HEILUNG – Futha

Geschätzte Lesezeit: 3 Minute(n)

Unsere Bewertung:


6

Gesamtnote

6

Amplified History oder schamanistische Wunschvorstellungen

Das deutsch-dĂ€nische Pagan-Folk Projekt Heilung hat es in seinem doch noch recht jungem Bestehen, die Band wurde 2014 gegrĂŒndet, zu einiger BerĂŒhmtheit gebracht. Ihr erstes Studioalbum Ofnir, das Heilung 2015 vorerst in Eigenregie veröffentlichte und das 2018 noch einmal via Season Of Mist erschien, interpretierte die Band als maskulines Album. Und so war es laut den KĂŒnstlern folgerichtig nun ein weiteres, weibliches Album zu veröffentlichen. Dies trĂ€gt den Namen Futha, orientiert sich zum einen an den ersten drei Buchstaben des Futharks und zum anderen an genau dem, wonach es klingt. Und so lautet der Albumtitel wie die Bezeichnung eines primĂ€ren weiblichen Geschlechtsorgans. Passend dazu wurden archaische Darstellungen in die vier Ecken des Covers platziert, auf denen ebenfalls deutlich zu erkennen ist, worum es sich dreht.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Heilung verdanken ihren schnellen und steilen Aufstieg zum grĂ¶ĂŸten Teil ihren Aufsehen erregenden Live-Auftritten, die eher paganen Spektakeln Ă€hneln. Das brachte die Band immerhin schon nach Roadburn und Wacken. DarĂŒber hinaus umgibt Heilung ein gewisser Hauch von schamanistischer Bronzezeit, oder eben dem, was sich der romantische Freund der Generation Vikings von allem was neo-pagan ist und dem Faun zu kommerziell und Forndom zu langweilig sind von jener lĂ€ngst vergangenen Zeit ertrĂ€umt. Heilung tragen die Geweihe des Gehörnten und die charakteristischen Mini-Röcke germanischer MĂ€dchen, die im Völkerkundemuseum ausgestellt werden, sie beherrschen die einschlĂ€gigen Gesangstechniken und benutzen selbstgebaute Instrumente aus Knochen (Als ob man die irgendwo kaufen könnte.). Gegen VorwĂŒrfe etwaiger UnauthentizitĂ€t sichern sie sich ab, in dem sie das Ganze Amplified History nennen, scheuen sich aber trotzdem nicht, wie jetzt auf Futha, detaillierte ErlĂ€uterungen zu jedem Song zu geben, inklusive wackeliger historischer Einordnung. Eine weitere WidersprĂŒchlichkeit schien mir die Betonung politischer Distanzierung unter Verwendung des politisch aufgeladenen Begriffs des Gender Mainstreamings. Warum setzt man einen solchen Fokus, wenn man diesen eigentlich vermeiden möchte? Es hat doch durchaus seine Berechtigung das Weibliche in der Retrospektive mystisch und mythologisch mehr aufzuladen, als es historisch tatsĂ€chlich nachweisbar ist oder durch Diskurse und Wissenschaft getragen wird. Also lasst die wilden Weiber doch nackig verzaubern. KĂŒnstlerische Freiheit ist doch kĂŒnstlerische Freiheit, oder?

Aber möglicherweise bin ich auch wieder zu kritisch, immerhin wurde selbst vom Deutschlandfunk den KlĂ€ngen von Heilung, ja nun eben HeilkrĂ€fte zugesprochen. Das gibt Hoffnung in Zeiten, in denen jeder von seiner inneren Urkraft entkoppelt zu sein scheint. Und das haben selbst Bands wie Forndom und Wardruna, mit denen Kai Uwe Faust und Kollegen oft verglichen werden, noch nicht geschafft. In Hinblick auf historische AuthentizitĂ€t mĂŒssen Heilung da wie oben erwĂ€hnt zurĂŒckstecken. In puncto Musik, kommen wir mal auf das Wesentliche, aber leider auch. Wie auch schon auf Ofnir gibt es bei Futha wenige Songstrukturen. Die StĂŒcke mĂ€andern ziellos irgendwo in die schwĂŒle Trance einer SchwitzhĂŒtte, bleiben letztendlich redundant, bauen selten einen Spannungsbogen und hinterlassen Benommenheit. Herausragende Momente, wie das wundervolle perlende Traust, das klassische Othan oder das stimmungsvolle Norupo bleiben die Ausnahme. Besonders hervorzuheben ist die krĂ€ftige, klare und gleichzeitig warme Stimme von SĂ€ngerin Maria Franz, die auf dem weiblichen Album nun deutlich hĂ€ufiger zu hören ist und zum Dreh- und Angelpunkt wird. Man verlĂ€sst sich auf Rituelles, Pulsierendes, Meditatives und Repetitives, reduziert auf den Selbstzweck. Es wird getrommelt, einsam geflötet und mit jenen atmosphĂ€rischen GerĂ€uschen unterlegt, die Stimmung erzeugen sollen, aber im heimischen Wohnzimmer nicht so recht zĂŒnden. Das mag insgesamt auf der BĂŒhne wieder alles ganz anders wirken. Dort hat die Band unbestreitbar ihre StĂ€rke. Dort entfaltet sie einen mesmerisierenden Sog. Und der Erfolg scheint ihr ja recht zu geben.

Futha ist am 28. Juni in verschiedenen Formaten bei Season Of Mist erschienen.

Futha (Ltd.Digipak)

Preis: EUR 15,99

(0 Kundenbewertungen)

24 neu & gebraucht ab EUR 10,66

Tracklist HEILUNG – Futha:

1. Galgaldr
2. Norupo
3. Othan
4. Traust
5. Vapnatak
6. Svanrand
7. Elivagar
8. Elddansurin
9. Hamrer Hippyer

Heilung – Futha (full album) 2019

Erst mit einem Klick auf das Vorschaubild wird das Video von YouTube eingebunden. Klicke nur, wenn du der DatenschutzerklÀrung zustimmst.
Weblinks HEILUNG:

Official/Facebook: https://www.facebook.com/amplifiedhistory/
Label: http://www.season-of-mist.com/bands/heilung
Bandcamp: https://heilung.bandcamp.com/

Geschrieben von
Mehr von Katja Spanier

ROME verlassen eingetretene Pfade und kĂŒndigen neues Album an

„Mit seiner neuen Veröffentlichung stellt sich der KĂŒnstler seinen inneren DĂ€monen …“...
Weiterlesen