Interview : THE OTHER (Rod Usher)

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Seit gut dreizig Jahren spricht man dank einer Band wie The Misfits von Horrorpunk und die Kombination aus dĂŒster-harten Songs und einer AfinitĂ€t zum Horrorgenre hat sich seither als echter Spaßgarant erwiesen. Gerade live kommen solche Auftritte richtig gut und mittlerweile haben sich die seit zehn Jahren bestehenden The Other aus Nordrhein-Westfalen die Speerspitze des Genres erkĂ€mpft, die sie mit starken Songs und noch begeisternden Gigs erfolgreich zu verteidigen wissen. Passend zum JubilĂ€um gibt es ein neues Album, einen neuen Comic und eine Tour. Also gleich drei gute GrĂŒnde, sich mit Frontmann Rod ĂŒber die Entwicklungen der letzten Monate zu unterhalten.

Wenn man The Other mit wenigen Worten beschreiben mĂŒsste, wie wĂŒrde das dann aussehen?

Eine Punk-Rock Band mit harten Riffs, OhrwĂŒrmern, dĂŒsterer AtmosphĂ€re und unheimlichem Aussehen.


Wie seid ihr zur Musik gekommen? Gab es eine Band oder ein SchlĂŒsselerlebnis, nach dem ihr dachtet: „Ok, das möchten wir auch machen?“

Bei mir war es KISS. Die erste Band, die ich je gehört habe und die mich direkt umgehauen hat. Musik, Image, Artworks, Merchandise, da passte einfach alles. Seit ich neun bin, wollte ich so sein
 Wir haben dann alle lange in verschiedenen Bands gespielt, bis wir uns zusammen getan haben, um erstmal nur Misfits-Coversongs zu spielen. Und dann wurde es ernst und es kamen eigene Songs dazu



Eure Texte sind genrebedingt zum Teil recht morbide und bildlich. Wie viel Autobiographie steckt aber in euren Songs?

Zugegeben, immer mehr. Die klar von Filmen beeinflussten Songs stehen natĂŒrlich fĂŒr sich und thematisieren generelle gesellschaftliche oder politische Themen. Aber seit dem zweiten Album sind es auch immer mehr persönliche Erfahrungen und Emotionen, sei es ein Song ĂŒber meine Vorliebe fĂŒr Gothic-Girls („Menage a Mort“) oder auf der neuen Scheibe ĂŒber Trennung („Puppet on a String“), neue Liebe („In my Veins“) oder Tod („Ewigkeit“).
04. Dieser Tage erscheint wie von dir gerade schon erwĂ€hnt mit „The Devils You Know“ euer fĂŒnftes Album und ihr prĂ€sentiert bereits euren dritten Bassisten. Andy Only und Migore Drake blieben jeweils fĂŒr knapp 4 Jahre im BandgefĂŒge, dĂŒrfen wir uns an Viktor Sharp voraussichtlich lĂ€nger erfreuen oder schwebt eine Art „4-Jahres-Bassistenfluch“ ĂŒber The Other? 😉

Wir sind wohl die Spinal Tap des Horrorpunks, oder? Mal im Ernst, ich hoffe –und bin mir eigentlich sicher – dass Vik lĂ€nger dabei ist. Er passt perfekt zu uns und ist beruflich und persönlich so gefestigt, dass sein Leben nicht plötzlich so anders lĂ€uft, dass er keine Zeit mehr fĂŒr The Other hat. Somit ist er jetzt lebenslĂ€nglich dabei!


Viktor stieß ja rechtzeitig zu den Aufnahmen zu Band und war somit bereits bei der Entstehung von „The Devils You Know“ dabei. Welchen Einfluss hatte er auf das neue Werk?

Viktors Ideen waren die Ausgangsbasis fĂŒr eine ziemliche Menge an Songs und es hat uns mit seinem Enthusiasmus und seinem musikalischen Können extrem weiter gebracht. Nach vier Alben lĂ€uft man Gefahr, sich zu wiederholen und uninspiriert zu sein, doch unter anderem durch ihn haben wir diese Gefahr im Keim ersticken können. Aber es sind nicht nur Songideen, die er geliefert hat, sondern auch Gedanken zum Arrangement. Er ist eben jemand, der auf Details aller Instrumente achtet, nicht nur seines eigenen. Und menschlich hat Vik auch frischen Wind mit rein gebracht, denn er ist echt ein witziger, liebenswerter Typ, der schon jetzt so fest in der Band verwurzelt ist, als hĂ€tte es ihn immer bei uns gegeben!


Bei „Phantom Of The Opera“ spielt ihr ein wenig mit dem Musical-Thema, ohne den Song aber zu covern. Welchen Song eines anderen KĂŒnstlers wĂŒrdet ihr euch gerne mal vornehmen und warum?

Wir haben bereits StĂŒcke von Misfits, Johnny Cash, The Damned und Bad Religion gecovert. Ich wĂŒrde sehr gerne noch „Sick of you“ von GWAR, „God of Thunder“ oder „War Machine“ von KISS, „Only Women Bleed“ von Alice Cooper und „I wanna be somebody“ von W.A.S.P. dazu nehmen. Gerade Songs, die im Original ein anderer Stil sind, werden ja beim Covern interessant und irgendwie mehr zu „eigenen“ Songs.


