Mari Chrome – Georgy #11811

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9 Bewertung

9

Wer mich kennt, der weiß, dass mich nur recht selten weibliche Gesangsstimmen vom Hocker reißen. Marion Aseema Küchenmeister hat aber zum Beispiel sicher eine der bekanntesten und besten Stimmen der deutschen Electro-/Wavepopszene und so war ich gespannt, was sich seit ihrer Zeit mit Invisible Limits getan hat und wie ihr aktuelles Projekt Mari Chrome klingen wird, das sie 2007 gemeinsam mit Kai Otte gründete. Um es vorweg zu nehmen: Das von John Fryer (Depeche Mode, Nine Inch Nails, Skinny Puppy etc.) produzierte Georgy #11811 weiß durchweg zu überzeugen und wird vermutlich sowohl Fans von The Invisible Limits, als auch neue Musikliebhaber zu begeistern wissen.

Schon der Eröffnungstrack Here I Am spielt die Stärken des Duos aus: Marions glasklare Stimme liegt über düsteren Klangmustern, so dass ein spannender Sound irgendwo zwischen The Cure, The Invisible Limits und Kirlian Camera entsteht, der aber gerne auch mal etwas tanzbarer ausfallen darf. Und über allem liegt dieser gewisse Achtziger Jahre Charme, ohne jedoch angestaubt zu klingen. Treibende Drummaschinesounds gehen eine Symbiose mit den hymnischen Synthieklängen ein und sorgen so für den perfekten Untergrund für den betörenden Gesang. Das wird auch besonders bei The Seeker deutlich, welches bei vielen Junggebliebenen die Erinnerung an ihre Jugend zurückbringen dürfte. Das starke Auftakttrio vervollständigt Toxic, welches zum Glück nichts mit dem Britney Spears Song zu tun hat und an die bedrohlichen Stimmungen von Propaganda erinnert bevor der Song sich im Refrain wieder auf tanzbare Eigenschaften besinnt, an Chumbawambas Timebomb anknüpft und der nächste Ohrwurm das Hörorgan befällt. Sehr wohl eine Coverversion ist hingegen das nachfolgende A Forest, bei dem die weibliche Stimme gepaart mit zusätzlicher Dynamik dem The Cure Track eine interessante neue Facette verleiht und wirklich gelungen ist.

Und auch in der Folgezeit lässt das Album nicht wirklich nach, beschert uns mit Nie Wieder eine deutsche Ballade, bei Come Closer eine schöne Wavegitarre und lässt bei Welcome Home Erinnerungen an bessere Depeche Mode Zeiten aufkeimen und den Song dann durch ein tolles Break in der zweiten Hälfte durchbrechen. Das zweite Cover des Albums ist zunächst allerdings etwas gewöhnungsbedürftig, denn New Orders Blue Monday wirkt mit Frauenstimme und verschlepptem Rhythmus ganz anders als das Original, zumal der Stimme hier eine übergeordnete Position zufällt, bei New Order aber noch etwas der treibenden Musik nachstand. Das klingt interessant, kommt jedoch nicht ans Original heran. Running Wild ist dagegen wieder ein typischer Mari Chrome Song, wenn es so was denn überhaupt gibt. Denn gerade die innere Geschlossenheit bei trotzdem deutlich vorhandener Abwechslung überzeugt auf Georgy #11811. Eine schön aufgebaute Strophe und ein eingängiger Chorus laden zum Mitsingen ein. Und dass sich Mari Chrome nicht irgendwo im Niemandsland der Szene verstecken wollen, machen sie indirekt beim letzten Track Come With Me deutlich, dessen Text mit Ausdrücken wie „Hero“, „Leader“ und Co nur so vor Selbstbewusstsein strotzt und in dem sie uns aus allem Elend herausführen und zurück nach Hause bringen.

Garniert wird die Veröffentlichung durch eine Fulltime-Remix-CD. Solche Remix-CDs sind ja oft Geschmackssache und mir persönlich ist es im Normalfall wichtiger zu hören, wie sich der Künstler selbst seinen Song vorgestellt hat. Trotzdem kann es auch durchaus spannend sein, neue Nuancen der Songs durch die Hand anderer Künstler aufgezeigt zu bekommen. Die meisten Versionen der Georgy #11811 Bonus-CD orientieren sich zunächst einmal an den jeweiligen Albumtracks, geben ihnen aber jeweils eine persönliche Note mit. Das geht wie bei Implants Remix von Come with Me dann auch schon einmal fast in industrielle Gefilde oder es werden hier und da ein paar zusätzliche Effekte addiert. So branden Gitarrenklänge auf oder die Dynamik des Songs wechselt, zum Teil ändert sich aber auch mal nicht allzu viel an der Grundwirkung der jeweiligen Tracks. Wirklich gut gelungen sind hier zum Beispiel die Versionen von Invisible Limits (Here I Am), die Mari Chrome Alternate Version des gleichen Tracks oder Per-Anders Kurenbachs Interpretation von Toxic, doch auch Psy’Aviah oder Cynical Existence haben ganze Arbeit geleistet.

Alles in allem ist die Bonus-CD somit eine schöne Dreingabe, hätte aber eigentlich gar nicht unbedingt sein müssen, denn der eigentliche Tonträger Georgy #11811 spricht für sich und wird sicher seine Freunde bei Fans gut gemachter Electro-/Wavepopsounds finden. Verdient wäre es allemal!


Tracklist CD1:

01. Here I Am
02. The Seeker
03. Toxic
04. A Forest (The Cure Cover)
05. Without You
06. Nie Wieder
07. Come Closer
08. Welcome Home
09. Blue Monday (New Order Cover)
10. Running Wild
11. Come With Me


Tracklist CD2:

01. Come With Me (Implant Remix)
02. Here I Am (Invisible Limits Remix)
03. Running Wild (Neikkarpm Remix)
04. Toxic (Remixed By Per-Anders Kurenbach)
05. Here I Am (Psy’aviah Remix)
06. Running Wild (De Tot Cor Remix)
07. Toxic (Cynical Existence Remix)
08. Here I Am (Jesus On Extasy Remix)
09. Running Wild (Alternate By Mari Chrome)
10. Toxic (Neckbreaker Remix By DJ Coloma)
11. Here I Am (Alternate By Mari Chrome)
12. Toxic (Blue Sky Alive Remix)
13. Here I Am (Beati Mortui Mix)
14. Come With Me (Remix By Blister 13.0 Aka Jt Lethargy)

Autor: Michael Gamon

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