BLACKFIELD FESTIVAL 2008 Tag 1 (04.07.2008)

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Am ersten Juliwochenende fand erstmals das Blackfield Festival statt und hierfür hatten sich die Veranstalter einen der schönsten Veranstaltungsorte des Ruhrgebiets ausgesucht: Das Amphitheater im Nordstern Park
in Gelsenkirchen, welches mit Atmosphäre und einer schönen Umgebung
lockte. Und gleich beim ersten Mal hatten sich einige Szenegrößen angesagt, um dem Amphitheater und den anwesenden Fans ordentlich einzuheizen. Unbestrittener Headliner der Veranstaltung waren Nitzer Ebb am Samstag, doch konnten auch aus anderen Bereichen der schwarzen Szene Bands verpflichtet werden, die in ihrer Karriere für Aufsehen sorgten oder vielleicht auch noch sorgen werden. Headliner des Sonntags waren Lacrimosa, am Freitag nahmen die Klischeegoths von Blutengel diesen Spot ein. Hervorzuheben sei noch, dass alle Bands auf der herrlich am Wasser gelegenen Hauptbühne spielten und auf hektisches umher rennen zwischen verschiedenen Bühnen verzichtet werden konnte.

Eröffnet wurde das Festival, das einige Wochen zuvor noch von einem zweitägigen auf ein dreitägiges Festival ausgeweitet wurde, bei schönstem Wetter am Freitag Nachmittag durch Pink Turns Blue, die einen bunten Querschnitt ihres bisherigen Schaffens boten. Die Band wurde 1985 von Mic Jogwer und Thomas Elbern (jetzt Escape With Romeo) gegründet und löste sich nach zehn Jahren und einigen Besetzungswechseln auf, vereinigte sich aber im Jahre 2003 wieder und hat seither zwei weitere Alben aufgenommen, wobei das aktuelle achte Album "Ghosts" 2007 erschien. Das Lineup der Band besteht zur Zeit aus Mic Jogwer (Gesang und Gitarre), "Ruebi" Walter (Gitarre), Reinhold "Reini" Walter (Bass und Keyboard),
Brigid Anderson (Keyboard und Gesang) und Andreas Plappert an den Drums.

Pink Turns Blue unterhielten das langsam eintreffende Publikum mit solch tollen Wave-Hymnen wie
"Michelle", "Missing You" und "True Love", bevor "Walking On Both Sides"
und "Master is Calling" einen überzeugenden Gig beendeten, der auch
noch deutlich mehr Zuschauer verdient gehabt hätte, denn die Band unterstrich wieder einmal, dass auch der Wave der alten Schule in der heutigen Zeit noch seine Existenzberechtigung hat und diesem auch nach all den Jahren immer noch etwas Neues zu entlocken ist.

Nach einer angenehm
kurzen Umbaupause von einer guten Viertelstunde ging es auch gleich
weiter und Stromkern aus Chicago betraten das Rund des Amphitheaters. Hinter Stromkern steckt zunächst mal Frontman Ned Kirby, der sich Anfang der neunziger Jahre zunächst als DJ in Wisconsin einen Namen machte und 1994 Stromkern gründete, um seine eigenen Musikalischen Vorlieben umzusetzen. Entstanden ist eine Industrialspielart, die von diversen szenefremden Stilen beeinflusst wird, darunter auch Hip Hop. Mittlerweile ist die Band auf vier Mitglieder angewachsen, zu denen neben Ned Kirby noch Matt Berger, Dan Clark und Andrew Sega (auch bei Iris aktiv) gehören.

Stromkern erhöhten das Tempo mit ihrem Elektrorock, der durch eingesetzte
Gitarre(n) ordentlich zur Sache ging und insbesondere bei ihrem großen Szenehit "Heresy"
herrschte Partystimmung pur vor, aber auch auf der Bühne. Denn insbesondere Dan Clark an der Gitarre ackerte und sprang über die Bühne wie ein Derwisch, Sänger Ned Kirby konnte ebenfalls kaum stillstehen und selbst der bei Iris eher ruhigere Andrew Sega hatte merklich Spaß dabei, die schnelleren Stücke zu performen. Ein wirklich guter Auftritt, der mir noch mal in Erinnerung brachte, wie viel Spaß ich schon vor einigen Jahren bei ihrem Auftritt beim M’era Luna 2000 hatte.

