FEEDING FINGERS / CRADLE – Gouda, De Gonz (05.03.2010)

FEEDING FINGERS  /  CRADLE - Gouda, De Gonz (05.03.2010)
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Die ersten Sonnenstrahlen im März wirken nach den langen kalten Tagen warm und wohltuend. Das richtige Reisewetter für einen Kurztrip nach Rotterdam.
Drei Herren aus Georgia haben ebenfalls einen kurzen Abstecher in den Süden Hollands gebucht. So eine lange Reise macht man natürlich nicht ohne Grund, deshalb haben die Jungs von Feeding Fingers auch ihre Instrumente ins Gepäck mit verstaut.

Das Trio wird an diesem Freitagabend ihr drittes und letztes Konzert während der Mini- Tour durch Holland geben, bevor sie morgen nach Italien weiter reisen, um für Nitzer Ebb das Einheizen der italienischen Fans zu übernehmen.

Aber heute sind Feeding Fingers erst die Attraktion in Gouda! Vor ihrem Auftritt steht die heimische Band Cradle FC als Opener auf der Bühne.
Die zwei Brüder Johan und Henk, die ihre Liebe zu Joy Division, Swans und anderen Hero Urgesteinen der rauen, schrammeligen Musikgeschichte nicht verschweigen, kümmern sich in ihrer Band um die groben Klänge der Gitarre und den tief sitzenden Bass. Damit der schroffe Ton auch kräftig zur Geltung kommt sorgt das dritte Saiteninstrument mit Gitarristen Nina für gehörigen Krach zwischen den Männern. Ungestüm mit rauem Saitenwind kommt ? Drowing? aus den Lautsprechern gestürmt. Mit dem verstummen des Gesangs heizen sich die Gitarren gegenseitig auf. Aus dem Hintergrund scheppert Drummer Peter dynamisch im Takt. Die kleine Location in Gouda ist in Sekunden mit dem ohrenbetäubenden Sound des Quartetts verseucht. Schwere, vor sich hin dümpelnde Töne erinnern kurzzeitig an den Manchester Sound der Vergangenheit, den alle so furchtbar lieben. Doch nach den dumpfen Anfangsklängen von ?TV Screen? rockt die Bande gnadenlos nach vorn. Lautstark und gut gelaunt wird der Post Punk in den Niederlanden zelebriert. Dem Publikum gefällt es und nach so einem Start sind alle gut vorbereitet auf den Besuch aus Amerika!

Als Feeding Fingers die Bühne im de Gonz betreten herrscht Stille in den Reihen. Nebelschwaden ziehen dich über den Boden bis zur Decke. Drei verschwommene Silhouetten befinden sich an ihren Instrumenten im diffusem Neonlicht. Leise kriechen die düsteren Klänge durch die Atmosphäre. Frontmann Justin Curfman übernimmt gleich drei Jobs: Gesang, Keyboard und Gitarre gehören zu seinen Aufgaben in der Band.

Mit der Gitarre um den Hals wendet sich Curfman mit ganz sanften Fingerspitzen zuerst den Tasten seines Synthies zu. Die eisige Kälte des Sounds passt sich den Außentemperaturen an. Das blau verwaschene Licht schwebt wie ein ausgestoßener Atemhauch des Basses durch die Atmosphäre. Alles wirkt wie in Zeitlupe, als wäre es eine Cure Rückblende. Der schwermütige, behäbige, teils weinerliche Gesang erinnert ebenfalls an The Cure und ihren Frontmann Robert Smith. Soundtechnisch knüpfen Feeding Fingers mit ihren bisher zwei veröffentlichten Alben ?Wound In Wall? und ?Baby Teeth? an die ganz frühen 80er Jahre Songs der Grufti-Briten an. Die Amerikaner kopieren den eiskalten Klang und reichern ihn mit genügend eigenen Ideen aus der gegenwärtigen Zeit an. Die zehrende Musik verursacht Atemlosigkeit im Publikum. Es ist kein Mucks zu hören, nur das belohnende Klatschen der Hände. Die scheppernden Drumausbrüche holen die Anwesenden in kleinen Abständen aus ihren Träumen der Vergangenheit in das Hier und Jetzt zurück. Im trüben Scheinwerferlicht beteuert das Trio ?Flireflies Make Us Sick?. Als sich der klagende Gesang über die elegische Melodie legt, nutzen die Amerikaner erneut die Macht der Suggestion und versetzen die Besucher in einen freiwilligen Hypnosezustand.

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Concert-Pictures Sektion (für Bildkommentare muss man aus Spamverhinderungsgründen leider angemeldet sein) oder direkt hier durch Anklicken des Bandfotos:

Feeding Fingers:
FEEDING FINGERS  /  CRADLE - Gouda, De Gonz (05.03.2010)

Cradle:
FEEDING FINGERS  /  CRADLE - Gouda, De Gonz (05.03.2010)

Autorin und Fotos: Martina Peitz

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