Interview : 6CT HUMOUR

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Ein Touch 80`s, die Einflüsse der Lieblingsbands und viele eigene Ideen- die richtigen Zutaten für einen unbeschwerten Sound. Seit mittlerweile 15 Jahren macht das saarländische Trio 6ct Humour genau das, was ihnen an Musik gefällt. Zu hören ist es auf ihrer im April 2009 veröffentlichten Debüt EP ?Dropping A Dime?. Was sich außerdem noch im Leben von 6ct Humour abspielt haben die drei Herren Sparklingphotos.de erzählt.


Hallo 6ct Humour. Wer und wo seit ihr gerade?



Rouven:
Ich sitze im Wintergarten in meiner ?Kreativecke?
Andreas: Zu Hause an meinem Schreibtisch.

Ronny:
Ich sitze zu Hause in meinem Studio.


Ist es gerade Tag oder Nacht?

Ronny: Es ist Abend und so langsam geht die Sonne unter.

Andreas:
Früher morgen.

Rouven:
Tag


Welche Tageszeit mögt ihr am liebsten?

Rouven: Eigentlich den späten Nachmittag bis in die Nacht. Irgendwie bin ich da am agilsten. ?Morgens? kann man mich eigentlich vergessen. Ohne Kaffee läuft sowieso garnix!

Ronny:
Mir ist der Morgen und der Abend am liebsten. Morgens den Tag mit einer Tasse Kaffee in Ruhe beginnen, den Abend mit einer erfolgreichen Studiosession beschließen.

Andreas:
Abends, dann ist die alltägliche Arbeit meist geschafft und man wendet sich den ?schönen? Dingen des Lebens zu.


Was bedeutet der Bandname 6ct Humour oder ist es ein Fantasiename?

Ronny: Woah, das werden wir oft gefragt. Eigentlich resultiert der Bandname aus einer Textzeile meiner Lieblingsband.

Andreas:
Reine Wortspielerei. Ein Depeche Mode Song enthält eine Textpassage, die ähnlich klingt, jedoch wirklich nur so klingt. God has A sick sense of humour aus dem Song blasphemous rumours! Klingt ähnlich und den Song lieben wir einfach.


Eure Band besteht schon seit ca.15Jahren. In der Zeit habt ihr den Sound und den Namen- sogar öfter- geändert. Habt ihr mit reinem Synthiepop angefangen?

Ronny: Ja, absolut reiner Synthiepop, das war der Anfang.

Andreas:
Unsere Richtung war damals wie heute auch. Sounds aus dem Synthie gepaart mir einer Melancholie, die es für uns einfach ausmacht.


Wer von euch hat die Band gegründet?

Ronny: Andreas und ich haben die Band gegründet.

Andreas:
In einem kleinen Probraum in meinem Elternhaus.


Zwischen 96/97 habt ihr euch Age Of Mind genannt. Hatte es was mit dem Soundwechsel zu tun?

Ronny: Nein, der Sound war damals noch reinrassiger Synthiepop. Da wir zu dem Zeitpunkt noch keinen Namen hatten, nannten wir uns ?Age of Mind?.

Andreas:
Der Name gefiel uns damals ganz gut und wir bekamen neues Equipment zu der Zeit. Wir konnten daher anders klingen, also stimmt es in gewisser Weise.


Wer hatte die Idee, dass es rockiger klingen soll?

Andreas: Das kam von uns allen, da in dieser Zeit auch von Bands wie Depeche Mode oder anderen Bands rockige oder besser noch rauhere Klänge angeschlagen wurden. Wir haben uns damals davon inspirieren lassen.

Ronny:
Wir wollten beide ausprobieren, wie sich die Einflüsse von Drummer, Bassist und Gitarristen auf unsere Musik auswirken. Dabei wollten wir uns einfach weiterentwickeln.


Warum habt ihr euch entschieden wieder pure Elektromusik zu fabrizieren?

Andreas: Weil nach längerer Zeit des Experimentierens der Grundgedanke wieder präsent war. Wir haben uns darauf besonnen was wir mögen und können und Songs wieder so umzusetzen, wie wir es am Anfang vorhatten, als es nur den Grundgedanken gab Musik zu machen. Diese Wendung kam von uns Beiden irgendwie zum gleichen Zeitpunkt.

