flagge durch die Fans und fragt angesichts der immer noch heißen Luft danach „Ist euch auch so scheiße heiß?“. Zu Eulenspiegel wird Veranstalter Michael Bohnes auf die BĂŒhne geholt bei dem sich die Band fĂŒr das frĂŒh geschenkte Vertrauen bedankt – ihren ersten Auftritt im Schloß Broich absolvieren Saltatio Mortis nĂ€mlich bereits 2006. Danach verlassen die Spielleute die BĂŒhne um nach einer kurzen Pause mit den Zugaben Rastlos, Falsche Freunde und dem Spielmannsschwur nochmal alles aus sich und den Zuschauern rauszuholen. Mit diesem furiosen Aufritt ist dann auch ein wiedermal großartiges Festival vorbei.

Mehr als 3.000 GĂ€ste an beiden Tagen sahen hochmotivierte Bands und feierten bei bester Stimmung – trotz der extrem heißen Temperaturen von ĂŒber 35° C. FĂŒr alle die sich schon aufs nĂ€chste Jahr freuen: Das Burgfolk Festival findet am 16. Und 17. August 2013 statt. Der Vorverkauf wird wie gewohnt am 01. Dezember eröffnen. Die ersten Bands sollen bereits in den nĂ€chsten Wochen angekĂŒndigt werden.

Wir haben fĂŒr euch Besucher- und Bandgalerien mit Bildern des Festivals zusammengestellt, die ihr hier oder durch Anklicken der Bilder erreichen könnt:

Galerie Burgfolk Festival 2012 – Besucher und Impressionen

Galerie Burgfolk Festival 2012 Tag 1 (Freitag, den 24.08.2012)

Galerie Burgfolk Festival 2012 Tag 2 (Samstag, den 25.08.2012)

Autor: Christian Reipen
Fotos: Marcus Nathofer

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Weitere Fotos des Events gibt es hier

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