COMBICHRIST / SAM – Bochum, Matrix (07.12.2009)

Geschätzte Lesezeit: 4 Minute(n)

Andy LaPleguas Hellectro/Industrialprojekt Combichrist verspricht live immer eine ganze Menge Spaß, was sich offensichtlich auch in andere musikalische Kreise herumgesprochen hat. Und so wurden der Norweger und seine Mitstreiter unlängst auf die aktuelle Rammstein-Tour eingeladen, um den Zuschauern in Europas größten Hallen ordentlich einzuheizen. An den Tagen, an denen sich die deutschen Pyrorocker ausruhen, verschlägt es Combichrist dann aber immer wieder in kleinere Clubs, um ihrem Publikum näher zu sein und das Erlebnis ?Live-Konzert? noch spürbarer zu machen.

Im Vorprogramm bei ihrem Auftritt in der Bochumer Matrix gab es für uns ein Wiedersehen mit SAM, einem deutschen Industrialprojekt aus Kassel. Daniel und Joe hatten wir vor gut 2,5 Jahren bereits einmal in Oberhausen beim 1. Electronic Aid Festival live gesehen und man konnte gespannt sein, was sich bei den Sams seit dieser Zeit getan hat. SAM machen tanzbaren Industrial mit Technoeinflüssen, den sie mit Samples anreichern. Auf eigenen Gesang wird bis auf Anfeuerungen ans Publikum komplett verzichtet. Lustig in dem Zusammenhang aber, dass sie in Playback-Manier die Samples auf der Bühne ?mitsprechen?, eine Eigenart, die ich in der Form bisher noch nie gesehen hatte. SAM haben sich in den letzten 30 Monaten durchaus weiterentwickelt und ihre Musik hat einige neue Facetten erhalten, aber natürlich ist die Monotonie weiterhin ein Industrialstilmittel, das auch bei SAM Anwendung findet. Showtechnisch wird auf der Bühne an Knöpfen gedreht, getanzt, Spaß gehabt und die Tube der Matrix mit Bässen satt beschallt. Beim letzten Song besteht der Text quasi nur aus ?Bull Fcking Shit? und für einen Teil der Zuschauer war das, den Gesichtsausdrücken nach zu urteilen, vielleicht auch die Quintessenz des Auftritt, die Anderen hatten aber definitiv ihren Spaß während der 45 Minuten. Als Anheizer sicher keine schlechte Wahl.

Richtig los ging es aber natürlich erst im Anschluss, als Combichrist die Bühne betraten. Combichrist besteht live aus Frontmann Andy LaPlegua, dem Live-Keyboarder z_marr und den beiden hyperaktiven Live-Drummern Joe Letz (Drums) und Trevor Friedrich (Percussion). Die vier zusammen ergeben live eine dermaßen explosive Kombination, dass es nur Sekundenbruchteile dauerte, bis sich die Tube der Matrix in einen Hexenkessel verwandelt hatte. Vor der Show klagte Andy wohl noch über Rückenschmerzen und kündigte einen statischen Auftritt an, aber das schien er beim Betreten der Bühne selbst komplett vergessen zu haben. Er rannte über die Bühne, tanzte und verdrehte seinen Körper in bester Shoutermanier und hinter ihm sorgten seine drei Mitstreiter für das passende Ambiente. Insbesondere Joe Letz ist während des gesamten Auftritts beachtenswert und man sollte ihn aus gesundheitlichen Gründen und Selbstschutz tatsächlich nie komplett aus den Augen verlieren. Denn sonst kann es schon mal passieren, dass ein Wurfgeschoss verdächtig nah heranschwirrt, was dann eine Wasserflasche oder auch mal ein Drumstick sein könnte. Noch gefährlicher sollte es später für Trevor werden, der nicht nur einem aus einer kompletten Trommel bestehenden Wurfgeschoss ausgesetzt wurde, doch dazu später mehr.

Los ging es mit meinen beiden Lieblingstracks vom aktuellen Album ?Today We Are All Demons?: ?All Pain Is Gone? und ?Scarred? und schon da gab es kein Halten mehr bei den ekstatisch feiernden Fans. Andy trieb sie nach Belieben an, während die Livedrums den Rhythmus immer stärker nach vorne trieben. Und das muntere Treiben auf der Bühne tat dazu sein übriges um Begeisterungsstürme auszulösen. Joe begoss seine Drums des Öfteren mit Wasser, das beim Beschlagen in Fontänen hoch spritzte und dadurch auch visuelle Glanzpunkte setzt, während Trevor seine Drums besteigt und quasi von oben das Publikum weiter herausfordert. Und natürlich ist auch z_marr im erhabenen Hintergrund keineswegs untätig,wechselt zwischen zwei um ihn herum postierten Keyboards hin und her und übt sich im Headbanging, dass es eine wahre Freude ist. Selten hat man eine ähnlich energiegeladene Show bestaunen können, was die vier abziehen ist einfach nur krass und erinnerte gegen Ende gar an Zeiten von The Who und Co. Denn zunächst beließ es Joe noch dabei, seine Drums gelegentlich umzustoßen, so dass die Stagehand alles andere als einen leichten und arbeitslosen Job zu erledigen hatte, doch diese Auswüchse wurden immer stärker und beim letzten Song ?What The Fuck Is Wrong With You People? brachen dann endgültig alle Bänne. Nach und nach landeten Joes Arbeitsgeräte auf Trevors Seite, stürzten z_marrs Keyboardständer um wie in einem Hollywood-Endzeitstreifen und auch für Trevors Drums gab es kein Entrinnen mehr, sie mussten sich der Erdanziehungskraft und den rohen Kräften der Musiker geschlagen geben und machten mit dem Boden der Matrix Bekanntschaft. Als der Rauch sich verzog, glich die Bühne einem Schlachtfeld und die Anwesenden standen zunächst einige Augenblicke wie angewurzelt da, bis sie realisierten, dass der Auftritt beendet war. Selten waren sie wohl so beeindruckt zurückgelassen worden. Hinter ihnen lagen 80 Minuten feinster Electroaction und eines der besten Konzerte des Jahres 2009. Alles richtig gemacht ? weitermachen ?

Setlist:
01. All Pain is Gone
02. Scarred
03. Today I Woke To The Rain Of Blood
04. This Is My Rifle
05. Without Emotions
06. Today We Are All Demons
07. Get Your Body Beat
08. I?d Like To Thank My Buddies
09. Electrohead
10. Blut Royale
11. Fuck That Shit
12. This Shit Will Fuck You Up (Z)
13. What The Fuck Is Wrong With You People (Z)

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Concert-Pictures Sektion (für Bildkommentare muss man aus Spamverhinderungsgründen leider angemeldet sein) oder direkt hier durch Anklicken des jeweiligen Bandfotos:


Combichrist:


SAM:

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