Unverkalt melden sich mit ihrem dritten Album „Héréditaire“ zurück – einem Werk, das tiefer in menschliche Abgründe blickt als alles, was die deutsch-griechische Post-Metal-Formation bislang geschaffen hat. Die Band hebt den Schleier über eine vererbte, dunkle Geschichte, die in jedem Ton, jeder Schicht von Klang und Emotion spürbar wird.
🔊 Lass Dir den Beitrag vorlesen (KI-Stimme):
Schon der Opener und erste Vorbote „Die Auslöschung“ macht deutlich, wie ernst es Unverkalt mit diesem thematischen Sturzflug meinen. Der Song beginnt wie ein langsamer Nebel, der sich über den Hörer legt, bevor er sich zu einer schwarz gefärbten Lawine aus Härte und Klarheit steigert. Besonders eindrucksvoll ist das Wechselspiel zwischen Dimitra Kalavrezous glasklaren Cleans und ihren plötzlich eruptiven, harschen Vocals – eine Konstellation, die die Band so erstmals in dieser Form einsetzt. Das begleitende Musikvideo verstärkt diese Atmosphäre mit einer düsteren, fast rituellen Bildsprache.
„Héréditaire“ ist ein Album über die Lasten, die uns vorausgehen – über Traumata, die durch Generationen sickern wie ein nie verblassender Schatten. Gitarrist und Komponist Themis Ioannou beschreibt das Werk als Klagegesang für etwas, das älter sei als wir selbst. Diese Idee zieht sich durch alle Stücke und wird immer wieder neu beleuchtet: mal erzählerisch, mal archaisch, mal zutiefst intim.
Ein besonderes Gewicht trägt der Beitrag von Sakis Tolis (Rotting Christ), der auf „I, The Deceit“ seine unverkennbare Stimme einbringt. Sein Auftritt fügt dem Album eine zusätzliche Schattierung hinzu, die perfekt zu Unverkalt passt: eine Art brennende Schwere, die nicht zerstört, sondern offenlegt.
Musikalisch treiben Unverkalt ihre Vision hier weiter als je zuvor. Die Band bleibt cineastisch, aber sie arbeitet mit härteren Kontrasten, schärferen Kanten und einem deutlich roheren Kern. Die Stücke wirken wie einzelne Szenen aus einem Film, dessen Handlung im Unterbewusstsein spielt – voller Symbole, geisterhafter Relikte und unausgesprochener Fragen. Immer wieder entstehen beeindruckende Momente, in denen Post-Metal, Black-Metal-Elemente und avantgardistische Strukturen ineinander übergehen, ohne sich in Beliebigkeit zu verlieren.

Tracklist „Héréditaire“

- Die Auslöschung (6:06)
- Oath Ov Prometheus (5:40)
- Ænæ Lithi (5:34)
- A Lullaby for the Descent (5:11)
- Penumbrian Lament (6:02)
- Introjects (5:25)
- I, The Deceit (feat. Sakis Tolis) (5:47)
- Death is Forever (4:50)
- Maladie de l’Esprit (5:34)
Gesamtlaufzeit: 50:11
Unverkalt bleiben einer cineastischen Ästhetik treu, doch „Héréditaire“ arbeitet stärker mit inneren Bildern als mit äußeren. Manche Songs wirken wie Erinnerungen, die lange unter Ruß und Geröll verborgen lagen. In „Ænæ Lithi“ etwa wird die Vergangenheit der Familie Ioannous berührt, in anderen Stücken zerfallen alte Mythen, Strukturen und Überzeugungen im Lärm der Gitarren wie verbrannte Dokumente.
Die Dynamik zwischen den beiden Stimmen – Kalavrezous melancholische Linie und die harschen Ausbrüche von Eli Mavrychev – erzeugt ein emotionales Magnetfeld, das alles zusammenhält. Jeder Song wirkt wie das nächste Kapitel eines größeren, düsteren Zyklus, der sich mit jeder Minute weiter entfaltet.
Weblinks UNVERKALT
Facebook: @Unverkalt
Instagram: @unverkalt
Bandcamp: Bandcamp
YouTube: @unverkaltofficial