BOY WITCH setzen mit „Echolalia“ ein hypnotisches Zeichen vor ihrem Debütalbum

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Lesedauer: 3 Minuten

Manchmal entstehen die spannendsten Dinge genau dort, wo niemand hinschaut. Boy Witch ist so ein Fall. Hinter dem Namen steckt mit Rörig ein Musiker, der sich nicht an Szeneregeln orientiert, sondern einfach macht – schreibt, aufnimmt, produziert. Alles selbst, alles aus einer Hand. Das Ergebnis ist kein glattgezogenes Produkt, sondern etwas, das lebt, atmet und auch mal stolpert. Genau das macht es interessant.

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Mit „Echolalia“ liegt nun die dritte Single vor, die unmittelbar in diese eigene Welt hineinzieht. Der Track arbeitet weniger mit klassischen Hooks als mit Bewegung. Ein pulsierender Bass legt die Spur, darüber schichten sich Gitarren, die gleichzeitig verschwimmen und scharf bleiben. Das Schlagzeug – eingespielt von Gidon Carmel – wirkt dabei fast wie ein Gegenpol: trocken, direkt, greifbar. Es ist dieser Kontrast, der den Song trägt.


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Inhaltlich greift „Echolalia“ das Phänomen der Wiederholung auf, übersetzt es aber in etwas Persönlicheres. Gedanken, die sich im Kreis drehen. Sätze, die hängen bleiben. Dieses Gefühl, nicht vorwärtszukommen, obwohl man sich bewegt. Der Song erzählt das nicht aus – er lässt es passieren. Genau darin liegt seine Wirkung. Auch visuell bleibt das Projekt seiner Linie treu. Das Video zur Single verzichtet auf Hochglanz und setzt stattdessen auf eine rohe, reduzierte Ästhetik. Archivmaterial von NASA-Missionen trifft auf fragmentierte Bilder, Licht und Schatten überlagern sich, Gesichter verschwinden in Projektionen. Es wirkt weniger wie ein klassisches Musikvideo, sondern eher wie ein visueller Zustand, der parallel zum Song existiert.

Das dazugehörige Debütalbum „Boy Witch“, das am 17. April 2026 über Green Man Records erscheint, wirkt weniger wie ein klassischer Erstling, sondern wie ein Projekt, das sich über längere Zeit im Verborgenen entwickelt hat. Die elf Tracks setzen nicht auf schnellen Zugriff, sondern entfalten sich Schritt für Schritt. Viele Stücke beginnen zurückhaltend, fast skizzenhaft, bevor sie sich öffnen und an Tiefe gewinnen. Gerade dieses Wechselspiel zwischen Reduktion und Ausbruch prägt das Album spürbar.

Klanglich bewegt sich das Ganze zwischen Psychedelic Rock und elektronischen Erweiterungen. Synthesizer ziehen sich wie ein feiner Schleier durch die Songs, Gitarren verschwimmen und tauchen in veränderter Form wieder auf. Mal wirkt alles weich und entrückt, dann wieder klar und greifbar. Diese Übergänge passieren oft fließend, was dem Album eine eigene Dynamik gibt, die sich nicht an klassischen Songstrukturen orientiert. Dass Rörig nahezu alles selbst umgesetzt hat – vom Songwriting bis zur Produktion – ist dabei deutlich hörbar. Nicht als Mangel, sondern als bewusste Entscheidung. Die Songs dürfen sich Zeit nehmen, dürfen auch mal offen bleiben. Das Schlagzeug von Gidon Carmel setzt dazu einen klaren Gegenpol: präzise, körperlich und direkt.

Tracklist:
01. Bad Tape
02. Ghost
03. One Space
04. Echolalia
05. Honding
06. Emerge
07. Spheres
08. Bass Echo
09. Asteroids
10. Brave New World
11. Miro

Das Album vorbestellen: Boy Witch | Boy Witch

Am Ende funktioniert „Boy Witch“ weniger über einzelne Songs als über sein Gesamtbild. Motive tauchen auf, verschwinden und kehren in veränderter Form zurück. Es ist ein Album, das nicht sofort alles preisgibt – sondern eines, das nachwirkt. Was Boy Witch dabei besonders macht, ist nicht nur der Sound, sondern die Haltung dahinter. Dieses konsequente DIY, dieses bewusste Nicht-Anpassen. „Echolalia“ ist deshalb mehr als nur ein weiterer Vorbote – es ist ein ziemlich klares Signal, dass hier jemand seine eigene Sprache gefunden hat. Und sie einfach spricht.

Weblinks BOY WITCH:

Instagram: @a_boy_witch
Bandcamp: Bandcamp
YouTube: @Boy_Witch


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