COVENANT / DECODED FEEDBACK / PATENBRIGADE:WOLFF – Krefeld, Kufa (11.12.2011)

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Der letzte Auftritt der „Modern Ruin Tour“ von Covenant stand in der altehrwĂŒrdigen Kulturfabrik Krefeld an. Trotz der angekĂŒndigten Festivals zwischen Weihnachten und Neujahr mit vielen hochkarĂ€tigen Bands, ließen sich viele Fans nicht davon abhalten, ein Club-Konzert der Recken um Covenant und deren Support, ausgiebig zu inhalieren.

Aber fangen wir mit der ersten Baustelle des Abends an: Patenbrigade:Wolff.
Die Mannen um Macher und Oberbrigadier Lance Murdock und Brigadier Sven Wolff supporten schon die ganze Tour und stellen dabei ihre Tanzmusik fĂŒr Nachwuchsbrigadiers vor. Dies geschah auch am heutigen Abend wieder auf einer echten Baustelle, zumindest bekam man den Eindruck, sah man das geordnete Chaos auf der BĂŒhne. Im Gegensatz zum Auftritt zu Beginn der „Modern RuinTour“ (April 2011) im Duisburger Pulp, wo die selbsternannten Schallplattenunterhalter hinter einem DJ-Pult standen und entsprechend im Schallplattenunterhalter-Dress eine komplett gegensĂ€tzliche Show als gewöhnlich auf der BĂŒhne spielten, fand man am heutigen Abend auf der BĂŒhne wieder Absperrgitter, Warndreiecke und gelbe Rundumleuchten vor, welche die BĂŒhne vorĂŒbergehend in eine Baustelle verwandelten.

Nun aber wurde Popmusik fĂŒr Rohrverleger mit den dazu gehörigen, tanzbaren Hits geboten, unter anderem „Maurerradio“, „Giftig“ und „Gefahrstoffe“. Einige Songs wurden wieder von der reizenden Antje Diekmann gesanglich verstĂ€rkt. Die SĂ€ngerin, im kleinen Schwarzen, eine wahre Augenweide im Gegensatz zu den knall-orangen „Ostberliner Bauarbeitern“, konnte wieder mal mit ihrer guten Stimme ĂŒberzeugen.
Die sich langsam fĂŒllende Halle nahm an der Tanzveranstaltung mehr und mehr teil und honorierte den Einsatz der Truppe mit ordentlichem Applaus. Das melodische „Fehler 404“ und der etwas proletarisch wirkende Song „Der Brigadier trinkt Bier“ rundeten neben vielen anderen hörbaren Songs die Setlist ab. Alles in allem ein sehr gelungener Auftritt, in dem auch das obligatorische ZertrĂŒmmern eines Musikinstrumentes nicht fehlte. Wie immer musste ein altes, ausgedientes Keyboard den Aggressionen eines Brigadiers standhalten, was in Folge von HammerschlĂ€gen ein recht aussichtsloses Unterfangen war.

Nachdem die ersten 45min mit der Patenbrigade kurzweilig und schnell vorĂŒber waren, hieß es nun: Baustelle aufhĂŒbschen!

Decoded Feedback, der zweite Support des Abends und ebenfalls seit Anfang der Tour mit dabei, enterten die BĂŒhne. Bestehend aus Marco Biagiotti (Gesang) und Keyboarderin Yone Dudas, wirkt das Duo seit Mitte der 90er Jahre in der elektronischen Szene. Allerdings gestaltet es sich schwierig, eine gute BĂŒhnenperformance aufzubauen, wenn man auf der BĂŒhne alleine dafĂŒr sorgen muss. Als Keyboarderin genießt Yone natĂŒrlich wenig Freiraum, um am BĂŒhnenleben teilzunehmen und Marco weiß leider alleine nicht wirklich zu ĂŒberzeugen. An der Musik liegt es jedenfalls nicht, wurden doch TanzflĂ€chenbuster Ă  la „Phoenix“ und das endgeile „Reflect in Silence“ gespielt. Dunkler, tranciger Sound, dem der Dark Electro Fan nicht ausweichen kann. So richtig wollte der Funke aber nicht auf das Publikum ĂŒberspringen, obgleich die Halle nun mittlerweile sehr gut gefĂŒllt war. Nach ebenfalls guten 45min entließ das Publikum das Duo aber mit einem wohlwollenden Applaus.

BĂŒhne frei fĂŒr Covenant – manch einer mĂ€kelt auch „The new Covenant“, da außer Eskil Simonsson keines der GrĂŒndungsmitglieder mehr mit dabei ist. Derzeit tritt als Aushilfe fĂŒr Joakim Montelius, der aus privaten GrĂŒnden eine Auszeit nimmt, Daniel Jonasson von Dupont neben dem allseits bekannten Workaholic Daniel Myer (Haujobb/Destroid/Architect) mit auf die BĂŒhne. Letztgenannter hat nun schon seit 4 Jahren die Position des Keyboarders eingenommen. Die musikalisch fruchtbare Liaison aus Covenant und Daniel Myer hat auch auf der letzten Neuerscheinung „Modern Ruin“ dazu beigetragen, aus dem Album schon nach kurzer Zeit einen echten Elektro-Klassiker werden zu lassen.

