THE FOREIGN RESORT / JE T’AIME – Köln, Blue Shell (14.01.2023)

THE FOREIGN RESORT / JE T'AIME - Köln, Blue Shell (14.01.2023)
The Foreign Resort, © Nadine Kloppert
Geschätzte Lesezeit: 6 Minute(n)

An einem schmuddeligen, nasskalten Samstagabend ging es ins Kölner Blue Shell. Vor Ort setzte dann aber zügig eine wohlige Behaglichkeit ein. War der Club doch stylisch und gemütlich zugleich. Seitlich luden Sitzbänke zum Verweilen ein, man konnte Billard spielen, flippern oder sich mit kühlen Getränken an der blau ausgeleuchteten Bar eindecken. Die kleine Bühne war gerade mal zwei Stufen erhöht und ließ noch echte Nähe zu den Musikern zu. 200 Gäste fasst die blaue Muschel maximal und es gab nur noch vereinzelte Resttickets an der Abendkasse.

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Pünktlich um 20:30 Uhr bahnten sich Je T’aime ihren Weg durch die Menge und erklommen ihre Spielstätte des heutigen Abends. Tall BastArd hängte sich seine Gitarre um, Bassist Crazy Z steckte sich erstmal lässig eine Kippe an und Sänger Dany Boy platzierte sich cool neben einem kleinen Keyboard. Doch genau dieses zickte gewaltig. Rien ne va plus. Schnell verschwand auch schon die Kippe und die Suche nach dem unliebsamen Fehler begann. Dany war irritiert, schließlich war vorher alles in Ordnung. “I guess there was a ghost in this place.” Wie schlug man diesen Geist in die Flucht? Die Musiker schnappten sich ihre Drinks und stießen erstmal mit den Fans in der ersten Reihe an. Klirrendes Glas mochte der Muschelgeist scheinbar gar nicht. Noch ein wenig Herumgezuppel am Keyboard und schon war alles wieder tutti. Mit dem recht klassischen Post Punk Track Unleashed ging die Sause dann groovy los. Dany trug sein typisches schwarz-weiß gestreiftes Hemd, samt geringelten Pulswärmern und einem schwarzen Sakko. An seiner Hose hingen lässig ein paar Hosenträger herab. Sofort tanzte er los und bewegte sich blitzschnell mit ausladenden Armen im Takt hin und her. Ungestüm kletterte er auf die Monitorbox und in der ersten Reihe wusste man kaum wohin mit sich, als Dany seinen Oberkörper direkt in Augenhöhe vor einem weiblichen Fan emporstreckte.

Synthielastig ging es mit Lonely Days weiter. Getrieben vom prägnanten Bassspiel untermalte Dany seine Worte theatralisch mit auffallenden Gesten. Mal schlug er sich mit der Hand vor die Stirn, seine Hände mimten zwei Knarren, dessen “Rauch” er auspustete und die Geschosse in seinen Hosentaschen versenkte. Zwischendurch pausierte er auch einfach auf einem Hocker und ließ seinen Kopf herabsinken. Angetrieben von quirligem Electro Sound konnte wirklich niemand mehr stillstehen, als Give Me More Kohl erklang. Tall BastArd begann lachend zu hüpfen, während sich Dany erstmal auf dem Boden niederließ und emsig etwas in sein imaginäres Handy eintippte, das er gerade gedanklich in der Hand hielt. Zwischendurch kam versehentlich mal jemand an den Lichtschalter und die Musiker standen für einen kurzen Moment in der Dunkelheit. Es hätte aber auch niemanden gewundert, wenn dieser Part zu der Show dazugehört hätte. “Can you please set my blood on fire?” Hiermit kündigte Dany galant den nächsten Titel an. Zu einer fröhlichen Disco Melodie bewegten sich die Hüften im Club. Goodbye Alltagsstress. Spätestens jetzt war hier jeder an Bord der Je T’aime Party. Die nächste Ansage konnte ich leider nicht mitschreiben. Totalausfall, schließlich überschlug sich Dany hier mit seinen Worten und driftete dann ins französische ab. Mit Dirty Tricks folgte ein straighter Punkrock Song, bei dem die Saiteninstrumente mal wieder im Vordergrund standen. Tall BastArd und Crazy Z rieben ihre Körper aneinander, während ihr Fronter passend zu dem herausfordernden Sound seine richtig wilde Seite zeigte. Noch wilder? Ja! Völlig gegensätzlich präsentierte sich Marble Heroes. Je T’aime verfügten durchaus über eine breitgefächerte, musikalische Bandbreite. Dabei standen ihnen die sanften Töne wahrlich gut, denn ihre verträumtere Facette wusste wahrlich zu bezaubern. Auch wenn Danys Stimmfarbe einen vereinzelt durchaus an Robert Smith denken ließ, hat er doch seinen ganz eigenen Stil, mit dem er sich als Sänger beeindruckend von der Masse abhebt. Mit den steigenden Temperaturen im Club wich auch Danys Sakko. Seine Hosenträger zog er sich nun über die Schultern und seine hochgeschnittene Buxe fiel einem ins Auge.