Absolutes Highlight für uns am Eröffnungstag war aber ganz klar der darauf folgende Auftritt
von Andy La Plegua mit seinem Projekt Icon Of Coil. Die Band existiert bereits seit mehr als zehn Jahren, das letzte Album datiert aber bereits aus dem Jahre 2004 und die Band selbst hat sich -obwohl niemals aufgelöst- auch
lange nicht mehr in Deutschland blicken lassen und so wurde sie
entsprechend von den begeisterten Fans gefeiert. Und dieses hatte auch allen Grund sich zu freuen, denn Icon Of Coil boten den Fans all das, was sie zu hoffen gewagt hatten. Elektrohymnen wie "Dead Enough For Life" und "Shelter" gaben sich die Klinke in die Hand und Andy La Plegua ist natürlich ein Frontman wie er im Buche steht. Stets mit dem Schalk im Nacken läuft, tanzt und springt er über die Bühne und zieht die Anwesenden mit seinem neckischen Lächeln in den Bann. Der tolle Auftritt endete mit einer mitreißenden Version des Hits "Floorkiller".

Für Sänger Andy war der Job aber noch nicht erledigt, denn kaum
kam er am Zaun zum Künstlerbereich vorbei, belagerten ihn seine
begeisterten Fans und es hieß Autogramme schreiben, Fotos machen etc.
etc., so dass dieser noch für eine ganze Weile beschäftigt war, was ihm jedoch alles andere als unangenehm zu sein schien.

In eine vollkommen andere Richtung ging natürlich die Darkrock/Gothmetal Formation Dreadful Shadows,
die danach aufspielte. Die Band wurde 1993 in Berlin um Sänger Sven Friedrich (Zeraphine, Solar Fake) gegründet und löste sich nach sieben Jahren im Jahr 2000 auf. Nachdem sich Sven Friedrich zunächst um Zeraphine kümmerte und seit dem letzten Jahr mit Solar Fake auch noch ein Elektroprojekt am Start hat, begannen auch die Dreadful Shadows 2007 wieder mit vereinzelten Auftritten. Wie der genannte Stil schon andeutet, liegt das Hauptaugenmerk bei diesem Projekt auf ganz anderen Rhythmen als bei Svens anderen Combos, denn bei den Dreadful Shadows dominiert der Rock und hier darf es dann auch mal gerne etwas härter zur Sache gehen. Der Auftritt wurde vom Publikum gut aufgenommen und insbesondere Frauenherzen schlugen nachher merklich schneller, härter und lauter.

Als letzte Band betraten dann die offiziellen Headliner des Eröffnungstages die Bühne und nun wurde es Zeit für all das, was insbesondere Außenstehende gerne mit Begriffen wie "Gothic" und "Grufties" verbinden, denn Chris Pohl und sein Klischeeprojekt Blutengel betraten die Bühne. Blutengel ging im Jahre 1998 aus Chris Pohls vorherigen Projekt Seelenkrank hervor und machen melodischen Elektropop mit zuckersüßen Melodien und pseudoerotischen oder gar -morbiden Texten, wobei die Texte durch Schlagworte wie "Death", "Black", "Blood" und Co so simpel gehalten sind, wie die diese untermalenden Rhythmen. Und so erinnern Auftritte der Band auch oftmals mehr an Theater, als an ein Konzert, denn die Songs werden mit Videoprojektionen, Pyrotechnik unterstützt während neben den "Musikern" Chris Pohl, Constanze Rudert und Ulrike Goldmann weitere Bühnenprotagonisten den Auftritt durch gespielte Opferungen, düstere Hochzeiten etc zelebrieren. Das Ganze ist zwar irgendwo gefällig, doch erscheint es mir immer wieder aufs neue als Schlag ins Gesicht anderer hart arbeitender Künstler. Doch die zahlreich vor Ort anwesenden Fans der Band bewiesen eindrucksvoll, dass hierfür ganz klar ein Markt vorhanden ist. Das mag man gut oder schlecht finden, aber über Geschmack läßt sich nun mal nicht (oder vielleicht umso schöner) streiten.

So ging der Abend gegen 23 Uhr zu Ende und die tolle Location und die zum Teil sehr gelungenen Auftritte machten Lust auf mehr, was man ja am nächsten Tag auch bereits ab zwölf Uhr mittags geboten bekommen sollte.

Berichte und Fotos der anderen Tage folgen in Kürze.

Später gibt es dann auch noch ausführlichere Fotosets der jeweiligen Konzerte.

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