AMPHI FESTIVAL Tag 2 – K├Âln, Tanzbrunnen (19.07.2009)

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Nach einer recht kurzen Nacht versprach der zweite Tag des Amphi 2009 zunächst mal weniger Höhepunkte als Tag eins. Doch nachdem wir die ersten beiden Bands noch verpassten bzw. nur noch den letzten Song von Mono Inc. sahen, sollte unser erstes Konzert am heutigen Tag auch gleich einer der Highlights werden.

Das erste Deutschlandkonzert von Panzer AG stand auf dem Plan und dementsprechend gespannt waren wohl auch die anderen Andy LaPlegua Fans auf diesen Auftritt. Von Beginn an war klar, dass sie nicht enttäuscht werden würden. Wie schon bei Scandy war Andy im Vergleich zu seinen Auftritten als Combichrist dieses Mal fast schon normal angezogen, aber der Schalk in seinem Nacken lachte auch so breit über beide Schultern hinweg. Bei Panzer AG geht es trotz des martialischen Namens ruhiger zu als bei Combichrist, dafür aber auch noch etwas atmosphärischer. Recht früh gab es "Battlefield" zu hören, der Track der die Band in der Szene bekannt machte. Auch wenn mich die Energie eines Combichrist Konzerts noch etwas mehr mitreißt, ein wirklich starker Auftritt, der absolut Lust auf mehr machte. Ich bin gespannt, ob man Panzer AG nun auch mal auf einer Clubtour sehen wird.

Als nächstes ging es ins Theater, in dem ja heute alle im Vorfeld eigentlich für die Rheinparkhalle geplanten Konzerte stattfanden. Hier standen nun also die Kölner Horror-Schock-Rocker The Other auf der Bühne, die sich durch ihre Outfits und damit vollzogene Auftritte bereits in die Szene hinein gespielt hatten. und sich "Europas populärste Horrorpunk-Band" nennen dürfen. Die Band begann ihre Karriere zunächst mit anderem Namen als The Misfits Coverband, später als The Other dann mit Eigenkompositionen. Bisher hat man drei Alben veröffentlicht, "The Place To Bleed" ist das aktuelle Werk aus dem Jahre 2008. Nach erfolgreichen Auftritten beim M’era Luna und beim Wave-Gotik-Treffen war dies ihr erstes Mal beim Amphi und auch dieses meisterten sie routiniert. Ihre Rockshow war musikalisch auch okay, bleibt mir aber im Nachhinein hauptsächlich durch ihre Outfits in größerer Erinnerung. Gehen wir also gleich weiter zur Hauptbühne …

Delain aus Holland haben einen augenscheinlichen Vorteil. Sängerin Charlotte Wessels ist hübsch, wahnsinnig hübsch. Musikalisch beackern sie mit ihrem Symphonic Metal ein ähnliches Feld wie Within Temptation, bei denen Delain Gründungsmitglied Martijn Westerholt früher Keyboard spielte. Sein Bruder Robert ist noch heute Gitarrist bei Within Temptation. Charlotte singt mit heller Stimme zu mehr oder weniger harten Gitarrenrhythmen und macht das in meinen Augen, oder besser Ohren, auch durchaus ordentlich, auch wenn mir mangels großem Interesse an dieser musikalischen Stilrichtung doch etwas Know-how fehlt. Die Backingvocals von Gitarrist Ronald Landa wirkten hingegen etwas arg bemüht düster und passten irgendwie nicht so recht. Dafür sorgte er aber für Stimmung, indem er das Publikum stets, vielleicht auch zu oft, zum mitmachen aufforderte. Delain wurden jedenfalls gut vom Publikum aufgenommen und können mit sich und dem Auftritt sicher zufrieden sein.

Mit einigen Minuten Verspätung ging es derweil im Theater weiter, wo Jesus On Extasy sich auf ihren Auftritt vorbereiteten, während sich in den ersten Reihen vor allem die jugendliche Damenwelt versammelte. Das Quintett hat in letzter Zeit ein neues Erscheinungsbild bekommen, da der ehemalige Drummer BJ wegen eines Schulterleidens zum Bass wechseln musste und in dieser Aufgabe sichtlich aufgeht, während der neue Drummer Dino nun an den Fellen sitzt. Spielfreude und allerlei Gehüpfe zu melodischen Electrorockklängen zeichnet ihre Konzerte aus, trifft aber nicht ganz meinen Geschmack und scheint doch eher auf die oben genannte Zielgruppe abzuzielen.