Ein herrlich tiefes Bassspiel harmonierte in If Only bestens mit den schon gruftig anmutenden Gitarrenklängen. Mit zärtlicher Stimme und seichten, flötenartigen Tönen endete der Titel wohlig angenehm. Für weitere Abwechslung sorgte der extravagante Fronter, als er sich zu Winter Lake einen Halbmond Schellenring schnappte. Zudem reicherte er diesen Song mit Sprechgesang an. “Girls and boys, are you ready?” Abfahrt mit Kiss The Boys (And Make Them Die). Dieser Retro Wave Track mit seiner hinreißend schönen Melodie blieb einem besonders im Gedächtnis. Die Synthies schmiegten sich im Hintergrund herrlich an, während Dany uns staunen ließ, wie hoch er mit seiner Stimme kam. Bei der Hook bekam er stimmliche Unterstützung von seinen Boys aber auch vom engagierten Publikum. Immer wieder ließ Dany uns “Kiss The Boys And Make Them Die” rufen, bis auch die letzten Reihen zu hören waren. Während wir alle so wunderbar abgelenkt waren, trieb der Muschelgeist scheinbar erneut sein Unwesen, tauchten doch erneut Technikprobleme auf. Wieder buhlte das verdammte Keyboard um besondere Aufmerksamkeit. Umso größer war die Freude unter allen Beteiligten, als das Problem erkannt und gelöst wurde. Zu dem eingängigen Track Fuck Me gab sich Dany nochmal gänzlich der Musik hin und wälzte sich über den Boden der Bühne. “Thank you The Foreign Resort. Thank you Germany. We love you.” Zum Abschluss hörten wir Dance und der Sänger huschte flugs ins Publikum. Gemeinsam mit seinen Fans genoss er die letzten Momente seines Auftritts. Nach 70 Minuten gab es zum Abschied Luftküsse von Tal BastArd, ehe Je T’aime dem Hauptact des Abends die Bühne überließen.

Setlist JE T’AIME – Köln, Blue Shell (14.01.2023)

01. Unleashed
02. Lonely Days
03. Give Me More Kohl
04. Blood On Fire
05. Dirty Tricks
06. Marble Heroes
07. Evil Curves
08. If Only
09. Elbow Beach
10. Winter Lake
11. Kiss The Boys (And Make Them Die)
12. Fuck Me
13. The Sound
14. Dance

Weblinks Je T’aime:

Homepage: www.jetaime-music.com
Facebook: www.facebook.com/jetaimethemusic
Instagram: www.instagram.com/jetaime-music

Auftritt für die Dänen von The Foreign Resort. Auch sie hatten eine Mischung aus New Wave und Post Punk für uns parat. Sänger Mikkel Borberg Jakobsen startete erstmal einen schelmischen Aufruf: “Alle die draußen kiffen, kommen jetzt mal wieder rein.” Alioscha Serge Brito-Eganafiel direkt an den Drums auf, trug er doch ein Bandshirt von Je T’aime – welch schöne Geste. Wohlklingende Synthieklänge läuteten Hearts Fade Out ein. Dem sympathischen Trio gelang damit ein herrlicher Einstieg in ihr Set. Sofort setzte unter den Fans ein zufriedenes Grinsen ein, das sich rasch im Club ausbreitete. “Wir haben kein neues Album, aber einen neuen Song. Ein neues Album kommt im nächsten Jahr – scheiße, das dauert so lange. Aber es kommen noch zwei weitere Singles dazu. Hier ist ,Overturn’.” Darin fragte er “Can lies be innocent?” Es ging um Verdrängung, die Flucht vor sich selbst und vor seinen Freunden. Dazu kam der weise Rat, dieses Verhalten umzukehren, aus Fehlern zu lernen und zu ihnen zu stehen. Doch dies schien dem Protagonisten im Text nicht zu gelingen, stattdessen ging er in diesem verzwickten Konstrukt unter. Overturn weckte sogleich das Interesse, an weiterem neuen Material. Mikkel und sein Basser Steffan Petersen tauschten übrigens immer mal wieder ihre Saiteninstrumente miteinander. She is Lost steigerte erneut das Wohlbefinden an diesem Abend: lauschten wir einer einprägsamen Gitarrenmelodie, hörten die warme Stimme des Sängers und erlebten eine ehrliche Hingabe auf der Bühne.

