MONO INC./ STORM SEEKER @ Mönchengladbach, Sparkassenpark (15.08.2020)

Mono Inc. © Anja Lütz
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Ein weiterer schwarzer Abend der Strandkorb-Open-Air-Reihe, diesmal mit Mono Inc. und Storm Seeker. Ein weiteres Mal war das Gelände in Mönchengladbach, so es die aktuellen Regularien zulassen, bestens gefüllt. Was Sorgen machte, war zunächst das Wetter. Noch am späten Nachmittag schossen kräftige Regenschauer auf die Region herab. Doch rechtzeitig zum Einlass wurde es trocken – wie angenehm für das Publikum und beide Bands, die noch am Tag vorher in Halle an der Saale mit Wetterkapriolen zu kämpfen hatten.

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Den naheliegenden Gag ließ sich Timothy, Sänger von Storm Seeker, natürlich nicht nehmen: „Tja, wenn man eine Band einlädt, die Storm Seeker heißt …“ Naja, es ist ja an diesem Samstagabend nochmal gut gegangen. So konnten sich die knapp unter 1000 Menschen im Hockeystadion dann doch bei bestem Wetter die 40-Minuten-Show des Supports anschauen, der stilistisch nicht unbedingt zu Mono Inc. passt, das Publikum aber doch gut mitreißen konnte. Piraten-Folk-Metal spielt das Sextett aus dem nahegelegenen Neuss – und das abwechslungsreich, mit Humor und auf technisch ansprechendem Niveau. Die Songs des 2019 veröffentlichten Debütalbums Beneath In The Cold verleiteten einen erfreulich großen Teil der Anwesenden zum Tanzen, Klatschen und Fäuste-in-die-Luft-recken, am Ende gab es ordentlichen Applaus. Ein absolut runder Auftritt, garniert mit einigen charmant-witzigen Zwischenansagen – die neuen Labelkollegen von Mono Inc. dürften zukünftig noch ein paar Stufen auf der Karriereleiter nach oben kraxeln.

Setlist STORM SEEKER @ Mönchengladbach, Sparkassenpark (15.08.2020)

01. Jack
02. Destined Course
03. Pirate Squad
04. Shoot This Ship Down
05. The Longing
06. Row Row Row
07. Side By Side
08. Drag O Below
09. Rum

So ganz beendet war der Arbeitstag für Storm Seeker aber noch nicht. Denn Mono Inc., die ihre Tour zum aktuellen Album The Book Of Fire verschieben mussten (wie sollte es auch anders sein?), baten ihren Support für eine gemeinsame Performance von Right For The Devil auf die Bühne. Besser hätten es Tanzwut, mit denen das Stück im Original aufgenommen wurde, wohl auch nicht gemacht. Right For The Devil blieb dann auch eines von nur zwei Stücken, die von der aktuellen LP aufgeführt wurden. Mono Inc. entschieden sich, die für die Tour geplante Show noch nicht zu präsentieren und das Programm fast ausschließlich mit älteren Stücken zu bestreiten.

Zeit also für ein Set-Comeback von Songs wie Revenge oder After The War, die bei vergangenen Konzerten oftmals hinten runter fielen. So spielte die neuerdings wohl haarloseste Band des Planeten in fast schon monotoner Art (man verzeihe das Wortspiel) eine bekannte Single nach der anderen. Nach besagtem Revenge kam es dann zu einem deutlichen Stimmungsbruch. Sänger Martin Engler erzählte die Geschichte einer älteren Frau, die im Zuge der Corona-Schutzmaßnahmen im Altenheim verstarb. Nicht an oder mit Corona, sondern an Einsamkeit, wie er betonte. Ob man das als politisches Statement verstehen konnte? Oder sollte das einfach nur zum Nachdenken anregen? Wie dem auch sei: Es folgte eine Akustikversion von An klaren Tagen im Duett mit Schlagzeugerin Katha Mia, gefolgt von einer innigen Umarmung. Ein Segment, das für den einen emotional ergreifend, für andere vielleicht aber auch zu kitschig wirkte.

Im Anschluss wurde Klaus Doldingers legendäre Das Boot-Titelmelodie mit Katha Mias traditionellem Drum-Solo verbunden, der Auftakt zur zweiten Hälfte der Show, die natürlich mit einigen der größten Hits der Bandgeschichte gespickt war. Wie könnte man sich auch eine Mono Inc.-Show ohne Get Some Sleep, Kein Weg zu weit, Voices Of Doom oder das abschließende Childen Of The Dark vorstellen?

Nur irgendwie fehlte insbesondere seitens des Publikums die letzte Energie, die aus einem guten Konzertabend einen wirklich besonderen macht. Er habe immer davon geträumt, dass ein ganzes Stadion einen seiner Refrains singt, merkte Engler grinsend an. Jetzt war die Chance endlich da. Blöd nur, wenn der eigentlich nicht so komplizierte Refrain-Chor bei Voices Of Doom dann so gar nicht aus dem Quark kommt. Das merkte der Frontmann auch deutlich an. Wirklich laut wurde es erst ganz am Ende bei Children Of The Dark. Ein versöhnlicher Abschluss nach rund 100 Minuten. Aber, um mal einen Schwarze-Szene-internen Vergleich zu ziehen: Bei VNV Nation war eine Woche zuvor an gleicher Stelle doch mehr los.

Setlist Mono Inc. @ Mönchengladbach, Sparkassenpark (15.08.2020)

01. Welcome To Hell
02. Funeral Song
03. Symphony Of Pain
04. Gothic Queen
05. The Book Of Fire
06. Right For The Devil
07. Arabia
08. Boatman
09. The Banks Of Eden
10. Revenge
11. An klaren Tagen (Akustikversion)
12. Das Boot/Drumsolo
13. Get Some Sleep
14. After The War
15. Kein Weg zu weit (Z)
16. Voices Of Doom (Z)
17. Childen Of The Dark (Z)

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