Der Klub der 40 organisierte an einem heißen Freitagabend einen explodierenden Auftritt der Hardcore-Punks von MELT-BANANA im Blue Shell, Köln, und nur ein wenig mehr Energie auf dem engen Raum wäre nötig gewesen, um eine Kernschmelze zu erzeugen, die die Stadt mit sich gerissen hätte.
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Draußen waren es 35 Grad. Das Blue Shell ist bekannt für seine röhrenartige Struktur ohne Backstage-Zugang – fensterlos, eng und dunkel. Also: Perfekte Bedingungen für eine Band, die wiederum bekannt ist für ihre unaufhaltsame, persistente Energie – laut, schnell und aggro. Das fanden auch eine Menge Punks, denn die Bude war vollkommen ausverkauft und die Sardinendose wurde zum Überdruckkessel. Doch zunächst einige Worte zu den guten Seelen, die diesen mitreißenden Konzertabend überhaupt erst möglich machten.
KLUB DER 40
Heutzutage ist es schwer für kleinere, unbekannte Bands, auf Tour zu gehen oder gar einzelne Konzerte zu bekommen. Zu groß ist die Angst der Veranstalter und Konzerne, ein Minus zu machen, lädt man sich unbekannte Gesichter ein, die nicht ausreichend Karten verkaufen. Der Fokus ist klar auf dem Mainstream, wo das Geld noch auf den Bäumen wächst, und nicht in der Kleinkunst- und der Indie-Szene. Doch wo kleine Bands immer häufiger zurückgelassen werden, hilft der gemeinnützige KLUB DER 40 aus.
Das Konzept ist einfach und brillant zugleich: Der Verein, welche von seinen Mitgliedsbeiträgen lebt, vorfinanziert die gesamten Umkosten von gewünschten Artists, damit weder diese noch die Veranstalter und die Locations sich Sorgen machen müssen, dass sie leer Ausgehen oder gar ein Minus machen. Das Ganze wird also gestemmt von Musikliebhabern, die einfach nur ihre liebste Musik auch mal live sehen wollen und die Künstler unterstützen, die unser Leben anreichern. Und das Konzept geht voll auf: Seit fast 30 Jahren holt der Verein bereits Künstler aller Genres nach Köln, zur Freude aller Fans, die ohne ihn keine Chance gehabt hätten, und dies ist meist ein Erfolg! Selten wird hier Verlust erwirtschaftet und viel öfter sind die Konzerte dann auch mal ausverkauft – soviel also zu absolut unberechtigten Angst der großen Konzerne, dass sich das nicht lohnen würde! Was natürlich nur den einzigen Schluss zulässt: dass sie offensichtlich den Maximalprofit als wichtiger betrachtet als das Fördern von Kunst und Kultur. Zum Glück gibt es Helden, wie die Mitglieder vom KLUB DER 40!
Über vergangene und zukünftige Projekte und Konzerte, sowie die Geschichte des Vereins, könnt ihr auf ihrer Webseite nachlesen.
Weblinks KLUB DER 40
https://klubder40.de
https://facebook.com/klubder40
THISTLES
Als Vorgeschmack gab es die junge Band THISTLES, eklektischer Shoegaze-Rock aus Köln, mit Wurzeln in Deutschland, Indien und den Niederlanden. Der Psychedelic-Sound der Post-Rock-Band war eine angenehme, langsame Vorbereitung für den Rest des Abends und machte alle von den Außentemperaturen geschwächten Gäste wach und zugänglich für die Musik und Vibes der kommenden Stunden! Die Gitarren basslastig, der Gesang spärlich und pointiert eingesetzt, das Tempo eher langsam als schnell, aber die Lautstärke bereits laut und eindringlich – es erinnerte entfernt an eine Mischung aus Mogwai und Baroness sowie Klassiker aus dem Prog-Rock. Das Publikum war schnell mitgezogen, und obwohl man hätte erwarten können, dass die meisten Menschen die abendlich beginnende Abkühlung draussen bei einem Bier genießen würden, war der Saal bereits bis zum Anschlag voll und es wurde stattdessen die vollmundige Akustik genossen. Auf ihrer Bandcamp-Seite könnt ihr in ihre erste Demo reinhören.