Ronny:
In erster Linie hören wir elektronische Musik am liebsten. Allerdings kommt noch ein entscheidender Faktor hinzu. Wir benötigen keinen Drummer, Bassist oder Gitarristen, sondern nur unser Equipment und eine Idee. Das soll heißen, ich kann jederzeit meine Ideen umsetzen und muss nicht warten, bis ein anderer hinzukommt und mir beispielsweise einen Rhythmus vorgibt. Ich kann jederzeit unabhängig musizieren und das ist ein absolutes Privileg für mich.


Wieso gab es 2000 die nächste Namensänderung?

Ronny: Da waren wir ein eingespieltes Team, Gitarrist, Bassist, Drummer also die Band. Da wir nicht mehr reinen Synthiepop schrieben, benannten wir uns um.


Habt ihr eine genaue Vorstellung wie sich ein Lied als ?Endprodukt? anhören soll oder krempelt ihr während der Aufnahme alles noch mal um?

Rouven: Wenn das Grundgerüst steht, aber einer von uns mit einer guten Idee kommt, die die anderen Beiden überzeugt, dann kann es schon sein, dass ein Lied noch mal umgebaut wird.

Andreas:
Unterschiedlich! Ronny arbeitet da sehr akribisch und baut Songs auf, die danach zu einem Gesamtbild werden. Ich hingegen habe einen Song oft im Kopf, bevor ich die erste Taste anschlage und versuche den Song auch so umzusetzen. Durch zwei verschiedene Arbeitsweisen ist es nicht immer einfach, aber wir kennen uns so lange, dass wir uns sehr gut arrangieren.

Ronny:
Andreas hat das ?Endprodukt? schon weitestgehend in seinem Kopf. Er arbeitet da ziemlich geradlinig und hat seine Songs grundlegend schon fertig. Ich entwickle meine Songs aus dem Bauch heraus. Sie entstehen quasi während der Aufnahme. Ich baue am Anfang meist an einem Drumloop herum und entwickle dann das Drumherum. Allerdings habe ich sehr lange gebraucht, bis ich meine ersten eigenen Songs schrieb, das ist ca. 1 ┬Ż Jahre her.


Was entsteht zuerst: der Text oder die Musik?

Andreas: Kommt immer drauf an, wer zuerst eine Idee für einen Song hat. Da Rouven hauptsächlich für die Texte zuständig ist, liefert er mit seinen echt geilen Texten oft den Grundstein zu einem neuen Song. Umgekehrt schwirrt Ronny und mir aber auch eine Melodie im Kopf herum und man baut darauf einen Text auf. Es ist nie gleich und das ist gut so.

Ronny:
Nun, ich schreibe fast unentwegt. Manchmal sprudelt es nur so und ich kann gar nicht so schnell schreiben wie meine Gedanken kommen. Manchmal sind es auch nur Zeilen oder Wortfetzen. All dass sammle ich in einem Ordner und wenn ich einen Text brauche, dann habe ich eine große Auswahl. Dann kann ich zumindest das Grundthema vom Song umschreiben und Rouven vollendet mit seinen Worten dann entweder meine Idee oder entwickelt einen eigenen Text.

Rouven:
Ich mag es wenn ein Song schon fertig ist, weil ich meine Texte dann besser der Stimmung anpassen kann.


Kreiert ihr die Songs gemeinsam?

Rouven: Nö?. Der Song an sich kommt von einem Einzelnen und die Anderen basteln dann mit dem Songwriter daran rum ? Es sein denn, der Titel ist so gut, dass alles passt.

Andreas:
Teilweise ja. Es ist sicherlich schwieriger als Synthiepop Band zu jammen, wie es Rockbands tun. Da gibt der Schlagzeuger den Beat vor und man einigt sich auf eine Akkordfolge, schließlich steigt jeder mit ein. Wir machen das auch hin und wieder aber komplett anders. Oft machen Ronny und ich jeweils einen Song allein, präsentiert ihn den jeweils anderen und schon geht?s los.

Ronny:
Wir treffen uns einmal die Woche für ein paar Stunden in meinem Studio. Entweder bringt Andreas oder ich eine Idee mit und wir beginnen daran zu arbeiten, oder jeder schreibt für sich die Songs und wir begutachten dann gegenseitig die Arbeiten. Das ist die gängigste Art unserer Songs. Die Demos werden dann im Studio noch mal aufgenommen.


