TOTAL FRAKTAL – Was Corona mit uns macht und was nicht (Teil 4)

Geschätzte Lesezeit: 7 Minute(n)

Im letzten Teil unseres Redaktion-Specials geht es um den „Soundtrack zur Krise“. Dass da wieder jeder etwas anderes darunter versteht, ist klar. Und so listen sie lieben Kolleg:innen auf, was ihnen grad Mut macht, was die Stimmung hebt oder die an den UmstĂ€nden schĂ€rft. Manche graben nach alten SchĂ€tzchen und wieder Andere tauchen nach den Perlen, die noch gar nicht entdeckt wurden. So unterschiedlich wie die Leute in unserer Redaktion, ist die Musik, mit der wir uns beschĂ€ftigen. Corona hin oder her – durch die Krise gehen wir alle, aber selten ohne musikalische Inspiration. Hier ein paar Anregungen:

Welche drei Alben haben Dich bisher durch die Zeit der Pandemie gebracht?

Michael Gamon
Leider komme ich nicht so ausgiebig wie gewohnt dazu, Musik zu konsumieren. Falls aber doch, so hĂ€ngt die gewĂ€hlte Musik selbstverstĂ€ndlich von der eigenen Stimmung ab. FĂŒr die ruhigen Momente haben uns IAMX mit dem Akkustikalbum Echo Echo ein bestens geeignetes Werk an die Hand gegeben. Ebenfalls melancholisch, aber dĂŒsterer geht es bei Ghostlands Dances On Walls zu, einem wirklich schönen Wave-DebĂŒt. Und falls es mal etwas hĂ€rter zugehen darf, dann bietet sich das neue Five Finger Death Punch Album F8 an, das ĂŒber so manche Rockperle verfĂŒgt.

 

Claudia Helmert
The Angst And The Money von Ja, Panik, nicht nur, weil der Bandname hĂŒbsch auf die Empfindungen der Anfangscoronaphase passt, sondern weil die Band sich auch auf griffig-pathetische Texte versteht und mit den richtigen Melodien zu vereinen weiß. Geeignet fĂŒr einen einsamen Abend, der Austausch will, aber manchmal auch nur zuhören fordern darf. Dann wirkte alles, nach der Phase des Aufbrausens, des Umbruchs und der Unsicherheit, alles Still und trĂŒb. Kein Sonnenschein, Temperaturen, die nicht fĂŒr FrĂŒhling sprechen und der Wind weht in die Isolation, in der man mehr angekommen zu sein scheint, als man wollte und ich verliere mich in Die Heiterkeit. Pop + Tod I+II ist sowieso eines der schönsten Alben zum versinken. Der Gedankengang, anderen mit seinen Bedenken und seinem UnglĂŒck auf die Nerven zu gehen ist völlig unangebracht. DarĂŒber hinaus habe ich durch eine bezaubernde Streamingsession das Schaffen von Amanda Palmer erneut fĂŒr mich entdeckt, dieses mal die EP mit Jhere Bischoff zusammen: Strung Out In Heaven: A Bowie String Quartet Tribute. Mit u.a. Anna Calvi und Neil Gaimen entfĂŒhrt das klangvolle Werk in neue musikalische Facette von Bowies grĂ¶ĂŸten Liedern, das trĂŒbsinnige Blackstar, die GĂ€nsehaut der Space Oddity und die heitere Helden-Version erscheinen unvergesslich.

Marius Meyer
Sich auf drei Alben zu beschrÀnken, ist schwierig bis eigentlich unmöglich, aber ich versuche es mal. So spontan kommen mir gerade mal diese drei in den Kopf:

folkshilfe – Sing: Eine Band, die ich wĂ€hrend des Urlaubs in Österreich fĂŒr mich entdeckte. Und zwar wenige Tage, bevor die Corona-Maßnahmen in etwa allen europĂ€ischen LĂ€ndern stark anzogen. Die Band ist fĂŒr mich also stark mit der Corona-Krise verknĂŒpft.

Sorry – 925: Eine Entdeckung inmitten der Corona-Phase. Immer mal wieder schwirrte der Name umher, als ich mir dann seit Ewigkeiten auch mal wieder die Visions gekauft hab, war ebenfalls ein Feature drin. Und ja: Die Band sprach mich direkt an. Ansprechende Indie-KlĂ€nge mit angenehmer Verschwurbeltheit. Sprach mich direkt an.

