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THE MYSTERY OF THE BULGARIAN VOICES feat. LISA GERRARD – Hamburg, Laeiszhalle (15.10.2018)

Fotos: THE MYSTERY OF THE BULGARIAN VOICES

the mystery of the bulgarian voices © Thomas Papenbreer

Die Laeiszhalle in Hamburg steht nicht unbedingt ganz oben auf der Liste von Veranstaltungsstätten, die am häufigsten von uns frequentiert werden. Ein kurzer Blick in mein Artikelarchiv lässt auch vermuten, woran das liegen könnte. Die dort besprochenen Damen und Herren dürfte man in einem solchen hohen Hause als auftretende Künstler eher seltener antreffen. Da mein persönliches musikalisches und kulturelles Interesse abseits meiner Tätigkeit für dieses geneigte Magazin durchaus breit ist, erspare ich dem Leser an dieser Stelle blumige Schilderungen eines Kulturschocks. Der hat sich nicht eingestellt. Ey, auch wir wissen, wie man sich zwischen Perlenketten und verschnupfter Distinguiertheit benimmt. Selbst wenn wir uns zwischen Bierflaschen und Kutten dann doch wohler fühlen.

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Und so reduziert sich an diesem Abend das leichte Irritiert-Sein bezüglich des Ambientes meinerseits auf die Tatsache, dass es auch Peter Heppner enthielt, der sich zwei Reihen vor mir ins Parkett schiebt. Abgesehen davon ist im Publikum wirklich alles anzutreffen: von der Abendrobe bis zum Prophecy-Shirt, von der Studentin im Boho-Kleidchen bis Vorstandsvorsitzenden. Somit sind die Zuschauer ganz ähnlich beschaffen wie die Preissegmente der Eintrittskarten. Um den auftretenden Damen aber den Eindruck eines vollen Hauses zu vermitteln, werden dann doch alle in solidarisch-gemeinschaftlicher Geschwisterlichkeit auf dem teuren Parkett wiedervereint. In unserem erlesenen und exklusiven (Underground-) Geschmack sind wir eben doch alle gleich. Wie schön …

Der Klang von The Mystery Of The Bulgarian Voices scheint nicht von dieser Welt zu sein. Und damit meine ich nicht, dass ein Tonträger mit den Stimmen der 25 Damen als kulturelle Menschheitsbotschaft vor gar nicht allzu langer Zeit die Grenzen unseres Sonnensystems passiert hat. Obwohl das wirklich wahr ist. Der traditionelle Chor erschafft mit seinem vielstimmigen Frauenensemble Klangfarben, die nicht nur vertraut, warm, spirituell, exotisch, mysteriös und fremd zugleich erscheinen, sondern im Grunde auch jegliche Instrumentierung überflüssig machen. Denn, wie steht es schon im Vorsatzblatt des gerade im Mai erschienen Albums BooCheeMish: „The human voice is the most perfect instrument of all“.

In ihrer Zusammensetzung und musikalischen Ausgestaltung suchen The Mystery Of The Bulgarain Voices weltweit ihresgleichen. Aktuell reist man mit Lisa Gerrard. Die Dead Can Dance Mitbegründerin hatte bereits auf BooCheeMish mitgewirkt, war laut eigenen Aussagen Zeit Lebens gesanglich von den Stimmen der bulgarischen Damen beeinflusst und versucht ihnen nicht zu viel der Show zu stehlen. Sie wird sich erst im letzten Viertel die Ehre geben.

Flankiert wird das Ganze durch ein kleines Ensemble von äußert versierten Instrumentalisten plus Beatboxer mit teilweise traditioneller Ausstattung (Gadulka, Flöte, allerlei Percussion, Gitarre, Kontrabass). Diese sorgen mit sehr einfallsreichen und phantasievollen Ein- und Überleitungen für‘s passende Einfühlen in eine Welt, in der sich Okzident und Orient sowie Tradition und Postmoderne umarmen.

Die 25 Chormitglieder, von denen einige wirklich frappierend wie ein paar meiner ungarischen Tantchen aussehen, versammeln sich in aufwendigen bunten Trachten, sortiert nach Stimmfarbe im Halbkreis auf der Bühne. Präsentiert werden vor allem Stücke aus BooCheeMish in verschiedenen Variationen, die abwechselnd vom Chor insgesamt und/oder einiger ihrer Solistinnen vorgetragen werden. Gesprochen wird nicht. Künstlerinnen und Publikum sind – abgesehen vom tosenden Applaus, den erstere von zweiterem einfahren – äußerst diszipliniert und zurückhaltend. Was soll man sagen, es ist einfach wunderbar

Am Höhepunkt sind wir, als Lisa Gerrard schließlich, geputzt wie ein grüner Bling-Bling Rausche-Engel hereinschwebt und dem Ganzen die Krone aufsetzt – charismatisch, wie stimmlich – ohne den Chor-Damen eine Sekunde die Show zu stehlen. Wundervoll ist dabei zu sehen, wie hier zwei Künstlerkulturen, die scheinbar aus völlig verschiedenen Welten kommen, musikalisch auf einem Nenner verschmelzen, einander Raum geben und sich gegenseitig Respekt und Zuneigung entgegenbringen.

Am Ende hält es dann Niemanden mehr auf seinem Platz. Es gibt Standing Ovations für The Mystery Of The Bulgarian Voices, zwei Zugaben fürs Publikum und für uns die Erinnerung an einen unvergesslichen Abend.

Fotos: THE MYSTERY OF THE BULGARIAN VOICES
Weblinks THE MYSTERY OF THE BULGARIAN VOICES:

Official: http://themysteryofthebulgarianvoices.com/www/
Facebook: https://www.facebook.com/lemysteredesvoixbulgares/
Bandcamp: https://themysteryofthebulgarianvoices.bandcamp.com/

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