MAXIMO PARK / PEANESS – Köln, Stollwerck (06.09.2022)

Fotos: MAXIMO PARK
Maximo Park, © Angela Trabert
Geschätzte Lesezeit: 3 Minute(n)

Sie schrumpft sich von Tour zu Tour gesünder, die Fangemeinde von Maxïmo Park – zumindest in NRW, genauer gesagt in und um Köln herum. 2007 mit dem erfolgreichen Our Earthly Pleasures im rund 4500 Menschen fassenden Palladium, in der zweiten Hälfte der 10er-Jahre schon nur noch in der Live Music Hall oder in der Essigfabrik. In Zeiten von Corona-Unsicherheit, Inflation und damit einhergenden sinkenden Ticketverkäufen ging es nun in Köln ins Bürgerhaus Stollwerck. 600 Fans passen hier rein und die waren grob geschätzt auch da. Viel Platz zum Tanzen gab es somit nicht, die Stimmung unter dem zu 80 Prozent aus Mittdreißigern bestehenden Publikum war trotzdem phänomenal.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Aufgewärmt wurde dieses von einer dreiköpfigen Gruppe namens Peaness, die – man hätte es am Namen erahnen können – nur aus Frauen besteht. Carleia “Balla” Balbenta, Jess Branney und Rach Williams unterhielten mit leichtfüßigem Indie-Pop und soliden Hooks. Gute Laune im weiten Rund, das Trio freute sich über die (sexismusfreien) Zuneigungsbekundungen, machte aber auch klar, mit wie vielen Unsicherheiten ein Trip nach Kontinentaleuropa für eine junge britische Band in diesen Zeiten, insbesondere nach dem Brexit, verbunden ist. “Bitte, bitte kauft ein paar Platten …damit wir uns den Flug nach Hause leisten können“, winselte Sängerin Jess. Kurzum: Den Gefallen sollten ihr einige tun. Peaness, nach ihrer Show sofort Richtung Merchandise-Stand ziehend, wurden mehrere Einheiten ihres Debütalbums mit dem bezeichnenden Titel World Full Of Worry los. Verdient nach dem sympathischen Auftritt, der die Temperatur im Saal so hochschießen ließ, dass Balla und Jess von “Schweiß an Stellen, von denen wir nicht wussten, dass man dort schwitzen kann” sprachen.

Zehn vor Zehn ging das Licht zum zweiten Mal aus. Die prägnanteste Synthie-Melodie des siebten Maxïmo Park-Albums Nature Always Wins eröffnete den Abend – All Of Me setzte direkt einen wunderbaren Gute-Laune-Startschuss. Ein wenig schien das Ensemble aus Newcastle am Sound-Setup gedreht zu haben, die Klänge aus dem Instrument der neuen Keyboarderin Jemma Freese wirkten dominanter als bei früheren Touren. Zunächst aber staunten wohl nicht wenige über die überaus schicken mehrfarbigen Hemden, die, so erklärte Sänger Paul Smith, von einem Designer aus der nordenglischen Heimat entworfen und geschnitten wurden. Problem nur: Mittlerweile war es im Stollwerck so heiß, dass Smith, Drummer Tom English und Gitarrist Duncan Lloyd ihre Hemden bereits nach drei Songs auszogen.

Zwischen den Songs unterhielt Smith die Fans immer wieder mit Ausflügen in die deutsche Sprache, die er nach eigenen Angaben “ein bisschen vor 3000 Jahren gelernt” hat. “Es ist very heiß hier“, konstatierte auch der Frontmann. Und daran änderte auch der Fakt nichts, dass das hier keine Greatest-Hits-Show war und viele geliebte Songs aus den “goldenen Jahren” wie Going Missing oder Girls Who Play Guitars nicht gespielt wurden. Im Fokus stand klar Nature Always Wins mit insgesamt acht von 19 Liedern. Für einen davon hatte sich Smith etwas besonderes überlegt: Versions Of You deutschte der Frontmann mit Vorliebe für schwarze Hüte komplett ein – so gab es exklusiv für die Fans in der Bundesrepublik das naturgemäß manchmal etwas holprige, aber gerade deswegen so charmant klingende Versionen von dir.

Die endgültige Eruption sollte aber bis ganz zum Schluss auf sich warten lassen: Our Velocity und natürlich das ewige Apply Some Pressure sorgte gar für einen kleinen Pogopit im engen Zuschauerraum. “Bis bald und vielen Dank!” – mit einem letzten Dank auf deutsch entließ Paul Smith das Publikum nach circa 85 Minuten in die erstmals nach langer Dürre wieder verregnete Nacht. Wäre doch schön, wenn das mit Maxïmo Park bald auch mal wieder in etwas größeren Locations mit mehr Publikum funktionieren würde. Denn an Spielfreude, Leidenschaft und Publikumsnähe mangelt es dem Quintett auch nach nun 17 Jahren im Geschäft wahrlich nicht.

Setlist MAXIMO PARK – Köln, Stollwerck (06.09.2022)

01. All Of Me
02. The Coast Is Always Changing
03. Baby, Sleep
04. Meeting Up
05. The Hero
06. The National Health
07. Child Of The Flatlands
08. Questing Not Coasting
09. Placeholder
10. Great Art
11. Calm
12. Risk To Exist
13. Why Must A Building Burn?
14. Books From Books
15. Versionen von dir
16. By The Monument
17. Partly Of My Making (Z)
18. Our Velocity (Z)
19. Apply Some Pressure (Z)

Weblinks MAXIMO PARK

Homepage: www.maximopark.com
Facebook: www.facebook.com/maximopark
Instagram: www.instagram.com/maximoparkofficial

Weblinks PEANESS

Homepage: www.peanessband.com
Bandcamp: https://peanessband.bandcamp.com
Facebook: www.facebook.com/peanessband

More from Patrick Friedland

LAIBACH – Dortmund, Junkyard (07.03.2018)

In durchaus interessantem Ambiente spielten die Slowenen von Laibach eines ihrer zwei...
Read More