James Blunt – Once Upon A Mind: Dass das Album jetzt hier auftaucht, ist gewissermaßen der Krise “geschuldet”. Ich bekam mit, dass das Konzert verschoben wird – zuvor wusste ich von dem Konzert gar nichts. In Erinnerungen an eine schöne Show vor inzwischen ganz schön vielen Jahren kaufte ich mir ein Ticket und dachte, ich könne ja auch mal ins aktuelle Album reinhören. Was vor Begeisterung nun auch hier landet.

Steffen Seth Prohn
Sehr schwer zu sagen, ich höre im Moment so viel und aus so vielen verschiedenen Bereichen. Ich habe alte Alben wieder gefunden, neue Alben aufgeholt, und komplett neue Sounds fĂŒr mich entdeckt. Ich könnte bestimmt 30 wichtigste aktuelle Alben nennen.
Also Fragen wir doch mal wie Spotify diese Frage fĂŒr mich beantworten wĂŒrde
 
 Ah, also scheinbar habe ich am meisten aus diesen drei Alben gehört:
Death From Above – You’re A Woman, I’m A Machine
Autolux – Pussy’s Dead
Trail of Dead – Tao Of The Dead

Frank Stienen
Das ist eine gute Frage. Ich denke, die Alben, mit denen ich mich durch die Rezensionen beschĂ€ftigt habe. Das wĂ€re z.B. Zoodrake – Purified (ein wirklich empfehlenswertes Synthpop Album) und (wenn ich ehrlich bin) die zwei Alben, an denen ich selber arbeite. 🙂

 

Patrick Friedland
Die meist unterschĂ€tzte Band dieses Planeten, Enter Shikari, hat mit der neuen Platte Nothing Is True & Everything Is Possible einmal mehr vollends ĂŒberzeugt. Ebenso toll: Das ĂŒberfĂ€llige Comeback-Album der britischen Progrocker Pure Reason Revolution namens Eupnea. Und dann wĂ€re da noch die neue In-Extremo-Platte Kompass zur Sonne, die ich schon vorzeitig zu hören bekam, da ich SĂ€nger und Gitarristen fĂŒr meinen Hauptarbeitgeber interviewen durfte. Fans werden auch mit diesem Output der Mittelalter-Rock zufrieden sein können. Es gilt jedoch auch bei diesen drei Platten: Das Hören lĂ€sst die Sehnsucht nach Konzerten steigen. Ich hoffe, im Oktober und Dezember klappt es mit allen drei Bands, die dann jeweils in Köln auftreten sollen 


Katja Spanier
Dool – Summerland
Man muss nur einmal Sulphur & Starlight hören und sofort wieder gute Laune.

Perturbator – Dangerous Days
Ist zwar schon was Ă€lter, aber das spielt keine Rolle, wenn man sich mal so richtig endzeitlich und trotzdem cheesy cool fĂŒhlen will. Was der Mann anfasst, wird besser, in einer schmutzig neon-farbenen Art und Weise. So auch Sapphire vom letzten Alcest Album Spiritual Instinct: Die Perturbator-Version setzt dem Song noch eins drauf.

Near Earth Orbit – M.A.S.S. Extinction
Das wichtigste Album fĂŒr 2020 und ein wahnsinnig gutes noch dazu. Ich hoffe, dass das in meinen Augen bisher innovativste Projekt von Artaud Seth auch noch die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient.

Cynthia Theisinger
Schwierige Frage – Ich nenne einfach mal die, die ganz aktuell hier neben altbekanntem rauf und runter laufen:

Frozen Plasma – Gezeiten
Durfte ich ganz exklusiv vorweg hören. Und ich liebe die Platte.

Zoodrake – Purified
Wundervoll positives Album – die Ohren sind beschĂ€ftigt, weil es so vielseitig ist. Kann man sehr gut einfach mal allem entfliehen.

In Extremo – Kompass Zur Sonne
Augen zu und man ist nicht mehr zuhause sondern auf einer Reise. Mal wieder ein In Ex-Album, was mir wirklich sehr gut gefÀllt, auch wenn ich die Band in letzter Zeit nicht mehr so verfolgt hatte.

