AMPHI FESTIVAL 2012 Tag 1 – Köln, Tanzbrunnen (21.07.2012)

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Letztes Wochenende war es endlich soweit: das 8. Amphi Festival begeisterte bei bestem Wetter am Tanzbrunnen in Köln knapp 20.000 Fans aus aller Welt mit tollen Bands, Lesungen und vielen anderen Köstlichkeiten. Und die Anreise hat sich fĂŒr sie mehr als gelohnt. Rund 40 Bands und Acts auf drei BĂŒhnen gaben alles, um die Menschen zu begeistern und mitzureißen und jeder der Anwesenden kann bestĂ€tigen, dass dies mehr als gut gelungen ist.

Die Berliner Indierock/ New Wave Band The Wars durfte auf der Mainstage das Amphi Festival 2012 eröffnen und brachte das bereits recht gut gefĂŒllte GelĂ€nde in Festivalstimmung. Glowsticks und Cybergoth-Haarpracht konnte man in der Halle bei Eisenfunk genießen, denn hier herrschten elektronische Industrialbeats und Noise-Elemente. Auch die sympathischen Jungs von A Life [Divided] hatten wĂ€hrenddessen auf der Mainstage keine Probleme mit ihrem Powerrock die Fans zu begeistern, prĂ€sentierten sie doch so Einiges fĂŒr Auge und Ohr. Tyske Ludder sollte eigentlich jedem etwas sagen, der sich mit guter EBM Musik auskennt und die Jungs hatten dank Aggression und Melodie das Zepter in der Hand und ließen so manches Tanzbein schwingen. Die Schweden Spetznaz hingegen hauten in eine Ă€hnliche Kerbe und animierten die Fans mit ihrer elektronischen Körpermusik ĂĄ la Nitzer Ebb zum Tanzen. WĂ€hrend SĂ€nger Pontus StĂ„lberg Vollgas gab und so die ersten Reihen zum Pogotanzen brachte, hĂ€mmerte Drummer Stefan Nilsson auf seine E-Pads, dass es eine Freude war. Hits wie „Apathy“ sorgten fĂŒr eine „HĂŒpfgarantie“ und offenen Applaus, wĂ€hrend Stefan bei „Perfect Body“ blank zog und seinen Astra(l)körper zum Besten gab. Die Kölner Band X-Rx verbindet Aggrotech und Techno mit Hardstyle und sorgte im Staatenhaus fĂŒr schwitzende Körper, wĂ€hrend an der frischen Luft das Future-Pop-Projekt mind.in.a.box ihre elektronische Musik in die warme Sommerluft schickte. Als Gegensatz zu eher harschen Tönen im Staatenhaus erzeugte die PrĂ€sentation einen erfrischenden Kontrapunkt. Die Songs der Band wurden durch Einsatz von Vocoder-Gesang und Gitarre, Bass und Drums prĂ€sentiert und brachten die Fans zum mitwippen. Frank Spinath von Seabound indes musste nicht viel tun, um in der Halle seine AnhĂ€nger zu begeistern. Die nebelverhangene Performance der Bielefelder war energiegeladen, romantisch-melancholisch und spĂ€testens beim Hit „Poisonous Friend“ waren alle Zuhörer in Bewegung, so atmosphĂ€risch kam der Song rĂŒber. Aber auch neue Songs waren im Repertoire der Electropopper, wie der Track „Nothing But Love“, vom kommenden Album, der ĂŒberaus positiv aufgenommen wurde.

