

Das Walbecker Freibad war an diesem warmen, fast schon goldenen Dienstagabend in eine vibrierende Konzertarena verwandelt. Rund 3.500 Fans hatten sich auf der Wiese vor der Bühne versammelt, viele mit kalten Getränken in der Hand, die Sonne langsam im Rücken versinkend. Man spürte sofort: Hier lag ein Hauch von Vorfreude in der Luft, eine elektrisierende Spannung, die sich mit jedem Lachen, jedem Murmeln und jedem erwartungsvollen Blick verstärkte.
Bevor Fury in the Slaughterhouse die Bühne eroberte, durfte Michèl von Wussow das Publikum auf Betriebstemperatur bringen – und das gelang ihm spielend leicht. Mit seinem eingängigen Indie Rock, mal treibend, mal gefühlvoll, zog er die Menge sofort in seinen Bann. Seine Lieder, oft sehr persönlich und voller Emotion, waren wie kleine Geschichten, die er mit jeder Note öffnete. Besonders die neue Single Mutig entfaltete eine besondere Kraft: ein Song, der nicht nur ins Ohr ging, sondern auch ins Herz, begleitet von dem Wissen, dass er Teil eines Films gegen Umweltverschmutzung ist. Als Michèl schließlich ein kleines Mitsing-Spiel mit den Fans begann, schwappte die Energie wie eine Welle durch das Freibad. Am Ende brandete verdienter Applaus auf – offen, ehrlich, herzlich.
Dann verdunkelte sich langsam die Bühne, ein Countdown flimmerte über die Leinwand – die Spannung stieg, Schreie und Jubel wurden lauter, bis der Moment da war: Fury in the Slaughterhouse betraten die Bühne. Mit dem rockigen Protection starteten die sechs Hannoveraner Musiker ihr Set, kraftvoll, energiegeladen, sofort präsent. Kaum verklungen, folgten My Dear Friend und Better Times – und die Stimmung im Publikum war längst auf einem Level angekommen, auf dem niemand mehr stillstand. Charmant wie eh und je plauderten Kai und Christof zwischen den Songs, warfen sich Witze zu und schufen so eine warme, persönliche Atmosphäre, die das Konzert weit mehr als nur zu einer musikalischen Darbietung machte. Besonders einprägsam: Zwei Clubsessel auf der Bühne, die zunächst wie ein skurriles Detail wirkten, später aber als humorvolle und gemütliche „Zuhause-Momente“ für die Musiker dienten.
Als Kai bei Milk And Honey ins Publikum stieg, verschwammen die Grenzen zwischen Band und Fans endgültig. Hände reckten sich ihm entgegen, die Menge sang voller Leidenschaft mit – ein Meer aus Stimmen, das trug und bewegte. Spätestens da wusste jeder: Hier sind Menschen auf und vor der Bühne, die diese Musik gleichermaßen lieben.
Ein Höhepunkt jagte den nächsten: Das ironische Hang The DJ ließ an verschwitzte Disconächte denken, während She Said in einer besonderen Akustikversion mit Geros Akkordeon eine fast magische Note bekam. Die neue Single Sorrowland wiederum zeigte eindrucksvoll, dass Fury auch nach Jahrzehnten noch mit frischen Ideen und mutigen Sounds überraschen kann.
Fury schaffen Nähe von der Bühne und aus dem Publikum heraus
Dann die Klassiker: Sobald die ersten Töne von When I’m Dead And Gone erklangen, war es, als ob das Freibad explodierte – Arme in der Luft, Gesichter voller Glück, Stimmen, die lauthals mitsangen. Radio Orchid sorgte für Gänsehaut-Momente, besonders als Kai mitten in die Menge ging, Fans direkt ansah und sie mit einem Lächeln und einer Textzeile berührte. Es war intim und überwältigend zugleich.
Mit Every Generation Got Its Own Disease lieferten Fury ein politisch-satirisches Highlight, unterstützt von einer visuellen Montage, in der vor allem Trump, Putin und Musk auf der Leinwand erschienen – bissig, ironisch und untermalt von brachialem Livesound. Danach wurde es psychedelisch mit Riding on a Dead Horse, während Trapped Today wieder leise, fast schon andächtig, mit Kai im Sessel und einem filigranen Gitarrensolo von Gero, eine andere Seite der Band zeigte. Als Kai schließlich den „meistgestreamten Song der Band“ ankündigte, gab es kein Halten mehr: Won’t Forget These Days. Die Fans sangen mit solcher Wucht, dass der Song selbst nach dem abrupten Abgang der Band nicht endete. Das Publikum führte ihn einfach weiter, tausende Stimmen, die sich zu einem gewaltigen Chor vereinten, bis Fury noch einmal zurückkehrten und das Lied „zu Ende“ spielten.
Und dann das Sahnehäubchen: Time To Wonder, gefolgt von einer intimen Überraschung – zwei glückliche Zuschauer durften, Bier in der Hand, im Clubstuhl Platz nehmen, während die Band A Long Goodbye performte. Mit Seconds To Fall verabschiedeten sich Fury schließlich endgültig.
Doch das Konzert war da längst nicht vorbei. Hardcore-Fans sangen immer noch Won’t Forget These Days, als die Bühne leer war, und man hatte das Gefühl: Genau das trifft es. Dieser Abend, mit seiner Energie, seiner Nähe, seiner Musik, würde bleiben. Für immer.
Ein Konzert, das sich nicht nur hören, sondern fühlen ließ – und das man garantiert nie vergessen wird.
Setlist FURY IN THE SLAUGHTERHOUSE @ Walbeck, Waldfreibad (26.08.2025):
01. Protection
02. Letter to Myself
03. Better Times Will Come
04. Hang the DJ
05. Milk and Honey
06. Why Worry?
07. Are You Real
08. Sorrowland
09. Then She Said
10. When I’m Dead and Gone (McGuinness Flint cover)
11. Good Day to Remember
12. Radio Orchid
13. Every Generation Got Its Own Disease
14. Riding on a Dead Horse
15. Nine Lives
16. Trapped Today, Trapped Tomorrow
17. Everyday Heroes
18. Kick It Out
19. Won’t Forget These Days
20. Won’t Forget These Days Reprise (Z)
21. Goodbye So Long (Z)
22. Seconds to Fall (Z)
23. Time to Wonder (Z)
Weblinks FURY IN THE SLAUGHTERHOUSE:
Website: Fury in the Slaughterhouse – Offizielle Website
Facebook: Fury in the Slaughterhouse | Facebook
Instagram: Fury in the Slaughterhouse (@furyintheslaughterhouse) • Instagram-Fotos und -Videos
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