RROYCE im Interview

RROYCE im Interview
Rroyce, © Dietmar Grabs
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Am 27.09.2019 erschien mit Patience das dritte Album der Band. Auf ihrer gemeinsamen Tour zusammen mit Welle: Erdball hatte ich am 8.11.2019 das Vergnügen, die drei in der Turbinenhalle in Oberhausen zu einem kurzen Gespräch in entspannter Atmosphäre treffen zu dürfen.

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Danke, dass ihr euch so kurz vor Eurem Konzert Zeit für ein Interview nehmt. Ihr seid zur Zeit als Very Special Guest auf Tour mit Welle: Erdball. Die Halle ist bereits voll. Wie fühlt ihr euch?
­­­– Casi: Fickerig. Das sagt man so im Pott und heißt übersetzt: nervös.
­­­– Kay: Soweit ganz gut.

RROYCE im Interview
Rroyce, © Dietmar Grabs

Bei unserem damaligen Interview auf dem WGT in der Moritzbastei saht ihr eine Headliner-Tour noch in weiter Ferne. Wie seht ihr das jetzt?
– Al: Nicht mehr in ganz so weiter Ferne mehr, aber noch in Ferne.
– Casi: Ja, in der Tat.

Herzlichen Glückwunsch zu eurem neuen Baby Patience. Ihr habt ja bereits durchblicken lassen, dass es nach Parallel Worlds eine weitere Singleauskopplung geben wird. Außerdem habt ihr in den sozialen Medien schon angedeutet, dass ihr bereits an neuem Material arbeitet. Wird es davon etwas auf der neuen Single zu hören geben?
– Casi: Wir hauen jetzt noch zeitnah auf jeden Fall eine neue Single raus.
– Al: Genau, mit Video und weiteren Remixen.
– Casi: Ja, das Video ist abgedreht und Remixe sind auch in Auftrag gegeben. Da warten wir noch auf einen. Von wem und wie der Song heißt, das verraten wir natürlich noch nicht, aber es ist natürlich ein Song, der auch auf dem Album mit drauf ist. Wir haben es uns da ein wenig schwer gemacht, denn wir wollten auf das Feedback der Leute warten und sehen, welcher Song sich so herauskristallisiert. Aber wir sind irgendwie nicht schlauer geworden, weil die Rückmeldungen so neutral oder alle Songs so cool waren.
– Al: Es gab quasi keine Wertung der Songs. Es waren alle gleich.
– Casi: Wenn wir einen Song raushauen, wird’s heißen: „Warum denn nicht den?“ – und wenn wir einen anderen Song raushauen, wird’s heißen: „Ach, warum denn nicht den?“. Insofern: Wir haben da Bock drauf. Wir machen das. Fertig. Und die neuen Songs, die wir machen, die machen wir natürlich in Anbetracht der Tatsache, dass wir an einem vierten Album arbeiten.

RROYCE im Interview
Rroyce, © Dietmar Grabs

Die letzten Alben lagen etwa zwei bis zweieinhalb Jahre auseinander. Wird das vierte Album ebenfalls so lang auf sich warten lassen?
– 
Casi: Das wissen nur die Götter, aber wir streben es erst einmal nicht an. Manche Sachen liegen auch nicht in unserer Hand. Wenn es nach uns gegangen wäre, hätten wir Patience auch schon eher herausgekloppt. Aber die Umstände haben es nicht zugelassen.

Es ist üblich, eine Single, quasi als Teaser, vor dem Releasedatum des Longplayers herauszubringen. Eine Single im Nachhinein herauszubringen ist da schon recht ungewöhnlich. Was hatte euch dazu bewegt, genau dies zu tun?
– Casi: Das ist jetzt nur noch eine Marketinggeschichte. Herausgebrachte Alben verpuffen immer relativ schnell – und so haben wir nochmals die Möglichkeit, darauf aufmerksam zu machen.
– Al: …und auch ein paar Remixe von diversen Anfragen unterzubringen.