Ich machte mich daher schnell auf den Weg nach draußen, denn dort war man sogar wieder etwas vor dem Plan und so musste ich bereits auf dem Weg dorthin die ersten Sounds von Diorama vernehmen. Auch sie waren ja 2007 schon Gäste am Tanzbrunnen und können auf eine besonders treue Fangemeinde verweisen, die ihnen überall hin zu folgen scheint. Keyboarder Felix wurde dieses Mal wieder, genau wie Drummer Markus in einem angedeuteten Würfel verfrachtet, weiter im Vordergrund standen Gitarrist Sash und natürlich der charismatische Sänger Torben. Neben ihren schon bekannten Songs wie ?The Girls? und Co, hatten Diorama auch schon etwas Neues vom kommenden Album im Schlepptau und auch mit deren Debütperformance konnte die Band sicher zufrieden sein. Torben übertraf sich heute quasi selbst, selten habe ich ihn so energisch gesehen. Natürlich zeichnet ihn immer Inbrunst und das komplette Aufgehen in seinen Songs aus, aber heute hüpfte er sogar über die Bühne, was den Fans sichtlich gefiel. Wirklich wieder ein erwartet starker Auftritt der vier.

Die für mich stimmungsmäßig überraschendste Band des Amphi 2007 folgte diesen gleich auf dem Fuße: Saltatio Mortis. Damals hatten sie als zweite Band des Tages am Sonntag auf der Hauptbühne gespielt und vor der Bühne war es seinerzeit bereits voll und die Stimmung prächtig. Daran hat sich natürlich auch bis in dieses Jahr nichts geändert, denn man kann von Dudelsackmusik halten was man möchte, Partyatmosphäre ist da garantiert. Von Honey als große Welle:Erdball Fans und Freunde angekündigt, erklommen die sieben Musiker mit solch hochtrabenden Namen wie ?Falk Irmenfried von Hasen-Mümmelstein? die Bühne und los ging es. Sänger Alea (?der Bescheidene?) besitzt ohne Frage Charisma und dirigierte seine Fans in den nächsten gut 50 Minuten nach belieben, es wurde geklatscht, gesungen und mit den Armen gewippt, getreu dem Bandmotto ?Wer tanzt, stirbt nicht?.

Im Gegensatz zur Hauptbühne verzögerte sich der Ablauf im Theater weiter und zudem standen die beiden Berliner Mitglieder von Qntal auch noch im Stau, so dass für uns als nächstes bereits die Mexikaner Hocico auf der Liste standen, ebenfalls seit Jahren ein Stimmungsgarant. Beim Amphi 2009 präsentierte die Band eine Best of Show, zu der wie von anderen Festivalauftritten bekannt, beim ersten Song auch ein Stamm Eingeborener Krieger und einer Menge stark duftender Gerüche gehörten. Die Stammesangehörigen sorgten für einen interessanten Farbtupfer und noch weiter steigendes Interesse im Publikum. Nötig gewesen wäre das allerdings nicht, denn Sänger Erk ist ein Energiebündel und sorgt auch so allein schon für Stimmung, während sein Kollege Racso sich eher passiv hinter seinen Gerätschaften verhält. Mir hats wieder sehr gut gefallen, allerdings kommt die Energie der Mexikaner in einer Halle einfach besser rüber.

Zwischendurch machte ich einen kleinen Abstecher ins Theater, wo Qntal mittlerweile mit knapp 50 Minuten Verspätung ihren Dienst aufnahmen. Nachdem Ernst Horn (Deine Lakaien) bereits 1999 ausgestiegen war, sind von den drei Gründungsmitgliedern nur noch Multi-Instrumentalist Michael Popp und Sängerin Sigrid ?Syrah? Hausen dabei. Sie werden verstärkt durch Keyboarder Philipp ?Fil? Groth und den Live-Drummer Markus Köstner. Sie kombinieren die von Syrah vorgetragene mittelalterliche Lyrik mit modernen elektronischen Klängen, aber auch mit Sounds von vielerlei ?alten Instrumenten?. Das ist für viele sicher eine spannende Sache, mich zog es nach zwei Songs aber wieder hinaus, um noch etwas zu den elektrischen Beats Hocicos zu tanzen.

