NIGHTWISH, BATTLE BEAST & EKLIPSE – DĂŒsseldorf, ISS Dome (14.04.2012)

Geschätzte Lesezeit: 4 Minute(n)

Nachdem ich im Februar bereits Tarja live erleben durfte, war ich nun gespannt, wie sich ihre ehemaligen Kollegen von Nightwish auf der BĂŒhne schlagen wĂŒrden. Dem 14.04. habe jedoch nicht nur ich entgegen gesehnt, auch zahlreiche andere Fans fanden an diesem Abend ihren Weg zum DĂŒsseldorfer ISS Dome. Dort angekommen, reihe ich mich direkt in die lange Menschenschlange ein, der nur spĂŒrbar langsam Einlass gewĂ€hrt wird. Zeit ist also genug, um sich einmal umzuschauen und festzustellen, dass Nightwish nach nunmehr ĂŒber 15 Jahren Bandgeschichte ihre Fans aus sĂ€mtlichen Schichten rekrutieren. Von dĂŒster- szenigen Gestalten bis zur Mainstream- Mama ist alles dabei und es ist schön zu sehen, dass viele der damaligen Fans der Band Trotz des Ausstiegs Tarja Turunens treu geblieben sind.

Als Warm- Up steht dann auf der BĂŒhne auch schon die russische Antwort auf Apocalyptica bereit – Eklipse. Die vier jungen, musikalisch talentierten Damen, die sich fĂŒr diesen Abend besonders adrett hergemacht haben, liefern zwar alles andere als Metal, jedoch lĂ€uten sie mit einigen instrumentalen Coverversionen, darunter Lady Gagas „ Paparazzi“ und „Wonderful Life“ von Hurts, den Abend auf ihre Art und Weise gekonnt ein. Positive RĂŒckmeldung gibt es aus dem Publikum genug, auch wenn dem einen oder anderen dieser Einstieg vielleicht etwas zu ruhig erscheint.

Wesentlich lauter geht es dann mit der finnischen Band Battle Beast weiter, die Heavy Metal in seiner Ursprungsform darbieten. Es fĂ€llt beim ersten Hören schwer, SĂ€ngerin Nitte Valo tatsĂ€chlich stimmlich auch als Frau zu identifizieren, so kraftvoll und rotzig ist der Klang ihrer Stimme. Und zu Songs wie „Cyberspace“ oder dem Ohrwurm „Show Me How To Die“ wird nicht nur auf der BĂŒhne headbangend abgerockt, sondern auch die Menge lĂ€sst sich mehr und mehr von den MetalklĂ€ngen packen und mitreißen.

In der Umbaupause wird die BĂŒhne mit weißen, langen, Fetzen- VorhĂ€ngen verhangen, was die Spannung bei den Fans um ein Weiteres anhebt. Und plötzlich ist es so weit: eine Spieluhr wird aufgezogen, eine wohlige Melodie erklingt und hinter dem Vorhang wiegt sich ein Schatten im Schaukelstuhl zum Imaginaerum Intro „Taikatalvi“. Wind durchfĂ€chert die weißen Laken und nachdem SĂ€ngerin Anette Olzon den Refrain von „Storytime“ angestimmt hat, fĂ€llt der Vorhang zur Freude der Fans. Im Hintergrund dreht sich auf einer Leinwand ein buntes Karussell und es dauert nicht lange, bis das GefĂŒhl aufkommt, in eine andere Welt zu gleiten. Nightwish verzaubern, ziehen uns zum Klassiker „Wish I Had An Angel“ in ein rotes Wolkenmeer, das sich bei „Amaranth“ aber direkt wieder blau fĂ€rben soll. Schnell wird man aus dieser Stimmung gerissen, als auf einmal FeuerfontĂ€nen nicht nur vom BĂŒhnenrand in die Höhe schießen, sondern auch aus Tuomas‘ charakteristischem Keyboard lodern. Dieser aufwĂ€ndigen Darbietung kann sich einfach niemand entziehen, die Blicke kleben regelrecht auf der BĂŒhne und wohin man auch schaut, sieht man begeisterte, gefesselte Gesichter. Nightwish liefern an diesem Abend ein Set, das inhaltlich nicht runder hĂ€tte sein können. NatĂŒrlich gibt es da die alten Nightwish Kracher wie „Dead To The World“, „Come Cover Me“, „Planet Hell“ oder das Gary Moore Cover „Over The Hills And Far Away“, aber faszinierend ist, dass die aktuellen StĂŒcke wie „Scaretale“ oder „The Crow, The Owl And The Dove“ zweifelsohne neben diesen GrĂ¶ĂŸen bestehen können und ihre Wirkung nicht verfehlen. Letzteres lĂ€sst einen dann schließlich noch tiefer eintauchen in diese vertrĂ€umte Welt und es ist lange her, dass ich einer solch großen Konzerthalle eine derartig intensive AtmosphĂ€re entnehmen konnte. An eine Akustik- Version von „Nemo“, bei der zum Schluss ein Glitterregen die Menge ĂŒberschĂŒttet, muss ich mich hingegen erst einmal gewöhnen. Auch wenn es an und fĂŒr sich nicht schlecht klingt, fehlt dem StĂŒck so doch einiges an Überzeugungskraft. Ich merke aber schnell, dass ich mit meiner Meinung relativ alleine dastehe, denn das Publikum ist hellauf begeistert. Nach 16 StĂŒcken verlassen Nightwish die BĂŒhne, werden aber schnell von den Fans wieder nach vorne gebeten, denn ein paar WĂŒnsche sind noch offen geblieben. Und so liefern die begnadeten Finnen neben dem Jean Sibelius Cover „Finlandia“ noch die beiden Kracher vom aktuellen Album „Song Of Myself“ und natĂŒrlich passenderweise „Last Ride Of The Day“. Ein genialer, ereignisreicher Abend neigt sich dem Ende und zu den KlĂ€ngen von „Imaginaerum“ verneigen sich Anette und ihre Mannen vor dem gut gelaunten DĂŒsseldorfer Publikum, das dankbar fĂŒr dieses unvergessliche Erlebnis ist. Kiitos!

Setlist:
01. Taikatalvi
02. Storytime
03. Wish I Had an Angel
04. Amaranth
05. Scaretale
06. Slow, Love, Slow
07. I Want My Tears Back
08. Come Cover Me
09. The Crow, the Owl and the Dove
10. The Islander (acoustic)
11. Nemo (acoustic)
12. Last of the Wilds
13. Planet Hell
14. Ghost River
15. Dead to the World
16. Over the Hills and Far Away (Gary Moore Cover)
17. Finlandia (Jean Sibelius Cover) (Z)
18. Song of Myself (Z)
19. Last Ride of the Day (Z)
20. Imaginaerum Outro (Z)

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Konzertfotos Sektion (Bildkommentare sind durch Anklicken der Sprechblase möglich) oder direkt durch Anklicken der jeweiligen Bandfotos.

Nightwish:




Battle Beast:




Eklipse:




Autorin: Tanja Pannwitz
Fotos: Michael Gamon

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