Weblinks THISTLES
https://thistlescologne.bandcamp.com
https://instagram.com/thistlesband
MELT-BANANA
Es dauerte hoch gerundet ungefähr drei Sekunden nach der ersten Note, bis sich das Publikum in voller Mosh-Einheit gegen die Bühne drückte. Von da an bis zum Ende des Konzerts war der gesamte Saal in maximaler Aufruhr solidarisch am Abreißen: Es wurde gemosht und getanzt und gedrückt, mit Crowdsurfing und Pogen und Schubsen. Der harte Sound des japanischen Noise-Rock-Duos lässt einem auch, um ehrlich zu sein, keine andere Wahl! Die Klimaanlage des Blue Shell war wahrscheinlich auf maximaler Leistung, aber nach wenigen Minuten war davon nicht mehr viel zu merken. Es war wie ein Punk-Abend in der Sauna: Alle am Schwitzen; aber so sollte es auch sein und dafür war man schließlich da! Aber das Ganze lief absolut solidarisch ab, man gab aufeinander acht, half sich auf, umarmte und lachte sich gegenseitig ins Gesicht.
Wer MELT-BANANA noch nie live sehen konnte, sollte sich das seltene Ereignis nicht entgehen lassen, wenn sich die Chance ergibt. Der schrille Hardcore-Punk ist nicht nur akustisch sehr einzigartig, sondern auch auf der Bühne etwas Besonderes: Sängerin Yasuko Onuki besitzt trotz ihrer geringen Körpergröße eine enorme Präsenz, und das auch trotz der Ansammlung mächtiger Amps, die wie wolkenkratzerartige, schwarze Monolithen den Großteil der Bühne blockieren. Ihre jugendliche, sehr hohe Stimme klingt einem so schrill im Ohr, dass man sie nicht einmal ignorieren kann, wenn der verzerrte Gitarrensound sie eingräbt! Und das Geschreie hält sie konstant bis zum letzten Song durch – ein wahrlich beeindruckendes Organ. Gitarrist Ichiro Agata, durchgehend mit FFP-Maske im Gesicht, ist dagegen im Vergleich fast unauffällig, obgleich er natürlich halb für den Lärm verantwortlich ist. MELT-BANANA ist seit 13 Jahren nicht mehr mit Drummer oder Bassist unterwegs, der Rest kommt inzwischen vom Band. Dieser Ansatz aber tut dem einzigartigen Sound eher gut, denn es erlaubt Onuki mehr Flexibilität und einen besseren Fokus auf Lyrics und Performance. Der darauf aufbauende aktuelle Sound der Band ist deswegen eine wilde Fusion mit Electronica und Pop, verzerrt und entstellt zu einem absolut unverwechselbaren, chaotischen Noise Punk. Nicht wie der Proto-Noise von Atari Teenage Riot, nicht wie die Jazz-Punk-Fusion von Midori, nicht wie der neue, aber klassische Riot Grrrl-Garage Punk von Otoboke Beaver, sondern einfach nur der unverkennbare Sound von MELT-BANANA.
Das durchgehende, experimentelle Dröhnen der einzelnen Songs lief ineinander über; keine Pause, keine Brücken, keine ruhigen Momente, keine großen Ansagen oder Reden, so ließ die Band das Publikum keine Sekunde zum Durchatmen. Der einseitige, aber brillante Sound machte es schwer, die eher kurzen Songs überhaupt auseinanderzuhalten oder zu erkennen. Die Zugabe bestand aus satten neun besonders kurzen Songs, einige davon nur wenige Sekunden lang.
Mit dem Abend ging auch die aktuelle Tour der Band zu Ende, die “SlinGshot Tour 2026”. Aber für die inzwischen über 35 Jahre alte Band scheint noch kein Ende in Sicht zu sein.
Weblinks MELT-BANANA
http://melt-banana.net
https://facebook.com/pages/Melt-Banana/192954987398661
https://x.com/melt_banana
https://instagram.com/melt_banana
https://youtube.com/xxxMELTBANANAxxx
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