Wie auch die Eisbrecher, sind der Graf und seine unheiligen Mannen ja ebenfalls quasi schon Stammgäste beim Amphi und anderen Festivals und hatten heuer die Co-Headliner Platzierung auf der Hauptbühne inne. Und schon den ganzen Tag über konnte man anhand der vielen Shirts sehen, dass viele der Zuschauer heute vor allem wegen Unheilig da waren. Die Stimmung war von Anfang an gut und steigerte sich während des Gigs noch weiter, bis "Mein Stern" als zweite Zugabe das Konzert beendete. Zuvor nahm der wie immer schick in schwarzer Hose, weißem Hemd und schwarzer Krawatte gewandete Graf sprichwörtlich die Position eines Dirigenten ein und führte sein Publikum wie ein perfekt abgestimmtes Orchester. Der Applaus war dementsprechend groß.

Durch die Verschiebungen im Zeitplan ergab sich für mich wie für viele andere auch eine dumme Zwickmühle, denn durch die Verzögerungen im Theater würden die Auftritte von Front 242 und KMFDM quasi parallel starten. Leider hatte ich nicht mitbekommen, dass Qntal ihren Auftritt drastisch gekürzt hatten und war so davon ausgegangen, dass Front 242 ein paar Minuten früher beginnen würden. Ich entschied mich daher zunächst für den Headliner Front 242, verbunden mit der Hoffnung, nach zwei Songs noch wechseln zu können um beides gesehen zu haben. Die Rechnung ging nicht auf, da nun plötzlich wieder das Theater die Nase vorn hatte und so verpasste ich die Chance, Fotos von KMFDM machen zu können. Schade, denn die zwei Songs die ich später von den Industrial Rockern sah, gefielen mir wirklich gut. Aber es sollte nun also die Hauptbühne und Front 242 sein.

Tief in Nebel gehüllt betraten sie die Bühne und der Nebel sollte dort auch erst einmal eine Zeit verweilen. Im Hintergrund liefen zumeist Videoanimationen im typischen Frontstil, also technisch angehaucht. Die Band brannte ein wahres Feuerwerk an alten Schätzen ab, zu denen unter anderem ?No Shuffle?, ?Im Rhythmus Bleiben?, ?Welcome To Paradise?, ?Quite Unusual? oder ?Circling Overland? gehörten. Nach ?Kampfbereit?, in das die Band einen Ausschnitt aus Kraftwerks ?Radioactivity? einfließen ließ, folgte mit ?Headhunter? der absolute Front 242 Hit und nun waren endgültig alle im positiven Sinne bedient. Schon um 21:50 Uhr und somit etwas vor der geplanten Zeit endete der Auftritt und die Fans hatten sicher noch auf einen weiteren Song spekuliert, aber leider blieb dieser aus. Trotzdem konnte man vom Auftritt begeistert sein, wie schon gestern bei Leather Strip gab es Klassiker am Fließband zu hören, es konnte getanzt werden und spätestens bei Headhunter taten das dann auch sowieso alle.

Ich machte mich danach noch einmal auf ins Theater, wo The Gathering als vorletzte Band aufspielten. Die beiden Frauen erzeugten mit ihren drei männlichen Mitstreitern Gitarrenwälle zu hellem weiblichen Gesang und waren durchaus hörenswert, allerdings war das Theater zu diesem Zeitpunkt und trotz des beendeten Programms auf der Hauptbühne nicht komplett gefüllt, was vielleicht aber auch daran lag, dass viele Leute nun saßen, statt zu stehen. Da ich am nächsten Morgen früh arbeiten musste und The Gathering für mich auch kein Muss darstellten, verließ ich, während die Niederländer noch spielten, zu meinem Leidwesen das Festivalgelände und verpasste die letzte Band des Festivals Camouflage. Gerne hätte ich diese noch gesehen, allerdings hätte sich das Konzert dann bis weit nach Mitternacht hingezogen und da war ja auch noch die Rückfahrt.

Auf dieser zeigte sich dann aber auch noch einmal, wie viel Glück wir noch mit dem Wetter hatten, als ich in einen wahren Wolkenbruch geriet und die Straßen klatschnass waren. Da waren die wenigen kurzen Schauer während des Amphi Festivals eigentlich wirklich kaum der Rede wert.

Das Amphi Festival wird es natürlich auch im Jahre 2010 wieder geben. Dann am 24. und 25.07.2010. Als erste Band hat Moderator Honey bereits seine eigene Band Welle:Erdball bestätigt, mit weiteren Bestätigungen kann schon in Kürze gerechnet werden.

Die kompletten Fotosets der beteiligten Bands folgen in Kürze …

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