BABYSHAMBLES & KILIANS – K├Âln, Live Music Hall (22.01.2008)

Geschätzte Lesezeit: 5 Minute(n)
Konzert: Babyshambles & Kilians
Ort: Live Music Hall Köln
Datum: 22.01.2008
Zuschauer: ausverkauft (plus 20 Fotografen)

Mindestens siebenmal hatte ich versucht, die Babyshambles einmal live zu sehen, immer ohne Erfolg. Daher war ich auch heute alles andere als sicher, daß Pete Doherty und seine Band nach Köln kommen würden. Immerhin gab es mit den Kilians eine prima deutsche Band als Vorguppe, sodaß es auch ohne die Babyshambles ein ganz guter Konzertabend werden konnte.

Aber, siehe da, Kilians Sänger Simon den Hartog verkündete ziemlich schnell, daß die Engländer in der Live Music Hall seien. Das klang vielversprechend.

Der Saal war proppenvoll. Schon um halb acht sammelte sich vor der Halle eine lange Schlange, das Interesse an Pete war gigantisch und die Live Music Hall zu klein. Ich vermute aber, daß das hohe Ausfallrisiko und Schadensbegrenzungs-
überlegungen einen Umzug in einen größeren Saal verhindert haben.

Kurz nach acht begannen die Kilians aus Dinslaken (das haben sie zigmal betont) ihr Vorprogramm. Daß eine so namhafte Band Support spielte, war schon einmal ein großer Pluspunkt. Und die fünf von Thees Uhlmann geförderten Musiker bestätigten, daß diese Wahl eine gute Entscheidung war. Ich behaupte jetzt auch nicht wieder, daß die Band nun mal leider wie die Strokes klingt, sie hat mir nämlich jetzt zum zweiten Mal sehr viel Spaß gemacht und gehört definitiv zu dem besten, was die deutsche Indie-Szene zu bieten hat, ohne irgendwelche Abstriche!

Daß es trotz der großen Erfolge im vergangenen Jahr etwas Besonderes für die junge Band war, in der ausverkauften Live Music Hall aufzutreten, merkte man an allen Ecken und Enden. Sie schienen es zu genießen, haben aber auch die Chance genutzt, vor vielen Leuten ein großartiges Konzert zu spielen. Ich freue mich schon auf Haldern und die Kilians da!

Setlist Kilians folgt (ich muß die Titel noch zusammenpuzzeln, "Heart in a cage" haben sie aber leider nicht gespielt).

Nach sehr kurzer Umbaupause passierte dann das Unfassbare: die Babyshambles traten auf. Zu Wagners Ritt der Walküren (nein, das war nicht Star Wars) kamen Pete, Drew McConnell, Adam Ficek und Mick Whitnall Köln-Fahnen schwenkend auf die Bühne. Sehr ordentlich! Pete trug anfangs einen schwarzen Mantel und den obligatorischen Hut.

Ohne viele Verzögerungen, aber auch ohne Begrüßungen oder Ansagen eröffneten die Babyshambles mit dem Anfangsstück ihrer großartigen CD "Shotter’s Nation" und entgegen aller Befürchtungen war es brillant. Natürlich ist die Band genauso schnodderig, wie das die Libertines waren. Das meiste klingt auch auf Platte roher. Allerdings war das, was die Band live ablieferte klar, Petes Gesang war perfekt zu verstehen und nichts störte dabei. Überhaupt wirkte der Poison Prince (Amy MacDonald) aufgeräumt und fit. Er spielte mit wahnsinnig viel Energie, nicht unbedingt nüchtern aber eben auch nicht zugedröhnt. Im Vergleich zu Amy Winehouse im Palladium (und das war musikalisch wohl eines der besten Konzerte ihrer Tour), wirkte Pete wie ein vollkommen gesunder Mensch.

Spätestens mit dem zweiten Stück "Delivery" flippte der Saal aus. Das war vergleichbar mit den Auftritten der Arctic Monkeys oder von Gogol Bordello, es flog ununterbrochen Zeug nach vorne, Becher, Jacken, eine englische Fahne.