RROYCE im Interview
Rroyce, © Dietmar Grabs

Im Booklet eures aktuellen Albums ist neben Dirk Riegner noch Krischan Wesenberg aufgeführt. Inwiefern war er an eurem Album beteiligt?
– 
Kay: Er hat die Songs gemastert.

Mastering ist ja, ganz einfach und etwas ketzerisch gesagt: etwas am Equalizer herumdrehen, einen Kompressor dazuschalten…
– Kay: Genau. Er macht beim Weihnachtsbaum die Tannenbaumspitze obendrauf. Mastering ist nicht unwichtig. Die Lautheit der Songs muss durchgehend gleich sein, so dass zum Beispiel die Hörlautstärke zwischendurch nicht absackt und dass alles in einem Guss ist. Da muss dann nochmal ein Profi ran, und der Krischan hats drauf.
– Casi: Wenn einer unserer Songs mal in einem Club gespielt werden sollte, soll dieser im Vergleich zu den anderen Produktionen nicht absacken.

Wir ihr gerade schon sagtet, kristallisierten sich beim Publikum keine Songs speziell heraus. Welcher Song aus Patience ist denn euer persönlicher Favorit?
– 
Casi: Ich habe ganz eindeutig einen. Das ist Learn To Hate Me. In diesem Lied lasse ich so dermaßen die Hosen runter – rein textlich, rein inhaltlich. Das ist ein Song, wo ich mich auf der Bühne zusammenreißen muss, dass ich nicht anfange zu heulen. Das geht so tief rein und ist für mich einer der wichtigsten Songs, die wir mit Rroyce je geschrieben haben. So weit lehne ich mich aus dem Fenster.
– Kay: Ich finde die alle gut, aber Full Speed Half Sight finde ich ganz großartig. Da gab es letztes Jahr zu Weihnachten ein Überraschungsvideo für uns…

Wir nennen hier mal die „Tiefgang Produktion“…
– 
Casi: Ja genau. Schöne Grüße!
– Kay: Und das Video fand ich so klasse im Verbindung mit dem Song, dass der Song irgendwie immer die Vergangenheitsbilder, die in dem Video immer wieder zu sehen sind, in mir hervorruft. So freue ich mich immer über den Song.
– Al: Ich habe keinen eindeutigen Hit auf der neuen Platte, aber rein musikalisch finde ich Walking On Water und I Felt Alive vom Gefühl her musikalisch etwas weitergehend. Das ist jetzt nicht mehr schwarze Szene-mäßig oder so. Es ist mehr wavig – eher ein bisschen dark-wavig. Vom Gefühl her finde ich sie mit am schönsten, weil sie die Bandbreite ein wenig aufbrechen. Prinzipiell finde ich aber alle Song geil. Auch Cry finde ich mega. Wie gesagt, ich habe da kein absolutes Highlight. Learn To Hate Me hat einen geilen Gitarreneinsatz. Da freue ich mich jedes Mal drauf, den zu spielen, weil es auch recht brachial und düster rüberkommt. In Walking On Water und I Felt Alive sind auch schöne Gitarrenriffs drin, die aus dem Typischen, was wir sonst so spielen, etwas herausbrechen.

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Rroyce, © Dietmar Grabs

Wird es in Zukunft mehr von dieser Art Songs geben?
– 
Al: Ich glaube, es war nicht bewusst gewesen, diese Richtung einzuschlagen. Es hat sich einfach aus dem vorhandenen Gerüst und aus den Demos heraus so ergeben. Es hat sich vom Gefühl her einfach in diese Richtung entwickelt. Da gab es keinen Plan, einen Song in diese oder jene Richtung zu drücken.
– Casi: Ich finde es schwierig, uns selber eine Vorgabe zu machen – zu sagen: „Und jetzt bitte mal ein Song, der in die und die Richtung geht“. Das engt ja ein und beschränkt Dich in Deiner Kreativität und deswegen wird es so etwas bei uns nicht geben.
– Al: Wir sagen uns nicht: Wir machen mal was wie Unheilig, mal was wie Metallica oder mal was wie Blümchen. Sondern Musik entsteht – und das, was entsteht, entwickelt sich.
– Kay: Musik entsteht ja auch, ich sag mal, in Zuständen – wie man grad so drauf ist, was man grad für’n Feeling hat. Und daraus kommen dann letztendlich die Ideen.
– Casi: Also es wird kein Schlager
– Kay: Mach mal was wie Blümchen!
– Casi: Auch wenn manche was anderes behaupten…