Das aktuelle Album ist sehr abwechslungsreich ausgefallen und schaut zum Teil nicht nur ein bisschen ĂŒber den Horrorpunk-Tellerrand hinaus. War dies eure Intention oder hat sich das wĂ€hrend der Aufnahmen automatisch ergeben?

Die, die das neue Album gehört haben, finden in der Tat viele neue Seiten an unserem Sound wir dagegen sind uns dessen wirklich nicht bewusst gewesen, als wir die StĂŒcke geschrieben haben. Wir wollten einfach einige Dinge, die uns auf „New Blood“ gefallen haben, ausbauen. Ein StĂŒck wie „Lovesick Mind“ vom letzten Album ist somit dann ein Wegbereiter fĂŒr „Puppet on a String“ geworden. Ein ganz natĂŒrlicher Verlauf, der uns nicht ungewöhnlich vorkommt. Die wichtigsten Neuerungen sind vielleicht: Mehr Vocal-Harmonien, hier und da ein paar Keyboards und mehr Dynamik in allen Songs. Aber es sind genĂŒgend StĂŒcke drauf, die auch auf den VorgĂ€ngeralben nicht ungewöhnlich geklungen hĂ€tten
 Und Horrorpunk als Genrebegriff ist vielfĂ€ltig genug, um auch etwas VerĂ€nderung zu ertragen!


Parallel zur Albumveröffentlichung wird es auch einen neuen Comic von The Other geben der den Namen „The Other – Der Fluch des Kultes“ trĂ€gt und quasi die Fortsetzung des vor fĂŒnf Jahren erschienenen „Tales From The Other“ ist. Herausgegeben wird dieser von der Firma Panini, die vielen vor allem durch ihre Fußballstickeralben bekannt ist. Wie kam der Kontakt zu Panini zustande und worum geht’s im neuen Buch?

Panini macht ja nicht nur Stickeralben, sondern ist der grĂ¶ĂŸte Comic-Vertrieb in Deutschland und veröffentlich die deutschen Versionen von Marvel- und DC-Comics, Simpsons, Star Wars, etc. Daher ist es eine Riesen-Ehre, bei Panini zu sein. Der Kontakt war eigentlich einfach. Ich kenne einen Mitarbeiter von Panini, der The Other mag. Und schon ĂŒberlegten wir, gemeinsam zu arbeiten


In unserem ersten Comic von 2007 wurde ja bereits die Entstehungsgeschichte von The Other geschrieben, diesmal geht es um das erste „Abenteuer“. The Other setzen ihren teuflischen Plan, die Erde zu erobern, als bekannte Band um, werden aber plötzlich von einer Art Sekte angegriffen, die ebenfalls nach der Weltherrschaft strebt und dabei ein Bandmitglied tötet. NatĂŒrlich wird die Geschichte seines Nachfolgers erzĂ€hlt. Zudem wird es ein Wendeposter geben, ein Vorwort von Horror-Ikone Jörg Buttgereit und natĂŒrlich Infos ĂŒber unseren renommierten Zeichner Schwarwel.


Dr. Caligari möchte euch zu absoluten Rock-Topstars machen. Ist das ein echter Traum von euch oder genießt ihr euren Undergroundheldenstatus?

Wer will nicht seine Miete durch sein Hobby bezahlen? Wir lieben Musik und wĂŒrden sehr gerne nichts anderes machen. Aber verbiegen wĂŒrden wir uns dafĂŒr nicht. Wir spielen, was wir mögen und nicht, was angesagt ist!


Wo seht ihr euch in 5 Jahren?

DarĂŒber machen wir uns keine Gedanken, wir denken von Spiel zu Spiel, wie Lucien Favre immer sagt. Eine paar Dinge wollen wir aber noch erreichen: Eine Tour mit KISS beispielsweise oder eine weitere Tour durch die USA. Ansonsten hoffe ich einfach, dass es die Band in fĂŒnf Jahren noch gibt.


ZurĂŒck zum Heute und zur letzten Frage: Passend zu neuem Album und Comic geht ihr auch auf Tour, allerdings erst im Oktober 2012. Zuvor stehen aber Festivalauftritte beim Rockharz und Amphi Festival an. Auf was darf man sich bei diesen beiden Gigs vor allem freuen?

Vor allem darauf, dass wir die neuen Songs erstmals prĂ€sentieren. Auf Festivals ist man ja etwas eingeschrĂ€nkt, was Show-LĂ€nge und Specials angeht, so dass es dort eher um die StĂŒcke geht. Klassiker und neue Hits
ich hoffe wir können damit die Leute packen!


Vielen Dank fĂŒr das Interview, wir sehen uns in Köln 😉

Dank dir und alles Gute… hat mich gefreut!!!


Das Interview mit Rod Usher fĂŒhrte Michael Gamon im Juni/Juli 2012.

Promofoto The Other: (c) Stefan Heilemann // www.heilemania.de
Promofoto Comic: (c) Tommy Schwarwel // www.schwarwel.de

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