Nach "Delivery" folgte mit "Beg, steal or borrow" das erste Lied von der grandiosen Blinding EP. Glaubt man der (Klatsch-)presse, entstand die in einer von Pete Dohertys Phasen ganz schlimmen physischen Zustands. Wer in einer solchen Situation ein solches Meisterwerk fabriziert, ist offensichtlich mit großem musikalischen Talent gesegnet. In Paris hatten die Babyshambles, wie ich bei Oliver gelesen habe, von dieser EP neben "Beg, steal or borrow" nur "I wish" gespielt. Weil die Setlist in Köln am Anfang exakt die vom Olympia vor anderthalb Wochen war, war ich enttäuscht, daß damit wohl "The blinding" und vor allem mein großer Liebling der Band, das fantastische "Sedative" nicht kommen würden.

Neu war für mich dann das vierte Lied, Olivers Bericht und einigen Textzeilen, die ich aufgeschnappt habe, zufolge "Pretty Sue", dem vier Lieder von "Shotter’s Nation" folgten. Geredet wurde dazwischen nicht viel, ein kurzes Gitarrestimmen zwischen den Liedern war meist die einzige Unterbrechung. Einmal trank Pete irgendwas und erklärte sehr akzentfrei "This is Apfelsaft, sehr lecker."

Die Setlist wurde dann anders als Paris – juchuuu! Es folgten nämlich die beiden riesigen Hits "The blinding" und vor allem eben "Sadative", traumhaft! Dabei lief Pete durch den Fotografengraben, legte sich dann auf der Bühne hin und sang da weiter. Danach trank er einen Schluck Wasser, hielt sich den Bauch und hatte ein schmerzverzerrtes Gesicht. Und verschwand von der Bühne.

Seine Kollegen folgten, und ich war sicher, daß es das war. Zwei, drei Minuten später erschien dann aber nicht der Veranstalter, um zu sagen, daß es jetzt für uns Zeit sei, Gitarrist Mick kam zurück und spielte "I wish" solo. Kurz danach waren die anderen Shambles wieder da, Pete sprach kurz mit Nick, und man spielte ein Instrumentalstück (wohl mit dem aufregenden Namen "Babyshambles instrumental"), das in "Fuck forever" überging. Da ging das Publikum noch einmal richtig ab. Allerdings war es so wie wohl immer: "Fuck forever" ist der Schlußsong der Band. Also war nach einer Stunde Bruttospielzeit Ende, Petes Bauchprobleme ließen ihn wohl nicht weitermachen.

Hinterher konnte ich einen Blick auf eine der zusammengeknüllten Setlisten werfen. Es hätte noch eine ganze Menge folgen sollen (sieben Stücke!), vor allem viele Lieder von "Down in Albion" – aber wohl nichts von den Libertines.


Schade, schade, daß (wie es aussah konventionelle) Gesundheitsprobleme, ein perfektes Babyshambles Konzert verhindert haben. Pete wirkte gut, nach all dem, was man von anderen Konzerten gesehen hat und nach den vielen Schlagzeilen im letzten Jahr in der englischen Presse (die Katze!). Und eben im Vergleich zu der torkelnden Amy Winehouse sah er gesund aus. Mich hat der Auftritt begeistert, auch wenn es eben zu kurz war. So habe ich das absolut nicht erwartet. Gerade nach den vielen abgesagten Konzerten vorher, dachte ich eigentlich, mir ihn einmal anzusehen, damit nicht die Absagen gewonnen haben. Nach der Live Music Hall will ich die Babyshambles aber gerne noch einmal sehen, auch auf die Gefahr hin, daß es wieder so kompliziert wird.


Setlist

01: Carry on up the morning
02: Delivery
03: Beg, steal or borrow
04: Pretty Sue (neu)
05: Baddies Boogie
06: Unstookie titled
07: Side of the road
08: Unbilo titled
09: The blinding
10: Sedative[Pause]11: I wish (Mick Whitnall solo)
12: Babyshambles instrumental (nein! Das war dann wohl der Anfang von Albion)
13: Fuck forever

Nicht gespielte Lieder, die auf der Setlist standen:
– You talk
– Albion
– Pipedown
– Killimangiro
– Back from dead
– La belle et la b├¬te
– Arcady (???)

Bilder des Konzerts befinden sich auf Christoph’s Flickr-Seite

Autor : Christoph (http://meinzuhausemeinblog.blogspot.com/).

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