Mal ein bisschen Schwiegermütter-Rock…
(allgemeines Lachen)
– Al: Oh mann ey…..
– Kay: hört Hört! DU warst das!

Es gibt Künstler, die signieren Alben oder Bücher, an denen sie nicht beteiligt waren. Morrissey tat dies zum Beispiel letztens zum Beispiel mit einer David Bowie-, aber auch anderen Platten. Würdet Ihr das ebenfalls machen?
– 
Casi: …und die dann auch noch am Merch-Stand verkaufen. Ich hörte davon, und damit komme ich auch nicht mehr klar.
– Al: (mit ironischen Unterton) Abgefahrn. Coole Geschäftsidee.
– Casi: Es bedarf schon einer gewissen Selbsteinschätzung, so etwas zu tun, und ich gehe mal davon aus, dass wir nicht in einer Position sind, eine solche Aktion zu starten. Es würde uns, glaub ich, auch nicht gut zu Gesicht stehen.
– Kay: Im Übrigen würde ich so etwas auch gar nicht machen. Warum sollte ich den Otto-Katalog unterschreiben?

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Rroyce, © Dietmar Grabs

Passend zur vorangegangenen Frage: Was ist das Verrückteste was Ihr bisher signiert habt?
– 
Al: Das verrückteste? Blanke Brüste.
– Casi: Ja schade. Wollt ich auch grad sagen.
– Kay: Wenn ihr so vorlegt: Ich finde Brüste jetzt nicht verrückt…
– Al: Also Hintern hatten wir auch schon….
– Kay: Das ist vielleicht das, was euch zuerst einfällt. Aber letzte Woche habe ich Schuhe signiert.
– Casi: Wo wir grad beim Thema sind: Tourplakate von anderen Bands.
– Kay: Das war auch verrückt. Stimmt. Ja.
– Casi: Wir wurden quasi genötigt, das zu tun.
– Kay: Da haben wir uns jetzt aber widersprochen. Wir haben etwas signiert was nicht uns gehört.
– Casi: Ja, nun sind wir nicht mehr glaubhaft. Verdammt. Ich überleg grad was so das Verrückteste war. Aber ehrlich gesagt: Weiß ich gar nicht.
– Al: Brüste und Pobacken fand ich jetzt schon…
– Kay: Was ich auch schon mal hatte, war ein Reifen von einem Rollstuhl, oder eine Gehhilfe, die immer jemand braucht. Was ich nicht machen würde, wäre hinten aufs Handy aufs Glas zu unterschreiben.
– Casi: Aber das haben wir in der Tat schon mal gemacht: Niegelnagelneue Handyrückseiten haben wir schon beschrieben, wo ich fragte: „Bist Du Dir sicher?“

Dann habt besten Dank für das Interview und habt gleich eine gute Show!
Kay: Danke Dir. Schön, dass wir uns getroffen haben.

RROYCE - Parallel Worlds (official Video)

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RROYCE live:

20.06.2020 Zürich, Werk21
18.07.2020 Niederburg Kranichfeld, Black Lower Castle Festival
26.07.2020 Köln, Tanzbrunnen

Weblinks RROYCE:

Homepage: www.rroyce.de
Facebook: www.facebook.com/RROYCE.official
YouTube: www.youtube.com/channel/UCqy1C09_4yAKVJJ0nuROT1Q
Bandcamp: infactedrecordings.bandcamp.com
Tickets: www.eislandshop.de/de/search/rroyce

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