AND ONE – Magnet (inkl. Achtung 80 & Propeller) – Trilogie I

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8 Bewertung

8

AND ONE – Magnet (inkl. Achtung 80 & Propeller)

Zumindest in meinen Augen hat Steve Naghavi sein großes Ziel erreicht: er steht lĂ€ngst auf einer Stufe mit Depeche Mode! Das mag zwar nicht ganz auf die musikalischen QualitĂ€ten zutreffen, aber zumindest haben And One einen Ă€hnlichen Status bei mir erlangt: Mal bin ich wirklich schwer begeistert von ihrer Musik, doch ich habe auch durchaus lange Phasen, in denen ich sie einfach nicht mehr hören mag. Nur wenig Wehmut erfĂŒllte mich daher, als Steve Naghavi vor fast 2 Jahren verkĂŒndete, er wĂŒrde And One nach einer weiteren Tour sterben lassen. Wie wir heute wissen, kam es (wieder einmal) anders: die Tour wurde von der Farewell zur Forever-Tour und nun gibt es auch ein neues Album – oder sollte ich sagen drei?! Denn neben Magnet, das ein eher typischer Vertreter der And One Diskografie ist, erscheinen dank verschiedener Albumeditionen zeitgleich zwei weitere Longplayer: Das von EBM-Pop durchflutete Propeller und mit Achtung 80 eine Huldigung an die Achtziger Jahre.

Doch zurĂŒck zu der Frage wie ich heute zu And One stehe
 Ich habe sie in letzter Zeit soweit möglich gemieden und das ein oder andere Mal genervt die Augen verdreht, wenn wieder eine „Neuigkeit“ der Band ĂŒber den Ticker kam, seien es News zum Album, neue Tourdaten oder -absagen oder die Jahr fĂŒr Jahr obligatorischen Festival-Headlineshows. Schauen wir also mal, ob die neuen Veröffentlichungen daran etwas Ă€ndern können



AND ONE – MAGNET

Geschickt beginnen And One jedenfalls auf Magnet erst einmal langsam mit dem ruhigen, fast bedrohlichen Love Needs A Saving Hand, das zunĂ€chst sogar ein wenig an Nick Cave erinnert, bis es langsam einen And One Anstrich erhĂ€lt, allerdings mit Gitarren. Ein wirklich guter Ansatz mich wieder "einzufangen". Synthetischer und nachdenklich geht es mit Zeit ohne Zeit weiter, das musikalisch recht seicht daherkommt und mich trotz des Textes musikalisch eher kalt lĂ€sst. Deutlich besser kommt Love is Always on your Side daher, das zunĂ€chst wie eine EBM-Fassung von Jimi Tenors Take Me Baby, beginnt. Da wir uns aber ja hier nicht auf Propeller befinden, bekommt es im weiteren Verlauf ein poppiges Synthiegewand samt catchy Refrain ĂŒbergestĂŒlpt und wirkt am Ende fast wie ein Kinderlied bei dem es schwerfĂ€llt, den Mitsingreflex zu kontrollieren. Melancholisch wird es bei Unter meiner Uniform und auch das können sie ja eigentlich
 was sie dann auch hier wieder unter Beweis stellen. Zwar besitzt der Song keinen musikalischen Spannungsbogen, doch hat er AtmosphĂ€re und regt vielleicht sogar zum Nachdenken an.

Fast schon im Minimal beheimatet ist danach The Other Side und irgendwie schafft es Steve hier sogar fast wie Peter Murphy von Bauhaus zu klingen. Rhythmisch kommen mir hingegen kurz Joy Division in den Sinn
 gefĂ€llt! Seinen großen Vorbildern eifert Naghavi bei Love Me nach, wĂ€hrend man beim ruhigen Keiner FĂŒhlt’s Wie Wir die elitĂ€re „keiner versteht uns“ Karte ausspielt. Wirklich poppig wird es dafĂŒr bei Everybody Lies At Night, das den Hörer dank treibender Synthie-Rhythmik mitnimmt. Ich mache jedoch einen kurzen Stopp um mir zu ĂŒberlegen woher ich diesen dominanten hohen Sound zwischendurch kenne und lande bei Strangers von den White Lies
 Soundtechnisch weiter zurĂŒck geht Fake Of Pleasure, das mit Achtziger Jahre Sounds einen kleinen Vorgeschmack auf Achtung 80 gibt, wĂ€hrend Dead Love im Anschluss fĂŒr den etwas schwermĂŒtigen Abschluss sorgt.


Tracklist Magnet:

01. Love needs a saving hand
02. Zeit ohne Zeit
03. Love is always on your side
04. Unter meiner Uniform
05. The other side
06. Love me
07. Keiner fĂŒhlt’s wie wir
08. Everbody lies at night
09. Fake of pleasure
10. Dead love


AND ONE – ACHTUNG 80

Auf der Achtziger Jahre inspirierten Achtung 80 CD wird es nun beizeiten ein wenig kitschiger, denn hier darf es auch mal gerne eine weibliche Backing-Stimme sein. Verbunden mit typischen 12"-Sounds wie bei The Fighter ergibt das oft einen leicht schmalzigen Nostalgiesound, der aber trotz Anleihen bei den Pet Shop Boys und Konsorten, vielleicht abgesehen von der an Yazoos Only You oder diverse Boybands erinnernden Schmachtballade Somebody’s Song, stets typisch And One bleibt. Und natĂŒrlich darf dann auch nicht der sexuell-humoristische Aspekt außer Acht gelassen werden, aber dafĂŒr hat man ja Girls On Girls



Tracklist Achtung 80:

01. Let’s get higher
02. My angel
03. She’s triple
04. Somebody’s song
05. Bad girl
06. The fighter
07. Girls on Girls
08. Why don’t you let me go
09. Love trashing Girls
10. Your pet is a ticking bomb!


AND ONE – PROPELLER


Propeller
ist quasi die EBM-Platte des neuen Albums und enthĂ€lt u.a. die neue Live-Mitmach-Hymne An Alle Krieger, bei der die Fans zukĂŒnftig zeigen können, was in ihnen steckt. Propeller bietet zwar sicher nicht durchgĂ€ngig reinen EBM, besitzt aber mit Songs wie U-Boot-Krieg in Ost-Berlin einige Songs, die den Hauch der „guten alten Zeit“ versprĂŒhen und ist insgesamt etwas aggressiver, dĂŒsterer und weniger poppig ausgefallen als Achtung 80 und Magnet. Und wo wir gerade bei der guten alten Zeit sind: Zum Abschluss halten And One noch eine „Hymne“ fĂŒr eine Institution der schwarzen Szene bereit: Ecki Stieg, dem der Titel New Wave Mother gewidmet und damit zugleich verliehen wird.


Tracklist Propeller:

01. Black Generation
02. MĂ€nnermusik
03. Synchronizing bodies
04. An alle Krieger
05. Nyctophiliac
06. 2 Tote
07. Before I go
08. U-Boot-Krieg in Ost-Berlin
09. Up & Down
10. New Wave Mother


DAS FAZIT

Ich kann noch nicht sagen, ob ich dank der neuen Trilogie mein And One Trauma (wieder einmal) ĂŒberwunden habe, aber sie haben definitiv eine ganze Menge Raum gut gemacht. Ob es dafĂŒr reichen wird, sie wieder ins Herz zu schließen, wird wohl erst die Zukunft zeigen. NĂ€chster Test: M’era Luna Festival 2014!

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Geschrieben von
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