Britta Flachmeier
Ich breche die Frage mal runter auf drei Songs. Rauf und runter laufen aktuell:

Muse – Showbiz
The Red Paintings – They Don’t Care About Us
Arcade Fire – Black Wave / Bad Vibrations

Dazu meine Spotify Top Tracks aus den Jahren 2019, 2018 und 2017 – alles in allem eher weniger aktuellen Kram.

Jan Rombout
Die drei Alben gibt es nicht. Ich erstelle mir – nur fĂŒr mich selbst – eine Monatsliste der fĂŒr mich relevanten CDs. Das können gerne mal 50 – 100 StĂŒck werden. Und diese werden angehört, probegehört, wie auch immer. Aber das mache ich schon mehrere Jahre und werde ich hoffentlich mehrere Jahre noch machen.

Dennis Kresse
Neben den tÀglichen Rezensionen, höre ich meine Spotify-Liste und da die mit jeweils 10.000 Songs aus allen unterschiedlichsten musikalischen Bereichen zusammengestellt ist, hab ich es hier mehr mir einer Jukebox als mit einem durchgehenden Album zu tun.

 

Christian Daumann
So etwas wie „Pandemie-Alben“ gibt es bei mir nicht, da ich stĂ€ndig Musik höre. Gerade etwa:

City Of Souls – SYNÆSTHESIA
Nach diversen Singles und einer gefĂŒhlten Ewigkeit haben die neuseelĂ€ndischen Alternative/Progressive Rocker endlich ihr Debutalbum rausgehauen. GefĂŒhlvolle Melodien, wohlige HĂ€rte, sphĂ€rischer Gesang.

Masked – Showdown
Der argentinische Synthmeister Masked ist der französischen GenregrĂ¶ĂŸe Carpenter Brut dicht auf den Fersen.

Little Big – Skibide (Romantic Version)
NatĂŒrlich kein Album und zugegeben vor allem wegen dem Video, denn Lachen ist noch immer die beste Medizin. Trashiger Elektropop aus Russland, klingt wie eine Mischung aus Aqua und Natalie Portman’s Shaved Head/Brite Futures (RIP).

Holger BĂŒcker
Bei mir sind es vor allem zwei Bands, die ich derzeit viel höre, bzw. anschauen, da ich tatsÀchlich viel auf YouToube höre/sehe:

Nightwish – Neben den genialen Konzertmitschnitten aus Wacken, Wembley, Tampere und Buenos Aires natĂŒrlich auch das aktuelle Album Human.:II:Nature mit den ganzen Lyric-Videos und natĂŒrlich Noise. Gerade das Epische an Nightwish spricht mich derzeit besonders an.

Daneben steht Rammstein hoch im Kurs. Dort auch gerne die Live-Performances. Rammstein Paris ist auch bereits ein paarmal durchgelaufen.

Last but not least lasse ich gerne meine Spotify-Liste mit einem wilden Mix aus Gothic, Metal, 80s, 
 durchlaufen.

Angela Trabert
Derzeit gibt es keine drei Alben, die mich besonders durch diese Zeit bringen wĂŒrden. Es ist einfach die Möglichkeit, durch das Homeoffice viel mehr Musik zu hören, die ich sonst nie hören wĂŒrde. Und, wenn es mir mal so ein wenig daneben geht, gehen meine Editors irgendwie immer, gerne auch mit einem der vielen wunderbaren Livekonzerte, die es auf YouTube gibt. Allerdings darf ich dann meine Tempos nicht so weit weg legen..

Anja LĂŒtz
Puh.. Alben sind allgemein schwer fĂŒr mich zu benennen, bei mir sind es eigentlich eher Musiker/Bands insgesamt. Wenn ich mich festlegen soll, sind es vermutlich die folgenden vier:

MajorVoice – This Lonely Arch
Erdling – Yggdrasil
Heldmaschine – Im Fadenkreuz
Hemesath – FĂŒr Euch

Wobei da Soulbound, Rammstein und Sagax Furor zum Beispiel noch fehlen. Ihr merkt, es fÀllt mir schwer, mich hier wirklich festzulegen. *lach*

Purified

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