Einige Stücke begleiten euch seit Jahren wie z.B. ?My Joy?.
Wann ist dieses Lied entstanden und was ist für euch das Besondere daran?

Ronny: Oh ja, ?My Joy? begleitet uns schon sehr lange. Der Song hat für Andreas und mich auch eine gewisse und besondere Bedeutung. Komischer Weise schrieb ich zuerst den Text und Andreas setzte ihn dann um. Ich glaube, Andreas wusste sehr genau, was mich damals bewegte und hat das fantastisch gemacht.

Andreas:
Es gibt für alles was man gern tut eine Initialzündung. Irgendwann sagt mir etwas, das hier ist eine gute Sache, da mach ich weiter. ?My Joy? war diese Initialzündung für uns. Wir hatten damals eine ganze Menge anderer Songs. Teilweise auch Songs, die man heute auch aufgreifen könnte. Doch ?My Joy? hat diese Melodie diesen Fluss, die uns damals gesagt hat, irgendwie machen wir doch gar nicht alles verkehrt. Der Song entstand im Jahr 1996 mit damals bescheidenen Mitteln. Vom Grundsatz her hat sich aber nichts geändert.


Was mögt ihr lieber Balladen oder tanzbare Rhythmen?

Andreas: Ich höre sehr gern Balladen, mag aber auch schnelle Nummern. Kommt auf die Stimmung an, in der ich mich gerade befinde. Auch beim komponieren. Im Normalfall weiß ich bei meinen Songs genau, wie ich mich beim komponieren gefühlt habe. Es ist unheimlich schwer so viele Emotionen in eine Up-Temponummer reinzulegen, wie man es bei einer Ballade kann.

Ronny:
Ich mag wohl eher die tanzbaren Rhythmen. Dabei muss es nicht schnell sein. Aber ein stampfender Beat hat schon was.


?Dropping A Dime? ist eure Debüt EP. Wieso habt ihr bisher noch keine Platten veröffentlicht?

Andreas: Es war immer ein toller Zeitvertrieb Musik zu machen und auch Songs schreiben. Allein zu schreiben ist eine tolle Art seine Emotionen zu verarbeiten. Der Gedanke an eine Veröffentlichung war Anfangs zwar da, doch der Mut hatte gefehlt, also blieb es beim Träumen. Nach langer Zeit kam im letzten Jahr ein Umdenken. Bei den letzten Stücken, die wir aufgenommen hatten, kam die Überzeugung bei uns auf, dass wir uns mit unseren Songs nicht im Kämmerlein verstecken müssen und dass wir es wissen wollen.

Ronny:
Veröffentlichen wollten wir schon früher. Aber unsere Sachen sahen wir eher als Hausmusik. Für mich bekam das Thema ?Veröffentlichen? erst wirklich in Frage, als Andreas mich fragte, ob wir es wagen sollten, eine Platte zu machen. Damals arbeite ich gerade an ?Shadowplay?. Andreas nahm den Track mit nach Hause und spielte ihn seiner Frau vor. Die Resonanz darauf ließ mich dem Ganzen zustimmen.


Sänger Rouven M Bitz gehört erst 2008 zur Band. Wer hat vor ihm den Gesang übernommen?

Andreas: Ronny war vorher der Sänger. Ich habe bei langsamen Stücken hin und wieder auch den Gesangspart übernommen.


Was fasziniert euch an ?künstlicher? Musik?

Andreas: Ich würde nicht sagen, dass mich Musik fasziniert, weil sie ?künstlich? ist. Beim Synthiepop -der nun mal aus der Steckdose kommt- schwingt in fast allen Fällen eine Melancholie mit, die man in anderen Musikrichtungen nicht so findet. Vielleicht sind die Klangwelten gerade auch der Grund dafür, dass man soviel Melancholie ausdrücken kann.

Ronny:
Was heißt schon künstliche Musik. Nur weil der Sound aus einem Synthesizer kommt und am PC bearbeitet wird? Ich sehe den Synthesizer eigentlich auch als ganz normales Instrument, wie Gitarre und Bass. Allerdings hat ein Synthesizer einen wesentlichen Vorteil, die Tasten halten länger als eine Saite.


Bevorzugt ihr auch privat gitarrenlose Musik?

Ronny: Ich mag es wenn der Mix Synthesizer lastig ist. Eine Gitarre kann ruhig vorkommen, aber sie sollte nicht dominieren.

