BILLY BRAGG & ANAIS MITCHELL – Bochum, Zeche (22.05.2012)

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Bevor der englische Singer/Songwriter Billy Bragg in der nahezu ausverkauften Zeche Bochum die BĂŒhne erklomm, trug als Vor“band“ die mir bis dahin gĂ€nzlich unbekannte SĂ€ngerin Anais Mitchell einige ihrer Lieder vor. Und dies im gleichen Stil wie der Headliner: Nur mit der Gitarre ausgerĂŒstet und sich selbst begleitend sang die ein wenig verschĂŒchtert wirkende amerikanische SĂ€ngerin Folksongs ĂŒber Gott und die Welt, die vom Publikum mit freundlichem Applaus angenommen wurden.

Im Anschluss daran betrat Billy Bragg die BĂŒhne und zeigte das, was ihn seit ca. 30 Jahren ausmacht: Eingebettet von Anekdoten und politisch motivierten Aufrufen, die mitunter lĂ€nger andauerten als die darauf folgenden Songs selbst, spielte er neben altbekannten Hymnen, wie zum Beispiel „Greetings to the new brunette“, „There is power in a union“ oder das wunderbare „The milkman of human kindness“ auch Interpretationen von Liedern seines großen Idols Woody Guthrie sowie einige Songs neueren Datums.

Bemerkenswert war, wie er es trotz mittlerweile leicht ergrautem Haar schaffte, das Publikum nicht nur mit seinen Liedern, sondern vor allem mit dem ihm eigenen trockenem Humor vorgetragenen Geschichten aus seinem Leben zu unterhalten und zu faszinieren. Wenn er zum Beispiel von seinen Versuchen erzĂ€hlte, eine deutsche Unterhose kĂ€uflich zu erwerben oder von Erlebnissen bei einer Weihnachtsfeier bei Morrissey berichtete, hatte er die Lacher auf seiner Seite. Ein weiteres Highlight waren seine Jubelorgien – als EnglĂ€nder – ĂŒber den Sieg des FC Chelsea ĂŒber Bayern MĂŒnchen in der Champions League mit dem letzten verschossenen Elfmeter von Schweinsteiger, die er mit einer gehörigen Portion Schadensfreude vortrug.

Zwar haben sich die Feindbilder des „real denkenden Kommunisten“ ĂŒber die Jahre gewandelt, jedoch versteht er es immer noch als seine Hauptaufgabe, sein Publikum an seinen weltanschaulichen Bedenken und Überzeugungen teilhaben zu lassen. So stellt er eindringlich Zynismus in der Gesellschaft, den er als GrundĂŒbel ausmacht und uns gleichgĂŒltig gegen die Machenschaften im Bank- und Wirtschaftswesen werden lĂ€sst, an den Pranger oder warnt vor den Gefahren des Internets vor allem fĂŒr jĂŒngere Nutzer. Trotz allen Ernstes dieser Aufrufe ĂŒberwiegte jedoch der Spaß bei seinem Konzert, da Billy Bragg es immer wieder schaffte, auch ernste Themen mit einem Augenzwinkern vorzutragen.

Musikalisch besonders hervorzuheben war das zum Abschluss des Hauptteils gespielte „Waiting for the great leap forward“, in dem er den ursprĂŒnglichen Text aktualisierte und Themen, wie die Wirtschaftkrise, Internetgefahren und das Champions League-Finale mĂŒhelos einbettete sowie – natĂŒrlich – dass als letzte Zugabe vorgetragene bravouröse „A new England“, dessen Refrain ausschließlich vom grĂ¶ĂŸtenteils ebenfalls mittlerweile in die Jahre gekommenen Publikum gesungen werden musste.

Ein sehr gelungener Abend, der sichtlich auch dem Protagonisten viel Spaß bereitete, ging so zu Ende und hinterließ ein begeistertes und vielleicht auch teilweise gelĂ€utertes Publikum.

Setlist:
01. The World Turned Upside Down
02. To Have and To Have Not
03. Red To Blue
04. Greetings to the New Brunette
05. Tomorrow’s Going To Be A Better Day
06. All You Fascists Are Bound to Lose
07. Sexuality
08. The Space Race Is Over
09. Must I Paint You a Picture?
10. Brickbat
11. Milkman Of Human Kindness
12. There Is Power In A Union
13. Waiting for the Great Leap Forwards
14. Tank Park Salute (Z)
15. Levi Stubbs Tears (Z)
16. A New England (Z)

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Konzertfotos Sektion (Bildkommentare sind durch Anklicken der Sprechblase möglich) oder direkt durch Anklicken der jeweiligen Bandfotos.

Billy Bragg:

Anais Mitchell:




Autor: Frank Uhlen
Fotos: Michael Gamon

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