Mikkel überlegte, wann The Foreign Resort zuletzt im Blue Shell gespielt haben. Wundervoll! Eine lustige Diskussion mit dem Publikum entbrannte, die am Ende nicht wirklich zielführend, aber unterhaltsam war. Das darauf folgende New Frontiers fetzte jedenfalls gewaltig. Quiet Again würde ich jederzeit einem kleinen Kind vorspielen, das sich gerade total verzweifelt wegschreit und in einem Wutanfall gefangen ist. Mikkels liebliche Stimme klang so wunderschön und beruhigend zu den sanften Klängen… liebe Eltern, startet an dieser Stelle gerne mal einen Versuch. Nach diesem Song sollte die kleine Welt wieder heile sein. Mortan gab zu Landslide mächtig Vollgas an seinen Drums. Dieses Brett kam richtig rockig daher. “Wir möchten uns sehr bei Dennis Wollnik bedanken, der das heute alles möglich gemacht hat. Danke, Dennis! Er sagt immer, ,spielt ihr auch mal Orange Glow?’ Heute spielen wir den für dich, Dennis!” Mit 7 Minuten ist der Track für eine Band wie The Foreign Resort recht lang. Aber diese Nummer sollten sie dennoch in jedes Set einbauen, schließlich war hier keine Sekunde vergebens. Orange Glow kam bei den Fans blendend an und die pure Spielfreude war den Jungs anzusehen. “Die Frage ist, was sollen wir jetzt spielen? Deep Purple – Smoke On The Water? Hier kommt ein Schlager.” Knapp daneben, folgte doch mit Flushed ein fein abgestimmter, atmosphärischer Song. Glück gehabt. Richtig Bewegung kam mit Dead End Roads ins Spiel. Die ersten Reihen hopsten beseelt in die Höhe und feierten ihre Band  frenetisch. Dieser Song gehört auch in jede Gute-Laune Playlist.

Als Dark White begann, hielt es Alioscha nicht mehr auf seinem Hocker aus. Diesen Titel spielte er einfach stehend. Ein fulminantes Gitarrensolo fügte sich blendend in den treibenden Song ein. Steffan spielte wie in Trance und jetzt wurde nochmal richtig abgerockt, bis sich die Jungs von ihrem Publikum verabschiedeten. Natürlich war noch nicht Schluss. Lautstark bat man einstimmig um mehr musikalischen Input. “Encore? We need the fucking guys!” Und die Franzosen ließen nicht lange auf sich warten. “Je T’aime asked us to collaborate on a song to benefit Ukraine. So we did the song ,Love U’.” Die trockenen Kehlen der Musiker mussten nochmal geschmiert werden. Alle nahmen noch einen kräftigen Schluck aus ihren Pullen. “Ich bitte um ein wenig Geduld. die Musiker machen sich bereit für den großen Auftritt. Franzosen und Dänen in friedlicher Gemeinschaft.” Mikkel zückte sein Handy, auf dem sich die dazugehörigen Lyrics befanden. The Foreign Resort und Je T’aime gemeinsam auf der Bühne zu sehen, war ein riesiger Spaß. Voller Leidenschaft performten sie Love U und ich freue mich schon immens auf den Tag, an dem dieser grandiose Titel final veröffentlicht wird.

Nach 80 Minuten war der offizielle Teil geschafft. Ganz entspannt ließen sich beide Bands aber im Anschluss bei der “Shellshock” Aftershowparty blicken. Mit einer urigen Mischung aus Indie, Shoegaze, Wave und Post Punk versüßten uns DJ Reptile und Action!Mike noch die Nacht. Wäre da nur nicht der usselige Regen, der einen beim Verlassen des Clubs wieder eiskalt erwischte. Spielverderber! Aber bald kehren wir einfach zurück in das heimelige Blue Shell.

Setlist THE FOREIGN RESORT – Köln, Blue Shell (14.01.2023)

01. Hearts Fade Out
02. Obsessing
03. Overturn
04. She Is Lost
05. New Frontiers
06. Quiet Again
07. Landslide
08. Orange Glow
09. Flushed
10. Skyline/Decay
11. Dead End Roads
12. Dark White
13. Love U

Weblinks The Foreign Resort:

Homepage: www.theforeignresort.com
Facebook: www.facebook.com/theforeignresort
Instagram: www.instagram.com/foreignresort

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