So denn, los ging es mit einem langen Intro, welches im Album-Opener „Modern Ruin“ endete. Die BĂŒhne in schönes Blau getaucht, Nebelwerfer an und… that’s it. Vorweg genommen: Schade. Nur extremes blaues Licht, wechselweise mit rotem Licht oder keinem Licht, dafĂŒr aber Unmengen an Nebel. Es besserte sich und war zum Ende hin akzeptabel, aber das hĂ€tte man auf jeden Fall besser machen können, zumal die Lichtanlage eigentlich eine Menge mehr zu bieten hatte (neueste LED Technik). Sowohl der Daniel links, als auch der Daniel rechts standen eigentlich im Dauernebel und waren nicht wirklich gut zu erkennen. Auch Eskil versumpfte mehr oder weniger stĂ€ndig im Nebel. Der Musik von Covenant und insbesondere der Ausstrahlung von Eskil tat das aber keinen Abbruch. Eskil war ĂŒberraschend fidel auf der BĂŒhne unterwegs und zeigte eine gute Performance. Gerade in der jĂŒngeren Vergangenheit waren Covenant-Auftritte nicht immer ein Garant fĂŒr eine gute Show. Nicht so an diesem Abend.

In seiner unnachahmlichen Art und Weise, meist einen Arm in der Luft schwenkend, stilvoll das schwarze Jackett lĂ€ssig aufgeknöpft, mit weißem Hemd und schwarzer Krawatte, sorgte er schon nach kurzer Zeit im Publikum fĂŒr hoch erhobene HĂ€nde. Die neuen Songs „Judge of my Domain“, „Dynamo Clock“ oder das ruhige, aber sehr schöne „The Beauty and the Grace“ wurden von der Menge ebenso gefeiert wie die alten Songs „Bullet“ und „No Mans Land“ oder aus der etwas jĂŒngeren Vergangenheit „20 Hz“, „Ritual Noise“ und „The Men“. Bei „Wir sind die Nacht“ ĂŒberließ Eskil den beiden Mitstreitern das Feld und zog sich kurz zurĂŒck, damit sie sich an dem Song elektronisch auslassen konnten.

Nach dem all time Klassiker „Stalker“ wurde mit „The Passion Game“ noch ein neuer Song gespielt. Dieser wusste melodisch sehr gut zu gefallen und hĂ€tte einen Platz auf dem nĂ€chsten Album von Covenant verdient. „Call the Ships to Port“ bildete dann den Höhepunkt und Schlusspunkt des ersten Sets. Jeder, der zu einem Covenant Konzert geht, kennt den Song, jeder feiert darauf ab. So soll es dann auch sein. Nach einer recht kurzen Verschnaufpause kamen zwei Zugabe-Sets mit jeweils drei Titeln, unter anderem „Happy Man“, ein Track, der minimalistischer nicht sein könnte, aber dennoch eine ausgesprochen hohe IntensitĂ€t mit sich bringt. ErwĂ€hnenswert ist noch der letzte abschließende Song, kamen doch alle beteiligten Tour-Mitglieder mit auf die BĂŒhne, um der „Modern Ruin Tour“ ein gebĂŒhrendes Ende zu bereiten. Die komplette Patenbrigade und das Duo von Decoded Feedback waren versammelt und sangen gemeinsam mit Covenant und dem Publikum den Zweizeiler von „One World, One Sky“.

Fazit: Feiner Konzertabend. Es lebe der Minimalismus!

Setlist:
01. Intro
02. Modern Ruin
03. Monochrome
04. Bullet
05. Judge of my Domain
06. Dynamo Clock
07. 20Hz
08. No Mans Land
09. Kairos
10. The Beauty and the Grace
11. I am
12. The Men
13. Ritual Noise
14. Wir sind die Nacht (improvised)
15. Stalker
16. The Passion Game (new Song)
17. Call the ships to Port
18. Happy Man (Z)
19. Lightbringer (Z)
20. Dead Stars (Z)
21. Der Leiermann (ZZ)
22. We Stand Alone (ZZ)
23. One World, One Sky (ZZ)

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Konzertfotos Sektion (Bildkommentare sind durch Anklicken der Sprechblase möglich) oder direkt durch Anklicken der jeweiligen Bandfotos.

Covenant:

Decoded Feedback:

Patenbrigade:Wolff:

Autor und Fotos: Dirk Wirtz

Weblinks:

www.covenant.se


www.decodedfeedback.com


www.patenbrigade.com

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