GHOST – Prequelle

GHOST - Prequelle
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9 Gesamtnote

9

Spiel mir das Lied vom Tod, Tobias…

Wer hoch hinauf strebt, kann tief hinabstürzen – wachsender Ruhm bringt auch seine Schattenseiten mit sich. Am schwedischen Rock-Phänomen Ghost scheinen sich seit jeher die (Achtung, Wortspiel) Geister zu scheiden. Das sei doch kein Metal, viel zu poppig, dann noch diese alberne Maskerade – aus der Welt der Freunde harter Musik kam stets einiges an Gegenwind, dennoch haben Ghost es geschafft, sich tief in die Herzen einer treuen und wachsenden Anhängergemeinde zu spielen. Spätestens mit dem Gewinn eines Grammys für das dritte Album Meliora wurde deutlich: Ghost sind auf dem Weg in den Olymp.

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Einen jähen Dämpfer erhielt der frenetische Siegeszug dann im vergangenen Jahr: Gerüchte um radikale Besetzungswechsel machen die Runde und stellen sich als wahr heraus, die Ex-Bandmitglieder verklagen Sänger und Mastermind Tobias Forge, mit der bisher so heiligen Anonymität der Menschen hinter den Masken ist es vorbei. Die Unkenrufe um das Aus der Band ignorierend, kehren Ghost schließlich nach einer kurzen Zeit der Stille zurück: Mit neuen Nameless Ghouls angeführt von Cardinal Copia, dem Nachfolger des Papa Emeritus III, und Studioalbum Nummer 4 im Gepäck, welches da hört auf den Namen Prequelle.

Schaurig-atmosphärisch lädt das Intro Ashes ein, in die wunderlich-groteske Welt von Prequelle zu tauchen. Die erste Single-Auskopplung Rats kommt als Hardrock mit Ohrwurmgarantie daher und liefert zugleich die Thematik, um welche das Gesamtwerk sich drehen wird: Der schwarze Tod, die Vergänglichkeit des Seins, die Verdammnis. Zum Ausgleich der Düsternis ist im bereits veröffentlichten Video (siehe unten) Cardinal Copia in der gekonnten Ausübung bester Thriller-Moves zu bewundern.

Den Spagat zwischen heavy Riffs, eingängigen Melodien und groovigen Refrains meistern Ghost mühelos – die oft genannten Vergleiche zu den großen Rockbands der 70er Jahre finden eindeutig ihre Berechtigung. Stücke wie Faith, See The Light und das discoeske Dance Macabre klingen durchaus nach Ghost, aber nach einem frischen, gewachsenen Ghost. Eine gelungene Überraschung bildet das instrumentale Miasma – wer hätte gedacht, dass ein Saxophon-Solo sich so nahtlos in satanischen Okkult-Rock einschmiegen könnte?

Irgendwo zwischen Melancholie, Dunkelheit, Hardrock und Pop pendeln Ghost vor sich hin. Prequelle klingt anders als seine drei Vorgänger, das Sakrale tritt stärker in den Hintergrund, seiner klaren Durchinszenierung und Hochglanzproduktion in Hollywood zum Trotze scheint Prequelle roher, profaner und ehrlich. Weiterhin nach sich selbst zu klingen, ohne zur Selbstkopie zu werden, sich zu verändern, ohne die Bindung zu den eigenen Wurzeln komplett zu kappen – das ist ein musikalischer Drahtseilakt. Ghost balancieren mit Prequelle leichtfüßig hinüber und lassen es einfach aussehen: Ein Geniestreich.

Prequelle erscheint am 01.06.2018.

Tracklist GHOST – Prequelle
  1. Ashes
  2. Rats
  3. Faith
  4. See The Light
  5. Miasma
  6. Dance Macabre
  7. Pro Memoria
  8. Witch Image
  9. Helvetesfonster
  10. Life Eternal
Ghost - Rats (Official Music Video)

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