Corvus Corax war die einzige „Mittelalterband“ auf dem Amphi Festival und hielt somit eine Sonderstellung inne, aber nicht nur deshalb war es unter dem Zelt der HauptbĂŒhne prall gefĂŒllt und Castus Rabensang und seine Mannen brachten alle Haderlumpen und BurgfrĂ€uleins zum abfeiern. Elektronischer war es in der Halle, denn Tom Shear aus den USA, der jeden „Ronan Harris Double Contest“ glatt gewinnen könnte, sorgte mit Assemblage 23 durch zĂŒnftigen Future Pop fĂŒr glĂŒckliche Gesichter. UnterstĂŒtzt von seinem Drummer, der aus der Muppet Show entflohen sein könnte, spielte die Band u.a. Hits wie „Naked“, „The Voice Inside Your Head“ und „Let The Wind Erase Me“, die Mr. Shear mit dunkler, sonorer Stimme vortrug und unterstĂŒtzt durch die perfekte synthetische Tanzmusik die Fans zum Mitsingen brachte. Die Kult-Synthiepopper Camouflage begannen ihre Show mit „Suspicious Love“, ein Track, der leider damals Anfang der 90er ziemlich unterging, nun aber als Liveintro perfekt herĂŒberkam. Vorzustellen muss man die drei Herrschaften wohl nicht, den Ruf als deutsche Depeche Mode haben Heiko Maile, Marcus Meyn, Oliver Kreyssig lĂ€ngst weit hinter sich gelassen. Im schicken weißen Anzug fegte Marcus ĂŒber die BĂŒhne, wĂ€hrend Heiko und Oliver Synthesizer respektive E-Drums bearbeiteten. Auch ein „echtes“ Drumset und E-Gitarre drĂŒckten die SyntpopstĂŒcke soundtechnisch nach vorne. Es dauerte eine Weile, bis die Stimmung ihren Zenit erreichte, aber dann gab es kein Halten mehr. „Neighbours“ vom ersten Album „Voices & Images“ spielte die Band in einer interessanten neuen Version und die LiebeserklĂ€rung an die Fans „We Are Lovers“ brachte jedes Tanzbein zum Zucken und der „kraftwerk-esque“ Mittelteil entzĂŒckte alle Electroheads. Auch Oliver durfte fĂŒr den Track „Confusion“ im Shufflebeat an die Front und bei „Me And You“ winkten die Fans in bester „Never Let Me Down Again“-Manier ihre Arme. Bei „Love Is A Shield“ schmusten dann alle PĂ€rchen und alle anderen, die die Aussage des Songs verstanden, bewegten sich im Rhythmus. FĂŒr den Song „Shine“ nahmen die Jungs den Livechor der Amphibesucher fĂŒr das kommende Album auf, so wurde also lautstark mitgegröhlt. „The Great Commandment“ gab dem Publikum dann im positivsten Sinne den Rest.

Carsten, Frank und Tom der NRW Band [:SITD:] erhitzten die GemĂŒter ihrer AnhĂ€nger und verwöhnten sie mit einer Mischung aus Futurepop- und EBM ihrer alten und neuen Smash Hits. Mastermind Daniel Myer eroberte das Staatenhaus mit seinem Projekt Haujobb, denn in geheimnisvoll blauem Licht kreierte der Electrowizzard eine solch betörende Stimmung, dass einem glatt die Spucke wegblieb. Supported durch zwei Keyboarder, die zusĂ€tzlich noch Electrodrums spielten, brachte die Band Renner wie die aktuelle Single „Lets Drop Bombs“ (mit pulsierender Bassline und perfider Electronik), „Dream Aid“ (bei dem die „Haujobb-JĂŒnger“ so richtig zelebrierten) und viele andere SahnestĂŒcke. Myer kam wie der nette Onkel von Nebenan daher und kommentierte den einen oder anderen Track mit sympathischen Moderationen. Leider war nach „Dead Market“ das Konzert viel zu frĂŒh vorbei, da halfen auch die „Zugabe“-Rufe nichts mehr und die BĂŒhne wurde an den provokanten Industrialmusiker Thomas Rainer und seinem Projekt Nachtmahr ĂŒbergeben.

Auf der Mainstage schaffte sich die sĂŒddeutsche Neue-Deutsche-HĂ€rte-Band Eisbrecher Gehör. Frei nach dem Motto „This Is Deutsch“ servierte die Band rockige, teils ironische Songs und begeisterte jung und alt. NatĂŒrlich durften auch Songs wie „Schwarze Witwe“ und „VerrĂŒckt“ nicht fehlen, um das Liveerlebnis perfekt zu machen. Auch Apoptygma Berzerk wissen, wie man die Massen in Bewegung bringt. Ihr Liveset bestand aus guten alten Klassikern wie „Until The End Of The World“ und „Bitch“, aber auch aus StĂŒcken ihrer neuen, eher gitarrenastigeren Titel. Wie dem auch sei, die Norweger hatten das Staatenhaus im Griff, und wer zu spĂ€t kam, wurde damit bestraft, dass er erst gar nicht in die Halle kam. Aber auch weit entfernte Besucher hatten ihre Freude an dem Sound der Ausnahmeband.