Andreas:
Mein CD-Schrank beinhaltet fast alles- außer Schlager und Volksmusik. Da möchte ich mich einfach nicht festlegen. Es gibt sehr viel gute Musik, nur weil die Synthies vielleicht nicht dominieren, muss ich das Stück nicht schlecht finden.


Ist der Synthiepop der 80er eurer Meinung nach besser als der Gegenwärtige?

Rouven: Nö, die Sounds sind heute viel besser und der Puls der Musik hat sich der Zeit angepasst: klarer, schneller, härter!

Andreas:
Generell schwer zu beantworten. Man kann es nicht miteinander vergleichen. Allein die Machart und die Möglichkeiten zwischen damals und heute lassen da keine richtig guten Vergleiche zu. Es war vor dreißig Jahren nicht einfach ein Synthiepop Album aufzunehmen. Heute kann man sich das mit Computer und modernen Synthesizern echt sehr einfach machen, was mir jedoch echt widerstrebt. Man hört einiges an Electro und Synthiepop bei dem man weiß, da ist ein Song zwischen Frühstück und Mittagessen entstanden. Als Fazit möchte ich schon sagen: Ich liebe den Achtziger Synthiepop allein schon wegen der Art und Weise der Produktion und der Szenebewegung die dadurch stattfand. Ich verehre aber genauso Bands, die es auch heute noch verstehen, mit vielen guten Ideen und der dazugehörigen Arbeit eine tolle Musik zu machen.

Ronny:
Das ist schwer zu sagen. Ich mag den Sound aus den 80ern und ich mag den Sound von ?We Collide? Mesh.


Was meint ihr ist der Grund dafür, dass immer mehr Bands versuchen ?Retro? zu klingen?

Ronny: Retro, ja, dass ist so ein Wort, welches heute gerne verwendet wird. Die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt, was den Sound betrifft. Selbst bei der Erstellung von neuen Sounds hat man Möglichkeiten Retro zu klingen. Durch das verwenden von Analogen Geräten wie Moog Modular V, bekommt man einfach ein breiteres Spektrum in seinem Sound. Hör Dir mal das ?Sounds Of The Universe? an, das klingt so Retro, dass es schon wieder absolut hip ist.
Andreas: Die heutige Zeit wird doch von dem Wort ?Retro? bestimmt. Nicht nur Musik, alles gibt es ?Retro.? Es gab Zeiten, an die sich der Mensch immer wieder gern erinnert. Diese Zeiten mag manch einer wieder aufleben lassen. Solange dieser Gedanke dahinter steckt und eben nicht der Kommerz, ist an Retromusik nichts auszusetzen.


Bisher gab es nur Auftritte in Heimatnähe, um Saarbrücken rum. Was steht in der 6ct Humour Live Richtung in Zukunft auf dem Programm?

Andreas: Wir hatten im Mai diesen Jahres auch einen Auftritt in der Nähe von Würzburg. Bei sos-radio.net hatten wir ein tolles Special im April zur Veröffentlichung von ?Dropping A Dime?, das wir mit einem Konzert bei dem Community-Treffen des Senders gekrönt hatten. Das machte wahnsinnig viel Spaß, weil die Leute auch super mitgegangen sind. Natürlich möchten wir auf diesem Weg auch gern erwähnen, dass wir immer an Angeboten für Livegigs interessiert sind. Wenn sich jemand ?genötigt? fühlt, uns ein Engagement anzubieten, weil ihm die Musik gefällt, nur zu! Im September/Oktober findet ein Minifestival im Saarbrücker Raum statt. Drei Bands aus dem Elektro/SynthPop Bereich geben sich die Ehre ein kleines Festival zu spielen. Darunter auch 6ct humour. Genaueres, auch der endgültige Termin, wird auf unserer Homepage veröffentlicht.

Ronny:
Auf dem Programm steht viel. Wenn wir könnten, wie wir wollten. Es ist heute sehr schwierig sich der Öffentlichkeit zu präsentieren. Aber wir arbeiten daran.
Rouven: Stimmt nicht. Es gab nur Auftritte in Heimatferne. Wir wollen auf jeden Fall viel live machen. Am Besten Weltweit?!!!

Vielen Dank für das Interview

Interview August 2009 : Martina Peitz mit Andreas, Ronny & Rouven (6ct HUMOUR)

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