YOUNG MARBLE GIANTS – Festival B.B. Mix, Boulogne Billancourt bei Paris (28.10.2007)

Geschätzte Lesezeit: 4 Minute(n)

Konzert: Young Marble Giants (& Serafina Steer)
Ort: Festival B.B. Mix, Boulogne Billancourt bei Paris
Datum: 28.10.2007
Zuschauer: ca. 450


Auf das Festival BBMix in Boulogne Billancourt bin ich durch Flyer aufmerksam geworden, die in schöner Regelmäßigkeit vor Konzerten verteilt werden. Die meisten teilnehmenden Bands sagten mir aber überhaupt nichts, abgesehen von Fujiya & Miyagi, Deerhof und … den Young Marble Giants! Was die Young Marble Giants gibt es noch?, schoß es mir durch den Kopf. Von dieser Kultband hatte ich zumindest schon gelesen, obgleich ich ihr einziges Album "Colossal Youth", ein von Kritikern hochgelobtes Werk aus dem Jahre 1980, nicht besitze. Und irgendwie kam auch eines ihres bekanntesten Stücke "Brand-New-Life" auf meinen i-pod, es war auf einem Sampler, der der Musikzeitschrift Magic beilag, enthalten.

"Brand-New-Life" gefiel mir dann auch prompt so gut, daß ich Blut geleckt hatte und mehr von diesem minimalistischen Post-Punk haben wollte. Der Festivaltermin in Boulogne-Billancourt kam mir da gerade recht und zudem handelte es sich um ein Gratisevent. Allerdings mußte man sich für die letzten drei Tage telefonisch in die Gästeliste eintragen lassen. Bis ich endlich zum Hörer gegriffen hatte, war es allerdings schon zu spät; "die Sitzplatzkapazität ist ausgeschöpft, mein Herr, tut uns leid!". Mist, ich hatte gepennt! Da die Franzosen aber die hilfsbereitesten Menschen der Welt sind, wenn es darum geht, interessierte Leute mitreinzuschleußen, machte ich mich am Sonntag um 15 Uhr 30 trotzdem in Richtung des Centre Gorse auf, in dessen Auditorium der lediglich zweite Konzerttermin der Young Marble Giants nach einer Pause von 27 Jahren (!) stattfinden sollte . Das allerste Konzert nach der ewig langen Pause hatte das Trio beim walischen Hay-Festival im Mai 2007 gegeben.

Meine Hartnäckigkeit sollte sich schließlich auszahlen, denn nachdem die Leute mit Reservierung allesamt eingetreten waren, durften auch diejenigen, die auf gut Glück gekommen waren, ein grünes Eintrittskärtchen bekommen und der Sesam öffnete sich. Danke an dieser Stelle an die unglaublich engagierte Französin Marie Pierre Bonniol, die die Waliser nach Paris geholt hatte. Marie Piere, Du bist ein Schatz!

Vor dem Auftritt der Gebrüder Moxham und Sängerin Alison gab es aber noch Vorgruppen. Zu Exil kam ich wegen der Warterei zu spät, aber die harfespielende Serafina Steer bekam ich zum Glück noch mit. Die Waliserin hat gerade ihr erstes Album "Cheap Demo Bad Science" herausgebracht und spielte daraus wundervolle Folk-Songs vor, die nicht nur an Joanna Newsom erinnerten, sondern auch an Brian Eno, von dem sie ein Lied coverte. Der Vergleich mit Fräulein Newsom hinkt in stimmlicher Hinsicht allerdings etwas. Serafina hat nämlich einer eher weiche, ruhige, an Vashti Bunjan erinnernde Stimme. Was sie vortrug, gefiel mir außerordentlich gut, ich kann jedem nur empfehlen, sich mit der klassisch ausgebildeten Frau zu beschäftigen!

Danach versank ich in meinem roten Sesselchen und wartete auf die Comeback-Band. Es war derart gemütlich, daß ich fast dahindämmerte. Dann aber brandete Jubel auf und zwei Männer im mittleren Alter und eine gut konservierte Frau mit Kleidchen betraten das Podium. Das waren sie also, die Young Marble Giants! Der Empfang war herzlich, das Publikum fachkundig und zum Teil im Alter der Hauptdarsteller des Tages. Am Bass agierte der großgewachsene Phil Moxham , an den Keys und der Gitarre sein leicht füllig gewordener Bruder Stuart und die lieblichen Gesangesparts wurden von der natürlich-sympatischen Alison Statton beigesteuert. Was ich von meiner Position aus nicht sah: die Band ist neuerdings vierköpfig, seitdem Andrew Moxham noch hinzugestoßen ist. Die Waliser hatten normalerweise nie einen Schlagzeuger, sondern verwendeten einen Drumcomputer, an dem heute Andrew saß. Wenn ich bei der anschließenden öffentlichen Pressekonferenz aber richtig zugehört habe, soll der dritte Moxham im Bunde neuerdings echte Drums spielen. Und neuerdings heißt in dem Zusammenhang auch, daß es ein nagelneues Stuidoalbum geben soll!!

Heute spielte die Band aber erst einmal alte Klassiker von "Colossal Youth". Und gleich der Auftakt mit Brand-New-Life hatte es in sich, das kurze Gitarrenriff zu Beginn machte nämlich gleich die Richtung deutlich. Mimimalistische, aber dennoch geniale und äußerst charmant gesungene Titel waren Trumpf. Und kurz waren sie. Kurz und ergreifend, wie man so schön sagt. Alle ziemlich ähnlich aufgebaut, mit dem pluckernden Drumcomputer zu Beginn, kurzen Gitarrenriffs und prägnanten Bassläufen und fast immer recht abrupt endend. Besonders gut gefiel mir der Mittelteil mit "Music For Evenings" und dem Hit "Searching For Mr Right", der über einen spitzenmäßigen Basslauf verfügt. Der Applaus war heftig und verdient. Gesprochen wurde trotzdem nicht viel, die Waliser sind Stoiker, reden nur soviel sie müßen, wenn sie aber etwas sagen, klingt es immer sehr herzlich.

Aufgrund der Kürze der Stücke verging die Zeit wie im Fluge, "Include Me Out" und "Final Day" ragten noch heraus, bevor mit "N.I.T.A." schon das angeblich letzte Lied gespielt wurde. Circa 45 angenehm verbrachte Minuten waren vergangen, als die Band zum ersten Mal die Bühne verließ. Sie ließen sich aber noch einmal blicken und spielten zwei gefeierte Zugaben, die letzte bestehend aus "Credit In The Straight World". Die Kultstars, die keine sein wollen, hatten fertig und stellten sich etwas später den Fragen von Journalisten und Fans in einer öffentlichen Preesekonferenz. Davon werde ich gesondert berichten…


Setlist:
01: Brand-New-Life
02: Wurlitzer Jukebox
03: Choci Loni
04: Ode To Booker T.
05: Radio Silents
06: Eating Noddemix
07: Music For Evenings
08: Searching For Mr. Right
09: Constantly Changing
10: Include Me Out
11: Cakewalking
12: Final Day
13: N.I.T.A.
14: Salad Days (Z)
15: Credit In The Straight World (Z)

 

Bilder des Konzerts befinden sich auf Oliver’s Flickr-Seite

Autor : Oliver (http://meinzuhausemeinblog.blogspot.com/).

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