Bei bestem Wetter strömen die ersten gut gelaunten Massen Richtung Hockenheimring. Während die Campingplätze noch leise und aufgeräumt sind und man sich das obligatorische Festivalbändchen eingesammelt hat, muss man nur noch die immer freundlichen und gut aufgelegten Securities passieren. Und schon geht es auch los – The rise of Rock ’n‘ heim!
Freitag, den 16.08.2013:
Kaum haben Zebrahead die Bühne verlassen, geht es nach kurzer Umbauphase weiter mit Bonaparte [GALLERY], bei denen der Gesang aufgrund der doch ausgefallenen und interessanten Bühnenshow schon fast in den Hintergrund rückt, was bei nackten, mit Farbe eingesauten Brüsten wohl auch verzeihlich ist.
Ein Auftritt der in Erinnerung bleibt!
Und schon ist es Zeit für den ersten Headliner. Die Ärzte entern die Bühne um dem Publikum in ganzenr 2 Stunden zu zeigen wo der Fun-Punk Hammer hängt. Bekannt und geliebt für ihre schlechten Wortspiele
Die Dänen schafften es das aufgeheizte Publikum noch weiter zu pushen. Wer kein Volbeat-Fan war, der wurde es vermutlich spätestens nach diesem Auftritt. Mit viel Energie und Leidenschaft sprang der Funke schnell über. Die Jungs lieferten mit viel Freude eine tolle Show. Sie begannen ihren Gig mit Goat und verließen die Bühne mit Pool. Doch auch der wohl bekannteste Song Fallen hat selbstverständlich nicht gefehlt und so waren alle sichtlich zufrieden, als der letzte Ton gegen 0:15 Uhr verhallte.
Wer um 1:45 Uhr noch wach war und den Freitag mit Dubstep ausklingen lassen wollte, hatte bei Knife Party hierzu die Gelegenheit. Wer nicht mehr in Feierlaune war, machte sich daran sein Zelt zu suchen oder nochmal einer der Imbissbuden einen Besuch abzustatten. Hierbei muss man wirklich das Handbrot und den original dänischen Hot Dog hervorheben.
Samstag, den 17.08.2013:
Mit wachsendem Publikum wuchs auch der Bekanntheitsgrad der Bands. Biffy Clyro [GALLERY] ist keine Countrysängerin, sondern es handelt sich hier um gestandene Jungs mit mitreißendem Rock.
Während die Luft flirrt, die Bierstände immer mehr geleert werden und die Staubwolke rund um die Evolutionstage wabert, ist es auf der Revolution Stage elektronisch: Oliver Koletzki war der erste Act des Tages – leider wirkte er, als würde ihm zur Zigarette der Morgenkaffee fehlen, aber der Gesichtsausdruck ist ja nicht alles. Die Zuschauer die den Weg zur Bühne gefunden hatten, waren zumindest von der tanzbaren Musik angetan. Nachdem er sein Set durchgespielt hatte, wurde er von Lexy und K-Paul abgelöst. Wer jetzt nicht auf die gespielte Musik von den beiden steht, kann sich zumindest an der Optik der beiden Herren erfreuen
Würde man eine Umfrage machen, welches die wohl unerotischste Band der Geschichte ist, hätten Sie wohl gute Chancen auf Podestplätze – und doch gibt es bei wenigen Bands so viele Frauen die beim Anblick der beiden Herren vergessen, wofür die Oberbekleidung geschaffen wurde. Spätestens jetzt weiß der geneigte Leser: es kann nur um SIE gehen: Tenacious D [GALLERY]! Die Phönixe des Rock ’n‘ Roll machen das, was sie am besten können: Gitarre spielen, singen, albern sein. Das Publikum dankte es mit frenetischen Gefeier und sang lauthals bei Songs wie Rize Of The Fenix oder dem abschließenden Fuck Her Gently mit.
Doch auf der Evolution Stage ging es mit großen Schritten auf den Samstaghöhepunkt zu. Kann man Tenacious D toppen? Nein, das geht nicht – die sind Meister ihres Faches! Aber trotzdem bekommt man noch mehr Bewegung in die Menge. Kaum traten System Of A Down auf die Bühne, steppte der Pogo-Bär. Die 4 Jungs aus Kalifornien wissen einfach wie man die Menge zum pogen und tanzen bekommt. Das die Menge das zu schätzen weiß, war alleine aufgrund der Vielzahl an SOAD-Shirts zu erkennen. Nicht nur musikalisch die Band des Abends, die nicht mit Hits geizte und so wurde das Publikum mit Hits wie dem eröffnenden Aerials, B.Y.O.B., Hypnotize, dem großartigen Chop Suey und der Zugabe Toxicity verwöhnt.
Sonntag, den 18.08.2013:
Die erste musikalische Huldigung an den Wettergott brachten Callejon [GALLERY] dar. Auch wenn besorgte Stimmen äußerten, dass uns eventuell der Himmel auf den Kopf fallen könnte (Wer Sparklingphotos.de regelmäßig verfolgt weiß, dass das Kölner Konzert wegen dem Herabfallen von Teilen der Decke abgebrochen werden musste) brachen die Schleusen noch nicht und man konnte sich trockenen Fußes auf den letzten Tag einstimmen lassen.
