DIE STERNE – Leipzig, Conne Island (12.03.2020)

Die Sterne, © Claudia Helmert
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Leben (immernoch) auf eigene Gefahr

Der Singende (anmoderierend): „Na wie gehts Euch?“
In Gedanken √ľber dem Gemurmel: „Gut, gut – wie am Eingang mit Unterschrift best√§tigt.“

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Nicht noch eine musikalische Empfehlung aus √Ėsterreich:¬†Pauls Jets sind von der ersten Minute an, mit welcher der Singende in seinem charmanten Dialekt etwas ins Mikrophon s√§uselt, das in viel zu geringer Lautst√§rke nur m√§√üig ankommt, bezaubernd. Jung und sch√∂n sind sie getrieben von allem, was sie umgibt – den Zeitgeist, das Feiern, das Zwischenmenschliche – alles greifbar, weil authentisch. Tr√§umend wippt die dichtstehende Zuschauerschar im Takt von¬†Blizzard, welche das bald erscheinende Album¬†Highlights zum Einschlafen ank√ľndigen soll. (Gespannt wartete ich l√§ngst auf den Albumtitel, nach dem ersten Werk¬†Alle Songs bisher, musste ja etwas Gro√ües her.) Die Klangbetten schaffen es durch den aufkommenden Nebel, der das Gegenlicht h√ľbsch bunt erscheinen l√§sst. Dazu performt der Singende improvisierend: „Komm mit mir in die Ausgangssperre, wir streamen Deine Playlist“. G√§nsehaut zum Donnerstagabend und ein Gef√ľhl pr√§apokalyptischer Unsicherheit in Zeiten gesundheitlicher Risiken – aber mit wundervollen Musiken.

Der gescheiterte Versuch finanzielle Verluste in Applausfrequenz zu kompensieren zur sternenklare Nacht

Eine kurze Umbaupause und schon formieren sich¬†Die Sterne, ja DIE Indie-Band,¬†auf der strahlenden B√ľhnenkulisse des Leipziger Conne Island. Um die b√ľrokratischen Auflagen zu erf√ľllen, die das Konzert erst erm√∂glichen, m√ľssen alle Teilnehmenden im vorhinein ihren Gesundheitszustand unterschreiben, Adresse hinterlassen und best√§tigen, mit keiner Person aus dem Risikogebiet f√ľr den regierenden Sonnenvirus in Kontakt gewesen zu sein. Gro√üe Bierb√§nke und viele Kugelschreiber erwarten am Eingang die Besucher*innen – aber die Einlassverz√∂gerung lohnt sich f√ľr die sch√∂ne Band mit der warmen Stimme und den cleveren Texten: Viele neue Songs der j√ľngst erschienen Platte mit dem Bandnamen unterhielten das Publikum, welches viel euphorischer bei den Klassikern mitwippte. Besonders¬†Depressionen aus der H√∂lle ist in seinen zwirbelnden Diskolichtern, die den Raum komplett ausleuchten, in Erinnerung geblieben – dazu die oxymorone Euphorie und Tanzbarkeit! Ungewollt berichtet Frank Spilker im Laufe des Abends, es sei der ungewollte Tourabschluss – die folgenden und ausverkauften Konzerte in Berlin und Hamburg m√ľssen leider vorerst abgesagt werden. Das¬†letzte Livekonzert f√ľr eine l√§ngere Zeit – das zaubert einen wohligen Pathos zwischen die warmen Lichter (der rhythmisch wackelnden Herzen).

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Fotos: GEWALT

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