Als letzten Act auf der Mainstage konnte man die absolute Kultband The Sisters Of Mercy bestaunen, die recht selten auftreten und bei denen die QualitĂ€t der Auftritte recht unterschiedlich ausfallen kann. An diesem schönen Samstagabend aber wurden die Menschenmassen vor der BĂŒhne mit einer genialen Show belohnt. Selten hat man „die Schwestern“ im Tageslicht genießen können, aber die nebelverhangene Stage und perfektes Licht sorgten fĂŒr die richtige Stimmung. Als erstes fielen die drei Macintosh Laptops auf, die zum Setup gehörten. Sollte man wirklich drei Computer brauchen, um Dr. Avalanche zu ersetzen? Andrew Eldritch mit Glatze und Bart wirkte zuerst wie ein Teil des BĂŒhnenbildes, bevor er in die GĂ€nge kam und mit seiner Band Klassiker um Klassiker wie „First And Last And Always“, „Alice“ und „Vision Thing“ spielte. SpĂ€testens dann waren die AnhĂ€nger der Band in ihrem Element und rockten und tanzten, dass es aus der Ferne ein schönes Bild ergab. Bei „Dominion“ betrat die irische SĂ€ngerin Lisa Cuthbert die BĂŒhne und unterstĂŒtzte stimmgewaltig die Band. Doch ihr großer Auftritt sollte spĂ€ter erfolgen, als die Sisters die BĂŒhne verließen und sie am Stagepiano sitzend „This Corrotion“ sang. Der Auftritt wurde sehr stimmungsvoll mit BĂŒhnennebel und blau-weißem Licht in Szene gesetzt, dass man automatisch eine GĂ€nsehaut bekam. Ein genialer Kontrapunkt zum rockigen Ambiente der Show. Der selten gespielte Song „More“ war leider auch die letzte Nummer, die an diesem schönen Abend Open Air gespielt wurde. Besser kann man ein Konzert nicht ausklingen lassen.

Doch das Amphi Festival war noch nicht beendet, denn im Staatenhaus standen bereits die Jungs der NDW Kultband D.A.F. in den Startlöchern. Mit einem Minimalsetup bestehend aus Drumkit, Mischpult und MikrophonstĂ€nder waren die Herrschaften der Deutsch-Amerikanischen Freundschaft ausgezogen, um das Tanzen zu lehren. Nachdem nach Drummer Robert Görl auch Gabi Delgado erschien und provokant-verschmitzt mit verschrĂ€nkten Armen das Publikum angrinste, ging die Post ab. „Verschwende Deine Jugend“, „Der Mussolini“ und „Alle Gegen Alle“ ließen die Fans pogen und bald war die ganze Halle in Bewegung. Die „fast-Balladen“ „Der RĂ€uber Und Der Prinz“ und „Ich Und Die Wirklichkeit“ lockerten das tolle Konzert gekonnt auf. Und am Ende zuckte jeder Muskel. Mindestens so lange, bis die ersten Töne des zweiten Teils des Festivals am Sonntag erklangen.

Wir haben fĂŒr euch schon einmal eine Galerie mit Bildern des ersten Tages zusammengestellt, die ihr hier oder durch Anklicken der Bilder erreichen könnt:

Galerie Amphi Festival Tag 1 (Samstag, den 21.07.2012)

Der Bericht und Fotos von Tag zwei folgen in KĂŒrze!

Autor: Frank Stienen
Fotos: Roger Op Den Camp (Nachtmahr: Michael Gamon)

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Galerie Amphi Festival Tag 1 (Samstag, den 21.07.2012)

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