Nachdem Awolnation [GALLERY] die Bühne zum Beben gebracht hatten, wurde es bei Kvelertak [GALLERY] schon feuchter – das lag zum einen am langsam einsetzenden Regen,
zum anderen aber auch leider an der durchaus vorhandenen Spuckfreudigkeit des Sängers. Musikalisch müssen wir Kvelertak einfach empfehlen, optisch fällt vor allem das Intro mit der Eule auf, nur empfehlen wir den Zuschauern in der ersten Reihe vielleicht Regenschutz und Desinfektionsmittel einzupacken.Auf der Revolution Stage geht es wieder etwas kleiner zu. Von Susanne Blech [GALLERY] hatte vor Rock ’n‘ Heim wohl kaum einer was gehört – so werden es jetzt doch aber einige Zuschauer mehr sein, die sich für die Band interessieren. Im Anschluss gibt es wieder sauberen Techno von Baauer, der zum Mittanzen anregt, damit die Gelenke und Muskeln dann für Modestep und deren Dubstep geschmeidig genug sind und es keinen Hinderungsgrund mehr gibt um richtig abzufeiern.
Da die Zuschauer vor der Evolution Stage längst warmgefeiert sind, ist es Zeit für Heaven Shall Burn [GALLERY] (ich verkneife mir hiermit weitere
Alternativ stand man auch an der Revolution Stage – denn hier
sind es noch 3 Acts bevor die Bühnen wieder eingeräumt werden und bis
zum nächsten Festival in einer Lagerhalle schlummern. Marteria bieten
deutschen HipHop mit guten Texten und rhythmischen Beats die auch die
letzten müden Beine doch noch zucken lassen und letzte Kraftreserven
wecken. Die Zuschauer konnten nochmal kurz Luftholen bevor Chase &
Status auf die Bühne kommen. Erst mal müssen die Glühbirnen
ausgewechselt werden, damit das C und das S auch in voller Pracht
erstrahlen.
schon fast hinter dem Stimmungsmacher, Anheizer und Sänger übersehen
werden. Das alles tut der guten und abwechslungsreichen Musik aber keinen
Abbruch.
Doch auch das schönste Festival geht einmal zu Ende und so steht für die Evolution Stage bereits die letzte Band an. Dies sind niemand Geringeres als die Nine Inch Nails [GALLERY]. Ich denke niemand auf dem Gelände wird bestreiten, dass die Band um Trent Reznor einen der besten Auftritte, wenn nicht den besten Auftritt des ganzen Festivals hinlegte. Die Show war alleine schon aufgrund der Bühnenpräsenz von Sänger Trent Reznor und dem ausgeklügelten, sich ständig verändernden Bühnenaufbau unglaublich – die Musik tat ihr Übriges dazu. Wer das nicht gesehen hat, der hat wirklich was verpasst. Ein würdiger Abschluss für diese große und großartige Bühne auf der wir tolle Künstler erleben durften.
Feiern können die Rocknheimer – das haben sie von der ersten bis zur letzten Band bewiesen. Und kaum sind die letzten Töne verklungen, geht es zurück in die teilweise schon abgebauten Zelte, denn bei vielen ruft wieder das nüchterne Arbeitsleben – aber immerhin: mit den Erinnerungen lässt sich doch eine Arbeitswoche gut verkraften.
Ein paar kleine Verbesserungen sollte wohl jedes Festival erfahren – das Rock ’n‘ Heim nimmt sich hier nicht aus. Ein Problem war wohl der Staub vor der Hauptbühne, der hat sich zwar dank Zeus am Sonntag gelegt, aber einigen Festivalisten am Freitag und Samstag doch das Leben schwer
Von einigen wurden auch die Wartezeiten und Routen der Shuttlebusse bemängelt wie auch die Anzahl der Duschen (8 je Geschlacht) beim VIP – Camping. Der Punkt, der wohl vielen Fans negativ aufgefallen ist, sich aber sicher in Zukunft nicht wiederholen wird: Statt der angekündigten über 40 Acts konnte nur mit 31 Bands gefeiert werden. Gut, wenn man die Jägermeister-Blaskapelle, die Motorrad-Stuntshow und anderes mitzählt kommt man mit Mühe und Not auf 40, aber sicher nicht in der Form wie sie erwartet wurden. Aber vielleicht werden die fehlenden 9 Acts ja nächstes Jahr mit Zins und Zinseszins wieder zurückgezahlt.
Die Frage die alle zum Start bewegte, können wir jetzt mit unserem Schlussfazit beantworten: Braucht Deutschland noch ein Festival? Nach eingehende Begutachtung sagen wir: Zwar nicht zwingend – aber auf Rock ’n‘ Heim wollen wir auch in Zukunft nicht verzichten. Als größere, aber jüngere Schwester zum Rock im Pott hat Rock ’n‘ Heim seine Daseinsberechtigung bewiesen. Daher ist auch schon der Termin von „The return of Rock ’n‘ Heim“ bekannt gegeben worden: Vom 15. – 17. 08. 2014 rockt auf dem Hockenheimring wieder der Affe!
Bilder des Festivals und der beteiligten Bands befinden sich in unserer Konzertfotos Sektion (Bildkommentare sind dort durch Anklicken der gelben Sprechblase oben rechts möglich) oder direkt durch Anklicken der jeweiligen Gallery-Links bzw. Fotos. Besucherfotos und Impressionen gibt es HIER!
Autorin & Besucherfotos und Impressionen: Sarah Wolff
Bandfotos: Markus Hillgärtner
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