Marilyn Manson – Born Villain

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8 Bewertung

8

Schleppend geht es auf Marilyn Mansons neuestem Werk „Born Villain“ los, bevor er uns mit „Hey , Cruel World“ begrüßt und wenig später die Gitarren lospreschen. Der Song überzeugt durch wechselnde Dynamik und eine gewisse Punkattitüde, die Mr. Manson ganz gut zu Gesicht steht. Aber auch seine Vorliebe zu alten Düsterrockhelden scheint schon jetzt durch. Es folgt die vorab ausgekoppelte Single „No Reflection“, bei der all seine Stärken voll ausgespielt werden. Eine interessante Strophe und ein Refrain, der sich sofort in den Gehörgängen festsetzt sind unverkennbare Zutaten eines Hits. Wie kaum ein Zweiter produziert Manson rockige Ohrwürmer, auch wenn man sagen muss, dass er auch dieses Mal, ganz wie auf dem Vorgänger „The High End Of Low“, mehr konzeptorientiert vorgeht und nicht auf den Next Big Hit abzielt. Vielmehr spiegeln gerade die nun folgenden Tracks „Pistol Whipped“ und „Overneath The Path Of Misery“, sowie später noch „Lay Down Your Goddamn Arms“ genau das wieder, was er vorab schon hatte verlauten lassen, nämlich, dass sich „Born Villain“ von seinen Vorgängern unterscheiden wird, weil es sich stark an Bands wie Killing Joke, Bauhaus oder Birthday Party orientiert, die er vor seiner eigenen Karriere gehört hat und die ihn quasi erst zum Musikmachen bewogen haben.

Alles auf „Born Villain“ klingt ehrlich und im weiteren Verlauf des Albums ein ums andere Mal sogar ordentlich rau. Mal übernehmen dröhnende Gitarren wie bei „Murderers Are Getting Prettier Every Day“ das Zepter, doch an anderen Stellen wird den Songs dann auch wieder viel Luft zum Atmen gegeben und getragene Klänge vermitteln eine ganz andere Form der Schwere. Bestes Beispiel dafür ist „Children Of Cain“, das vor allem textlich zu überzeugen weiß. Dort geht es mal wieder grob gesagt um das von Manson stark favorisierte Thema der religiösen Moral und ihren Auswirkungen auf unser heutiges Leben. Und dass da bei ihm lyrisch Einiges dahinter steckt merkt man an geschickten Wortspielen wie „And to die was a Bardot Bridge(t), we never thought we’d cross“, die er immer wieder in seine Text mit einfließen lässt. Und auch auf eine Ballade muss man natürlich nicht verzichten, die in Gestalt von „Breaking The Same Old Ground“ auch wirklich ansprechend ausgefallen ist und am Ende des regulären Albums auch Resümee Charakter besitzt.

Als Bonustrack lag uns zudem noch das Carly Simon Cover „You’re So Vain“ vor, dass Marilyn Manson mit niemand Geringerem als Schauspieler und Teilzeitrockstar Johnny Depp aufgenommen hat. Es besitzt unverkennbar den Charme der Siebziger Jahre, hat dank der rockigen Gitarren aber trotzdem nur noch bedingt etwas mit dem Original gemeinsam. Sicher nicht unbedingt seine beste oder gar spektakulärste Coverversion, aber vielleicht passt sie gerade deswegen so gut auf „Born Villain“.

„Born Villain“ ist sehr abwechslungsreich ausgefallen und zeigt Marilyn Manson von einer leicht veränderten Seite. Endlich mal wieder nimmt er keinerlei Rücksicht auf das von ihm Erwartete, sondern zieht hier sein Ding einfach durch. Bis auf das vorweg ausgekoppelte „No Reflection“ dürften es die Songs schwer haben zu charten, aber über diesen Anspruch dürfte Manson sowieso längst hinaus sein und das ist auch gut so. Nicht jedem wird „Born Villain“ gefallen, aber endlich polarisiert der einst als musikalischer Antichrist gehandelte Künstler wieder, ist laut und verschafft sich Gehör.

Tracklist:
01. Hey Cruel World…
02. No Reflection
03. Pistol Whipped
04. Overneath The Path Of Misery
05. Slo Mo Tion
06. The Gardener
07. The Flowers Of Evil
08. Children Of Cain
09. Disengaged
10. Lay Down Your Goddamn Arms
11. Murderers Are Getting Prettier Every Day
12. Born Villain
13. Breaking The Same Old Ground
14. You’re So Vain (Carly Simon cover feat. Johnny Depp) – Bonustrack

Autor: Michael Gamon

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