THE SISTERS OF MERCY / THE MEMBRANES – Dortmund, FZW (24.09.2017)

The Sisters Of Mercy, © Sandro Griesbach
The Sisters Of Mercy, © Sandro Griesbach
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Es gibt zahlreiche Szene-Acts, die ihren Lebensunterhalt nur noch mit Re-Issues von alten Klassikern und Live-Konzerten, deren Setlists quasi nur aus alten Klassikern bestehen, bestreiten. Fields Of The Nephilim, DAF, Front 242, The Sisters Of Mercy – alles Kultformationen, deren Output im aktuellen Jahrzehnt quasi gleich Null ist. Doch eine Band gehört eigentlich nicht ganz in diese Reihe. Denn während die drei Erstgenannten unter normalen Umständen zumindest auf ihren Gigs abliefern, demontieren sich The Sisters Of Mercy seit Jahren nur noch selbst. Vor der größten Live-Enttäuschung (ok, wenn wir ehrlich sind, konnte man nach den Erfahrungen der letzten Jahre mit nichts anderem rechnen) des Jahres gab es aber immerhin noch einen ganz passablen Support auf die Ohren.

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The Membranes existierten zwischen 1977 und 1990. Nach einer fast 20-jährigen Pause kam die Band um Sänger und Bassist John Robb 2009 wieder zusammen. Was zunächst nur für einen Auftritt auf den All Tomorrows Parties Festival von My Bloody Valentine geplant war, wurde zu einer festen Reunion, die 2015 ein von der Kritik durchaus wohlwollend aufgenommenes Album namens Dark Matter/Dark Energy abwarf.

So spielt das Quartett aus dem englischen Blackpool dunkel lackierten, manchmal leicht punkigen Alternative-Rock, der gerne gängige Genre-Songlängen ignoriert und ausufert. Die extrem raue Stimme von Frontmann Robb ist sicher Geschmackssache, alles in allem gaben The Membranes aber einen absolut soliden und musikalisch anspruchsvollen Einheizer ab und verließen die Bühne nach 45 Minuten unter einem verdienten Applaus.

Setlist THE MEMBRANES @ Dortmund, FZW (24.09.2017):

01. The Universe Explodes Into A Billion Photons Of Pure White Light
02. Dark Energy
03. In The Graveyard
04. Do The Supernova
05. Drone
06. Space Junk
07. Black Is The Colour
08. The Hum Of The Universe
09. Myths And Legends

Um 21.15 Uhr wurde es dann wieder dunkel im restlos ausverkauften FZW. Die größte Überraschung des Abends: The Sisters Of Mercy hüllten die Bühne ausnahmsweise mal nicht in undurchsichtigen Nebel. Danach gab es allerdings die aus den Vorjahren gewohnte Katastrophe auf die Ohren. Bei – je nach Position des Zuschauers – viel zu lautem oder sehr angenehmen Sound – da gingen die Meinungen stark auseinander – gab es die größten Klassiker und eigentlich alle wichtigen Hits aus über drei Jahrzehnten. Es hätte so schön sein können. Eine Szene-Legende, die ihre Setlist nicht zu Lasten der alten Klassiker mit durchschnittlichen neuen Songs auffüllt, in einem brechend vollen, aber mit 1300 Besuchern Kapazität noch recht intimen Rahmen. Doch jedes More, jedes Dominion, jedes Marian und jedes First And Last And Always bringt nichts, wenn der Sänger klingt wie Gollum auf Ritalin. Irgendein unmotiviertes Gebrummel hier, ein komisches Gequäke dort. Mit Gesang hat das, was Andrew Eldritch auf der Bühne abliefert, nichts zu tun. Noch schlimmer: Auch die beiden Gitarristen Chris Catalyst und Ben Christo standen dem ganzen vokalen Elend mit ihren dünnen Background-Vocals in nichts nach. Nach den ersten paar Songs stürmten die ersten Besucher völlig entnervt und frustriert raus. Und dies nicht nur für eine kurze Raucherpause. Als das Hauptset nach etwas über einer Stunde endete, hatten sich zumindest die hinteren Reihen schon deutlich gelichtet. Immerhin bekamen diejenigen, die nicht schon nach 20 Minuten nach Hause gingen, noch den Kracher-Gag des Abends zu hören. Vor Marian ließ sich Mr. Eldritch zu einem kurzen Ausflug in die deutsche Sprache hinreißen und verkündete vollmundig: „Jetzt fange ich an.“ Muahahahahaha. Nee, Andrew. Lass es einfach sein. Ein für allemal. Bitte.

Setlist THE SISTERS OF MERCY @ Dortmund, FZW (24.09.2017):

01. More
02. Ribbons
03. Doctor Jeep/Detonation Boulevard
04. Crash & Burn
05. No Time To Cry
06. Walk Away
07. Body & Soul
08. Marian
09. Alice
10. Arms
11. Dominion/Mother Russia
12. Summer
13. First And Last And Always
14. Rumble
15. Flood II
16. Something Fast
17. That’s When I Reach My Revolver
18. Lucretia My Reflection
19. Temple Of Love
20. This Corrosion

First and Last and Always

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(Anmerkung: Die im Bericht verwendeten Bilder stammen vom Konzert am Abend zuvor im Schlachthof Wiesbaden.)

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